Kampf des legitimen Curopa mit der Sranzösischen Kepublik. 15

Dynastie und den Untertanen, die den Tod des Landesherrn
beschlossen oder doch nicht verhindert hatten, und ebenso
zwischen dem republikanischen Frankreich und den Tyrannen
Europas. Der Tod eines Königs durch Henkershand sollte
das monarchische Prinzip überhaupt treffen. Nach dem Gaukel—
spiel eines unwürdigen Prozesses erlitt der König am 21. Ja—
nuar 1793, wohl der einzige Mensch in Paris, der an jenem
Tage in seiner Seele Frieden hatte, auf der Place de la
Concorde den Tod.
„Damit haben wir die Schiffe hinter uns verbrannt.“
Dieses Wort des Girondisten Isnard ist bezeichnend für die Lage.
Mit der Hinrichtung auf dem Eintrachtsplatz warf die junge
Kepublik dem legitimistischen Curopa den Fehdehandsuchh hin;
es war damit erklärt: Wir wollen den Krieg fortsetzen, den
Krieg bis aufs Messer, bis sich unsere Ideen siegreich über
alle Länder ausgebreitet haben werden!
Ein gütiger, volksfreundlicher Fürst, der Gatte der Schwester
des deutschen Kaisers, stirbt unter dem Beil des henkers,
und in seinen Purpur teilen sich die Mörder!
Man sollte annehmen, daß diese Freveltat bei allen Ge—
krönten, zumal bei den Verwandten des Unglücklichen den
Unmut zu hellem Zorn gesteigert und unbezwingbares Ver—
langen nach Ahndung des Verbrechens wachgerufen hätte.
Tatsächlich war dies nicht der Fall.
Es traten zwar auch England, Holland, das römisch-deutsche
Reich, sowie die bourbonischen höfe von Spanien und Neapel
in den Krieg ein, und an allen höfen wurde Trauer an—⸗
gelegt, doch um Genugtuung für die empörende Tat zu er—
kämpfen, fehlte es an gutem, starkem Willen; keiner von
den europäischen Fürsten war mit Kopf und herz bei der
Koalition; jeder suchte des andern politische und militärische
Erfolge zu hemmen; jeder war bereit, um des eigenen Vor—⸗
teils willen mit den Königsmördern in Handelschaft einzu—
treten. In Osterreich war der Krieg nichts weniger als
populär; die höchsten Würdenträger, Feldmarschall CLascy und
Hofkriegsratspräsident Wallis, gaben offen zu erkennen, daß
sie den Krieg insbesondere wegen der schlimmen Finanzlage
der Erbstaaten für ein Unglück ansähen; in Volkskreisen
wurde eine hohe Kriegssteuer befürchtet; Kaiser Franz mußte
eine Erklärung veröffentlichen, daß die Rüstungskosten aus⸗