Der höhepunkt des Imperialismus. 31

Dagegen waren im Landkriege die Mack und Kutusow dem
genialsten Feldherrn der neuen Seit nicht gewachsen. Schon
nach wenigen Wochen hatte Osterreich durch die Kapitulation,
welche General Mack am 17. Oktober in Ulm abschließen
mußte, ein ansehnliches Hheer verloren, und der glorreiche
Sieg Napoleons über die vereinigte russisch-österreichische
Armee bei Austerlitz (2. Dezember 1805) entschied das Schick—
sal Osterreichs und Deutschlands. Der Preßburger Friede
kostete Osterreich schwere Opfer; es mußte Venetien an das
neue Königreich Italien abtreten, womit es vom italienischen
Boden gänzlich verdrängt war; die süddeutschen Territorien,
welche bisher noch mit den Erblanden vereinigt gewesen
waren, auch Tirol und Voralberg mußten an die deutschen
Bundesgenossen Napoleons abgetreten werden. Die Kur—
fürsten von Bayern und Württemberg nahmen den Königs—
titel an; auch volle Souveränität wurde ihnen, sowie dem
Kurfürsten von Baden zugesprochen; sie brauchten dafür nur
das Nessuskleid schimpflicher Abhängigkeit von Bonaparte ein—
zutauschen. Die Politik Richelieus und Mazarins hatte ihre
letzten Siele erreicht, als diese angeblich von jeder fremden
Macht unabhängigen sStaaten mit Napoleon den Rheinbund
schlossen. Am 17. Juli 1806 ließen 16 deutsche Fürsten, darunter
die Könige von Bayern und Württemberg, der Rurfürst-Erz—
kanzler, der Kurfürst von Baden u. a. in Paris eine Akte unter—
zeichnen, wodurch sie sich von Kaiser und Reich lossagten,
den Kaiser von Frankreich als ihren Protektor anerkannten
und ihm für jeden Krieg auf dem Festland ihre Truppen
zur Verfügung stellten. Napoleon erließ eine Erklärung, daß
er ein Deutsches Reich nicht mehr anerkenne. Dem letzten
Uaiser, Franz II., blieb, nachdem ein Versuch, seine Zu—
stimmung sich abkaufen zu lassen, gescheitert war, nichts
anderes übrig, als in Regensburg mit kühlen Worten an—
zuzeigen, daß er die deutsche Kaiserkrone niederlege und die
Verbindung zwischen Deutschland und den kaiserlichen Erb—
landen für gelöst ansehe (6. August 1806). Nur noch ein
paar Gesandte waren bei diesem Begräbnis des heiligen
römischen Reiches anwesend. Würdelos ging ein in seinen
Anfängen so großartiges geschichtliches Dasein zu Ende.
Preußen erhob keinen Widerstand. Nachdem während des
Krieges von 1805 französische Truppen das neutrale ansbachische