Der Antagonismus zwischen Osterreich und Preußen. 63

Doch die Begeisterung verflüchtigte sich rasch. Friedrich Wil—
helm IV., eine stark impulsive Natur, war immer vorndran,
beteiligte sich persönlich an allen Kämpfen der Meinungen und
der Parteien; deshalb gewöhnte man sich daran, alles und
jedes auf die Initiative des Königs zurückzuführen. Man
machte ihn verantwortlich für die schlecht verhüllte Nieder—
lage, welche der preußische Staat bei dem Abschluß des Kölner
Kirchenstreits erlitt; man schob die Schuld auf eine angeblich
katholisierende Kichtung Friedrich Wilhelms, die in Wirklich—
keit, wie die Briefe an Bunsen beweisen, nichts anderes war,
als romantisch⸗mittelalterlicher Uberschwang; man machte ihn
verantwortlich für die gehässigen Polizeimaßnahmen des herrn
v. Rochow, des Erfinders des Worts vom „beschränkten Unter⸗
tanenverstand“. Auch besonnene Politiker beklagten, daß sich
der König unerbittlich gegen die immer deutlicher hervortreten⸗
den Forderungen der neuen Zeit verschließe, deren Erfüllung
allein die Durchführung der deutschen Mission Preußens er—
mögliche. Als dem Verlangen, der König möge endlich in Er—
füllung des von seinem Vater gegebenen Versprechens eine
Verfassung gewähren, immer stürmischer, bald von Provinzial-⸗
ständen, bald von Stadtvertretungen Ausdruck gegeben wurde,
wies er das Ansinnen barsch und bündig ab. Metternich, der,
vom Rönig um Rat befragt, vor dem Sprung ins Dunkle ge—
warnt hatte, konnte getröstet an seine Gemahlin schreiben:
„Ich habe den unsinnigen Verfassungsplan getötet (j'ai tué)!“
Doch Friedrich Wilhelm IV., wenn auch kein Anhänger mo—
derner Ideen, besaß zu viel Geist und Gemüt, als daß er
sich in allen Fragen nach dem Metternichschen hexenhammer
gerichtet hätte. So wurde trotz alledem die Regierung des
„Romantikers auf dem Throne“ die Brücke zur neuen ZSeit.
Auf eine ähnliche Erscheinung stoßen wir in Italien. Welcher
haß sich dort gegen Metternich und die auf Metternichs Welt—⸗
ordnung eingeschworenen kleinen Machthaber angesammelt
hatte, zeigte ein Blick auf die Literatur. Aus den Denkwürdig-⸗
keiten Settembrinis, um nur ein Beispiel hervorzuheben, ist
auch zu ersehen, daß dieser Haß nicht unberechtigt war, daß
sich die Getreuen Metternichs, seine „hände“, wie er sagte,
zur Unschädlichmachung der giovine Italia unwürdiger Mittel
bedienten. Gegen die auf italienischem Boden sich abspielen—⸗
den Tragödien ist Fritz Reuters Festungstid eine Idylle. Eine