228 Die Naturphilosophie. — Campanella, und damit äusserlich unter ein gemeinsames Schema zusammen- gefasst. Die Thomistische Metaphysik Campanellas aber vermag bei dieser Auffassung nicht stehen zu bleiben, sondern sucht zu- gleich in dem Reich der „Ideen“ eine höhere Gewähr und Recht- fertigung der Gattungsbegriffe. Die Gemeinsamkeiten, die wir in der Vergleichung der Empfindungen entdecken, weisen auf ur- sprüngliche Einheiten im göttlichen Verstande zurück und finden in ihnen ihr Correlat und ihre Bestätigung.®) Der Geist vermag das All zu begreifen, sofern er selbst an diesen schöpfe- rischen Urbildern, aus denen es erzeugt wurde, Teil hat.) Der Platonismus, den Campanella in diesen Sätzen bekennt, trägt {reilich selbst noch durchaus die Züge der mittelalterlichen Auf- fassung: aber es ist interessant zu beobachten, wie er selbst in dieser Verkleidung wiederum zum logischen Sinn der Ideenlehre hin- leitet. Die äusseren Dinge sind nur die Gelegenheitsursachen des Wissens, dessen wahrer causaler Grund jedoch in der eigenen Erkenntniskraft des Geistes zu suchen ist. Die Objekte machen den Menschen nicht weise noch bestimmen sie sein Wollen und Handeln; sie bezeichnen nur eine Richtung und eine „Spezifi- kation“, die das Denk- und Willensvermögen in uns erfährt. ®) Die Wahrnehmung selber ist nicht lediglich als ein Leiden, sondern zugleich als ein Tun zu denken, da sie eine logische Operation und einen Urteilsakt einschliesst, der uns nur wegen der Schnelligkeit, mit der er von Statten geht, nicht gesondert zum Bewusstsein kommt. Die receptive Erfassung eines Inhalts ist von seiner „diskursiven“ Betrachtung nicht zu trennen. 6%) Wenn Campanella die Einheit der Grundlegung dadurch zu retten sucht, dass er diese Tätigkeit des Verstandes selbst unter den Gattungsnamen der „Empfindung“ einbegreift, so liegt die Schwäche dieses Auswegs zu Tage: denn wie könnte der Intellekt a0och als „unvollkommener Sinn“ bezeichnet werden, wenn er doch als Bedingung jegliches bestimmten und in sich vollen- deten Wahrnehmungsaktes anerkannt wird? Der Weg, den Cam- panella nunmehr zurückgelegt hat, lässt sich am einleuchtendsten an seiner Begriffsbestimmung der „Vernunft“ verfolgen. Wenn der‘ Nominalismus die allgemeinen Begriffe als Fiktionen, als ‚Entia rationis“ verwirft, so trifft dieses Urteil, wie jetzt ausge- ;prochen wird, nicht die Vernunft selbst, deren Operationen und