Politische und wirtschaftliche Entwicklung Englands. 119

derer Weise, als es jemals in der hellenistischen Zeit und in
der Periode des römischen Cäsarentums der Fall war. Die
englische Sprache wird in Entfernungen gesprochen, von
denen weder Griechen noch Römer eine Vorstellung hatten. Ma—
caulay läßt bekanntlich einen melancholischen Neuseeländer
auf den Trümmern Londons der Vergänglichkeit des Irdischen
nachsinnen. Vorerst sagt diese Figur nichts anderes, als daß
im Viktorianischen Zeitalter die ganze Welt der Südsee englisch
geworden ist, daß in Australien, Neuseeland, auf zahllosen
Inselgruppen ein neues England mit derselben Sprache, dem—
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tungen im Entstehen begriffen ist, bereit, die Kultur und die
Herrschaft der angelsächsischen Kasse fortzusetzen, wenn das
alte Mutterland dem Schicksal alles Irdischen erliegen würde.
Vom britischen Reich läßt sich tatsächlich sagen, daß es keine
Grenzen kennt; von Jahrzehnt zu Jahrzehnt dehnten sie sich
immer weiter ins Ungewisse aus. Damit wurde Europa für
die englische Politik fast gleichgültig. Das Kabinett von St.
James enthielt sich denn auch jeder Einmischung in die Ver—
wicklung Italiens und Deutschlands, ja sogar in den Bürger—
krieg der Vereinigten Staaten, wie stark auch der Vorteil Eng—
lands und die Sympathie der Engländer den Südstaaten zu—
neigten. Auch der Verschiebung der Machtverhältnisse in
Mittelasien sah England schweigend zu. Sein zunehmender
Wohlstand und seine universelle Stellung trösteten es über
Machtvergrößerung seiner Nebenbuhler; es schien keine höhe—
ren Ziele zu kennen, als den Genuß seines Reichtums und die
Ausdehnung seiner handelsbeziehungen.
In den letzten zwanzig Jahren wurde aber auch in Eng—
land diese friedliche Stimmung durch eine imperialistische Ten—
denz verdrängt. Die Bedrohung Herats durch die Kussen und
der Aufstand in Agypten, der den englischen Einfluß nicht
bloß im Nillande, sondern auch in Indien zu vernichten drohte,
schreckten die Briten auf. Die Ironie des Schicksals wollte
sogar, daß der Führer der Friedenspartei, Gladstone, sich ge—
zwungen sah, durch die Beschießung Alexandrias und die Be—
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leiten. Seither mußte England fast jedes Jahr das Schwert
ziehen.
Im Kriege mit den beiden südafrikanischen Burenrepubliken