418 III. Abschnitt. Restauration und Verfassungskämpfe.

müsse. Deshalb geschah auf den Kongressen von Aachen (1818),
Karlsbad, Wien (1819), Troppau (1820), Caibach (1821),
Verona (1822) alles, um Beschäftigung des Volkes mit poli—
tischen Fragen überhaupt zu unterdrücken. Gegen die Hoch⸗
schulen, die „Freistätten der revolutionären Propaganda“,
gegen die Turnerei, die schon den Knaben unter „moralisch⸗
revolutionäre Zucht“ stellen wolle, gegen die Burschenschaft,
diese „Inkarnation des Umsturzgeistes“, gegen die freie Presse
wurde aufs strengste eingeschritten, bis endlich im allgemeinen
die Teilnahme des Volkes am politischen Ceben unterdrückt
war. St. pierres ewiger Friede schien gekommen, aber mit
ihm kein goldenes Zeitalter. Jetzt galt als höchste Weisheit,
sich nur üum Gewinn und Verlust am äußeren Wohlstand zu
betümmern, das Brot als Hhaupisache, das politische Lied als
garstiges Lied zu betrachten. Die Modeliteratur spiegelt getreu
die Zeitstimmung. Es ist begreiflich, daß die Kaiseridee von
einer Generation, die für Clauren schwärmte, nicht erfaßt,
geschweige denn ins Leben gerufen werden konnte.
Dadurch war aber keineswegs ausgeschlossen, daß auch in
den von Metternichs Einfluß beherrschten Staaten eine ge—
wisse Mißstimmung sich erhielt und immer noch steigerte. Ver⸗
faffungen galten eben damals als Allheilmittel für alle so⸗
zialen und wirtschaftlichen Mißstände. Heute werden sich nur
noch wenig enthufiastische Bewunderer des Parlamentarismus
finden; man ist in dieser Beziehung gründlich abgekühlt wor⸗
den. Doch es gibt nun einmal kein anderes Korrektiv gegen
willkür der Kegierungen, und wenn 3. B. die kurhessischen
oder die braunschweigischen Zustände in den zwanziger Jahren
ins Auge gefaßt werden, begreift sich leicht, daß damals die
Ciberalos⸗· so wurden zuerst in Spanien die Verfassungs⸗
freunde genannt — in Deutschland und im ganzen Abendland
so mächtig anwuchsen und die Kegierungen beständig in Atem
gehalten wurden.
Hrei Gegner hatte die politische, soziale und wirtschaftliche
Freiheitsbewegung der Rulturvölker im neunzehnten Jahr⸗
hundert zu bekämpfen: den Absolutismus, der in den klei⸗
neren und kleinsten Staaten noch häufiger als in größeren
die nackte Willkürherrschaft bedeutete, den Klerikalismus mit
seiner dogmatisch-hierarchischen Bindung des religiösen, wis⸗
senschaftlichen und sittlichen Lebens, und den Feudalis mus