Die skeptische Kritik der Erkenntnis. 225 zu gehen. Im Akt des Erkennens wird das Ich sich selber ent- fremdet; — es verliert sein eigenes Sein, um ein fremdes dafür einzutauschen. Die Dinge „begreifen“ heisst von ihnen ergriffen werden und in sie untergehen. So gibt es keine Schranke mehr. die das Wissen vom — Wahnsinn scheidet: „scire est alienari, alienari est insanire et perdere proprium esse et acquirere alienum: ergo non est sapere res, prout sunt, sed fieri res et alienatio. Sed alienatio est furor et insania, tunc enim insanit homo, cum in aliud esse convertitur“.®0°) Vor dieser äussersten Paradoxie, die dennoch, wie man erkennen muss, aus der ein- mal eingeschlagenen Richtung des Gedankens notwendig folgt, macht die Betrachtung Halt. Zwei verschiedene Wege der Lösung sind es, auf die wir nunmehr verwiesen werden, indem das eine Mal der Begriff des Seins, das andere Mal der des Subjekts, indem also auf der einen Seite die Metaphysik, auf der andern die Psychologie eine neue Bestimmung erfährt. Das Ich und sein Gegenstand sind keine einander fremden Potenzen, sofern sie beide aus ein und demselben absoluten Urgrund der Dinge her- vorgegangen sind und auf ihn zurückdeuten. Wir erinnern uns, wie gerade die Einordnung des Ich in den gesetzlichen Zu- sammenhang der Allnatur den Keim und Antrieb zur modernen Skepsis in sich barg: denn wie vermöchte der Teil das Ganze, dem er selbst ursächlich unterworfen ist, begrifflich zu be- herrschen? (S. ob. S 166 f.) Campanella wiederholt diese Frage;®') aber ihm ist in der metaphysischen Grundansicht, von der er ausgeht, die Antwort bereits implicit gegeben. Die Verwandlung des Ich in die Dinge ist nur scheinbar ein Abfall von seiner eigenen Natur: sofern alle Objekte Teile und OÖffenbarungen der Gottheit sind, in letzter Instanz somit zu dem wahren Quell des Selbst zurückführen. So tritt die spekulative Theologie in die Lücke ein, die die Logik nicht zu schliessen vermochte, Das Einzelwesen besitzt nur insofern Bestand und Halt, als es die ursprünglichen Bestimmungen des absoluten Seins, als es die drei „Primalitäten“ der Macht, Weisheit und Liebe in sich enthält und je nach dem Maasse seiner Vollkommenheit teilt. Die Ausführung, die Campanella diesem Gedanken gibt, verknüpfi in: eigentümlicher Mischung die neuen naturphilosophischen Prinzipien mit der metaphysischen Psychologie der Liebe, wie RR