18 J1. Abschnitt. Die große französische Revolution bis zum 18. Brumaire.

nur um Verteidigung der Freiheit; doch der Appetit kam
während des Essens! Als den französischen Waffen der Sieg
beschieden war, trat bald zutage, daß „der große Ausschuß
der heiligen Völkererhebung“', wie Danton den Konvent
nannte, nach Ausdehnung der Grenzen des eigenen Landes
nicht weniger Begierde trage und diese Pläne nicht wähle—
rischer in den Mitteln verfolge, als Cudwig XIV. mit seinen
Reunionskammern. Und ebenso strebten Thugut in Wien und
haugwitz und Lucchesini in Berlin nur immer Entschädigungen
und Vergrößerungen an, wenn auch auf Kosten der Bundesgenossen,
 zu einer Seit, wo nur das aufrichtigste Zusammen—
halten und der redlichste Kriegseifer den Sieg hätten bringen
können.
Der feindliche Swiespalt zwischen den Verbündeten zeigte
sich am offensten im Feldzug von 1794, der als die Peripetie
im Drama des großen Kampfes der Patrone der Legitimität
mit den Vorkämpfern der Revolution bezeichnet werden kann.
Auf Seite der Osterreicher ein unbegreiflich ängstliches Zurück—
weichen, auf preußischer Seite geheime Anzettelung mit den
Franzosen. Nicht vom König ging diese Politik aus, auch
nicht vom Kabinett, sondern vom „imperium in imperio“,
von den höchsten Generalen! Ein trauriger Beweis für die
Entartung der Schöpfung des großen Friedrich, — die Vor—
gänge des Jahres 1794 machen das Jahr 1806, machen
Jena und AUuerstedt begreiflich!
sAls in Polen ein HRufstand ausbrach und der preußische
Besitzstand ernstlich gefährdet war, während Osterreich sich
eng an Rußland anschloß, um eine neue Teilung Polens
ohne Teilnahme Preußens zu betreiben, gewann der Ge—
danke einer Aussöhnung mit Frankreich immer mehr Freunde.
Nur noch der König widerstrebte, weil er mit einem Ro—
bespierre nicht unterhandeln wollte. Doch auch dieses hinder⸗
nis wurde durch die Katastrophe vom 9. Thermidor (27. Juli
1794) beseitigt. Als die Proskriptionslisten des durch die
Jakobiner mit einer Art Diktatur ausgestatteten Kobespierre
immer maßloser anwuchsen, verbündeten sich endlich alle
Bedrohten zu gemeinsamer Abwehr; die kleineren Kaubvögel
suchten mit vereinten Kräften den großen Geier unschädlich
zu machen. „Es ist besser, daß ein Mann sterbe, als daß
das Vaterland zugrunde gehe!“ Mit diesem Wort hatte