Die Verwandlung des Ich in die Dinge. 91% nach. Ueber einer Naturbetrachtung, die sich auf die Prinzipien des Telesio stützt und die sich durchgehend auf Erfahrung und Beobachtung beruft, erhebt sich eine Metaphysik, die in ihrem Bau und in ibrer inneren Gliederung noch völlig an Thomas von Aquino erinnert. Alle diese Widersprüche der Welt- und Lebensanschauung finden ihren Ausdruck und Reflex in seiner Theorie des Erkennens, in der auf der einen Seite das Bewusst - sein den Dingen als ihr Ergebnis untergeordnet wird, während es andrerseits, in einem neuen Ansatz, als der Ausgangspunki und das Fundament aller Gewissheit erwiesen wird. — Gerade hierin besteht die eigentümliche Leistung Campa- nellas: dass er die Prinzipien, die die Naturphilosophie für die Auffassung der Erkenntnis geschaffen hatte, bis in ihre letzten und radikalsten Folgerungen weiterführt, dass er sie damit indes unvermerkt bis zu einem Punkte leitet, an dem sie sich in sich selber auflösen und aufheben müssen. Der Geist kann die äussere Welt nur dadurch gewahr werden, dass er sich in sie verwandeli und ihr Sein in sich selber wiederholt. Soll das Ich die Mannig- faltigkeit der Dinge begreifen, so muss es sich selber in ihre Ver- schiedenheit umsetzen: „cognoscere est fieri rem cognitam“. Zwar kann die „Form“ des erkannten Objekts — und dies ist eine Einschränkung, die Campanella an der Aristotelischen, wie an der Telesischen Ansicht versucht — nicht unmittelbar in das Bewusst- sein übergehen: denn hieraus würde folgen, dass das Objekt, wie das Subjekt im Process des Erkennens seines eigenen Wesens ver- lustig ginge. Der Geist wäre unier dieser Voraussetzung unfähig, solange er mit einem Inhalt beschäftigt und in ihn gleichsam auf- gegangen wäre, einen andersartigen Inhalt aufzunehmen und auf den ersten vergleichend zu beziehen. An die Stelle des gänzlichen Uebergangs der Form tritt lediglich die Bestimmtheit durch sie; bei der das Ich eine Wandlung erfährt, die nur seinen äusse- ren Zustand, nicht seine Wesenheit berührt. Der Begriff der „in- formatio“ wird auf diese Weise durch den der „immutatio“ er- gänzt.und ersetzt, wobei jedoch als gemeinsames Moment festge- halten wird, dass alle Erkenntnis ein „Leiden“ von dem ein- dringenden äusseren Gegenstande in sich schliesst. Dieser braucht indes nur mit irgend einer vereinzelten. und besonderen Beschaf- fenheit auf uns einzuwirken, um vermöge des Schlusses der Aehn-