Die Subjektivität der sinnlichen Qualitäten. 301 empirische Ergebnisse und Folgerungen in sich. So ist z.B. die Lehre von der Subjektivität der sinnlichen Qualitäten in den vorangehenden Begriffsentwicklungen unmittelbar als Faktum enthalten und mitgesetzt; nicht als abgeleitetes Resultat wird sie erreicht, sondern die ursprüngliche Abgrenzung und Definition des Forschungsgebiets selbst ist es, aus der sie her- fliesst. Die sinnlichen Merkmale der Farbe und des Tones, die sich je nach der Beschaffenheit des aufnehmenden Organs ins Unbegrenzte wandelbar erweisen, können nicht dem Gebiet des „wahrhaften“ Seins angehören, das als ein Inbegriff „ewiger und notwendiger“ Beschaffenheiten und Merkmale zu denken ist. Es ist eine erborgte und erdichtete Realität, die ihnen eignet — eine Realität, die sich unter der scharfen und durchgeführten Analyse des Gedankens in Nichts auflösen muss. So übernimmt Galilei auch diesen Satz durchaus in dem Sinne, in dem er bei Demokrit gebraucht und angelegt war. Die Materie oder die körperliche Substanz lässt sich nicht begreifen, ohne in ihr zugleich die Merkmale der Begrenzung, der räumlichen Gestalt und der Grösse mitzudenken, ohne sie ferner, sofern sie in individueller Bestimmtheit aufgefasst werden soll, nach ihrer örtlichen und zeitlichen Lage, sowie nach ihrem Bewegungszustand determiniert anzusehen. Alle diese Gesichtspunkte, die sich unter den Grund- kategorien der Zahl, der Zeit und des Raumes zusammen- fassen lassen, gehören somit notwendig ihrem Begriff an, von dem sie sich durch keine Anstrengung der subjektiven „Ein- hildungskraft“ loslösen lassen. Ob sie dagegen rot oder weiss, bitter oder süss, tönend oder stumm, wohl- oder übelriechend ist, brauchen wir nicht zu entscheiden; alle diese Beschaffenheiten bezeichnen lediglich wechselnde Zustände, nicht Bedingungen, an die der gedankliche Vollzug des Begriffs gebunden. wäre, Verstand und Vorstellungsvermögen (il discorso 0 l’imaginazione) vermögen für sich allein niemals zu dieser zweiten Gattung von Merkmalen hinzuführen; nur die direkte sinnliche Wahrnehmung ist es, die uns ihrer versichern kann. Damit aber ist erwiesen, dass jene Qualitäten aus dem objektiven Bild der Wirklichkeit auszu- schalten sind, dass sie nicht mehr als blosse „Namen“ sind und nirgends anders, als im empfindenden Körper ihren Bestand haben. Man denke sich die lebenden Wesen und ihre Organe aufgeho-