Einleitung.

Fortschritt und Ruckschritt im 19. Jahrhundert.
Das 19. Jahrhundert hat auf allen Gebieten des mensch⸗
lichen Lebens, Schaffens und Könnens so gewaltige Derãnde⸗
rungen, so reiche Vermehrung oder doch Vertiefung gebracht,
daß es dem einzelnen nicht mehr möglich ist, die Fülle der
Gefichte auch nur annähernd vollständig in sich aufzunehmen.
duf allen Gebieten der Wissenschaft und Kunst, in der in⸗
dustriellen Tätigkeit, in den Einrichtungen, welche die Mensch⸗
heit und Menschlichkeit fördern sollen, in der Stube des ein⸗
samen Seelenforschers wie im Laboratorium des Physikers,
der den geheimnisvollen Kräften der Natur nachspürt, in
den großen Werkstätten der Fabrikstädte, in den Docks der
hafenplaͤtze, in den Ausstellungen, wo die Völker aller Zonen
in friedlichem Wettkampf sich messen — überall spielt sich
Geschichte ab. Wie unendlich viele wichtige Erfindungen hat
das Jahrhundert hervorgebracht! Der Dampf als Motor,
die usnützung der Elektrizität, die Schnellpresse, die Anilin—
farben, die Reibzündhölzchen, die Sprengstoffe, das Lichtbild,
die Schiffsschraube, wie gewaltig haben alle diese neuerungen
nicht blioß das CLeben des Individuums, sondern die Be—
ziehungen der Völker, die Erscheinung des Erdballs um—⸗
gestaltet!*)
Auch neue wissenschaftliche Disziplinen sind mächtig empor⸗
gewachsen. Es sei nur erinnert an die Sozialwissenschaft,
das ureigenste Produkt der Neuzeit, das schon in seinen
Jugendtagen ebenso große Bedeutung beansprucht, wie die
alte Mutter, die Philosophie. Wie großartig haben sich die
biologischen Wissenszweige entfaltet! HAus der Medizin ist
die hugiene herausgewachsen, wohl der segensreichste Gewinn
aus der gesamten Naturerforschung!

9 O. v. Leirner, Das 19. Jahrhundert, Cinleitung.
Anus 129: Beigel, politische Strömungen. 2.Hufl.