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        <title>Das Erkenntnisproblem in der Philosophie und Wissenschaft der neueren Zeit</title>
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      <div>Religion und Wissenschaft, 
343 
zeugung der Gottheit jeder Zweifel und jede Zweideutigkeit. 
Die mathematischen Charaktere, in denen sie verfasst ist, 
schliessen jede willkürliche Auffassung, jede Umdeutung nach 
den zufälligen Wünschen und Zwecken des Individuums aus. 
„Warum sollen wir in der Erkenntnis des Alls und seiner Teile 
eher mit der Erforschung der Worte Gottes, als mit der seiner 
Werke beginnen; — oder ist vielleicht das Werk weniger 
edel und vorzüglich als das Wort“?®) Wenn die Naturphilo- 
sophie noch in Campanella, um sich die Möglichkeit ihres Ob- 
jekts und ihrer Betrachtungsart zu sichern, das Wort von der 
„doppelten Offenbarung“ prägen musste, so ist hier selbst dieser 
Parallelismus beseitigt. Von der Nebenordnung ist zur Unter- 
ordnung, von dieser zur völligen Sonderung der Gebiete fort- 
geschritten. Alle Wahrheit von Tatsachen fällt der Gerichts- 
barkeit des wissenschaftlichen Begriffs anheim, während die Auf- 
gabe der Religion und ihrer Urkunden einzig in die Vermittlung 
der sittlichen „Heilswahrheiten“ gesetzt wird. Mit dieser Abgren- 
zung erst sind die verschiedenen Richtungen und Vermögen des 
Bewusstseins zur inneren Uebereinstimmung gebracht, ist die un- 
verbrüchliche Einheit und Notwendigkeit des Intellekts selbst 
verhürgt.‘) Die Behauptung des Copernikanischen Weltsystems 
wird für Galilei gleichbedeutend mit der Selbstbehauptung der 
Vernunft. 
Diese Rückwirkung der neuen Weltansicht auf das Selbst- 
bewusstsein des Individuums stellt sich am deutlichsten in der 
Persönlichkeit und den Werken Giordano Brunos dar. 
Es ist nicht, wie zumeist angenommen wird, der allgemeine 
Begriff der Natur und ihrer exakten wissenschaftlichen Erkennt- 
nis, die Bruno zum Vorgänger Keplers und Galileis stempelt. So 
wichtig und entscheidend seine Gedanken für die Reform der 
Kosmologie sind, so handelt es sich doch in ihnen nur um neue 
Grundtatsachen, nicht um eine völlig veränderte Richtung der 
Betrachtung und Forschung. Der moderne Begriff der mathe- 
matischen Kausalität bleibt Bruno fremd. Wir sahen, wie 
dieser Begriff und mit ihm die Möglichkeit der wissenschaftlichen 
Mechanik erst in der strengen Scheidung entsteht, die Kepler 
zwischen „geistigen“ und „natürlichen“ Ursachen, zwischen Seelen- 
begriff und Kraftbegriff vollzog. (S. ob. S. 271 ff.) Für Bruno da-</div>
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