32 II. Abschnitt. Das Seitalter Napoleons J.

Gebiet verletzt hatten, waren Preußen in das seit 1803 von den
Franzosen besetzte Hannover eingerückt, und im Pariser Ver—
trag vom 15. Februar 1806 hatte Preußen das mit Groß—
britannien in Personalunion befindliche Kurfürstentum als
Ersatz gegen Ansbach und Cleve annehmen müssen. Die Auf—
lösung des alten Keiches wurde in Berlin nicht als ungünstige
Wendung betrachtet. Talleyrand selbst forderte den König
von Preußen auf, er möge aus der Stiftung des Kheinbundes
Vorteil ziehen und das in sein Machtgebiet fallende Drittel
Deutschlands in ein norddeutsches Kaisertum umwandeln. Mit
der Aussicht auf solche Erhöhung ließ sich Preußen so lange
ködern, bis Napoleon alles vorbereitet hatte, um gegen den
bisher so gefügigen Bundesgenossen zu entscheidendem Schlag
auszuholen. Als die preußische Regierung endlich erfuhr, daß
Napoleon, der in dem neuen Leiter der englischen Politik,
James Forx, einen weit nachgiebigeren Gegner hatte, als in
dem verstorbenen Pitt, sogar hannover an Georg III. zurück⸗
geben wolle, und als andrerseits Zar Alexander in Berlin
eröffnen ließ, daß er einen Norddeutschen Bund ebensowenig
anerkennen werde als den Rheinbund, kam es zum UKrieg.
In Fridericianischem Sinn wurde von Scharnhorst der Plan
einer großartigen Offensive entworfen, aber es fehlte an
der Fridericianischen Schlagfertigkeit und Kaschheit, und der
Herzog von Braunschweig war so wenig wie die Wurmser
und Mack der Kriegskunst und dem Wagemut seines Gegners
gewachsen. Nach der Doppelschlacht bei Jena und Auerstedt
(14. Ottober 1806) legte ein Bulletin Napoleons allen preußi—
schen Provinzen diesseits der Weichsel eine hohe Kontribution
auf, gleich als ob durch den Sieg ganz Preußen bis zur
Weichsel in seine hände gegeben sei; dies wurde anfangs
von seinen eigenen Marschällen als eitle Prahlerei verlacht,
doch der Erfolg lehrte, daß Napoleons Berechnung richtig
war: nie ist eine Niederlage entscheidender und vollständiger
gewesen! Zum Unglück gesellte sich noch die Schande. Der
verlorenen Schlacht in den Thüringer Waldbergen folgten
die schmähliche Flucht der einzelnen heeresteile, die unwürdige
Kapitulation wohlversorgter Festungen, die Auflösung der
alten Ordnung, der förmliche Zusammenbruch der Monarchie!
Selbstverständlich war es nicht allein die Überlegenheit
Napoleons, die ihn immer und überall siegen ließ. Wie tief