Der Sturz des ersten Kanzlers.

an Rußland zustande (1891); der unnatürliche Zweibund
zwischen Autokratie und Republik sollte ein Gegengewicht
bilden gegen den Dreibund im herzen ECuropas. —
Bismarck selbst hat einmal gesagt: „Was ein guter Gaul ist,
stirbt in den Sielen!“ Ihm sollte es aber nicht vergönnt sein,
im Amt zu sterben.
Nachdem die Lebenssonne des greisen Kaisers Wilhelm J.
würdevoll untergegangen war (9. März 1888) und den Nach—
folger Friedrich III. bald darauf eine tückische Krankheit hin—
weggerafft hatte (15. Juni 1888), bestieg den Thron ein junger
Kaiser, der von seinen Kechten, aber — sogar der leidenschaft—
lichste Gegner wird dieses Zeugnis nicht versagen! — auch von
seinen Pflichten die höchste Meinung hat und zur Durchfüh—
rung seiner Regentenaufgabe ebenso außergewöhnliche Geistes—
gaben wie festen Willen mitbringt. Es war etwas Selbstver—
ständliches, daß ein Fürst von so kräftiger, impulsiver Art
nicht auf die Dauer die höchste Gewalt mit einem Diener teilen
wollte, dessen Autorität so riesengroß aufgewachsen war, daß
er selbst und die deutschen Patrioten in jeder Beschränkung
seiner Machtbefugnis eine Gefahr erblickten. Das Seitalter
Bismarcks war abgelaufen; der Susammenstoß der hervor—
ragendsten Vertreter der alten und der neuen Zeit war unver—
meidlich.
sAm 20. März 1890 schied Bismarck aus dem Amt. Wenige
Tage später verließ er, nachdem er noch drei blühende Rosen
auf den Sarg Kaiser Wilhelms J. niedergelegt hatte, die
Reichshauptstadt, um sich nach seinem Landgut im Sachsen—
walde, Friedrichsruh in Lauenburg, zurückzuziehen. Die dank—
bare Verehrung aller Kreise, in welchen der nationale Ge—
danke hochgehalten wurde, blieb ihm treu, bis er am 30. Juli
1898 die Augen für immer schloß. Solange es Deutsche gibt,
wird des Mannes nicht vergessen werden, für welchen das von
Goethe für Blücher gepräqte Wort volle Geltung hat:

„In Sturz und Sieg
bewußt und groß ....“

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