24 II. Abschnitt. Das Zeitalter Napoleons J.

dem Schwert KAarl Martells und Pipins, Bonaparte dagegen
verdankt alles sich selbst, und wir verdanken alles ihm, und
deshalb soll er und muß er unser Kaiser werden!“
Auch die Aufregung über neue royalistische Verschwörungen
wurde so klug benutzt, daß der Antrag des Senats, dem
Konsul zu seiner monarchischen Gewalt auch den kaiserlichen
Titel und die Befugnis zu einer entsprechenden Verfassungs—
änderung anzubieten, wieder mit 31/, Millionen Ja gegen
ein paar Tausend Nein gutgeheißen wurde. Die Kepublik
war damit auch dem Namen nach aufgehoben; an ihre Stelle
war ein mit unbeschränkter Machtvollkommenheit ausge—
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nung Napoleons in Notre Dame ließ sich sogar Papst
Pius VII. über die Alpen entbieten (2. Dezember 1804).
Das neue gallische Kaisertum wurde alfo aus der nämlichen
Quelle genährt, wie das römisch-germanische Kaisertum in
den Jahren 800 und 962. Die allgemeine, absolute Mon—
archie der deutschen Cäsaren war zwar seit dem Tode Fried—
richs I1. nur noch ein Schatten gewesen, erschien aber immer
noch so erhaben und ehrwürdig, daß der große Italiener
den Plan faßte, den Traum des Mittelalters wieder neu
zu beleben, der leeren Form einen Inhalt zu verleihen, eine
umfassende, unbeschränkte Weltherrschaft aufzurichten. Die
Enregung zu dieser Schöpfung erhielt er durch die Richtung
seines Geistes und die Überlieferung seines Volkes. Wie in
Literatur und Runst sein persönlicher Geschmack der klassi—
schen Richtung huldigte, so sollte sie auch in Politik und Ge—
sellschaft zur herrschaft kommen; das neue Frankreich, sowie
das aufzurichtende Universalreich sollten Meisterwerke des
klassischen Geistes werden.
Von Lanfrey und anderen republikanisch gesinnten hHistori—
kern wird die Darstellung beliebt, als ob die Menschheit im
Zeitalter der Revolution von Frankreich unvergängliche Er—
rungenschaften und Wohltaten empfangen habe, während sie
im Seitalter Napoleons J. nur durch die unersättliche Ruhm—
begierde des einen Mannes, durch dessen Streben nach Welt—
herrschaft in Leiden und Not gedrängt worden sei.
Das ist aber auch nur eine Legende.
Vor allem steht außer Frage, daß die Franzosen selbst
dem ersten Kaiserreich für vieles Große und Gute zu Dank