Entwicklungsstusen und Kichtpunkte der Revolution. 7

einfachere politische und gesellschaftliche Ordnung in der Ke—
volution. Durch Stöhnen und Wutgebrüll tönt aus der
Ferne Klang von Auferstehungsglocken!
vielleicht wäre es trotz des Ungestüms des von der Sklaven—
kette befreiten Pöbels und trotz der hetzarbeit ehrsüchtiger
verführer gelungen, den Aufruhr in ein ruhiges Bett zu
leiten, vielleicht hätte ein lebensfähiges konstitutionelles
Uönigtum aufgerichtet werden können, wenn nicht der Mann,
dem an Kenntnissen und Talenten, vor allem an staats—
männischem Weitblick kein anderes Mitglied der konstituieren—
den Versammlung gleichkam, Mirabeau, schon am 2. April
1791 durch jähen Tod vom Schauplatz seiner Taten und seines
Ruhmes abberufen worden wäre. Mit ihm sank die Mon—
archie ins Grab. Sein Tod ließ eine Lücke, die nicht mehr
auszufüllen war, denn es gab jetzt kein Bindeglied mehr
zwischen Uönig und Volksvertretung.
Daß König Ludwig nun den von Mirabeau bekämpften
Plan, durch Slucht aus Paris sein Leben in Sicherheit zu
bringen, wirklich ausführte, hing insbesondere mit den falschen
Berichten seines Bruders, des Grafen von Artois, zusammen.
UNaiser Ceopold II. wollte ebensowenig wie sein Vorgänger
Josef II. in die französischen Händel sich einmischen, doch
Artois schrieb, eine kaiserliche Armee werde demnächst gegen
Paris heranziehen, um das Königspaar zu befreien. Der
Einmischung des Auslandes wollte König CLudwig vorbeugen;
dieser Grund war mindestens ebenso maßgebend, wie die
Furcht vor den Feinden des Throns, welche die Zügel der
KRegierung in Händen hatten.
Der Fluchtversuch mißlang. Fortan war der König in
seinen Tuilerien ein Gefangener der Nation und gehorchte
nur einem Zwang, wenn er die neue Verfassung annahm.
Die „Rönigliche Sitzung“ am 14. September 1791, in
welcher König Cudwig eidlich gelobte, nur nach den Vor—⸗
schriften der Verfassung zu regieren, bildete den Schlußstein
der konstitutionellen Periode der Revolutionszeit. Doch welch
unköniglichen Eindruck gewährte schon diese Sitzung! Suerst
wurde beraten, ob sich die Versammlung beim Eintritt des
Monarchen erheben sollte oder nicht. Noch ehe die Debatte
beendigt war, verkündigten Kanonendonner und Volksgeschrei
die Ankunft des Königs. Cudwig erschien nicht mehr, wie