Die Arithmetik der Kräfte, 9275 energischen Verfolgung seiner logischen Grundprinzipien, zur Klarheit und Bestimmtheit erhoben worden. — Keplers empirische Erklärung der Schwere, in der sich sein allgemeiner Begriff der Kraft bewährt und mit konkretem Inhalt erfüllt, knüpft geschichtlich an Gilberts Theorie des Magnetis- mus an. Gilberts Werk „Ueber den Magneten“, das im Jahre 1600 erschien, ist eines der frühesten Zeugnisse des modernen induk- tiven Verfahrens und wird als solches von Kepler und Galilei gleichmässig hochgehalten. Beide knüpfen nicht nur an die Er- gebnisse der Schrift an, die sie weiter ausbauen und aus allge- meinen theoretischen Gesichtspunkten zu begründen suchen:®) es ist vor allen Dingen die methodische Denkart des Werkes, der sie sich — während Bacon sie bezeichnender Weise miss- achtet — innerlich verwandt fühlen. Eine „neue Art des Philoso- phierens“ hatte Gilbert selbst in der Vorrede proklamiert: und in der Tat bildet für ihn wie für jeden tieferen Forscher zu Be- ginn der neueren Zeit der Kampf gegen die Vorherrschaft des ontologischen Begriffssystems den entscheidenden Ausgangs- punkt. Aristoteles hat die Verschiedenheit der Bewegung der Ele- mente, auf der seine ganze Physik ruht, auf einen inneren abso- luten Gegensatz der Richtungen des „Oben“ und „Unten“ gegrün- det: er hat damit eine bloss logische Entgegensetzung fälschlich zu einem realen Widerstreit von Kräften hypostasiert.®) Durch diese erste grundsätzliche Verwechslung bestimmt sich der gesamte Cha- rakter seiner Naturanschauung. Die Wirklichkeit wird nunmehr zur abstrakten Phantasmagorie; die echten wirkenden Ursachen werden durch begriffliche Schemen ersetzt und verdrängt. In der Astronomie werden die mathematischen Fiktionen der Kreise und Epicykeln zu existierenden Wesenheiten, zu festen krystallenen Sphären verdichtet und verdinglicht. Ueberall ist es die willkür- liche Definition und Bezeichnung, ist es in letzter Instanz somit das Wort in all seiner schillernden Vieldeutigkeit, das sich immer wieder an Stelle der wahrhaften Naturdinge schiebt und ihre ge- genständliche Erfassung hindert: wir haschen statt der Objekte nur die Schattengebilde der eigenen Einbildungskraft.®) Von dieser Art sind die „substantiellen Eigenschaften“ und .„„Verwandtschaften“. 5