Die Kritik der Syllogistik. 383 ihre Einteilung der Inhalte des Wissens nicht unter dem Ge- sichtspunkte des Seins, sondern unter dem Gesichtspunkte der Erkenntnis trifft: nicht wie sie „an sich“, sondern wie sie in der Ordnung des Erkennens und Begründens von einander ab- hängen und aus einander hervorgehen, sollen die Gegenstände sich in ihr folgen. Es ist daher auch kein Widerspruch, wenn die „einfachen“ Elemente, die sich für diese Betrachtungsweise er- geben — wie etwa der Begriff der „Ursache“ oder des „Gleichen“ — in Wahrheit blosse Beziehungen darstellen: einzig die Meta- physik, nicht die Wissenschaft hätte ein Interesse daran, noch hinter diese Verhältnisbegriffe und Wahrheiten auf letzte „abso- lute“ Grundlagen zurückzugreifen.!!‘) Während die scholastische Logik und Physik der „Wesenheiten‘“ vom abstrakten und inhalts- leeren Gattungsbegriff ausging, um ihn durch die Skala der „meta- physischen Grade“ hindurch bis zur untersten Art hin zu ver- folgen, stehen hier inhaltlich völlig bestimmte, einfache Elementar- verhältnisse am Anfang, die wir fortschreitend zu immer com- plexeren Verhältnissen weiterführen und ausbauen, 5) Von hier aus klärt und bestimmt sich zugleich das Ver- hältnis zur Syllogistik. Der Syllogismus soll keineswegs aus- geschaltet oder entwertet werden: ist er doch das eigentliche formale Beweismittel, dessen sich die Mathematik, und insbe- sondere die Euklideische Geometrie, bedient. Dennoch soll die synthetische Form des Beweises, wie sie sich hier in einem klassischen Beispiel verkärpert, nicht die einzige und ursprüng- liche bleiben. Denn wenngleich dieses Verfahren allgemein an- wendbar ist, wo es sich darum handelt, von gegebenen Voraus- setzungen aus zu unbekannten Folgerungen fortzuschreiten, so versagt es doch, wenn die Aufgabe in der Aufsuchung der Prämissen selbst besteht. Ueberall dort, wo es darauf ankommt, die ersten Fundamentalbegriffe selbst erst zu entdecken und herauszustellen — wo also, wie in der Philosophie, die „Prin- zipien“ nicht den Anfang, sondern das Ziel der Untersuchung bedeuten — da kommt die synthetisch-syllogistische Schlussart nur als Umkehrung einer vorangehenden und ursprünglichen Analysis in Frage. Der Syllogismus zwingt, aber er überzeugt nicht: während die Analvsis die innere Gliederung des Problems