Verhältnis zum modernen Sensualismus. 215 oberste Instanz, die auch die Grundbegriffe der Physik. aufzuklären und verständlich zu machen hat. Telesios Lehre schreitet in ent- gegengesetztem Sinne fort; sie sucht von einem bestimmten: Grund- dogma der Physik den Uebergang zur Physiologie, die ihr mit der Psychologie zusammenfällt. Die Dinge sind das Selbstverständ- liche und Gegebene, die Empfindung und das Bewusstsein nur ein Teilproblem innerhalb der Welt der Gegenstände. Wie es mög- lich ist, dass die starren und fertigen Objekte sich in den Fluss und Prozess des Bewusstseins wandeln — diese Frage wird nicht aufgeworfen. Der Vorgang der Erkenntnis wird durchaus als ein Uebergang von Ding zu Ding gefasst und beschrieben. Deut- lich tritt dies vor allem in der Theorie des Sehens hervor, die man etwa mit Berkeleys späterer Lehre vergleichen muss, um sich den Abstand vom philosophischen Sensualismus anschau- lich zu machen. Dass die äusseren Dinge in ihrer mannigfachen Gestaltung und Färbung sich in uns abbilden, dass der Geist sie in entsprechenden zugehörigen Bewegungen enthält und wieder- vibt, gilt nur dadurch als möglich, dass ein besonderes körper- liches Medium zwischen beiden besteht. Das Licht, das die Gegenstände umspielt und durchdringt, nimmt alle ihre Eigen- schaften und Formen in sich auf, um sie der seelischen Substanz zu überliefern. Indem es von den verschiedenen Objekten eine Aenderung seines Bewegungszustandes erfährt, bekleidet es sich gleichsam mit all ihren Qualitäten und Beschaffenheiten und vermag danach weiterhin auch die Bewegung das Geistes mannig- fach und wechselnd zu bestimmen. Hierbei sind es nicht nur die Dinge selbst, sondern zugleich ihre vielfältigen Beziehun- gen, die sich auf diese Weise abbilden: wir „sehen“ unmittelbar nicht nur Helligkeiten und Farben, sondern auch den Zwischen- raum zwischen den Objekten und stellen danach ihre Lage: und Ordnung vor. Alle diese Bestimmungen gehen ohne weiteres in „Affektionen“ des Lichtes über, um sich weiterhin in solche .des Geistes zu verwandeln.) Die psychologische Ansicht, die hier ent- wickelt wird, hat ihre metaphysische Fortbildung in Patrizzis Philosophie gefunden: hier erscheint das Licht, da es notwendig an: den Körpern: haftet,; anderseits aber seiner Wesenheit nach dem Körperlichen entrückt ist, als ein „Mittleres“ zwischen Materie And Immateriellem., zwischen Stofflichem und :Göttlichem.*%