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VI. Abschnitt. Das Zeitalter Bismarcks.

nicht; es war das schon schwierig bei seinem Herrn Bruder,
in dem die militärische Ader und das preußische Offiziers—
gefühl vorwiegend waren.“ Die Rücksicht auf die Kammer—
zelebritäten und gefeierten Staatsrechts-Theoretiker dünkte ihn
verwerflich. „Der preußische Geist ist ein edles Roß, das den
gewohnten Reiter und herrn mit mutiger Freude trägt, den
unberufenen Sonntagsreiter aber mitsamt seiner schwarzrot⸗
goldenen Zäumung auf die Erde setzt.“ Anstatt der vielen
theoretischen Erörterungen über VDerfassungsparagraphen, so
meint er auch noch in seinen Denkwürdigkeiten, hätte man
besser die vorhandene lebenskräftige, preußische Militärmacht
in den Vordergrund stellen sollen, und hätte man besser ohne
Rücksicht auf Beifall und Popularität bei verwandten Fürsten⸗
häusern, bei Parlamenten, historikern und in der Tagespresse
gehandelt.
Das Programm von 1866 ist im Grunde genommen nur
eine Umschreibung des Bismarckschen Ausspruches von 1848
„Es wäre eine echt nationale preußische Politik, mit dem⸗
selben Kecht, wie einst Schlesien erobert wurde, den Deutschen
zu befehlen, welches ihre Verfassung sein sollte, auf die Ge—
fahr hin, das Schwert in die Wagschale zu werfen.“ Im
Erfurter Parlament von 1851 trat er als trotziger Verächter
des Unionswerkes auf, weil es den Krieg mit Osterreich bringen
würde. Diese Begründung erklärte er später damit, daß er
den Krieg noch aufgeschoben haben wollte, bis Preußen hin⸗
länglich gerüstet wäre. Aus seinen damaligen Reden tritt je—
doch klar zutage, daß auch er noch ebenso wie der Uönig von
Preußen der Äberzeugung war, daß Preußen sich Osterreich
unterzuordnen oder wenigstens an engster Verbindung mit
Osterreich festzuhalten habe, da die beiden großen Kontinental
mächte den Beruf hätten, den demokratischen Zeitgeist zu be—
kämpfen.
Sreilich als er noch im nämlichen Jahre zum Bundestags-⸗
gesandten in Frankfurt ernannt würde, war für ihn die
Politik des „Hand in hand-Gehens“ mit Osterreich nicht lange
mehr maßgebend. Aus den von Poschinger veröffentlichten
Berichten aus Frankfurt wissen wir, wie der verspottete „diplo⸗
matische Säugling“, obwohl er nie ein juristisches Staatsexamen
gemacht und den größten Teil seiner Lebensjahre unter Bauern
zugebracht hatte, seine Kollegen um haupteslänge überragte.