Das Sturmjahr 1848.

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Zu ähnlichen Unruhen kam es auch in andern deutschen
Staaten. Rückschrittliche Minister dankten ab und wurden durch
Führer der volkstümlichen Bewegung ersetzt. Sogar der Frank—
furter Bundestag richtete an die Bundesregierungen das Er—
suchen, nicht bloß den auf Mitwirkung an der Kegierung ge—
richteten Volkswünschen nachzugeben und die konstitutionelle
Monarchie als Staatsform anzuerkennen, sondern auch die
Wahlen von Nationalvertretern anzuordnen, welche am Sitze
der Bundesversammlung zusammenzutreten hätten, um als
Mittler zwischen Regierungen und Volk das deutsche Ver—
fassungswerk zustande zu bringen. Der Bundestag wagte aber
nicht, einen Senat der Bundesregierungen, ein Oberhaus, zu
bilden, und auch über die Berufung eines Oberhauptes zur
Leitung der Reichsregierung kam es nicht zur Einigung. So
beschloß man, das Parlament ohne Reichsregierung zusam—
mentreten zu lassen.
sAm 31. März 1848 eröffnete das deutsche „Porparlament“
in der Paulskirche zu Frankfurt seine Sitzungen. UÜber 500
Mitglieder, Süddeutsche in starker Überzahl, hatten sich dazu
eingefunden.
Nur volles Einverständnis zwischen Fürsten und Volk
konnte dem nationalen Werk eine befriedigende, dauerhafte
Lösung sichern, — dieses Einverständnis war aber im
Jahre 1848 nicht vorhanden. Dagegen fehlte es nirgends
an Widersprüchen, Gegensätzen, Feindfeligkeiten. Trotz alle—
dem war es ein großer Augenblick, als unter dem Geläut
aller Glocken und dem Donner der Geschütze zum ersten—
mal freigewählte Vertreter der deutschen Nation vom
Römer nach der Paulskirche zogen. Zum erstenmal ging
der Ditmarsche neben dem Schwaben, der Pommer neben dem
Tiroler, — und welche Männer waren hier versammelt! Die
auserlesensten Geister der Nation befanden sich darunter, —
es sei nur an Arndt, Dahlmann, Jakob Grimm, Gervinus,
Raumer, Uhland, Robert Mohl, Welcker, Mittermaier, Döl—
linger, CLasaulx, Pfizer, Jakoby erinnert. Daß viele dem Pro—
fessorenstand angehörten, hat der Versammlung den Spitz—
namen „Schulmeisterparlament“ eingetragen. „Deutschland
hat“, so urteilt LCudwig Bamberger, „unter der Anführung
seiner Professoren das trostloseste Schauspiel politischer Un—
beholfenheit und Schwachsinnigkeit gegeben, das jemals die
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