14 I. Abschnitt. Die große französische Revolution bis zum 18. Brumaire.

einen ungeheuren Erfolg für die Sache der Revolution. Als
in der Nacht nach dem Treffen die Hherren vom Gefolge des
herzogs von Weimar am Wachtfeuer über die 3wischenfälle
des Tages sich unterhielten, sprach Goethe das bedeutfame
Wort: „Von hier und heute geht eine neue Epoche der Welt—
geschichte aus, und ihr könnt sagen, ihr seid dabei gewesen.“
Es war dem Dichter zur Gewißheit geworden, daß die Gegen—
revolution, kaum daß sie ihr haupt erhoben hatte, in die
Woge zurücksinken, daß der Freiheitsgedanke nicht bloß in
Frankreich den Thron zertrümmern, sondern siegreich über
Curopa sich ausbreiten und ein neues Geschlecht und eine
neue Seit heraufbringen werde.
Welch klägliches Bild bot der Rückzug aus der Champagne!
Ein volles Dritteil der preußischen Armee ging durch
Strapazen, Hunger und Krankheiten zugrunde, ein anderes
Dritteil war außerstande, weiter zu dienen; der Rest bestand,
wie Goethe versichert, mehr aus Gespenstern als aus Menschen.
Welch beschämende Wendung hatte der Feldzug für die Waffen
der Deutschen und Emigranten genommen! Wie anders, als
es die Artois und Breteuil in Aussicht gestellt hatten, waren
die französische Armee und das französische Volk aufgetreten!
Den Linientruppen zur Seite standen die Freiwilligen, die
anfangs freilich nur durch ihre Zahl wirkten, doch bald,
durch kurze Übung und Erfahrung kriegstüchtig gemacht, mit
den alten Regimentern an Mut und Ausdauer wetteiferten
Und hinter dieser Armee stand ein wenigstens im Verlangen
nach Abwehr des Feindes einmütiges, opferwilliges Volk.
Von glücklicher Verteidigung ging das junge Frankreich
zum Angriff über. Statt der in Uussicht genommenen
Wiedererwerbung von Elsaß und Lothringen für Deutschland
folgten die Besetzung der bluͤhenden deutschen Kheinufer durch
die Franzosen, die Verwüstung, der Verlust ganzer Provinzen.
Von Wiederaufrichtung des Lilienthrones war längst nicht
mehr die Rede. Schon seit dem 10. August 1792 war das
Uönigtum in Srankreich tot. Wenn die siegreiche Volkspartei
auch noch den Tod des Königs begehrte, so geschah es, um dem
auf den Thron erhobenen Despotismus der Führer des Volkes
dauernd die herrschaft zu sichern. Der König muß sterben,
sagte RKobespierre, damit die Kepublik lebe. Das Blut Cud—
wigs XVI. sollte eine Scheidewand bilden zwischen der