Das Kriterium der klaren und deutlichen Perception. 435 dar, die der Begriff der klaren und deutlichen Erkenntnis durchläuft. — In der Betrachtung der Cartesischen Philosophie bestimmten sich bereits die beiden äussersten Grenzpunkte, zwischen denen die Entwicklung dieses Begriffs sich vollzieht. Der Wertausdruck des „Klaren und Deutlichen“ kommt ursprünglich und zunächst denjenigen Begriffen und Sätzen zu, die der Geist aus seinem eigenen Grunde und aus eigenem Vermögen selbsttätig entwickelt. Die Wahrheit jeglicher Erkenntnis ist dadurch bedingt, dass das Material, aus dem wir sie aufbauen, wie die Mittel, die wir zu ihrer Formung und Gestaltung verwenden, nicht von aussen, von dem Zeugnis der Sinne, entlehnt, noch durch irgend eine jenseitige Offenbarung, deren Grund sich unserem Bewusstsein entzöge, gegeben ist. Indem das Bewusstsein in den „eingeborenen Ideen“ die eigene Natur und Wesenheit durchschaut, erschliesst sich ihm in dieser ersten Erkenntnis zugleich unmittelbar die objektive Wirklichkeit. Von einer „Trennung“ und Loslösung der Körperwelt, von einer Vermittlung daher, die die beiden ge- schiedenen Reiche des Seins wieder zusammenführt und zur Ein- heit verknüpft, kann auf diesem Standpunkt keine Rede sein. Je mehr indes im weiteren Fortgang diese Frage sich hervordrängte, je deutlicher damit die Wesenheit Gottes als der Grund für das Dasein und die Verknüpfung der Dinge herausgehoben wurde, umsomehr musste auch der Ursprung der Erkenntnis auf diesen alleinigen Mittelpunkt zurückbezogen werden. Die Ideenerkenntnis erscheint nunmehr als direkte Ein- wirkung der „göttlichen Klarheit“ auf unseren Verstand, der die Wahrheit nicht zu erschaffen, sondern passiv zu empfangen hat: die „Intuition“, das Grundmittel der Mathematik droht in das ‚innere Licht“ der Mystik zu verfliessen. (S. ob. S. 429.) Mit dieser Wendung hat das Prinzip des „Cogito“ seine eigentümliche and moderne Bedeutung eingebüsst. Wiederum: stehen wir jetzt der Augustinischen Fassung der idealistischen Grundgedanken gegenüber. In der Tat ist nicht nur der Ausgang vom Selbst- bewusstsein, sondern selbst die Hinwendung zur Mathematik und die Orientierung an ihren ersten Voraussetzungen ein Zug, der Descartes und Augustin gemeinsam ist. Der entscheidende und ursprüngliche Gegensatz liegt indes in der Anwendung und AO