Die Naturphilosophie. — Campanella. den fundamentalen Urteilen und Beziehungen, die den Prozess der Erfahrung beherrschen und leiten. Von Gesetzen und Re- lationen wird ausgegangen, denen zunächst, wie den reinen nathematischen Gebilden, kein einzelnes empirisches Abbild un- mittelbar entspricht. Wenn sodann die Forderung einer kon- kreteren Bestimmung sich einstellt, so kann ihr nicht anders ge- aügt werden, als dadurch, dass wiederum eine neue Beziehung antdeckt wird, die die vorhergehende ergänzt und sich mit ihr Jurchdringt. Immer aber erscheint hier der besondere Fall, der betrachtet wird, nur als der Schnittpunkt, in dem die Linien mehrerer Gesetze sich treffen: immer erscheint hier das Allge- meine als das Mittel und das ewig fruchtbare Motiv, das uns das Einzelne entdecken lehrt. Einzig auf diesem Wege begreifen wir das Erkennen in der Tat als fortschreitenden Akt der Be- stimmung, während es unter dem Bilde der „Abstraktion“ um- gekehrt als wachsende Unbestimmtheit erscheint. Campanella aat sich diese Lösung verschlossen, weil er von einem anderen Begriff der Erfahrung, als dem der neuen Wissenschaft, aus- geht. Ihm ist die Induktion, die auch der Grund der univer- sellen Axiome und Prinzipien sein will, nichts anders als eine blosse Sammlung und Häufung der Einzelbeobachtungen: „experi- mentorum multorum coacervatio.“ Mit diesem einen Worte scheidet er sich von Galileis Ideal der Erfahrung. Wie dieser liebt er es zu wiederholen, dass die Philosophie einzig und allein ım Buche der Natur, das vor unser aller Augen offen liegt, ge- schrieben sei: aber die Buchstaben, mit deren Hilfe wir es ent- rätseln sollen, sind ihm nicht die „Linien, Dreiecke und Kreise“, sondern die subjektiven Qualitäten und Wahrnehmungen der einzelnen Sinne. Von diesem Standpunkte aus aber können die skeptischen Einwände, die er selbst sich entgegenhält, in der Tat nicht grundsätzlich gehoben werden: sie liegen auf dem Grunde seines Begriffes der Erkenntnis und sind in ihm bereits vorgebildet. Aber eben dadurch sind sie mehr als ein blosses rhetorisches Beiwerk seiner Metaphysik, wofür man sie zunächst halten könnte; — sie enthalten zugleich eine Selbstbesinnung, die zu neuen Fragen hinüberleitet. — Denn jetzt droht nicht nur der Gegenstand, sondern selbst das. Subjekt der Erkenntnis seiner Wahrheit und Wesenheit verlustig