16 J. Abschnitt. Die große französische Revolution bis zum 18. Brumaire.

schließlich auf Rechnung der kaiserlichen Domänen und des
Familienschahes übernommen werden sollten. Überaus be—
zeichnend für die Stimmung in den Hauptstädten der ver—
bündeten Reiche sind eine vom preußischen Gesandten in
Wien, Baron Jacobi, berichtete Außerung des kaiserlichen
Vizekanzlers Grafen Cobenzl und die Erwiderung des preußi—
schen Ministeriums. „Die Wiener“, sagte Cobenzl, „können sich
mit dem Krieg nicht befreunden, weil sie glauben, daß unsere
Regierung bei alledem von euch Preußen nur genarrt und
geprellt wird!“ Darauf erwiderte das preußische Ministerium:
Auf diese Außerung gibt es eine recht einfache Antwort!
Sie brauchen nur zu sagen: Nicht anders denkt und spricht
das Berliner Publikum! Uberall kann man hören: Osterreich
will uns Preußen nur für seine Hausinteressen ausnutzen!“
Die Spottreden sind charakteristisch für den Dualismus, der
seit den Tagen Friedrichs II. bis zum Entscheidungskampf
pon 1866 im Vordergrund der deutschen Verhältnisse stand.
Nicht lebhafter war die Kriegslust in den übrigen deutschen
Staaten. Jedenfalls die große Mehrheit des deutschen Volkes
verhielt sich gegenüber dem Kampfe zwischen Legitimität und
Revolution vollig teilnahmslos. „Es ist ein Ereignis,“ schrieb
der herausgeber der Wiener Seitschrift, Professor Hoffmann,
im Frühjahre 1792, „das unseren Nachkommen noch sehr
reichen Stoff zu den bedenklichsten Urteilen und Bemerkungen
geben wird, daß bei der damaligen politischen Krisis, da
die zwei mächtigsten deutschen Reichsfürsten zunächst zur
Beschützung des deutschen Vaterlands gegen eine mächtige
Räuberrotle zu Felde ziehen und also das Interesse nicht
nur des Deutschen Keichs, sondern aller Monarchen und aller
dermalen bestehenden Staatsverfassungen in Europa zu ver—
teidigen bemüht sind, daß, sag' ich, bei dieser vor jedermanns
Augen daliegenden, offenbaren und schrecklichen CLage der
Dinge überall und ganz vorzüglich in einem großen Teile
Deusschlands eine solche politische Kälte herrschte, als wenn
nur eben davon die Kede wäre, einige französische Städte
zu erobern und einige Millionen Pfund unnötiges Pulper
zu verschießen!“ Dagegen machte nun Frankreich zur Ab—
wehr des aͤußeren Feindes die gewaltigsten Anstrengungen.
Der Konvent verfügte Aushebung aller Waffenfähigen vom
18. bis 45. Lebensjahre. Lazare Carnot, als Mitglied des