30 III. Abschnitt. Restauration und Verfassungskämpfe.

führten. Auch diesem Befreiungsversuche trat Metternich feind⸗
lich entgegen, während die Auferstehung Griechenlands in den
gebildeten Kreisen des ganzen Abendlandes freudig begrüßt
wurde. Je drückender die Keaktion auf den Völkern lastete,
jeden Anteil am öffentlichen Leben brandmarkend, jede natio—
nale Regung verfolgend, desto bereitwilliger erblickte man
— trotz der geschichtlichen und philologischen Bedenken Fall⸗
merayers — in den Mainoten und Hydrioten die echten Nach—
kommen der alten Hellenen und ideale Freiheitshelden.
Freilich gelang die Befreiung nicht so fast durch die
heĩdentaten der Botsaris und Diakos und durch die warme
Förderung der Philhellenen; im wesentlichen war sie das Werk
der Großmächte, welche die griechische Frage als ein Teil der
drientalischen Frage beschäftigte.
Die orientalische Frage ist über 400 Jahre alt, d. h.
ebenso alt, wie die herrschaft der Türken über europäisches
Gebiet. Nur ging die Frage zuerst dahin: Wie weit werden
die Osmanen in Europa vordringen? und später lautete sie:
Wann werden die Türken aus Europa hinausgedrängt werden?
— Das angebliche Testament Peters des Großen ist nur eine
im Auftrag Napoleons J. fabrizierte Fälschung, aber tatsäch—
lich war Peters Politik immer auf Erwerbung Konstanti—
nopels gerichtet, und ebenso haben alle seine Nachfolger dieses
Ziel im Auge behalten. Osterreich, jahrhundertelang bedrängt
und geschädigt durch den Türken, hat seit den Siegen Montecu—
tolis, Ludwigs von Baden und Eugens von Savoyen namhaften
Cändergewinn auf Kosten der Hohen Pforte gemacht. Später
wechselte die Politik Osterreichs. Noch unter Josef II., vorüber⸗
gehend auch unter Franz II. ging Osterreich Hand in hand
mit Rußland, um eine Teilung der Balkanhalbinsel durch—
zusetzen; da aber der Besitz Konstantinopels für Kußland einen
fo überragenden Zuwachs an Macht bedeuten würde, daß jeder
andre Gewinn daneben bedeutungslos wäre, gab sich und gibt
fich Osterreich seit Metternichs Tagen Mühe, die orientalische
Frage zu stauen. Deshalb muß auch verhindert werden, daß
die im letzten Jahrhundert mehr oder weniger selbständig ge—
wordenen Donaufürstentümer gänzlich unter russischen Ein—
fluß kommen. Wenn sich Osterreich — nach Bismarcks Wort
und Wunsch — als wirkliches Ostreich behaupten will, darf
es sich nicht die wichtigsten PBerkehrsadern unterbinden lassen;