236 Die Naturphilosophie. schiedenheit von Raum und Körper dargetan: nun gilt es, vom Standpunkt der Metaphysik aus, einen Ausgleich dieses Gegen- satzes und seine Aufhebung in einer übergeordneten Einheit zu suchen. Wiederum ist es der Begriff der Entwicklung, dem diese Aufgabe zufällt: die beiden Momente sind als zwei entgegen- gesetzte Phasen ein und desselben Prozesses des Werdens zu begreifen, in dem das Urwesen sich successiv entfaltet und zur konkreten Wirklichkeit bestimmt. Dem Raume kommt hierbei notwendig die erste Stelle zu: ist er es doch, dessen Setzung alle übrigen Inhalte erst ermöglicht, dessen Aufhebung auch alle anderen Elemente zu Nichte machen würde.®) Und wie er die Voraussetzung aller materiellen Dinge ist, so sind auch weiterhin alle physischen Bestimmungen überhaupt, insbesondere alle Qualitäten, die — wie Wärme und Kälte, Licht und Dunkelheit — die Körper durchdringen oder an ihrer Oberfläche haften, von ihm abhängig zu denken. Alle jene qualitativen Merkmale sind zwar nicht an und für sich als räumliche Quanta zu betrachten, wohl aber nehmen sie mittelbar durch ihre Beziehung zu den Körpern an der Natur des Raumes und der Möglichkeit fester Grössenbestimmung Teil.%®) Zwischen den Grundqualitäten selber herrscht ferner eine feste, natürliche Rangordnung: die erste Stufe der physischen Erfüllung bildet das Licht, das den Raum allseitig durchdringt und aus dem sich weiterhin „Wärme“ und ‚Flüssigkeit“ als fortschreitende Grade der Verdichtung ent- wickeln. Jeder empirische Körper hat im bestimmten Maasse an diesen vier Elementen (spatium, lumen, calor, fluor) Teil.?) Hier erkennt man bereits deutlich die Schranke der gesamten Auffassung: der Raum hildet kein Glied in der Reihe der logischen Bedingungen mehr, die dem konkreten Sein voran- gehen, sondern ist selbst zum einzelnen Physischen Zustand und Grundstoff geworden. So erklärt es sich schliesslich auch, dass gedankliche Grundbestimmungen der absoluten Ausdehnung — wie etwa ihre „Unbeweglichkeit“, die aus ihrem Begriffe not- wendig folgt — nur wie besondere Physikalische Einzelbe- schaffenheiten ausgesprochen und empirischen Zuständen be- stimmter Körper direkt coordiniert werden: es gibt nichts schlecht- hin Ruhendes, ausser dem Raum und — der Erde, die im Zentrum des Alls festliegt und verharrt. 78)