Aampf des legitimen Europa mit der Sranzösischen Republik. 13 Freilich war nicht die Beutelust der Nachbarn allein am Falle Polens schuld; die Ursache lag tiefer, lag sozusagen m polnischen Blute. Ritterliche Eigenschaften und patrioti⸗ scher Schwung genügen nicht, um einen Staat lebensfähig zu erhalten. Der allzu bewegliche, neuerungssüchtige, bei allem Stolz doch des uneigennützigen Gemeinsinnes ent— behrende Volkscharakter war das gefährlichste, staatsfeindliche Element. Diese Tatsache wird von unbefangenen Polen, z. B. vom historiker Kalinka, unumwunden anerkannt. Huch kann vom politischen Standpunkt nicht getadelt werden, daß sich Preußen einen Anteil an der polnischen Beute sicherte. Es war ein Akt der Notwehr. Preußen durfte nicht das Ganze dem Zarenreich zum Opfer fallen lassen. Und für die Sivili— sation war die Teilung Polens sicherlich kein Unglück. Du⸗ mouriez ist zweifellos ein unbefangener Zeuge. Er hatte in Polen felbst die Verlotterung von heer und Volk so gründ⸗ iich kennen gelernt, daß er offen zugestand, „die Asiaten Curopas“ könnten nur Vorteil daraus ziehen, wenn sie unter fremde Herren kämen. Doch wenn auch nicht in diesem besonderen Fall, im all— gemeinen verdient die preußische wie die österreichische Staats— leitung die Mißachtung der Nachwelt. Eine selbstsüchtige, nach dem Profit des Augenblicks jagende Kabinettspolitik ent⸗ schied hier wie dort das Ja und Nein. Ralinka hat nicht unrecht, wenn er sagt: „Es hat so manche Intriganten in der Weltgeschichte gegeben, aber eine so häßlich betrügerische Politik, wie diejenige, welche in der Zeit der Revolutionsfriege auf dem europäischen Kontinent herrschte, findet man wohl nicht wieder.“ Krieg, der furchtbarste Gewaltakt, wurde ohne Rücksicht auf den Willen und die Opfer der Untertanen nur um des Vvorteils der Dynastien willen beschlossen. Das rächte sich, als den Soldtruppen der Kabinette ein bewaffnetes Volk gegenübertrat. Siegesgewiß sandten die Fürsten ihre wohl— geschulten Truppen gegen Frankreich, doch mit jugendlichem Ungestüm wehrte sich die in der Liebe zum Daterland einige Nation gegen den eingedrungenen Feind. Beim ersten ernst⸗ lichen Zusammenstoß, bei Valmy (20. Sept. 1792), gelang es den Veteranen des Großen Friedrich nicht, den verachteten Gegner zu bezwingen; dieses negative Ergebnis bedeutete