Richard Burthogge. 465 historischen Bewegung und eines allgemeinen Grundgedankens, der sich nunmehr immer deutlicher zu entfalten und hervorzu- Ärängen beginnt. Um sich diesen Zusammenhang zu vergegen- wärtigen, muss man der Metaphysik des Geulinex ein Werk gegen- überstellen, das, wenngleich es aus völlig anderen.geschichtlichen and philosophischen Voraussetzungen hervorgewachsen ist, doch in allen Stücken ihr genaues sachliches Gegenbild ist. Richard Burthogges „Essay upon Reason and the Nature of spirits“, der im Jahre 1694, drei Jahre nach Geulinex’ Schrift, erschienen ist, ist den Geschichtsschreibern der Philosophie, bis auf die neueste Zeit, fast unbekannt geblieben. ‚Erst Georges Lyon hat in seiner aufschlussreichen Schrift über den Idealismus in Eng- land im 18, Jahrhundert auf dieses originelle und merkwürdige Werk hingewiesen und in ihm eine wichtige Vorstufe des Kantischen Kriticismus gesehen.) Wenn indes, diesem Urteil gemäss, Bur- thogges Werk völlig aus dem Rahmen und Umkreis seiner Um- gehung herausgehoben erscheint, so können wir, wenn wir seinen [nhalt nunmehr vom Standpunkt der allgemeinen Entwick- lung des Erkenntnisproblems betrachten, seinen Wert und seine geschichtliche Bedingtheit schärfer beurteilen und genauer um- grenzen. Es ist der Gedankenkreis der englischen Erfahrungs- philosophie, in den wir uns durch Burthogges Schrift äusser- lich zunächst versetzt sehen: das Werk ist Locke gewidmet, der als „einer der grössten Meister der Vernunft“ bezeichnet und ge- priesen wird. Die entscheidenden Hauptergebnisse der Schrift aber sind unabhängig von der Einwirkung Lockes gewonnen und ‚ange Zeit vor dem ersten Erscheinen des „Essay on human anderstanding“ in einer früheren Schrift, dem „Organum vetus ?t novum“ vom Jahre 1677, niedergelegt worden.%®) Der „Essay upon Reason“ knüpft an die früheren Untersuchungen an, indem er zunächst einen doppelten Gebrauch und eine doppelte Be- deutung des Terminus „Begriff“ (notion) feststellt. Wenn, im weiteren Sinne, der „Begriff“ einen beliebigen, fertigen und ab- gegrenzten Inhalt des Denkens bezeichnet, so bedeutet er, genauer und prägnanter gefasst, einen bestimmten „modus con- cipiendi‘“: ein Verfahren und einen gedanklichen Gesichts- punkt, unter dem der Geist die Gegenstände, die seiner Beur- ’Y