Entwicklungsstufen und Kichtpunkte der Revolution. 9 gebenden Versammlung bildeten die Ronstitutionellen, die Feuillants (nach ihrem Versammlungsort, dem Kloster der Feuillants benannt), die bei der Wiedergeburt Frankreichs die Sache des Königtums nicht von den Postulaten der Nation getrennt wissen wollten, nur noch ein Hhäuflein; die Jako— biner, ebenso die etwas gemäßigteren Brifsotins EElnhänger Brissots) oder Girondisten, wie die radikalen Montagnards wollten nicht mehr eine Aussöhnung der Monarchie mit der Freiheit, sondern nur den Sieg der Freiheit auf den Trümmern der Monarchie. Es wäre nicht gerecht, zwischen den Grundsätzen von 1789 und 1791 die Grenzlinie allzu scharf zu ziehen, die Wort⸗ führer der konstituierenden Versammlung dem Kapitol, die⸗ jenigen der Legislative dem tarpejischen Felsen zu über—⸗ weisen. Im allgemeinen aber läßt sich behaupten, daß unter den Schwurbrüdern vom Ballhaus zu Versailles mehr Männer sich befanden, deren Charakter dem Dämon in der eigenen Brust, wie der allgemeinen Verdorbenheit wider⸗ stand. Insbesondere die Girondisten verdienen nicht den Nimbus, den Lamartines historischer Roman dieser Gruppe verliehen hat. Gewiß, der Tod dieser Männer ist traurig und beklagenswert; gewiß gab es auch unter ihnen viele redlich Denkende, die eben nur zu spät einsahen, daß im wilden Taumel der Leidenschaft nicht der tiers état, sondern der Pöbel zur herrschaft gelangen müsse. Doch durch Taine ist unwiderleglich nachgewiesen, daß in erster Reihe die Giron⸗ disten die Verwilderung des Parlamentarismus auf dem Ge⸗ wissen haben; ihre Angriffe gegen die „verräterischen“ Emi— granten, die „vaterlandslosen“ Priester und den „mit dem usland verbündeten“ König haben den Sturz von Thron und Altar wenn nicht verschuldet, so doch beschleunigt. Durch die Girondisten gelangte der Jakobinerklub zu einer Macht, die sich mit der Autorität der Nationalversammlung messen konnte. Taine gebraucht ein für die Psychologie der Revolution in dieser Tpoche überaus treffendes Bild. Es gibt, sagt Taine, eine Krankheit, die nur in Armenvierteln vorkommt. Ein uberarbeiteter, schlecht genährter Taglöhner verlegt sich aufs Trinken. Er trinkt immer mehr und immer stärkere Getränke, bis endlich sein vom früheren Fasten überreiztes Nerven