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VII. Abschnitt. Weltpolitik.

rokko, im Kapland, unter allen himmelsstrichen. Möchten
sich diese auswärtigen Deutschen nur auch immer vor Augen
halten, daß zu den Eigenschaften, dank denen die Engländer
den Weltmarkt für sich erobert haben, an erster Stelle ihr
starkes Nationalgefühl gehört.
Die überseeischen Beziehungen und das Erscheinen der Reichs⸗
flagge auf den Meeren haben aber nicht nur das deutsche Un—
sehen im Ausland erhöht, sondern auch wohltätig auf die
inneren Verhältnisse der heimat zurückgewirkt. Der Süden
ist dem Norden dadurch näher gerückt worden, denn auch die
süddeutsche Industrie, Nürnberger Spielzeug, Pforzheimer
Schmuckwaren, Münchner Bier finden, dank der stattlichen
handelsflotte, reichen Absatz in der Fremde. Bayrische Offi—
ziere und ärzte dienen in den afrikanischen Schutztruppen neben
den preußischen. Katholische wie protestantische Priester be—
mühen sich, in erhebendem Wetteifer Not und Gefahr ertra—
gend, die christliche Lehre in die dunkelsten Erdteile zu ver—⸗
pflanzen.
Freilich fehlt es nicht an urteilsfähigen, besonnenen Vater—
landsfreunden, die durch die weitreichende Expansion, durch
den angespannten Wettbewerb der deutschen Volkskraft mit
anderen Nationen in bange Sorge versetzt sind. Doch die
überraschend glücklichen Erfolge dürften als ausreichender Be—
weis gelten können, daß wir auf dem rechten Wege sind. Es ist
zu hoffen, daß die neue Entwicklung unserem Volke den alten
Ruhm eines Kulturträgers und KUulturmehrers wieder erwer—⸗
ben und mit der wirtschaftlichen auch die geistige Leistungs—
fähigkeit stärken und steigern wird. —
Wir sind am Schluß unserer Betrachtung angelangt. In
der Einleitung wurde die Behauptung vertreten, daß die Ge—
schichte nicht auf allen Gebieten menschlicher Kultur einen
Fortschritt aufzuweisen hat. Auch auf Anfang und Ende des
19. Jahrhunderts läßt sich dieser Grundsatz anwenden, — man
vergleiche nur das klassische Zeitalter der deutschen Literatur
mit ihrem heutigen Tiefstand! Doch in Ausbreitung und Ver⸗
tiefung der humanität ist auch während des letzten Jahr—
hunderts ein segensvoller Fortschritt nicht zu verkennen. Als
Zeugnis kann auch die Friedenskonferenz angeführt werden,
welche in einer mächtig aufgewühlten friedlosen Zeit auf be—
sonderen Wunsch des Zaren Nikolaus II. zu Pfingsten 1899