Idee und Perception, 49} Und selbst wenn die Unterscheidung gelänge: wer versichert uns, lass die Ergebnisse, die wir hier gewinnen, allgemeine Bedeutung haben? Mit welchem Rechte können wir einem Inhalt, der sich uns einzig in der Form des individuellen Bewusstseins dar- stellt, universellen Wert zusprechen und seine Anerkennung von allen denkenden Subjekten fordern? Fragen dieser Art sind es, die nunmehr in Malebranche lebendig werden und die seinem ldealismus eine neue entscheidende Richtung geben. Die „Dinge“ xönnen wir getrost entbehren: aber die Gewissheit und Konstanz der wissenschaftlichen Erkenntnisse gilt es zu gründen und zu sichern, Wir verlangen nicht länger ein gegenständliches Urbild unserer Vorstellungen, das irgendwo im Raum existiert und von anseren Ideen nachgeahmt wird: was wir dagegen fordern müssen, ist eine beharrliche, 'unverbrüchliche Regel, auf die wir die wandelbaren Phänomene zurückleiten können. Das Selbst- bewusstsein bietet uns nichts anderes als ein beständiges Kommen und Gehen immer neuer Perzeptionen, die ungerufen wie aus dem Nichts hervortauchen und wiederum in Nichts zu zerfliessen scheinen; wollen wir sie verstehen und beherrschen, so müssen wir sie nicht in starren Objekten, wohl aber in „dauernden Ge- danken“ befestigen. Ein selbständiges intelligibles Sein, das un- abhängig von der Tatsache und. dem Akt unserer Wahrnehmung. besteht, ja das diese Tatsache selbst erst ermöglicht, ist die erste notwendige Voraussetzung, die wir für den Begriff der Erkennt- nis postulieren müssen. — Ehe wir auf die metaphysischen Folgerungen eingehen, die für Malebranche in diesem Anfang unmittelbar enthalten ınd beschlossen sind, müssen wir uns die Notwendigkeit und das Recht der Fragestellung nochmals verdeutlichen. Psychologie and Logik: die Lehre von dem subjektiven Denkverlauf und seinen kausalen Gesetzen und die Betrachtung der Grundbeziehungen, die zwischen den Inhalten des Denkens bestehen, treten jetzt deutlich auseinander. Wiederum ist es die Mathematik, die hier die Wege weist und die die grundlegende philosophische Unter- scheidung bekräftigt. Wenn ich die Idee eines Quadrates fasse, wenn ich aus ihr in lückenloser notwendiger Folge alle Eigen- schaften einer derartigen Figur ableite: so ist das Objekt, auf das ich in meinem Denken hinblicke und das alle meine einzelnen