Verschwörungen und Uufstände. 49

mit seiner schroffen Abschließung der Stände und Berufe. EAls
Geburtstag des Liberalismus ist jener 4. August 1789 anzu⸗
sehen, den die Anhänger des ancien régime den „ruch—
losen“, die befreiten Völker den „göttlichen“ nannten. Der
konstitutionelle Staat ist seine wichtigste Schöpfung, auch die
Selbstverwaltung der Gemeinden, die Erhöhung der Leistungs—
fähigkeit auf wirtschaftlichem, technischem und wissenschaft—
lichem Gebiet durch freien Wettbewerb der Individuen und
Nationalitäten, die Beseitigung schädlicher Inzucht durch Ein—⸗
führung von Freizügigkeit und Verehelichungsfreiheit, die För⸗
derung eines gesunden, sozialen Stoffwechsels durch Abschaf⸗
fung ständischer Privilegien und beruflicher Gebundenheit und
andere wirklich als Fortschritte anzusehende Entwicklungen
verdankt die Kulturwelt dem Liberalismus, der freilich auch,
wenn er in formalen Doktrinarismus ausartet, schädlich wirken
kann und gewirkt hat.
In Neapel nötigte eine Militärverschwörung unter Füh—
rung des Guglielmo Pepe den Rönig, eine Verfassung zu ge⸗
währen und selbst die Carbonarifarben anzulegen. Auf dem
Monarchenkongreß zu Troppau wurde aber beschlossen, gegen
die Insurgenten einzuschreiten; der österreichische General Fri—
mont schlug bei Kieti die Anhänger Pepes, und die freiheit—
liche Bewegung wurde durch Gewaltmittel der grausamsten
Ert erdrückt.
In Spanien zwangen Kiego und Ballestros den KRönig
Serdinand, die schon 1812 gewährte Konstitution wiederherzustellen,
 doch der Monarchenkongreß zu Verona beschloß, auch
hier das Feuer der Revolution auszustampfen. Die Fran—
zosen, deren Monarch sich 1818 selbst an die hl. Allianz an—
geschlossen hatte, überschritten unter Führung des Herzogs von
Angouleme die Bidassoa und zwangen die Exaltados, den ge—
fangenen König freizugeben. Auch hier wurde grausame Rache
an den Rädelsführern der Bewegung genommen, doch gerade
diese Strenge führte in vielen spanischen und portugiefischen
Kolonien, in Mexiko, Brasilien, Peru, Columbia neue Kämpfe
herbei, die fast überall mit Befreiung von der spanischen Herr⸗
schaft endigten.
Unabhängigkeit von unerträglichem Joch strebten auch die
Griechen an, die mit den Landesherren, den Türken, neun
Jahre lang (1821-1829) einen Kampf der Verzweiflung
Anus 129: Heigel, politische Ströämungen. 2. Aufl.