Der Umschwung in Frankreich nach dem 9. Thermidor. 19

Robespierre seine Abstimmung für den Tod Ludwigs XVI.
begründet; das nämliche Wort Talliens fegte den Über—
mächtigen hinweg; die Schreckensherrschaft erstickte in dem
Blut, das sie in Strömen vergossen hatte.
Der Rückschlag beginnt. Die Besitzenden kommen obenauf;
der KUnüttel der jeunesse dorée besiegt die Pike; die Hherr⸗
schaft der Proletarierquartiere geht zu Ende. „Nur ein Land,
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sozialen Ordnung erfreuen.“ Dieses Wort Boissy d'Anglas',
des Vorsitzenden der mit Ausarbeitung einer neuen Ver—
fassung betrauten Kommission, kennzeichnet den Umschwung.
Mit der épuration de la France, der fufrichtung einer
gemäßigt-demokratischen Kepublik war für die Monarchen ein
wesentliches Bedenken gegen eine Annäherung an Frankreich
weggeräumt. Nun gewann in Preußen, wo viele schon längst
im Osterreicher den gefährlichsten Feind erblickt hatten, die
französische Partei die Oberhand. Im Separatfrieden von
Basel, vom 5. April 1795, der die Entscheidung bezüglich
der Abtretung des linken Rheinufers an Frankreich einem
künftigen Reichsfrieden überließ, ist, wenn alle Umstände
gerecht gewürdigt werden, nicht ein Verrat am Deutschen
Reich zu erblicken, wie es von Vivenot und helfert dar⸗
gestellt wurde, aber er war trotz aller Gründe, die ihn er—
klären und entschuldigen mögen, ein schwerer politischer
Fehler Preußens. Keine Niederlage hätte diesen Staat tiefer
beugen können, als er in Basel sich selbst demütigte, da er,
ohne geschlagen zu sein, seine Hand abzog von der deutschen
Westmark und das wichtige Mainz einem ungewissen Schicksal
preisgab. Bei der Treulosigkeit und Unzuverlässigkeit seiner
Bundesgenossen wäre es Preußen ohne S3weifel erlaubt ge—
wesen, von der Koalition zurückzutreten, wenn Frankreich
einen ehrenvollen Frieden angeboten und die alten Grenzen
des Reichs anerkannt hätte. Daß die preußischen Staats-—
männer nicht so viel Stolz hatten, auf dieser Forderung zu
bestehen, das war eine Erniedrigung für Preußen, demü—
tigender als die Niederlage von Jena. —
Mit Robespierre und St. Just endet die große Periode der
Revolution. Das zweite Geschlecht betritt die Szene; die Re—
volution sinkt von der Tragödie zum Intriguenstück herab;
der Spiritualismus macht dem Ehrgeiz Platz, der Fanatismus
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