die Vereinigung der einzelnen Armeen auf dem Plateau von
Langres verabredet; dann sollte gemeinsam mit dem aus
Spanien ins südliche Frankreich vorgedrungenen heere Wel—
lingtons und den aus den Niederlanden heranzuziehenden
Truppen zum Angriff geschritten werden.
In gleichem Maß, wie bei den bezwungenen Nationen das
HVertrauen wuchs, sich des welschen Kaisertums zu erwehren,
schwanden Macht und Ansthen des sonst so Gefürchteten im
eigenen Lande. Schwager Murat brachte seine Truppen in
Sicherheit, um die vom haupt Napoleons gleitende italienische
Rönigskrone für sich zu ergattern; Talleyrand ersann immer
neue Schliche, um die Herrschaft des Gebieters zu unter—
wühlen; im Senat, im gesetzgebenden Körper, wo sonst jedes
Wort des Kaisers als Befehl gegolten hatte, wurden die
feindseligen Anträge der Opposition mit zynischen Beifallssalven
 begrüßt.
Trotz alledem blieb Napoleon fest; das wiederholte An—
erbieten der sicherlich gunstigen Bedingung der Einschränkung
Srankreichs auf die angeblichen „natürlichen Grenzen“, Rhein,
Alpen und Pyrenäen, wurde zurückgewiesen; er wollte sich
keine Erniedrigung gefallen lafsen, um seine Krone zu retten
oder aber um Europa furchtbare Blutopfer zu ersparen —
um dieser dämonischen Unbeugsamkeit willen von Millionen
verflucht, von Millionen bewundert. Es zeigte sich jetzt das
unheilvolle Wesen des Bonapartismus in grellstem Lichte, —
es zeigte sich, welches Unheil es für ein Reich bedeutet, einen
Regenten an der Spitze zu haben, der nur seine militärischen
Pflichten und nur seine soldatische Ehre kennt. „Sie sind
nicht Soldat,“ sagte Napoleon zu Metternich in Dresden,
„Sie wissen nicht, was eine Soldatenseele ist; ich bin im
Seldlager groß geworden, ein Mann wie ich schert sich den
Teufel um das Leben einer Million Menschen!“
Das Ultimatum des legitimen Europas wurde von Na—
poleon damit erwidert, daß er in Paris die bisher verpönte
Marseillaise von allen Drehorgeln leiern ließ, daß er, wie
1793 Carnot, an die revolutionäre Leidenschaft des Volkes
appellierte, — jede Mahnung zur Mäßigung als Feigheit
und Verrat brandmarkte, — nur an sich und Krieg und
Sieg dachte, ohne die ARussichten des Wagnisses abzuwägen
oder die Bedrängnis des Landes zu beachten.

40 II. Abschnitt. Das Zeitalter Napoleons J.