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        <title>Politische Hauptströmungen in Europa im 19. Jahrhundert</title>
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            <forname>Karl Theodor von</forname>
            <surname>Heigel</surname>
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            <idno>188011688X</idno>
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        <pb n="1" />
        Aus Natur und Geisteswelt

Sammlung wissenscheftlich⸗ gemeinverständlicher Darstellungen

— —ñen—

K. Th. Heigel

Politische Hauptströmungen
in Europa im 19. Jahrhundert

Zweite Auflage

Verlag von B. G. Teubner in Leipzig

2——— ⏑O[⏑[ [ V 7 —
— — —
EA
        <pb n="2" />
        Ein vollständiges Verzeichnis der Sammlung „Rus Natur
und Geisteswelt“ befindet sich am Schluß dieses Bandes.

Anu naturw. 400; 1110. PL
        <pb n="3" />
        Die Sammlung
„Aus Natur und Geüsteswelt“

verdankt ihr Entstehen dem Wunsche, an der Erfüllung einer bedeut⸗
famen sozialen Ausgabe mitzuwirken. Sie soll an ihrem Teil der
unserer Rultur aus der Scheidung in Kasten drohenden Gefahr be⸗
gegnen helfen, soll dem Gelehrten es ermöglichen, sich an weitere Kreise
Ju wenden, und dem materiell arbeitenden Menschen Gelegenheit
bleten, mu den geistigen Errungenschaften in Sühlung zu bleiben. Der
Gefahr, der halbbildung zu dienen, begegnet sie, indem sie nicht in
der vVorführung einer Sülle von Lehrstoff und Lehrsätzen oder etwa
gar unerwiesenen Hypothesen ihre Aufgabe sucht, sondern darin,
dem Leser Verständnis dafür zu vermitteĩn, wie die moderne Wissen⸗
schaft es erreicht hat, über wichtige Fragen von allgemeinstem Inter⸗
esfe Cicht zu verbreiten, und ihn dadurch zu einem selbständigen Ur⸗
dell über den Grad der Zuverlässigkeit jener Antworten zu befähigen.
Es ist gewiß durchaus unmöglich und unnõtig, daß alle Welt
sich mit geschichtlichen, naturwissenschaftlichen und philosophischen
Studien befosse. Es kommt nur darauf an, daß jeder an einem
Punkte die Freiheit und Selbständigkeit des geistigen Lebens ge⸗
winnt. In diesem Sinne bieten die einzelnen, in sich abgeschlossenen
Schriften eine Einführung in die einzelnen Gebiete in voller An⸗
schaulichkeit und lebendiger Frische.
In den Dienst dieser mit der Sammlung verfolgten Aufgaben
haben sich denn auch in dankenswertester Weise von Anfang an
die besten Namen geftellt. Andererseits hat dem der Erfolg ent⸗
sprochen, so daß viele der Bändchen bereits in neuen Auflagen vor⸗
Uegen. Damit sie stets auf die höhe der Forschung gebracht werden
können, sind die Bändchen nicht wie die anderer Sammlungen
stereotypiert, fondern werden — was freilich die Aufwendungen
sehr wefentlich erhöht — bei jeder Auflage durchaus neu bearbeitet
und völlig neu gesetzt.
So sind denn die schmucken, gehaltvollen Bände durchaus
geeignet, die Freude am Buche zu wecken und daran zu gewöhnen,
inen einen BPetrag, den man für Erfüllung körperlicher Bedürf—
nisse nicht anzusehen pflegt, auch für die Befriedigung geistiger
anzuwenden. Durch den billigen Preis ermöglichen sie es tatsächlich
jedem, auch dem wenig Begüterten, sich eine kleine Bibliothek zu schaffen,
die das für ihn Wertvollfte „us Natur und Geisteswelt“ vereinigt.
Die meist reich illustrierten Bändchen sind
in sssh abgeschloffen und einzeln käuflich.
Ausführlicher illustrierter Katalog unentgeltlich.
Ceipziq. B.G. Teubner.
        <pb n="4" />
        80
        <pb n="5" />
        Aus Natur und Geisteswelt
Sammlung wissenschaftlich⸗gemeinverständlicher Darstellungen
129. Bändchen

Politische Hauptströmungen

in Europa im 19. Jahrhundert

DVon

Karl Theodor Heigel
heodor heig

Zweite, verbesserte und
vermehrte Auflage

*

Druck und Verlag von B. G. Teubner in CLeipzig 1911
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32
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Copyright 1911 by B. G. Teubner in Leiprzig.

Alle Rechte, einschließlich des Übersetzungsrechts, vorbehalten.
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Vorwort zur zweiten Auflage.

Ich kann mich über die Aufnahme meines anspruchslosen
Büchleins im allgemeinen nur dankbar aussprechen. Mein Be—
streben, den inneren Zusammenhang der wichtigsten politischen
Ereignisse und Gestaltungen und ihre Wirkung auf die kul—⸗
tureile Entwicklung des Jahrhunderts klarzulegen, ließ mich
manches freundliche Wort der Anerkennung ernten. Die er—
freuliche Tatsache, daß eine zweite Auflage nötig wurde, bot
mir auch die Moͤglichkeit, einigen von der Kritik gerügten
Mängeln abzuhelfen. Insbesondere wurden die Abschnitte über
den Sieg des Nationalitätsprinzips in der österreichischen Mon—
archie und die Gründung des Deutschen Reiches, soweit es
der knappe Rahmen zuließ, ausführlicher behandelt.

der verfafser.

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        <pb n="8" />
        Inhalt.

Feite

Sinleitung. Fortschritt u.
Rückschritt im 19. Jahr⸗
hundert .... .
Abschnitt. Die große
französische Revolution
bis zum 18. Brumaire.
Abschnitt. Das Seit⸗
alter Napoleons J...
III. Abschnitt. Restauration
und Verfassungskämpfe 43

IV. Abschnitt. Das Vor—
dringen des französischen
CLiberalismus und die
Wiederbefestigung der
alten Gewalten. ..
V. Abschnitt. Der Sieg des
Nationalitätsprinzips 72
VI. Abschnitt. Das Seit⸗
alter Bismarcke... 89
ViII. Abschnitt. Weltpolitik 110

Seite
        <pb n="9" />
        Einleitung.

Fortschritt und Ruckschritt im 19. Jahrhundert.
Das 19. Jahrhundert hat auf allen Gebieten des mensch⸗
lichen Lebens, Schaffens und Könnens so gewaltige Derãnde⸗
rungen, so reiche Vermehrung oder doch Vertiefung gebracht,
daß es dem einzelnen nicht mehr möglich ist, die Fülle der
Gefichte auch nur annähernd vollständig in sich aufzunehmen.
duf allen Gebieten der Wissenschaft und Kunst, in der in⸗
dustriellen Tätigkeit, in den Einrichtungen, welche die Mensch⸗
heit und Menschlichkeit fördern sollen, in der Stube des ein⸗
samen Seelenforschers wie im Laboratorium des Physikers,
der den geheimnisvollen Kräften der Natur nachspürt, in
den großen Werkstätten der Fabrikstädte, in den Docks der
hafenplaͤtze, in den Ausstellungen, wo die Völker aller Zonen
in friedlichem Wettkampf sich messen — überall spielt sich
Geschichte ab. Wie unendlich viele wichtige Erfindungen hat
das Jahrhundert hervorgebracht! Der Dampf als Motor,
die usnützung der Elektrizität, die Schnellpresse, die Anilin—
farben, die Reibzündhölzchen, die Sprengstoffe, das Lichtbild,
die Schiffsschraube, wie gewaltig haben alle diese neuerungen
nicht blioß das CLeben des Individuums, sondern die Be—
ziehungen der Völker, die Erscheinung des Erdballs um—⸗
gestaltet!*)
Auch neue wissenschaftliche Disziplinen sind mächtig empor⸗
gewachsen. Es sei nur erinnert an die Sozialwissenschaft,
das ureigenste Produkt der Neuzeit, das schon in seinen
Jugendtagen ebenso große Bedeutung beansprucht, wie die
alte Mutter, die Philosophie. Wie großartig haben sich die
biologischen Wissenszweige entfaltet! HAus der Medizin ist
die hugiene herausgewachsen, wohl der segensreichste Gewinn
aus der gesamten Naturerforschung!

9 O. v. Leirner, Das 19. Jahrhundert, Cinleitung.
Anus 129: Beigel, politische Strömungen. 2.Hufl.
        <pb n="10" />
        Cinleitung.

Doch nicht auf allen Gebieten begegnen wir einem Fort—
schritt, einem wirklichen unanfechtbaren Fortschritt. Es ist
dafür gesorgt, daß wir nicht allzu stolz auf die Errungen—
schaften der neuen Zeit blicken koͤnnen! Heftiger denn je ist
der hader der Bekenntnisse entbrannt — es gewinnt den
Anschein, als habe das 18. Jahrhundert keine dauernde
Frucht hinterlassen, als steckten wir noch mitten im 17. Sä—
kulum mit seinem Gezänke und Geraufe! Und ist etwa das
19. Jahrhundert sittlicher als das Zeitalter des Sokrates?
Ist eine durchgreifende moralische Besserung der Menschen,
eine stärkere Bändigung der Leidenschaften, eine siegreichere
Überwindung der Selbstsucht, sei es durch die Religion, sei es
durch die Gesetze, zu konstatieren? Diese Fragen koͤnnen nicht
bejaht werden. Immerhin gewährt es, wie Kanke sagt, nicht
geringen Trost, daß wenigstens der Grundsatz der persön—
lichen Freiheit durchgedrungen, daß überhaupt in der hu—
manität ein Aufwärtsstreben, also in gewissem Sinne doch
auch ein Fortschritt sich erkennen läßt.
Wer nun im wahren Sinne des Wortes Geschichte des
19. Jahrhunderts vortragen, das Verständnis des Jahr—
hunderts vermitteln wollte, der müßte alle diese preis—
würdigen und beklagenswerten Erscheinungen, die wichtigsten
Ergebnisse der Naturforschung, die bahnbrechenden Schöp—
fungen in Dichtung und bildender Kunst, alle diese Werke
und Tage im Zusammenhang erfassen und klar und über—
sichtlich zur Anschauung bringen. Doch auch eine Goethesche
Totalität würde heute nicht mehr ausreichen, um alles Not—
wendige in sich aufzunehmen und erfolgreich zu verarbeiten.
Es wird deshalb immer notwendig sein, den Stoff unter
Forscher und Lehrer aus verschiedenen Fakultäten zu ver—
teilen. Mir ist nur die Aufgabe zugeteilt, die Hauptströmun—
gen auf politischem Gebiet meinen Lesern vor RAugen zu
führen.
Doch auch in dieser Beschränkung ist der Stoff noch immer
so gewaltig, daß ich nur zu einer kurzen Wanderung durch
die Bildersäle der Geschichte des 19. Jahrhunderts einladen
kann. Jedes Eingehen auf Einzelheiten, auch auf wichtige
Ergebnisse der neuesten Forschung verbietet sich im engen
Rahmen dieser Darstellung von selbst. Ich muß ganz darauf
verzichten, den Leser belehren zu wollen, ich kann ihn nur
        <pb n="11" />
        Einleitung.

anregen, kann ihn nur im Flug nochmals erinnern an schon
Gelerntes und Selbstgeschautes, denn

. viele Geschlechter
reihen sich dauernd
an ihres Daseins
unendliche Kette!“

Dagegen darf mich weder die Fülle des Stoffes, noch die
Beschränktheit des mir eingeräumten Kaumes abhalten, noch
etwas über das 19. Jahrhundert zurückzugehen, denn weder
mit dem Jahre 1800 noch mit dem Jahre 1801 — auch
damals eine vielumstrittene Frage! — sondern mit dem
5. Mai 1789, mit dem Zusammentritt der Etats généraux
in Versailles beginnt das 19. Jahrhundert, beginnt die Ge—
schichte der neuesten Zeit.
        <pb n="12" />
        1. Abschnitt.

Die große franzssische Kevolution bis zum
18. Brumaire.

Segen und Unsegen der französischen Revolution. Entwicklungs⸗
stufen und Kichtpunkte der Revolution, Kampf des legitimen Europa
mit der Franzoͤsischen Kepublik. Der Umschwung in Frankreich nach
dem 9. Thermidor. Libertél égalité! — gloire! Bonaparte.

Siteratur.

TokCquevilse, L'ancien régime et la Révolution (1857).
aine, Les origines de la France contemporaine (-IV, 1875).
(Deutsche Bearbeitung von Katscher, 1878.)
Sorei, TEHurope et la révolution française IVL 1885).
Aulsard, Histoire politiqus de la Révolution (1901).
Stein, Geschichte der sozialen Bewegung in Frankreich von 1789 bis
auf unsere Tage (1850).
Erdmannsdoerfser, Mirabeau (1900).
Sijbel, Geschichte der Revolutionszeit von 1789 — 1800 (5 Bde.,
N. aA. 1882).
Häufsser, Deutsche Geschichte vom Tode Friedrichs des Großen bis
zur Gründung des Deutschen Bundes (4&amp;amp; Bde., 4. A. 1869).
Oncken, Wilhelm, Das Zeitalter der französischen Revolution, des
Raiferreiches und der Befreiungskriege, 2 Bde. (1884).
heigel, Deutsche Geschichte vom Tode Friedrichs des Großen bis zur
Auflöfung des alten Reichs (1. Bd. 1893).

Ciner der geistvollsten Forscher auf dem Gebiete der Kevo—
lutionsgeschichte, Hippolyt Taine, der Verfasser des ebenso
bedeutenden wie eigenartigen Werkes „Les origines de la
fFrance contemporaine“, vertritt die Ansicht, der Kampf
gegen die politischen und sozialen Verhältnisse der absolu—
tistischen üra, den wir die große Revolution nennen, hätte
vermieden oder wenigstens noch auf längere Seit vertagt
werden können, wenn die französische Regierung entweder
den Mut gehabt hätte, die Anfänge der Umwälzung gewalt⸗
sam zu unterdrücken, oder die Großmut, die anfänglich er—
hobenen berechtigten Forderungen des Volkes zu bewilligen.
        <pb n="13" />
        Segen und Unsegen der französischen Revolution. 5

Auch nach Rankes Uuffassung wurde durch den unglücklichen
Tudwig XVI. die Revolution oder vielmehr die Entartung
der Kevolution verschuldet, infofern er zuerst selbst den
dritten Stand aus politischer Ohnmacht hervorzog, dann aber
verschmähte, mit diesem Faktor zu rechnen und die Hilfe
des Buürgertums gegen die zügellosen Gelüste des Pöbels in
Anspruch zu nehmen.
am 5. mai 1789 war den Vertretern des dritten Standes
in ihrer geschmacklosen Leichenbittertracht im hintersten Winkel
der Salle des menus in vVersailles ihr Platz angewiesen;
weitab von ihnen saßen um den Thron die CEdelleute mit
blitzenden Degen, wallenden Federbüschen und reicher Ritter⸗
tracht und die Prälaten in violetten Seidengewändern. Doch
— D
Am 20. Juni leisten die Bürgerlichen im Ballspielhaus den
Schwur, nicht auseinandergehen zu wollen, bevor eine Ver—⸗
fassung für das Land geschaffen sein würde, und fortan stellt
die konstituierende Versammlung die erste, maßgebende Ge⸗
walt des Staates dar. Der 14. Juli bringt die Erstürmung
der Bastille. Die vielgefeierte „heldentat des erwachten
volkes“ war, wie Funck Prentano nachgewiesen hat, nur das
traurige Schauspiel der Entmenschtheit eines Pöbels, der
seinen Tyrannenhaß an einem Häuflein wehrloser Gardisten
kühlte, — aber der geschichtliche Niederschlag des Ereignisses
war nichtsdestoweniger eine ungeheure Wohltat für die bis
dahin jeder Willkür, jedem Übermut preisgegebenen Völker.
Unmitielbar darauf folgt jene denkwürdige Nachtsitzung der
Nationalversammlung vom 4. August, die vom dankbaren
Bürger- und Bauernstand die göttliche, von den Legitimisten
später die ruchlose genannt worden ist, in welcher aber die
bertreter der privilegierten Stände selbst sich überboten, der
Aufklärung, der Gerechtigkeit, dem Gemeinsinn ihre Vorrechte
zum Opfer zu bringen. Es sollte allem entsagt werden, was
den Franzofen vom Franzosen trennte: Abschaffung der Leib—
eigenschaft, Abschaffung der gutsherrlichen Gerichtsbarkeit,
Einschränkung des Jagdrechts, Abschaffung aller Steuer—
befreiungen, Zulassung aller Bürger zu allen Amtern in
ztaat und Heer, Abschaffung des Zunftwesens, Aufhebung
der Sonderrechte von Städten und Provinzen, Ubschaffung
des Zehnten und des Besitzrechts der toten Hand. Welch
        <pb n="14" />
        6 1. Abschnitt. Die große französische Revolution bis zum 18. Brumaire.

lange Keihe von Verfügungen, deren jede einzelne eine ge—
waltige Umwälzung bedeutet. Und eine Umwälzung zum
segen der Menschheit!
Taine und Tocqueville haben aufgeräumt mit der Legende
der „großen“, der „glorreichen“ Revolution. Marat und sein
blutgieriger Pöbel waren ja immer der Abscheu aller mensch—
lich Fühlenden, aber auch die Desmoulins und Danton, die
Girondisten wie ihr „großer“ Gegner Robespierre, sogar die
„ewigen Menschenrechte“ sind in der allgemeinen Wert—
schätzung gesunken. Dennoch bleibt die weltgeschichtliche Be—
deutung der französischen Volkserhebung eine ungeheure.
Ihre Frucht war köstlich, denn ihre Frucht war Emanzipation
der Arbeit, eine neue Staatsordnung mit gerechterer Ver—
teilung der Rechte und Lasten. Das Gespenst des Mittel—
alters, die UÜberlieferung vom Fluch und Segen der Geburt
spukte noch immer. Von diesem Alp wurde CEuropa in der
Nacht vom 4. August 1789 befreit. Auf den Beschlüssen, die
damals in der französischen Nationalversammlung gefaßt
wurden, beruht unsere heutige Gesellschaftsordnung. Zu—
gegeben, daß jene heißblütigen, ehrsüchtigen Parlamentarier
das historische Recht mit Füßen getreten und unantastbare
heiligtümer des Gemütes entweiht haben: nichtsdestoweniger
waren sie es, die dem Menschen und der Arbeit für alle
Zeiten eine höhere Bedeutung gaben.
Die kritische Forschung hat in den Geschichtswerken und
Romanen von Mignet und Thiers und Lamartine die Über—
treibung und Unwahrheit gezeigt, doch ebensowenig ist Taines
Anklage berechtigt, als ob alle Tat der französischen Re—
volution nur Missetat, nur Vergeudung unschuldigen Blutes
gewesen wäre. Die Deklamationen jener Kammer- und Klub—
tyrannen mögen uns heute ebenso anwidern, wie das Geheul
des Pöbels, der seinen König wie einen Verbrecher lynchen
will, wir mögen uns über die Blutopfer der Guillotine und
des Bürgerkrieges entsetzen, — doch welcher Fortschritt im
schicksal der Pölker ist ohne Irrtümer und schwere Opfer
errungen worden? Spanien erschöpfte um der Entdeckung
der Neuen Welt willen die ganze Fülle seiner Kraft, —
das deutsche Volk rieb sich auf für die Befreiung des Geistes
von der kirchlichen Bevormundung in den Religionskriegen,
— und Frankreich zerfleischte sich für eine gerechtere und
        <pb n="15" />
        Entwicklungsstusen und Kichtpunkte der Revolution. 7

einfachere politische und gesellschaftliche Ordnung in der Ke—
volution. Durch Stöhnen und Wutgebrüll tönt aus der
Ferne Klang von Auferstehungsglocken!
vielleicht wäre es trotz des Ungestüms des von der Sklaven—
kette befreiten Pöbels und trotz der hetzarbeit ehrsüchtiger
verführer gelungen, den Aufruhr in ein ruhiges Bett zu
leiten, vielleicht hätte ein lebensfähiges konstitutionelles
Uönigtum aufgerichtet werden können, wenn nicht der Mann,
dem an Kenntnissen und Talenten, vor allem an staats—
männischem Weitblick kein anderes Mitglied der konstituieren—
den Versammlung gleichkam, Mirabeau, schon am 2. April
1791 durch jähen Tod vom Schauplatz seiner Taten und seines
Ruhmes abberufen worden wäre. Mit ihm sank die Mon—
archie ins Grab. Sein Tod ließ eine Lücke, die nicht mehr
auszufüllen war, denn es gab jetzt kein Bindeglied mehr
zwischen Uönig und Volksvertretung.
Daß König Ludwig nun den von Mirabeau bekämpften
Plan, durch Slucht aus Paris sein Leben in Sicherheit zu
bringen, wirklich ausführte, hing insbesondere mit den falschen
Berichten seines Bruders, des Grafen von Artois, zusammen.
UNaiser Ceopold II. wollte ebensowenig wie sein Vorgänger
Josef II. in die französischen Händel sich einmischen, doch
Artois schrieb, eine kaiserliche Armee werde demnächst gegen
Paris heranziehen, um das Königspaar zu befreien. Der
Einmischung des Auslandes wollte König CLudwig vorbeugen;
dieser Grund war mindestens ebenso maßgebend, wie die
Furcht vor den Feinden des Throns, welche die Zügel der
KRegierung in Händen hatten.
Der Fluchtversuch mißlang. Fortan war der König in
seinen Tuilerien ein Gefangener der Nation und gehorchte
nur einem Zwang, wenn er die neue Verfassung annahm.
Die „Rönigliche Sitzung“ am 14. September 1791, in
welcher König Cudwig eidlich gelobte, nur nach den Vor—⸗
schriften der Verfassung zu regieren, bildete den Schlußstein
der konstitutionellen Periode der Revolutionszeit. Doch welch
unköniglichen Eindruck gewährte schon diese Sitzung! Suerst
wurde beraten, ob sich die Versammlung beim Eintritt des
Monarchen erheben sollte oder nicht. Noch ehe die Debatte
beendigt war, verkündigten Kanonendonner und Volksgeschrei
die Ankunft des Königs. Cudwig erschien nicht mehr, wie
        <pb n="16" />
        8 1. Abschnitt. Die große französische Revolution bis zum 18. Brumaire.

bei der Eröffnung der Etats généraux in der Salle des
menus in prunkvollem Ornat, sondern nur in einfachem
Rock, mit dem Cudwigskreuz als einziger Auszeichnung. Der
Cehnstuhl des Königs war von gleicher Form und höhe wie
derjenige des Präsidenten der Hationalversammlung. Beim
Eintriti des Königs erhoben sich zwar die Abgeordneten;
als er aber zu sprechen begann, setzten sie sich; der König
sah verlegen um fich, bemerkte, daß er allein stehe und wollte
sich ebenfalls setzen. „Sire,“ raunte ihm der Präsident zu,
es ist doch wohl geziemend, daß Sie während der feierlichen
hhandlung stehen bleiben!“ Die Botschaft, welche dem fran⸗
zösischen Volke strengen Vollzug der Verfassung zusicherte,
war gemeinschaftlich von Lafayette und Barnave ausge—
arbeitet. Als freudiger Zuruf der Versammlung und der
Tribünen für das großmütige Geschenk des Königs dankte,
da mochten sich noch einmal die Gutgesinnten dem Wahne
hingeben, daß es gelungen sei, die Sturmflut einzudämmen,
daß die Vollendung der Konftitution auch das Ende der Revo⸗
lution bedeute. Allein die Kehrseite der Münze zeigte sich
sofort nach Beendigung der Sitzung. Dichte Volksmassen
drängten sich an die Abgeordneten heran; Robespierre und
Pethion wurden mit Eichenlaub bekränzt und im Triumph
nach Hause geleitet, die Gemäßigten mit Sischen und Hohn⸗
geläͤchter empfangen. Die allmächtig gewordene Volksgunst
lachelte den „Entschiedenen“, die in der Verleihung einer Derfassung
 nur die erste Stufe zum Freistaat erblickten, und
wandte sich ab von den „Halben“, denen doch Frankreich
das ersehnie Verfassungswerk zu verdanken hatte.
vielleicht wäre trotzoem der Zusammenbruch der Gesell—
schaft nicht so rasch erfolgt, wenn nicht auf Betreiben der
Kadikalen, welche nur ‚neue Männer“ am Ruder sehen
wollten, ein Dekret durchgegangen wäre, das sämtliche Mit—
glieder der konstituierenden Versammlung von der neu zu
berufenden Uammer, die sich mit der infolge der Verfassungs—
änderung notwendig gewordenen neuen Gesetzgebung be—
schäftigen sollte, ausschloß. Dadurch kam die eigentliche Re⸗
gierungsgewalt gerade in dem Augenblick, da ein Ungriff
der deutschen heere die Grenze bedrohte, in die hände von
unerfahrenen, durch die Leidenschaft der Massen angesteckten
Männern. In der am 1. Okiober 1791 eröffneten gesetz—
        <pb n="17" />
        Entwicklungsstufen und Kichtpunkte der Revolution. 9

gebenden Versammlung bildeten die Ronstitutionellen, die
Feuillants (nach ihrem Versammlungsort, dem Kloster der
Feuillants benannt), die bei der Wiedergeburt Frankreichs
die Sache des Königtums nicht von den Postulaten der Nation
getrennt wissen wollten, nur noch ein Hhäuflein; die Jako—
biner, ebenso die etwas gemäßigteren Brifsotins EElnhänger
Brissots) oder Girondisten, wie die radikalen Montagnards
wollten nicht mehr eine Aussöhnung der Monarchie mit der
Freiheit, sondern nur den Sieg der Freiheit auf den
Trümmern der Monarchie.
Es wäre nicht gerecht, zwischen den Grundsätzen von 1789
und 1791 die Grenzlinie allzu scharf zu ziehen, die Wort⸗
führer der konstituierenden Versammlung dem Kapitol, die⸗
jenigen der Legislative dem tarpejischen Felsen zu über—⸗
weisen. Im allgemeinen aber läßt sich behaupten, daß
unter den Schwurbrüdern vom Ballhaus zu Versailles mehr
Männer sich befanden, deren Charakter dem Dämon in der
eigenen Brust, wie der allgemeinen Verdorbenheit wider⸗
stand. Insbesondere die Girondisten verdienen nicht den
Nimbus, den Lamartines historischer Roman dieser Gruppe
verliehen hat. Gewiß, der Tod dieser Männer ist traurig
und beklagenswert; gewiß gab es auch unter ihnen viele
redlich Denkende, die eben nur zu spät einsahen, daß im
wilden Taumel der Leidenschaft nicht der tiers état, sondern
der Pöbel zur herrschaft gelangen müsse. Doch durch Taine
ist unwiderleglich nachgewiesen, daß in erster Reihe die Giron⸗
disten die Verwilderung des Parlamentarismus auf dem Ge⸗
wissen haben; ihre Angriffe gegen die „verräterischen“ Emi—
granten, die „vaterlandslosen“ Priester und den „mit dem
usland verbündeten“ König haben den Sturz von Thron
und Altar wenn nicht verschuldet, so doch beschleunigt. Durch
die Girondisten gelangte der Jakobinerklub zu einer Macht,
die sich mit der Autorität der Nationalversammlung messen
konnte.
Taine gebraucht ein für die Psychologie der Revolution
in dieser Tpoche überaus treffendes Bild. Es gibt, sagt Taine,
eine Krankheit, die nur in Armenvierteln vorkommt. Ein
uberarbeiteter, schlecht genährter Taglöhner verlegt sich aufs
Trinken. Er trinkt immer mehr und immer stärkere Getränke,
bis endlich sein vom früheren Fasten überreiztes Nerven
        <pb n="18" />
        10 J. Abschnitt. Die große französische Revolution bis zum 18. Brumaire.

system den Dienst versagt. Es kommt ein Augenblick, in
welchem das unfähig gewordene Gehirn aufhört, den Me—
chanismus des Körpers in Bewegung zu setzen. Jedes Glied,
jeder Muskel handelt gesondert für fich und gerät infolge
einander widersprechender Stöße in konvulsivische Zuckungen.
Doch der Mann ist dabei guter Laune; er hält fich für einen
Millionär oder gar für einen König; er glaubt, von allen
geliebt und bewundert zu werden; er hat nicht das Gefühl,
krank zu sein; er versteht nicht die Ratschläge, die man ihm
erteilen will; er weist die hHeilmittel, die man ihm anbietet,
entrüstet zurück; er singt und schreit den ganzen Tag, und
vor allem trinkt er mehr denn je. Allmählich verzerrt sich
sein Antlitz, die Augen röten sich, — nun bieten sich ihm
nicht mehr glänzende Erscheinungen, ungeheuerliche Ge—
spenster treten an ihre Stelle, er sieht Verräter, die sich
im hintergrund verbergen, um ihn unversehens zu überfallen,
Banditen, welche die Arme ausstrecken, um ihn zu erdrosseln,
henker, die sich anschicken, ihn zu foltern. Erschrocken taumelt
er vorwärts und tötet jeden, der ihm entgegentritt, — nur
um nicht selbst getötet zu werden. Der Uinblick, den er dar—
bietet, ist furchtbar; die Stärke, die er an den Tag legt, ist
bewundernswert, denn der Fieberwahnsinn hält ihn aufrecht;
er erträgt, ohne nur darauf zu achten, Schmerzen und Leiden,
denen ein gesunder Mensch sofort unterliegen würde.
Genau so verhielt es sich mit dem revolutionären Frank—
reich. Vom Fasten unter dem ancien régime erschöpft, be—
rauscht es sich an dem Feuertrank des contrat social und
anderen verfälschten, erhitzenden Getränken, bis es plötzlich
von Gehirnlähmung befallen wird. Alsbald geraten alle
Organe in Konflikt miteinander; sie verlieren ihren Zu—
sammenhang und zerren einander hin und her; allen Gliedern
des Staates entschwinden Kraft und Leben. Nun ist die Zeit
des lustigen Fieberwahnes vorbei und die des düsteren be—
ginnt. Die Nation ist jetzt imstande, alles zu tun, alles zu
wagen, alles zu dulden; sie kann unerhörte Heldentaten ver—
richten und scheußliche Barbareien begehen, je nachdem ihre
Führer, die ebensowenig mehr zu gesunder Überlegung fähig
sind, ihre Wut gegen einen das Vaterland von außen be—
drohenden Feind oder gegen ein die innere Sicherheit be—
drohendes Hindernis aufstacheln.
        <pb n="19" />
        Entwicklungsstufen und Richtpunkte der Kevolution. 11

Man vergegenwärtige sich das Chaos von Paris in den
letzten Tagen des Königtums! Ein gutherziger, aber kraft—
loser Monarch, — eine in glücklichen Tagen kleine, erst im
Unglück große Königin, — Prinzen von königlichem Geblüt,
die mit dem Kufe: Egalité! um HAufnahme in den Jakobiner⸗
klub betteln, — Träger stolzer Namen, die um engherziger
Kücksichten willen ihre wichtigste Aufgabe, den König zu
retten, außer acht lassen, — Günstlinge der Menge mit fürst⸗
lichen Passionen, — verkommene prasser, — ehrfüchtige
Streber, — verkannte Genies, — verkrachte Existenzen, —
hochstrebende Frauen, — weibische Männer, — unverbesser—
liche Ideologen, — ränkespinnende Realisten, und alle, alle
buhlend um die Gunst der Menge, die, gestern noch im Staub,
heute auf dem Thron, sofort die Launenhaftigkeit, Citelkeit
und Grausamkeit eines asiatischen Despoten an den Tag legt.
Um nur überhaupt eine Stütze zu finden, mußte der König
sein Kabinett aus den Reihen der Girondisten nehmen. Die
Krone glitt sachte auf der schiefen Ebene weiter herab bis
zur Kante, wo sie von angeblich hilfsbereiten Händen
vollends in den Abgrund gezerrt werden konnte.
Mit der Regierung war den Girondisten auch die schwere
Aufgabe zugefallen, zu verhüten, daß die Revolution noch
weiter ausarte und das Proletariat die herrschaft an sich
reiße; andrerseits hatten sie die Umtriebe der königlichen
Partei unschädlich zu machen und sollten doch bei dieser Ab—
wehr gegen rechts und links ihre Volksbeliebtheit wahren.
Aus dem Labyrinth von Schwierigkeiten und Gefahren schien
es nur einen Ausweg zu geben: Krieg mit dem UHusland!
Dieses Interesse der herrschenden Partei, nicht der Wunsch
Kaiser Leopolds, seine Schwester aus unwürdiger Lage zu
befreien, und nicht der „legitimistische Kreuzzugseifer“ Fried⸗
rich Wilhelms II. führten zum ersten Revolutionskriege. Den
Vorwand zur Kriegserklärung gegen Osterreich (20. April
1792) gab die Behauptung, daß Kaiser Leopold in einem
Appell an Frankreich auf die Bedrohung der europäischen
Throne durch die Revolution und auf die gemeinsame Ver—
pflichtung der Fürsten zur Erhaltung der öffentlichen Ruhe
hingewiesen, mithin die Sicherheit Frankreichs bedroht und
die Ehre Frankreichs verletzt habe.
Seit der Kriegserklärung schwankte König Ludwig zwischen
        <pb n="20" />
        12 1. Abschnitt. Die große französische Revolution bis zum 18. Brumaire.

der Besorgnis, durch seine allerdings nicht freiwillige Cin—
willigung zu dieser Lösung des Knotens das Verhängnis auf
sich geladen zu haben, und der Hoffnung, die Verbündeten,
die er vor der Welt als seine Seinde bezeichnen mußte, als
Befreier zu begrüßen. Doch das viel erörterte, auf Ein—
schüchterung der Oppositionsparteien berechnete Manifest des
herzogs von Braunschweig, ein von einem heißblütigen
Emigranten, herrn von Limon, verfaßter und von Herzog
Karl Wilhelm Ferdinand ungern unterzeichneter Aufruf, der
die Stadt Paris mit Einäscherung und jeden Feind des Königtums
 mit Strafe an Leib und Leben bedrohte, wurde von
den Gegnern des Thrones als Beleidigung des französischen
Volkes gedeutet; es beschleunigte noch den Sturz des Königs.
Der 10. August, im wesentlichen das Werk Dantons, brachte
den Aufstand der Vorstädte, den Sturm auf die Tuilerien,
die Flucht des Königs in die Nationalversammlung, die Ab⸗
setzung des Oberhauptes der vollziehenden Gewalt zur Sicher⸗
stellung der Oberhoheit des Volkes und der herrschaft un—
beschränkter Freiheit und Gleichheit. Eine neue Wandlung
der Revolution ist damit vollzogen, der radikale, der „rück—
sichtslose“ Umsturz hat begonnen.
Diese Entwicklung der Dinge in Frankreich wäre zweifellos
dazu angetan gewesen, den Kriegseifer der Verbündeten zu
beleben; die Monarchie konnte ja nur gerettet werden, wenn
ihren Verteidigern rascher Sieg zufiel, ehe Frankreich zur
fufbietung seiner unermeßlichen hilfsmittel Zeit gewann.
Trotzdem bildete für die maßgebenden politischen Kreise in
Wien und Berlin nicht der Krieg mit Frankreich den Mittel—
punkt der Interessen. Während die heere nur langsam gegen
Frankreichs Grenzen rückten, war die hohe Diplomatie vor⸗
wiegend mit der Frage beschäftigt: Was erheischt unser
Interesse bei dem sich vorbereitenden Verfall des polnischen
Reiches? Wie werden wir bei einer Teilung Polens die
reichste Beute uns sichern?
Es ist hauptsächlich Sybels Verdienst, gezeigt zu haben,
daß weniger die heldentaten der Revolutionsarmeen, als die
Uneinigkeit der Verbündeten und insbesondere die lüsterne
nteilnahme der beiden Mächte an der zweiten Teilung
Polens das bankerotte, von wilder Parteiung zerrissene, aus
tausend Wunden blutende Frankreich gerettet haben.
        <pb n="21" />
        Aampf des legitimen Europa mit der Sranzösischen Republik. 13

Freilich war nicht die Beutelust der Nachbarn allein am
Falle Polens schuld; die Ursache lag tiefer, lag sozusagen
m polnischen Blute. Ritterliche Eigenschaften und patrioti⸗
scher Schwung genügen nicht, um einen Staat lebensfähig
zu erhalten. Der allzu bewegliche, neuerungssüchtige, bei
allem Stolz doch des uneigennützigen Gemeinsinnes ent—
behrende Volkscharakter war das gefährlichste, staatsfeindliche
Element. Diese Tatsache wird von unbefangenen Polen, z. B.
vom historiker Kalinka, unumwunden anerkannt. Huch kann
vom politischen Standpunkt nicht getadelt werden, daß sich
Preußen einen Anteil an der polnischen Beute sicherte. Es
war ein Akt der Notwehr. Preußen durfte nicht das Ganze
dem Zarenreich zum Opfer fallen lassen. Und für die Sivili—
sation war die Teilung Polens sicherlich kein Unglück. Du⸗
mouriez ist zweifellos ein unbefangener Zeuge. Er hatte in
Polen felbst die Verlotterung von heer und Volk so gründ⸗
iich kennen gelernt, daß er offen zugestand, „die Asiaten
Curopas“ könnten nur Vorteil daraus ziehen, wenn sie unter
fremde Herren kämen.
Doch wenn auch nicht in diesem besonderen Fall, im all—
gemeinen verdient die preußische wie die österreichische Staats—
leitung die Mißachtung der Nachwelt. Eine selbstsüchtige,
nach dem Profit des Augenblicks jagende Kabinettspolitik ent⸗
schied hier wie dort das Ja und Nein. Ralinka hat nicht
unrecht, wenn er sagt: „Es hat so manche Intriganten in
der Weltgeschichte gegeben, aber eine so häßlich betrügerische
Politik, wie diejenige, welche in der Zeit der Revolutionsfriege
 auf dem europäischen Kontinent herrschte, findet man
wohl nicht wieder.“
Krieg, der furchtbarste Gewaltakt, wurde ohne Rücksicht
auf den Willen und die Opfer der Untertanen nur um des
Vvorteils der Dynastien willen beschlossen. Das rächte sich,
als den Soldtruppen der Kabinette ein bewaffnetes Volk
gegenübertrat. Siegesgewiß sandten die Fürsten ihre wohl—
geschulten Truppen gegen Frankreich, doch mit jugendlichem
Ungestüm wehrte sich die in der Liebe zum Daterland einige
Nation gegen den eingedrungenen Feind. Beim ersten ernst⸗
lichen Zusammenstoß, bei Valmy (20. Sept. 1792), gelang
es den Veteranen des Großen Friedrich nicht, den verachteten
Gegner zu bezwingen; dieses negative Ergebnis bedeutete
        <pb n="22" />
        14 I. Abschnitt. Die große französische Revolution bis zum 18. Brumaire.

einen ungeheuren Erfolg für die Sache der Revolution. Als
in der Nacht nach dem Treffen die Hherren vom Gefolge des
herzogs von Weimar am Wachtfeuer über die 3wischenfälle
des Tages sich unterhielten, sprach Goethe das bedeutfame
Wort: „Von hier und heute geht eine neue Epoche der Welt—
geschichte aus, und ihr könnt sagen, ihr seid dabei gewesen.“
Es war dem Dichter zur Gewißheit geworden, daß die Gegen—
revolution, kaum daß sie ihr haupt erhoben hatte, in die
Woge zurücksinken, daß der Freiheitsgedanke nicht bloß in
Frankreich den Thron zertrümmern, sondern siegreich über
Curopa sich ausbreiten und ein neues Geschlecht und eine
neue Seit heraufbringen werde.
Welch klägliches Bild bot der Rückzug aus der Champagne!
Ein volles Dritteil der preußischen Armee ging durch
Strapazen, Hunger und Krankheiten zugrunde, ein anderes
Dritteil war außerstande, weiter zu dienen; der Rest bestand,
wie Goethe versichert, mehr aus Gespenstern als aus Menschen.
Welch beschämende Wendung hatte der Feldzug für die Waffen
der Deutschen und Emigranten genommen! Wie anders, als
es die Artois und Breteuil in Aussicht gestellt hatten, waren
die französische Armee und das französische Volk aufgetreten!
Den Linientruppen zur Seite standen die Freiwilligen, die
anfangs freilich nur durch ihre Zahl wirkten, doch bald,
durch kurze Übung und Erfahrung kriegstüchtig gemacht, mit
den alten Regimentern an Mut und Ausdauer wetteiferten
Und hinter dieser Armee stand ein wenigstens im Verlangen
nach Abwehr des Feindes einmütiges, opferwilliges Volk.
Von glücklicher Verteidigung ging das junge Frankreich
zum Angriff über. Statt der in Uussicht genommenen
Wiedererwerbung von Elsaß und Lothringen für Deutschland
folgten die Besetzung der bluͤhenden deutschen Kheinufer durch
die Franzosen, die Verwüstung, der Verlust ganzer Provinzen.
Von Wiederaufrichtung des Lilienthrones war längst nicht
mehr die Rede. Schon seit dem 10. August 1792 war das
Uönigtum in Srankreich tot. Wenn die siegreiche Volkspartei
auch noch den Tod des Königs begehrte, so geschah es, um dem
auf den Thron erhobenen Despotismus der Führer des Volkes
dauernd die herrschaft zu sichern. Der König muß sterben,
sagte RKobespierre, damit die Kepublik lebe. Das Blut Cud—
wigs XVI. sollte eine Scheidewand bilden zwischen der
        <pb n="23" />
        Kampf des legitimen Curopa mit der Sranzösischen Kepublik. 15

Dynastie und den Untertanen, die den Tod des Landesherrn
beschlossen oder doch nicht verhindert hatten, und ebenso
zwischen dem republikanischen Frankreich und den Tyrannen
Europas. Der Tod eines Königs durch Henkershand sollte
das monarchische Prinzip überhaupt treffen. Nach dem Gaukel—
spiel eines unwürdigen Prozesses erlitt der König am 21. Ja—
nuar 1793, wohl der einzige Mensch in Paris, der an jenem
Tage in seiner Seele Frieden hatte, auf der Place de la
Concorde den Tod.
„Damit haben wir die Schiffe hinter uns verbrannt.“
Dieses Wort des Girondisten Isnard ist bezeichnend für die Lage.
Mit der Hinrichtung auf dem Eintrachtsplatz warf die junge
Kepublik dem legitimistischen Curopa den Fehdehandsuchh hin;
es war damit erklärt: Wir wollen den Krieg fortsetzen, den
Krieg bis aufs Messer, bis sich unsere Ideen siegreich über
alle Länder ausgebreitet haben werden!
Ein gütiger, volksfreundlicher Fürst, der Gatte der Schwester
des deutschen Kaisers, stirbt unter dem Beil des henkers,
und in seinen Purpur teilen sich die Mörder!
Man sollte annehmen, daß diese Freveltat bei allen Ge—
krönten, zumal bei den Verwandten des Unglücklichen den
Unmut zu hellem Zorn gesteigert und unbezwingbares Ver—
langen nach Ahndung des Verbrechens wachgerufen hätte.
Tatsächlich war dies nicht der Fall.
Es traten zwar auch England, Holland, das römisch-deutsche
Reich, sowie die bourbonischen höfe von Spanien und Neapel
in den Krieg ein, und an allen höfen wurde Trauer an—⸗
gelegt, doch um Genugtuung für die empörende Tat zu er—
kämpfen, fehlte es an gutem, starkem Willen; keiner von
den europäischen Fürsten war mit Kopf und herz bei der
Koalition; jeder suchte des andern politische und militärische
Erfolge zu hemmen; jeder war bereit, um des eigenen Vor—⸗
teils willen mit den Königsmördern in Handelschaft einzu—
treten. In Osterreich war der Krieg nichts weniger als
populär; die höchsten Würdenträger, Feldmarschall CLascy und
Hofkriegsratspräsident Wallis, gaben offen zu erkennen, daß
sie den Krieg insbesondere wegen der schlimmen Finanzlage
der Erbstaaten für ein Unglück ansähen; in Volkskreisen
wurde eine hohe Kriegssteuer befürchtet; Kaiser Franz mußte
eine Erklärung veröffentlichen, daß die Rüstungskosten aus⸗
        <pb n="24" />
        16 J. Abschnitt. Die große französische Revolution bis zum 18. Brumaire.

schließlich auf Rechnung der kaiserlichen Domänen und des
Familienschahes übernommen werden sollten. Überaus be—
zeichnend für die Stimmung in den Hauptstädten der ver—
bündeten Reiche sind eine vom preußischen Gesandten in
Wien, Baron Jacobi, berichtete Außerung des kaiserlichen
Vizekanzlers Grafen Cobenzl und die Erwiderung des preußi—
schen Ministeriums. „Die Wiener“, sagte Cobenzl, „können sich
mit dem Krieg nicht befreunden, weil sie glauben, daß unsere
Regierung bei alledem von euch Preußen nur genarrt und
geprellt wird!“ Darauf erwiderte das preußische Ministerium:
Auf diese Außerung gibt es eine recht einfache Antwort!
Sie brauchen nur zu sagen: Nicht anders denkt und spricht
das Berliner Publikum! Uberall kann man hören: Osterreich
will uns Preußen nur für seine Hausinteressen ausnutzen!“
Die Spottreden sind charakteristisch für den Dualismus, der
seit den Tagen Friedrichs II. bis zum Entscheidungskampf
pon 1866 im Vordergrund der deutschen Verhältnisse stand.
Nicht lebhafter war die Kriegslust in den übrigen deutschen
Staaten. Jedenfalls die große Mehrheit des deutschen Volkes
verhielt sich gegenüber dem Kampfe zwischen Legitimität und
Revolution vollig teilnahmslos. „Es ist ein Ereignis,“ schrieb
der herausgeber der Wiener Seitschrift, Professor Hoffmann,
im Frühjahre 1792, „das unseren Nachkommen noch sehr
reichen Stoff zu den bedenklichsten Urteilen und Bemerkungen
geben wird, daß bei der damaligen politischen Krisis, da
die zwei mächtigsten deutschen Reichsfürsten zunächst zur
Beschützung des deutschen Vaterlands gegen eine mächtige
Räuberrotle zu Felde ziehen und also das Interesse nicht
nur des Deutschen Keichs, sondern aller Monarchen und aller
dermalen bestehenden Staatsverfassungen in Europa zu ver—
teidigen bemüht sind, daß, sag' ich, bei dieser vor jedermanns
Augen daliegenden, offenbaren und schrecklichen CLage der
Dinge überall und ganz vorzüglich in einem großen Teile
Deusschlands eine solche politische Kälte herrschte, als wenn
nur eben davon die Kede wäre, einige französische Städte
zu erobern und einige Millionen Pfund unnötiges Pulper
zu verschießen!“ Dagegen machte nun Frankreich zur Ab—
wehr des aͤußeren Feindes die gewaltigsten Anstrengungen.
Der Konvent verfügte Aushebung aller Waffenfähigen vom
18. bis 45. Lebensjahre. Lazare Carnot, als Mitglied des
        <pb n="25" />
        RKampf des legitimen Europa mit der Französischen Republik. 17

Wohlfahrtsausschusses mit der Ausführung dieses Beschlusses
und mit der obersten Leitung des Kriegswesens betraut, gab
den Volksheeren nicht bloß eine zweckentsprechende Organi—
sation, sondern wußte auch die ungeordneten Massen in
schlagfertige, wohldisziplinierte Truppen voll Ehrgefühl und
Pegeisterung umzuwandeln und mit sicherem Blick wirklich
bedeutende militärische Talente in leitende Stellungen zu
bringen.
Mit der levée en masse in Frankreich im Jahre 1793
trat zum erstenmal das Nationalgefühl in den Vorder—
grund der Weltbühne. Es war ja auch früher schon in einzelnen
dölkern lebendig gewesen, doch erst im 19. Jahrhundert sollte
es zu weltgeschichtlicher Mission berufen sein, in der modernen
Ausdehnunig und Stärke war es eine ganz neue Erscheinung
im Geistesleben der Völker. Die Erregung des Nationalgefühls
 bei den Franzosen wirkte später als Vorbild auf
die Erhebung der von Napoleon zertretenen Völker in
Spanien, Osterreich, RKußland, Deutschland, und seit den Be—
freiungskriegen ist die politische Geschichte fEuropas im wesent—
lichen die Geschichte nationaler Kämpfe, aus denen hellas,
Belgien, Ungarn, Italien und das neue Deutsche Keich hervor—
gingen und in Zukunft noch andere nationale Staaten hervor—
gehen werden.
Doch weit weniger die Kraft der Bataillone der Frei—
willigen, als die gleichzeitige Verwicklung Osterreichs und
Preußens in die polnische Frage verschuldete die Mißerfolge
der deutschen Waffen an Maas und Khein. Nicht Dumouriez
durch den Sieg bei Jemappes, nicht Jourdan durch den Sieg
bei Fleurus, nicht die Überlegenheit der modernen Offensiv—
taktik über die schulmäßige, immer vorsichtige und bedächtige
Kriegführung der Clerfait und Ferdinand von Braunschweig
— die Zarin Katharina verhalf durch ihre Eroberungs—
politik, die sich nicht bloß auf Polen, sondern auch auf die
Balkanhalbinsel erstreckte, dem erschöpften Frankreich zu dem
alle Welt überraschenden Triumph über seine Widersacher.
Der Kampf, der von den Fürsten als Kreuzzug wider den
Jakobinismus, von der Nationalversammlung zum Schutze
nationaler Unabhängigkeit begonnen worden war, wandelte
sich hüben und drüben in einen Urieg zu Eroberungszwecen.
Denn auch in Paris wurde zwar versichert, es handle sich
Anuss 129: Beigel, politische Strömungen. 2. Aufl. 2*
        <pb n="26" />
        18 J1. Abschnitt. Die große französische Revolution bis zum 18. Brumaire.

nur um Verteidigung der Freiheit; doch der Appetit kam
während des Essens! Als den französischen Waffen der Sieg
beschieden war, trat bald zutage, daß „der große Ausschuß
der heiligen Völkererhebung“', wie Danton den Konvent
nannte, nach Ausdehnung der Grenzen des eigenen Landes
nicht weniger Begierde trage und diese Pläne nicht wähle—
rischer in den Mitteln verfolge, als Cudwig XIV. mit seinen
Reunionskammern. Und ebenso strebten Thugut in Wien und
haugwitz und Lucchesini in Berlin nur immer Entschädigungen
und Vergrößerungen an, wenn auch auf Kosten der Bundesgenossen,
 zu einer Seit, wo nur das aufrichtigste Zusammen—
halten und der redlichste Kriegseifer den Sieg hätten bringen
können.
Der feindliche Swiespalt zwischen den Verbündeten zeigte
sich am offensten im Feldzug von 1794, der als die Peripetie
im Drama des großen Kampfes der Patrone der Legitimität
mit den Vorkämpfern der Revolution bezeichnet werden kann.
Auf Seite der Osterreicher ein unbegreiflich ängstliches Zurück—
weichen, auf preußischer Seite geheime Anzettelung mit den
Franzosen. Nicht vom König ging diese Politik aus, auch
nicht vom Kabinett, sondern vom „imperium in imperio“,
von den höchsten Generalen! Ein trauriger Beweis für die
Entartung der Schöpfung des großen Friedrich, — die Vor—
gänge des Jahres 1794 machen das Jahr 1806, machen
Jena und AUuerstedt begreiflich!
sAls in Polen ein HRufstand ausbrach und der preußische
Besitzstand ernstlich gefährdet war, während Osterreich sich
eng an Rußland anschloß, um eine neue Teilung Polens
ohne Teilnahme Preußens zu betreiben, gewann der Ge—
danke einer Aussöhnung mit Frankreich immer mehr Freunde.
Nur noch der König widerstrebte, weil er mit einem Ro—
bespierre nicht unterhandeln wollte. Doch auch dieses hinder⸗
nis wurde durch die Katastrophe vom 9. Thermidor (27. Juli
1794) beseitigt. Als die Proskriptionslisten des durch die
Jakobiner mit einer Art Diktatur ausgestatteten Kobespierre
immer maßloser anwuchsen, verbündeten sich endlich alle
Bedrohten zu gemeinsamer Abwehr; die kleineren Kaubvögel
suchten mit vereinten Kräften den großen Geier unschädlich
zu machen. „Es ist besser, daß ein Mann sterbe, als daß
das Vaterland zugrunde gehe!“ Mit diesem Wort hatte
        <pb n="27" />
        Der Umschwung in Frankreich nach dem 9. Thermidor. 19

Robespierre seine Abstimmung für den Tod Ludwigs XVI.
begründet; das nämliche Wort Talliens fegte den Über—
mächtigen hinweg; die Schreckensherrschaft erstickte in dem
Blut, das sie in Strömen vergossen hatte.
Der Rückschlag beginnt. Die Besitzenden kommen obenauf;
der KUnüttel der jeunesse dorée besiegt die Pike; die Hherr⸗
schaft der Proletarierquartiere geht zu Ende. „Nur ein Land,
—VDD
sozialen Ordnung erfreuen.“ Dieses Wort Boissy d'Anglas',
des Vorsitzenden der mit Ausarbeitung einer neuen Ver—
fassung betrauten Kommission, kennzeichnet den Umschwung.
Mit der épuration de la France, der fufrichtung einer
gemäßigt-demokratischen Kepublik war für die Monarchen ein
wesentliches Bedenken gegen eine Annäherung an Frankreich
weggeräumt. Nun gewann in Preußen, wo viele schon längst
im Osterreicher den gefährlichsten Feind erblickt hatten, die
französische Partei die Oberhand. Im Separatfrieden von
Basel, vom 5. April 1795, der die Entscheidung bezüglich
der Abtretung des linken Rheinufers an Frankreich einem
künftigen Reichsfrieden überließ, ist, wenn alle Umstände
gerecht gewürdigt werden, nicht ein Verrat am Deutschen
Reich zu erblicken, wie es von Vivenot und helfert dar⸗
gestellt wurde, aber er war trotz aller Gründe, die ihn er—
klären und entschuldigen mögen, ein schwerer politischer
Fehler Preußens. Keine Niederlage hätte diesen Staat tiefer
beugen können, als er in Basel sich selbst demütigte, da er,
ohne geschlagen zu sein, seine Hand abzog von der deutschen
Westmark und das wichtige Mainz einem ungewissen Schicksal
preisgab. Bei der Treulosigkeit und Unzuverlässigkeit seiner
Bundesgenossen wäre es Preußen ohne S3weifel erlaubt ge—
wesen, von der Koalition zurückzutreten, wenn Frankreich
einen ehrenvollen Frieden angeboten und die alten Grenzen
des Reichs anerkannt hätte. Daß die preußischen Staats-—
männer nicht so viel Stolz hatten, auf dieser Forderung zu
bestehen, das war eine Erniedrigung für Preußen, demü—
tigender als die Niederlage von Jena. —
Mit Robespierre und St. Just endet die große Periode der
Revolution. Das zweite Geschlecht betritt die Szene; die Re—
volution sinkt von der Tragödie zum Intriguenstück herab;
der Spiritualismus macht dem Ehrgeiz Platz, der Fanatismus
2 *
        <pb n="28" />
        20 1.Abschnitt. Die große franzosische Kevolution bis zum 18. Brumaire.

der Habgier. An Stelle der von der Furcht diktierten alt—
römischen Nüchternheit trat die Genußsucht der spätrömischen
Zeit. Extreme berühren sich. Auf die mit ihrer Sittenstrenge
prahlenden Jakobiner folgen die schwelgerischen Muscadins
mit ihrem Uleiderputz und die Merveilleuses, deren Costume
à la Grecque sich beinahe nur auf einen Gürtel beschränkte.
Cine von den mit so viel Blut und Greueltat erkauften
Freiheiten nach der anderen wurde unterdrückt, nur ihre
Schattenbilder wurden noch geduldet, den Ruf liberté, égalité,
fraternite verdrängte das Wort gloire, — immer größer,
riesengroß richtet sich ein Mann auf, Napoleon Bona—
parte.
Die Legende dieses Mannes ist durch die kritische For—
schung Lanfreys und Taines zerstört, seine Größe ist dadurch
nicht geschmälert worden. Wenn Frau von Remusat zum
Überdruß schildert, wie klein der große Mann im Privat—
leben sein konnte, wie er auch in jenen Tagen, da er an
Frau Josephine glühende Ciebesbriefe richtete, sich in Liebelei
mit anderen Damen und Dänchen einließ, — wenn Lucien
Bonaparte versichert, daß sein Bruder Stunden vor dem
Spiegel verbrachte, um ein zweckentsprechendes Mienenspiel
einzustudieren, — wenn Lanfrey und Welschinger dartun,
daß die angeblich zum Wohle des Staates und zur Wahrung
des Gesetzes notwendige hinrichtung des armen Enghien nur
ein Akt des strupellosen Egoismus war, — und wenn auf
die hymnen Berangers Barbier mit grausamen Satiren ant⸗
wortet, — er bleibt doch der Held von Austerlitz und Wagram!
Auch der Historiker, der geschichtliche Persönlichkeiten und Er—
eignisse nicht lobpreisen oder verurteilen, der sie nur ver—
stehen und erklären will, muß die Größe des Mannes an⸗—
erkennen, der auf Gestaltung und Geschicke Curopas im
19. Jahrhundert am mächtigsten eingewirkt hat. Nicht der
größte Mann, aber die interessanteste Persönlichkeit des
19. Jahrhunderts.
        <pb n="29" />
        II. Abschnitt.
Das Zeitalter Napoleons J.

Der 18. Brumaire. Konsulat und Raiserreich. Der Susammen—
sturz des alten Curopa. Der Höhepunkt des Imperialismus. Die
dreihents tampfe der europäischen Nationen. Die hundert Tage.
t. helena.

Literatur.

Thiers, Histoire du consulat et de l'empire I-XXI, 18485).
Deutsche Bearbeitung von W. Jordan, 1815.)
Lantrey, Histoire de Napoléonl. E-V, 1867). (Deutsche Be—
arbeitung von Glümer, 1869.)
Aug. Fournter, Napoleon 1. (5 Bde., 1886; 2. Aufl., 1905.)
Marx Lenz, Napoleon. (1905; 2. Aufl. 1908.)
Norck von Wartenburg, Napoleon J. als Feldherr. (2 Bde.
J. aufl. 1903.)
Zwiedineck-Südenhorst, Deutsche Geschichte von der Auflösung
ß Ain pis zur Gründung des neuen Keiches. (53 Bde.; 1897
is 1905.

Es ist hier nicht am Platze, näher einzugehen auf die An—
fänge Napoleon Bonapartes, auf die Siege in den italienischen
Feldzügen von 1796 und 1797, auf den phantastischen Er—
oberungszug nach Agypten. Maßgebend fuͤr die staatsrecht—
liche Entwicklung Frankreichs wurde Bonapartes Staatsstreich
vom 18. Brumaire, ja der 9. Nopember 1799 wurde ent⸗
scheidend für die politische Gestaltung Curopas im 19. Jahr⸗
hundert. Die geistvolle Tochter Neckers, Frau von Staẽël, ent—
wirft vom General Bonaparte ein Porträt, das um so wert—
voller ist, weil damals die offizielle Schmeichelei noch nicht
den Napoleontypus aufgebracht hatte. „Bei seiner Rückkehr
nach dem Friedensschluß von Campo Formio sah ich ihn zum
ersten Male. Nachdem ich mich ein wenig vom Taumel
der Bewunderung erholt hatte, trat an deren Stelle ein eben—
so starkes Gefühl der Furcht, obgleich er damals noch keine
Macht besaß und infolge des scheuen Argwohnes des Direk—
toriums fogar für bedroht galt. Wenn er also Furcht ein—
        <pb n="30" />
        22 II. Abschnitt. Das Seitalter Napoleons J.

flößte, so war dies nur ein eigentümlicher Eindruck, den seine
Person auf alle übte, die sich ihm näherten. Ich hatte schon
sehr achtungswerte, aber auch sehr bösartige Männer gesehen,
doch nichts an Bonaparte erinnerte an die einen oder anderen.
Nachdem ich ihm während seines Aufenthalts in Paris mehr—
mals begegnet war, wurde mir klar, daß sein Charakter sich
nicht durch die landläufigen Bezeichnungen schildern lasse.
Er war weder gütig noch grausam, weder sanft noch heftig,
wie es andere Menschen sind. Ein solches Wesen, das ohne—
gleichen dastand, konnte Sympathie weder fühlen, noch her—
vorrufen. Es war entweder mehr oder weniger, als ein
Mensch. Sein Wuchs, sein Geist, seine Sprache, alles hat etwas
Seltsames, fremd Anmutendes. Er betrachtet die Menschen
nicht wie seinesgleichen, sondern wie man eine Tatsache oder
ein Ding betrachtet. Er kennt weder Liebe noch haß. Für
ihn ist nur er selbst vorhanden; alle übrigen Geschöpfe be—
handelt er als Ziffern. Seine Willensstärke besteht in den
unentwegten Berechnungen seiner Selbstsucht. Er ist ein
Schachspieler, der das Menschengeschlecht zum Gegner hat, den
er durchaus mattsetzen will und mattsetzen wird ...“ Der Zug
nach Agypten und Syrien hatte nur dürftigen militärischen
Lorbeer gebracht; trotzdem glaubten die Franzosen schon an
Bonapartes Unwiderstehlichkeit, an sein Gluͤck, an seinen
Stern. Wärmer als anderen verdienstvollen Generalen, Ber—
nadotte, Pichegru, Moreau, die anfänglich in einem gewissen
Wettbewerb um die Volksgunst und die herrschaft mit ihm
standen, neigte sich die Liebe der Soldaten und der weitesten
Volkskreise dem kleinen Manne mit den Feueraugen zu. Nicht
nur den durch Mittel aller Art gewonnenen, unbedingten
Anhängern, sondern Männern der verschiedensten Parteien
erschien er, wie aus ihren eigenen Bekenntnissen hervorgeht,
als der von der Vorsehung berufene Retter des Staates.
Durch die Mißwirtschaft des Direktoriums, durch die wenig
glücklichen Uriege gegen England, Osterreich und Rußland
war die Republik an den Rand des Übgrundes geraten; sie
sehnte den rettenden Degen herbei. Der Staatsstreich vom
18. Brumaire erhob denn auch Bonaparte zum Staatsober⸗
haupt. Frankreich hatte seinen herrn, doch wurde eine Zeit—
lang noch der Schein einer republikanischen Verfassung auf—
recht erhalten.
        <pb n="31" />
        Der 18. Brumaire.

23

Um die „Freunde der Freiheit und Gleichheit“ nicht jäh—
lings vor den Kopf zu stoßen, wurden dem Konsul Bonaparte
zwei Würdenträger an die Seite gestellt, die den gleichen
Titel trugen wie er, doch Cambacerès und Lebrun hatten
nur das Kecht, die Befehle Bonapartes mitunterzeichnen und
ausführen zu dürfen; er war der Souverän, die Kollegen
waren seine Untertanen; er allein traf alle bedeutungsvollen
Entscheidungen, er allein besetzte die wichtigsten Stellen; auch
der Ministerrat, der Senat, das Tribunal und der gesetz—
gebende Körper waren nur noch Organe des einen Willens.
Dieser schreckliche Mensch“, fsagte Decrès, „hat alle Fran—
zosen unterjocht; er hält unsere Phantasie in seiner Hand,
die bald sammetweich, bald stahlhart ist; man weiß keinen
Tag im voraus, wie diese Hand zugreifen wird, und es gibt
kein Mittel, sich ihr zu entziehen; sie läßt niemals los, was
sie einmal erfaßt hat.“ Unabhängigkeit, Freimut, Geradsinn
sind ihm anstößig; er will nur gelehrige handlanger, keine
aufrichtigen RKatgeber. Deshalb sieht er VDerräter in allen
Mitgliedern des Senats und des Tribunals, die seinen Be—
schlüssen nicht unbedingt zustimmen, und die Verschwörung
von Royalisten und Radikalen bietet den erwünschten Anlaß
zur Ausstoßung der Constant, Chazal, Chenier, Daunou u. a.
Die auf solche Weise „gereinigte“ Kammer beantragt nun
selbst, daß dem Wohltäter der Nation, der dem Lande soeben
wieder den ehrenvollen Frieden mit England geschenkt habe,
eine neue Auszeichnung zugewendet, das Konsulat auf Lebens—
zeit übertragen werde (6. Mai 1802). Als es im Senat noch
einige Widerspenstige gab, wurde der Antrag einer Volks—
abstimmung unterbreitet: 3568885 Urwähler stimmten für,
nur 8374 gegen den „Erwählten der Nation“. Damit war
eigentlich die Monarchie schon perfekt. Bonaparte wollte
aber nicht bloß für sich schrankenlose Gewalt; er wollte der
Gründer einer Dynastie werden. Wieder wirkten alle Fak—
toren zusammen, um die Massen auch mit dieser Umgestaltung
zu befreunden. Wie gründlich mit den Überlieferungen der
Kevolution aufgeräumt worden war, beweisen die Reden in
den entscheidenden Sitzungen im Tribunat und im gesetzgeben—
den Körper. „Wie kann einem der Gedanke kommen,“ rief
Curée, „napoleon Bonaparte mit Karl dem Großen zu ver—
gleichen? Karl der Große verdankt die Hälfte seiner Macht
        <pb n="32" />
        24 II. Abschnitt. Das Zeitalter Napoleons J.

dem Schwert KAarl Martells und Pipins, Bonaparte dagegen
verdankt alles sich selbst, und wir verdanken alles ihm, und
deshalb soll er und muß er unser Kaiser werden!“
Auch die Aufregung über neue royalistische Verschwörungen
wurde so klug benutzt, daß der Antrag des Senats, dem
Konsul zu seiner monarchischen Gewalt auch den kaiserlichen
Titel und die Befugnis zu einer entsprechenden Verfassungs—
änderung anzubieten, wieder mit 31/, Millionen Ja gegen
ein paar Tausend Nein gutgeheißen wurde. Die Kepublik
war damit auch dem Namen nach aufgehoben; an ihre Stelle
war ein mit unbeschränkter Machtvollkommenheit ausge—
— ——
nung Napoleons in Notre Dame ließ sich sogar Papst
Pius VII. über die Alpen entbieten (2. Dezember 1804).
Das neue gallische Kaisertum wurde alfo aus der nämlichen
Quelle genährt, wie das römisch-germanische Kaisertum in
den Jahren 800 und 962. Die allgemeine, absolute Mon—
archie der deutschen Cäsaren war zwar seit dem Tode Fried—
richs I1. nur noch ein Schatten gewesen, erschien aber immer
noch so erhaben und ehrwürdig, daß der große Italiener
den Plan faßte, den Traum des Mittelalters wieder neu
zu beleben, der leeren Form einen Inhalt zu verleihen, eine
umfassende, unbeschränkte Weltherrschaft aufzurichten. Die
Enregung zu dieser Schöpfung erhielt er durch die Richtung
seines Geistes und die Überlieferung seines Volkes. Wie in
Literatur und Runst sein persönlicher Geschmack der klassi—
schen Richtung huldigte, so sollte sie auch in Politik und Ge—
sellschaft zur herrschaft kommen; das neue Frankreich, sowie
das aufzurichtende Universalreich sollten Meisterwerke des
klassischen Geistes werden.
Von Lanfrey und anderen republikanisch gesinnten hHistori—
kern wird die Darstellung beliebt, als ob die Menschheit im
Zeitalter der Revolution von Frankreich unvergängliche Er—
rungenschaften und Wohltaten empfangen habe, während sie
im Seitalter Napoleons J. nur durch die unersättliche Ruhm—
begierde des einen Mannes, durch dessen Streben nach Welt—
herrschaft in Leiden und Not gedrängt worden sei.
Das ist aber auch nur eine Legende.
Vor allem steht außer Frage, daß die Franzosen selbst
dem ersten Kaiserreich für vieles Große und Gute zu Dank
        <pb n="33" />
        Ronsulat und Kaiserreich.

25

verpflichtet sind. Man kann nicht sagen, daß Napoleon die
Hoffnungen, die Frankreich auf ihn gesetzt, nicht erfüllt habe.
Er erwies sich vor allem als der genialste Organisator, den
Frankreich je gehabt hat, weit hinaus über Richelieun und
Mazarin. Nicht als ob alle diese Keformen originell gewesen
wären; in vielen Punkten tritt die Nachahmung des spät—
römischen Kaisertums zutage, — bei Bonaparte weniger ein
Plagiat, als ein Fall von Atavismus. hier wie dort be—
dingungslose Übertragung der gesamten Volksrechte an einen
einzigen Mann, scheinbare Übertragung dieser Allmacht durch
freie Wahl, durch ein Plebiszit der Bürger, in Wirklichkeit
durch die Gunst und den Willen des heeres; Einrichtung
einer tausendarmigen, auf alle sorgfältig eingeteilten und
abgegrenzten Dienstzweige sich erstreckenden Verwaltung; Ver⸗
teilung der jederzeit versetzbaren Beamten über alle unter—
worfenen Völker; geometrische Teilung des Reiches in gleich—
mäßig verwaltete Provinzen ohne weitere Beachtung ihrer
nationalen und historischen Sonderrechte; Aufstellung einer
offiziellen Candessprache, einer Staatsreligion, eines all⸗
gemeinen Gesetzbuches; Abgrenzung der Gesellschaft in Kassen
nur nach Verdienst um Fürst und Staat; dabei unbeschränkte
Möglichkeit des Emporkommens für jeden einzelnen, — ist
doch der Imperator selbst aus niedrigem Stande hervor—
gegangen und ist jetzt in einer Person der Theodosius der
Tuilerien, der Konstantin des Konkordats, der Justinian des
Code civil!
Wieviel andere an diesem Bau in römischem Prunkstil schon
vor ihm gearbeitet, wieviel Kräfte und Talente des Volkes in
seinem Dienst mitarbeiteten an dem großen Werk, — schließlich
hat doch er allem sein einzigartiges Gepräge aufgedrückt.
Die Franzosen sind auch nicht im Recht, wenn sie die Un—
ersättlichkeit des Ehrgeizes ihres Imperators, die Blutopfer
der dadurch heraufbeschworenen Kriege beklagen.
Der Ehrgeiz Napoleons hat nichts erfunden, was nicht schon
vor seinem UAuftreten in Frankreich geplant und angestrebt
worden war. Insbesondere durch die unparteiische Forschung
Albert Sorels ist nachgewiesen worden, daß die chauvinistische
Politik, das Trachten nach Weltherrschaft schon auf die Zeit
und Männer des Schreckensregiments und des Direktoriums
zurückzuführen ist.
        <pb n="34" />
        26 II. Abschnitt. Das Zeitalter Napoleons J.

Wie zu Zeiten Mohammess die Bekenner des Roran ihren
Glauben mit Seuer und Schwert auszubreiten suchten, so
brachen die Vorkämpfer der Revolutionsideen in die Nachbar—
staaten ein, um für die neuen Satzungen zu bekehren, und
zwar zu bekehren, indem man eroberte. Wie wenig das ideale
Moment allein bedeutete, das zeigte sich, als Konvent und
Wohlfahrtsausschuß das mit den Waffen weggenommene
Cand unbedenklich behielten, entweder direkt als Provinz oder
als abhängige Tochterrepublik.
Denjenigen Gegner, der am ausdauerndsten und ent—
schlossensten der Ausbreitung der Republik widerstrebte, Eng—
land, durch eine Landung zu bekämpfen, — das wurde schon
1796 ins Auge gefaßt. England in Ostindien zu treffen,
hat schon Robespierre geplant, ja sogar die Rontinental—
sperre, die den englischen Waren die kontinentalen Hhäfen
verschließen soll, taucht schon 1796 auf.
Ebenso setzte Napoleon gegen Deutschland nur diejenige
Politik fort, die schon in den neunziger Jahren Punkt für
Punkt hervorgetreten war. Der Friede von Campo Sormio
setzte nur dasjenige fest, was schon im Winter 1794, während
Bonaparte noch Divisionsgeneral war, in Basel von den Ver—
tretern des Wohlfahrtsausschusses gefordert worden war.
Darüber geben die jetzt gedruckt vorliegenden Papiers de
Barthélemy, des Gesandten der franzosischen Kepublik, der
den Baseler Frieden mit hardenberg abschloß, ganz über—
raschende Aufschlüsse. Das System der Säkularisierung, der
Entschädigung der durch Gebietsabtretung an Frankreich be—
troffenen weltlichen Fürsten auf Kosten der geistlichen, hat
Sieyès zuerst aufs Tapet gebracht. Auch dem Gedanken eines
Bundes süd- und westdeutscher Fürsten unter französischem
Protektorat begegnen wir — abgesehen vom Vorbild von
16568 — schon in Plänen des Directoire von 1798.
Bonaparte war der Degen der Revolution und ihrer welt—
umfassenden Eroberungspläne gewesen; er setzte diese Politik
nur fort, um sie für sein eigenes Interesse auszubeuten. —
Nach dem zweiten Koalitionskriege schien sich eine neue
Umgestaltung der internationalen Verhältnisse vorzube—
reiten. Bonaparte fand einen starken Bundesgenossen an
dem Groll, der bei allen seefahrenden Nationen gegen
das übermächtige und übermütige England aufgewachsen
        <pb n="35" />
        Der Zusammensturz des alten Europa. 27

war. Der Inselstaat, auf allen Meeren ebenso siegreich
wie Frankreich auf dem Festland, nützte seine Überlegen—
heit rücksichtslos aus. Welche Mißstimmung das schonungs—
lose Vorgehen der britischen Flotte bei Uberwachung der
Warenzufuhr auch in Kreisen hervorgerufen hatte, welche
nicht unmittelbar an Handelsinteressen beteiligt waren, be—
weist die Haltung des „Teutschen Merkurs“, in welchem Wie—
land mit Feuereifer für Bonaparte und gegen den Miß—
brauch des Rechts des Stärkeren, wie ihn England sich fort
und fort erlaubte, Partei ergriff. „Friede auf dem festen
LCande“, schrieb Wieland an Johannes Müller, „und Demü—
tigung der übermütigen Insulaner, die uns ihr Rule Britannia
 so trotzig in die Ohren schallen lassen und durch ihre
angemaßte Ober- und Alleinherrschaft über den Ozean eine
unendlich drückendere und verderblichere Universalmonarchie
als die, so wir von Napoleon zu befürchten haben, nicht
bloß androhen, sondern wirklich schon ausüben, ist meiner
innigsten Überzeugung nach das Angelegenste und Dringendste,
wofür sich alle Wünsche und wozu sich alle Kräfte ver—
einigen sollten!“ Gereizt durch Gewalttaten der englischen
Flotte gegen Schiffe, die sich nicht auf Kriegskonterbande
untersuchen lassen wollten, schlossen sich Schweden, Kußland,
Preußen und Dänemark am 18. Dezember 1800 zu gemein—⸗
samer Verteidigung ihrer See- und Handelsinteressen zu—
sammen; auch Konsul Bonaparte gab einem Bevollmächtigten
des Zaren Paul die Versicherung, daß Frankreich sich auf
keinen Frieden einlassen werde, wenn nicht auch England
den Grundsatz anerkenne: Das Meer steht allen offen! Doch
die antienglische Bewegung wurde schon bald darauf durch
die Ermordung des Zaren Paul (24. März 1801) zum Still-—

weil die russische Landwirtschaft durch die Abwendung der
englischen Reeder starke Einbuße erlitten hatte, mit dem eng⸗
lischen Kabinett ein Abkommen, worin auf Sicherung der
neutralen Flagge so gut wie gar keine Rücksicht genommen
war. Preußen hatte die britischen Gewalttätigkeiten zur See
durch Besetzung von hannover beantwortet, doch da es der
preußischen Politik unter Friedrich Wilhelm III. und seinem
Minister haugwitz zwar nicht an Ehrgeiz und Begehrlichkeit,
aber an Mut und Opferwillen fehlte, wurde nachträglich
        <pb n="36" />
        28 II. Abschnitt. Das Seitalter Napoleons l.

in Condon die Erklärung abgegeben, der Einmarsch in Han—
nover habe nur bezweckt, einem Einrücken von Russen oder
Franzosen zuvorzukommen, und die Preußen wurden aus
hannover zurückgezogen. Der antienglische Bund brach zu—
sammen, kaum daß er geschlossen worden war; der Ansturm
auf Karthago war abgeschlagen. —
Wie der Friede von Campo Formio ein Nachspiel im Kon⸗
greß zu Rastatt gehabt hatte, so wurde die Ausführung der
Bestimmungen des Friedens von Luneville einer außerordent⸗
lichen, in Regensburg tagenden Reichsdeputation übertragen,
wie solche seit alten Zeiten im heiligen RKömischen Reich Deut⸗
scher Nation gebräuchlich waren und seit dem Westfälischen
Frieden nach dem Grundsatz der kirchlichen Parität zusammen—
gesetzt wurden. Durch Reichstagsbeschluß vom 2. Oktober
1801 wurden aus dem kurfürstlichen Kollegium von katho—
lischer Seite Mainz und Böhmen, von evangelischer Seite
Brandenburg und Sachsen, aus dem FSürstenkollegium von
katholischer Seite Bayern und der Hoch- und Deutschmeister,
von evangelischer Seite Württemberg und Hessen-Kassel in
die Deputation gewählt. Die wirkliche Entscheidung über die
VDerteilung des Reichsgebiets war jedoch nicht den deutschen
Staaten überlassen, sondern den Vertretern von Frankreich
und Rußland, welche die gütige „Vermittlung“ übernommen
hatten. Am 23. November einigte sich die Deputation zu
einem „Beschluß“, doch gelang es nicht, die Zustimmung des
Raisers dafür zu erwirken. Erst nachdem zwischen Frankreich
und Osterreich in Paris eine Übereinkunft über die Ent—
schädigungen des habsburgisch-lothringischen Hauses getroffen
worden war, kam der Reichsdeputations-Hauptschluß vom
25. Sebruar 1803 zustande, dem die kaiserliche Bestätigung
zuteil wurde. Das wichtigste Moment war die Aufhebung
aller geistlichen Fürstentümer, nur der Kurfürst von Mainz,
Karl Theodor von Dalberg, war von der Säkularisierung
ausgenommen, doch wurde die erzbischöfliche Würde von
Mainz auf Regensburg übertragen, und dem neuen Metro—
politan die Würde eines Kurfürsten, sowie des Reichserz—
kanzlers und Primas von Deutschland übertragen. Von den
48 freien Reichsstädten blieben nur 6, hamburg, Bremen,
Cübeck, Frankfurt am Main, Augsburg und Nürnberg er—
halten, die übrigen wurden benachbarten Fürsten überlassen.
        <pb n="37" />
        Der Zusammensturz des alten Europa. 29

Auch die meisten Keichsgrafen und Reichsfreiherren wurden
mediatisiert; nur diejenigen retteten ihre Keichsunmittelbar—
keit, die sich rechtzeitig der Perwendung einer Großmacht
versichert hatten. Baden, hessen-Kassel, Württemberg und
Salzburg wurden zu Kurfürstentümern erhoben; das letzt—
genannte erhielt des Kaisers Bruder, Großherzog Ferdi—
nand III. von Toskana, obwohl zu dessen Entschädigung das
Deutsche Reich sicherlich keine Verpflichtung hatte. Ebenso
erhielt Erzherzog Ferdinand für das Herzogtum Modena den
Breisgau, das Hhaus Nassau-Oranien das Hochstift Fulda.
Preußen gewann 240 Quadratmeilen mit mehr als einer
halben Million Einwohnern; Bayern, das sich freundschaftlich
mit Frankreich abgefunden hatte, erhielt beträchtlichen Ge⸗
bietszuwachs; auch Baden, Württemberg, Hessen-Darmstadt
und Nassau waren günstig bedacht. Alle diese Staaten hatten
sich, da von Kaiser und Reich kein Schutz zu erwarten war,
mit Frankreich in Sonderverhandlungen eingelassen. Darin
war schon der Keim zum Rheinbund enthalten. Trotzdem
verdient eine Politik, die von der Selbsterhaltung unbedingt
gefordert war, schwerlich harten Tadel. „Man darf“, sagt
Max Lenz, „den Fürsten und ihren Käten nicht mehr zum
Dorwurf machen, daß sie gehandelt haben, wie sie mußten:
unverzeihlich wäre es erst gewesen, wenn sie sich nicht von
den zur Lüge gewordenen Formen und Sorderungen des alten
Reiches losgesagt, wenn sie sich zu den Don Quixotes des heiligen
Römischen KReiches Deutscher Nation hätten machen wollen.
Sie haben nur getan, was vernünftig war, sie haben die
pflicht gegen ihr Land erfüllt und sein Dasein gerettet, in⸗
dem sie die hand der Eroberer ergriffen, von denen ihre
Vernichtung oder Erhöhung abhing.“ Durch die änderungen,
welche der Reichsdeputationshauptschluß mit sich brachte,
hauptsächlich durch die Aufhebung des geistlichen Fürsten—
standes und die Schwächung der fürstlichen und reichsständi⸗—
schen Kollegien war die alte Keichsverfassung in ihren Grund—
festen erschüttert. Es lag zutage, daß die föderative Ordnung,
welche die überlebenden Gebiete nur noch in lockerster Form
zusammenhielt, nicht lange mehr Bestand haben werde. Oster⸗
reich war durch den Verlust der an die süddeutschen Mittel—⸗
staaten übergegangenen Besitzungen nach dem Osten zurück—
geschoben; Preußen war im Norden die ausschlaggebende
        <pb n="38" />
        30 II. Abschnitt. Das Zeitalter Napoleons IJ.

Macht geworden; im Süden und Südwesten hatten sich
Staatengruppen formiert, welche sowohl durch die geogra—
phische Lage als durch das Interesse auf Frankreich hin—
gewiesen waren. Aus dem Reichskörper war alles Leben ent—
schwunden. Franz II. handelte angesichts der Entkräftung
des Römischen Reiches Deutscher Nation einerseits und der
Schöpfung des neuen welschen empire andrerseits nur folge—
richtig, als er am 14. August 1804 dem Regensburger KReichs⸗
tag und den auswärtigen Potentaten eine Erklärung zugehen
ließ, daß er künftig als Monarch der österreichischen Erb—
lande den Kaisertitel führen oder, wie es im amtlichen Wiener
Deutsch hieß, den Kaisertitel „auf Hhöchstdero eigene haus—
lande radizieren“ werde. Als der Moniteur die Titelver—
änderung mitteilte, war das „gemper Augustus“ wie zum
hohne mit „toujours extenseur de l'empire“ wiedergegeben.
Die Freundschaftsversicherungen, womit die europäischen
Fürsten, die Repräsentanten des Legitimitätsprinzips, gegen—
uͤber dem Advokatensohn aus Äjaccio nicht kargten, waren
immer nur eine Maske, welche einen unversöhnlichen Gegen—
satz verbarg. Mit einer ausdehnungsgierigen, bisher un—
befiegten Macht revolutionären Ursprungs konnte nicht
dauernder Friede bestehen. Kaiser Franz trat 1805 aber—
mals einem russisch⸗englischen Bündnis bei. Am 21. Oktober
1805 erfocht der englische Admiral Horatio Nelson über die
vereinigte spanisch-französische Flotte unter Villeneuve bei
dem vVorgebirge Trafalgar an der spanischen Küste einen
glänzenden Sieg. Schwerlich dürfte sich in der neueren Ge—
schichte ein anderes Ereignis an Bedeutung und Nachwirkung
mit dem „Trafalgar-Day“ vergleichen lassen. Die Engländer
wurden durch diesen Sieg nicht bloß von der Besorgnis vor
Napoleons Landungsplänen, sondern von dem letzten, lästigen
Gegner ihrer hegemonie zur See überhaupt befreit. Seit
dem 21. Oktober 1805 beherrscht der Union Jack die Meere.
Ungestört konnte sich Eugland dem Ausbau und der Nutzbar—
machung seines riesigen Kolonialbesitzes und der damit zu—
sammenhängenden, fast konkurrenzlosen, reichen Gewinn brin—
genden handelsunternehmungen widmen. In Sschiffahrt und
handel, in Welt- und Geldwirtschaft, im politischen wie im
Uulturleben nahm England fortan eine führende, in vielen
Fragen eine herrschende Rolle ein.
        <pb n="39" />
        Der höhepunkt des Imperialismus. 31

Dagegen waren im Landkriege die Mack und Kutusow dem
genialsten Feldherrn der neuen Seit nicht gewachsen. Schon
nach wenigen Wochen hatte Osterreich durch die Kapitulation,
welche General Mack am 17. Oktober in Ulm abschließen
mußte, ein ansehnliches Hheer verloren, und der glorreiche
Sieg Napoleons über die vereinigte russisch-österreichische
Armee bei Austerlitz (2. Dezember 1805) entschied das Schick—
sal Osterreichs und Deutschlands. Der Preßburger Friede
kostete Osterreich schwere Opfer; es mußte Venetien an das
neue Königreich Italien abtreten, womit es vom italienischen
Boden gänzlich verdrängt war; die süddeutschen Territorien,
welche bisher noch mit den Erblanden vereinigt gewesen
waren, auch Tirol und Voralberg mußten an die deutschen
Bundesgenossen Napoleons abgetreten werden. Die Kur—
fürsten von Bayern und Württemberg nahmen den Königs—
titel an; auch volle Souveränität wurde ihnen, sowie dem
Kurfürsten von Baden zugesprochen; sie brauchten dafür nur
das Nessuskleid schimpflicher Abhängigkeit von Bonaparte ein—
zutauschen. Die Politik Richelieus und Mazarins hatte ihre
letzten Siele erreicht, als diese angeblich von jeder fremden
Macht unabhängigen sStaaten mit Napoleon den Rheinbund
schlossen. Am 17. Juli 1806 ließen 16 deutsche Fürsten, darunter
die Könige von Bayern und Württemberg, der Rurfürst-Erz—
kanzler, der Kurfürst von Baden u. a. in Paris eine Akte unter—
zeichnen, wodurch sie sich von Kaiser und Reich lossagten,
den Kaiser von Frankreich als ihren Protektor anerkannten
und ihm für jeden Krieg auf dem Festland ihre Truppen
zur Verfügung stellten. Napoleon erließ eine Erklärung, daß
er ein Deutsches Reich nicht mehr anerkenne. Dem letzten
Uaiser, Franz II., blieb, nachdem ein Versuch, seine Zu—
stimmung sich abkaufen zu lassen, gescheitert war, nichts
anderes übrig, als in Regensburg mit kühlen Worten an—
zuzeigen, daß er die deutsche Kaiserkrone niederlege und die
Verbindung zwischen Deutschland und den kaiserlichen Erb—
landen für gelöst ansehe (6. August 1806). Nur noch ein
paar Gesandte waren bei diesem Begräbnis des heiligen
römischen Reiches anwesend. Würdelos ging ein in seinen
Anfängen so großartiges geschichtliches Dasein zu Ende.
Preußen erhob keinen Widerstand. Nachdem während des
Krieges von 1805 französische Truppen das neutrale ansbachische
        <pb n="40" />
        32 II. Abschnitt. Das Seitalter Napoleons J.

Gebiet verletzt hatten, waren Preußen in das seit 1803 von den
Franzosen besetzte Hannover eingerückt, und im Pariser Ver—
trag vom 15. Februar 1806 hatte Preußen das mit Groß—
britannien in Personalunion befindliche Kurfürstentum als
Ersatz gegen Ansbach und Cleve annehmen müssen. Die Auf—
lösung des alten Keiches wurde in Berlin nicht als ungünstige
Wendung betrachtet. Talleyrand selbst forderte den König
von Preußen auf, er möge aus der Stiftung des Kheinbundes
Vorteil ziehen und das in sein Machtgebiet fallende Drittel
Deutschlands in ein norddeutsches Kaisertum umwandeln. Mit
der Aussicht auf solche Erhöhung ließ sich Preußen so lange
ködern, bis Napoleon alles vorbereitet hatte, um gegen den
bisher so gefügigen Bundesgenossen zu entscheidendem Schlag
auszuholen. Als die preußische Regierung endlich erfuhr, daß
Napoleon, der in dem neuen Leiter der englischen Politik,
James Forx, einen weit nachgiebigeren Gegner hatte, als in
dem verstorbenen Pitt, sogar hannover an Georg III. zurück⸗
geben wolle, und als andrerseits Zar Alexander in Berlin
eröffnen ließ, daß er einen Norddeutschen Bund ebensowenig
anerkennen werde als den Rheinbund, kam es zum UKrieg.
In Fridericianischem Sinn wurde von Scharnhorst der Plan
einer großartigen Offensive entworfen, aber es fehlte an
der Fridericianischen Schlagfertigkeit und Kaschheit, und der
Herzog von Braunschweig war so wenig wie die Wurmser
und Mack der Kriegskunst und dem Wagemut seines Gegners
gewachsen. Nach der Doppelschlacht bei Jena und Auerstedt
(14. Ottober 1806) legte ein Bulletin Napoleons allen preußi—
schen Provinzen diesseits der Weichsel eine hohe Kontribution
auf, gleich als ob durch den Sieg ganz Preußen bis zur
Weichsel in seine hände gegeben sei; dies wurde anfangs
von seinen eigenen Marschällen als eitle Prahlerei verlacht,
doch der Erfolg lehrte, daß Napoleons Berechnung richtig
war: nie ist eine Niederlage entscheidender und vollständiger
gewesen! Zum Unglück gesellte sich noch die Schande. Der
verlorenen Schlacht in den Thüringer Waldbergen folgten
die schmähliche Flucht der einzelnen heeresteile, die unwürdige
Kapitulation wohlversorgter Festungen, die Auflösung der
alten Ordnung, der förmliche Zusammenbruch der Monarchie!
Selbstverständlich war es nicht allein die Überlegenheit
Napoleons, die ihn immer und überall siegen ließ. Wie tief
        <pb n="41" />
        Der höhepunkt des Imperialismus. 33

erschüttert das früher so feste Gefüge des Absolutismus war,
bewies der Zusammensturz Preußens. Die Nachbarstaaten in
Italien, Deutschland und Spanien waren samt und sonders
militärisch und finanziell herabgekommen. Kuch schlug er
seine Schlachten keineswegs nur mit Franzosen; Rheindeutsche,
Italiener, Belgier, Kheinbündler, Polen dienten in seinen
kKeihen. Und noch eins: die Ideen von Freiheit und Menschen—
recht, von Beseitigung der Geburtsvorrechte und des Feudal—⸗
unwesens kämpften wirksam für ihn mit. Schon seit seinem
ersten glänzenden Huftreten in Italien ging eine Strömung
durch ganz Europa, die durch jeden neuen Erfolg mächtiger
anwuchs, der Bonapartismus, der auf Regierungen und Völker
faszinierend wirkte. Unter den Gemälden im Schloß zu Ver—
sailles befindet sich auch eine Darstellung des Einzugs Na—
poleons J. in München. Da ist zu sehen, wie die Münchner
und Münchnerinnen sich vor Freude, daß der Weltbezwinger
bei ihnen einkehrt, gar nicht zu fassen vermögen. Der Künstler
hat sich aber keiner Übertreibung schuldig gemacht. Eine stolze
Freude ob des Sieges eines genialen Mannes, eines Plebejers,
über die vornehmsten Träger der alten Fürstenwürde flutete
durch ganz Europa und war besonders verbreitet in den—
jenigen Staaten, die sich der Freundschaft und Verbrüderung
mit den Vertretern eines neuen Menschentums und mit ihrem
Oberhaupte rühmen durften.
Schon bestand aber eine Unterströmung. Die Mehrheit
bilden noch die kosmopolitischen Politiker, die im Napoleoni—
schen Weltregiment nichts Unsittliches erblicken, die nur Be—
wunderung haben für das merkwürdige Staatensystem, in
welchem Frankreich als der durch physische und geistige Macht
überwiegende Staat den Eckstein bildet, — aber in vielen
ist schon trotz allem Siegestaumel das nationale Gewissen
erwacht, und diese Regung wird allmählich zu einer Macht,
die schließlich nicht bloß das Napoleonische Regiment zer—
trümmert, sondern das ganze Jahrhundert hindurch bald da,
bald dort die Geschicke der Völker entscheidet.
In Spanien führte zuerst der Kampf um die Nationalität
zu empfindlichen Niederlagen der Sieger von Austerlitz und
Jena. In Preußen wurde Königin CLuise der geistige Mittel—
punkt einer nationalen Reformpartei. In den Jahren 1807
bis 1813 vollzog sich eine Erneuerung des preußischen Staates
Anus 129: Bheigel, politische Strömungen. 2. Aufl. *
        <pb n="42" />
        34 II. Abschnitt. Das Seitalter Napoleons J.

und eine sittliche Wiedergeburt des preußischen Volkes, die
ein rühmliches Blatt der deutschen Geschichte füllen. Nie hat
sich das Dichterwort von dem „großen, gigantischen Schicksal,
welches den Menschen erhebt, wenn es den Menschen zer—
malmt“, glücklicher erfüllt. Indem die trotz der furchtbaren
Niederlagen ungebrochenen Volkskräfte selbst herangezogen
wurden, stellten Scharnhorst, Gneisenau, Grolmann, Boyen,
Clausewitz, Koenen die Wehrfähigkeit des Staates wieder her.
Stein schuf einen persönlich freien und auf eigenem Grund
und Boden seßhaften Bauernstand, und durch die Städte—
ordnung von 1808 wurde die Verwaltung der Städte den
Bürgern selbst überlassen. So wandelte sich der Untertan zum
Staatsbürger und wurde ein selbstbewußter Träger des
nationalen Geistes. Im Volksleben rang sich ein tüchtigerer,
kräftigerer Geist, eine ernstere Lebensanschauung empor. Die
Svittenstrenge der Kantischen Philosophie, das nationale Pathos
und der Freiheitsdrang der Schillerschen Dichtungen übten
erhebende Wirkung auf Denken und Fühlen des Volkes.
Schleiermachers Predigten halfen das sittlich-religiöse Leben
vertiefen. Fichte wies den Weg zu einem erhabenen Idealis⸗
mus. Die 1810 gestiftete Berliner Hochschule erblickte im
Gegensatz zur kosmopolitischen Gleichgültigkeit des abge—
laufenen Zeitalters gegen die „Vaterländer“ ihre edelste Auf—
gabe in Belebung patriotischen Sinnes.
Und alle am preußischen Keformwerk tätigen Staatsmänner
und Volksbildner erhofften nichts von der Freundschaft des
Franzosenkaisers, alles von eigener Kraft. „Kein Mensch und
kein Gott“, rief Fichte aus, „und keins von allen möglichen
Ereignissen kann uns helfen, sondern wir selbst müssen uns
helfen, falls uns geholfen werden soll!“ Und die Hochfinnigen
dachten nicht bloß an Preußen, in ihnen war schon der Licht⸗
gedanke lebendig: Deutschland frei vom Napoleonischen Joch,
Deutschland ein kräftiges, einheitliches Ganzes! Sie schenkten
warme Teilnahme dem Befreiungskampf der Tiroler und be—
gleiteten mit heißen Segenswünschen den Sieger von Aspern.
Das Sünglein an der Wage begann zu schwanken.
Doch wieder zwang Napoleon bei Wagram (5. und 6. Juli
1809) den Sieg an seine Fahnen. Die Kaiserstadt Wien mußte
sich zum zweitenmal vor ihm demütigen, wie all die andern
hauptstädte der bezwungenen Fürsten. Die Bedingungen des in
        <pb n="43" />
        Der Höhepunkt des Imperialismus. 35

Wien unterzeichneten Friedens (14. Oktober 1809) waren milder,
als sich nach dem Vorgehen Napoleons gegen Preußen hatte
erwarten lassen. Zwar mußte Osterreich seine letzte Position
an der Adria, den ganzen Küstensaum bis zur Save dem
Imperator einräumen und beträchtliche Gebiete an das
Uönigreich Bayern und das Großherzogtum Warschau ab⸗
treten, doch dadurch war die Machtstellung des Kaiserstaates
im allgemeinen noch nicht gefährdet. Die ungewohnte Mäßi—
gung des Siegers fand ihre Erklärung in dem bald nach dem
Friedensschluß in Wien unterzeichneten Chekontrakt. Um
seine Dynastie zu befestigen, hatte Napoleon seine kinderlose
Ehe mit Josephine Beauharnais gelöst. Cine Werbung um
die Hand der Großfürstin Anna war wenig ernsthaft gemeint;:
der Freundschaftsbund, den Napoleon nach dem Frieden von
Tilsit mit Zar Alexander geschlossen hatte, war bereits haupt—
sächlich infolge der Begünstigung der nationalen Aspirationen
der Polen durch die französische Regierung gelockert. Na—
poleon erhoffte sich größere Vorteile von engerem Anschluß
an die Donaumacht, deren Widerstandskraft er im abge—
laufenen Feldzuge kennen gelernt hatte. Als sich der Wiener
hof wider Erwarten sofort geneigt zeigte, auf die Wünsche
des Kaisers einzugehen — vermutlich hat Metternich als
der eigentliche Ehestifter zu gelten —, wurde Marschall
Berthier als Großbotschafter nach Wien gesandt, um für
seinen Gebieter um die Hand der achtzehnjährigen Maria
Cuise, der erstgeborenen Tochter Franz' II. aus dessen zweiter
Ehe mit der Bourbonin Maria Theresia, anzuhalten. Am
11. März 1910 fand in der UAugustinerkirche zu Wien die
Prokuravermählung statt, wobei Erzherzog Karl, der Besiegte
von Wagram, den glücklicheren Sieger vertrat. Am 27. März
traf Napoleon mit der neuen Gemahlin in Compiegne zu—
sammen. „Die Verbindung des Genius mit der Legitimität“
wurde von den Optimisten als Bürgschaft des Weltfriedens
begrüßt und von den Bewunderern Napoleons als höhepunkt
der Macht und des Ruhmes des Unpvergleichlichen angesehen.
In Wahrheit war der Gewaltige schon in die Periode des
Niederganges eingetreten.
Napoleon hatte den Saren Alexander in Tilsit gewonnen,
indem er dem Ehrgeizigen Aussicht eröffnete, daß Rußland
und Frankreich sich in die herrschaft über Europa teilen
        <pb n="44" />
        36 II. Abschnitt. Das Seitalter Napoleons J.

sollten. Seitdem hatte aber das Zarenreich nur verhältnis—
mäßig geringen Gewinn erlangt, während ihm durch den
Anschluß an die Festlandsperre die besten Abnehmer russischer
Rohprodukte, die englischen Reeder, verloren gegangen und
in einem neuen polnischen Nationalstaat, dem Herzogtum
Warschau, gefährliche Nachbarn geschaffen waren. Als sich
Alexander durch eigenmächtige Sollbestimmungen für Ruß—
land von den Satzungen des Kontinentalsystems lossagte,
andererseits Napoleon sich weigerte, die Entfernung der mit
den Romanows nahe verwandten oldenburgischen Dynastie
zurückzunehmen, kam es zum Kriege. Napoleon gebot über
die Kräfte von halb Europa; auch Osterreich und Preußen
leisteten ihm Hheeresfolge. Der Feldzug von 1812 brachte keine
eigentliche Entscheidung; die russische Heeresmacht blieb trotz
wiederholter Niederlagen unerschüttert; der ECinzug in das
„heilige Moskau“ wurde ein Wendepunkt; der Rückzug brachte
der „großen Armee“ den Untergang. Napoleon selbst war
nach dem Übergang über die Beresina nur auf die eigene
Kettung bedacht; als Flüchtling verließ er am 5. Dezember
die Seinen, um so rasch wie möglich in seine hauptstadt
zurückzukehren; wie in ügypten opferte er unbedenklich seine
Feldherrnpflicht politischen Rücksichten.
Der Sieger in hundert Schlachten ließ hochmütig das Mene—
tekel auf den russischen Schneefeldern unbeachtet, und so folgte
denn rasch das Ende des Dramas, das mit dem 18. Brumaire
begonnen hatte.
Die tragische Schuld des Helden bildet der hoffärtige Starr—
sinn, der sich in ihm infolge seiner unglaublichen Triumphe
auf militärischem und politischem Gebiete ausgebildet hatte,
das superstitiöse Vertrauen auf seine Unüberwindlichkeit, der
Wahn, daß er niemals sich fügen, daß er nur herrschen und
befehlen dürfe.
Am 30. Dezember 1812 schloß der preußische General—
leutnant Graf York von Wartenburg in der Mühle zu Po—
schorun bei Tauroggen mit dem Russen Diebitsch einen Ver—
trag, wodurch für das unter dem Oberbefehl des Marschalls
Macdonald stehende preußische Korps von den Russen Neu—
tralität zugesichert wurde. Es war ein rein militärisches
sAbkommen, doch fehlte bei Nork nicht die politische Tendenz:
es sollte der erste Schritt sein zur Abkehr von der feigen Ge—
        <pb n="45" />
        Die Freiheitskämpfe der europäischen Nationen. 37

folgschaft, die der preußische Staat dem „weströmischen“
Kaiser seit den Tagen von Jena und Auerstedt hatte leisten
müssen. Die kühne Tat Horks inauguriert denn auch die
äußere Wiedergeburt des preußischen Staatswesens, dessen
innere schon mit den Keformen Steins und Scharnhorsts be—
gonnen hatte. Man hat die Konvention von Tauroggen auf
geheime Befehle Friedrich Wilhelms III. an seinen General
zurückgeführt, mithin das Verdienst an der entscheidenden
Wendung für den König beanspruchen wollen, doch der byzan⸗
tinische Versuch ist gescheitert. Die Aufregung des Königs
über den „Verrat“ Horks, — „Da möchte einen ja der Schlag
rühren!“ —, der Groll über den strafwürdigen Ungehorsam
eines preußischen Soldaten waren sicherlich nicht bloß „er⸗
heuchelt“. Erst nachdem es zur Gewißheit geworden war,
daß auf ausdauernde hilfe Rußlands und auf den Beitritt
Osterreichs zu zählen sei, gewann der Entschluß zu kraft—
vollem Handeln bei hofe Freunde, wenn es auch dem allzeit
bedächtigen, ängstlichen, wankelmütigen König noch lange Zeit
geboten schien, „äußerlich nach wie vor mit Frankreich auf
dem Fuß vollkommenster harmonie zu bleiben“. Noch am
4. Februar 1813 schreibt Hardenberg in sein Tagebuch: „Der
UNönig weiß noch nicht recht, was er will. Entschieden, die
russische Partei zu ergreifen, hält es doch noch immer schwer,
die Anstalten und Anstrengungen zum Kriege, wie es doch hoch
nötig ist, einzuleiten.“ Dagegen hatte ein Aufruf, der zur
Bildung von Freiwilligenbataillonen aufforderte, ohne daß
der Gegner näher bezeichnet war, eine Massenerhebung des
Bürgertums, vor allem der akademischen Jugend zur Folge.
Bisher hatte es in Preußen nur herrisches Befehlen und
stummes Gehorchen gegeben; nun waren plötzlich alle Volks—
schichten einig in freiwilligem Opfermut und freudigem En—
thusiasmus, einig im festen Entschluß, mit allen Kräften die
Befreiung zu erkämpfen. Nun riß diese Begeisterung endlich
auch jene Kreise mit, die bisher nur ein kühles Abwägen
von Vorteil und Gefahr gekannt hatten. Am 26. Sebruar
wurde in Breslau ein Vertrag abgeschlossen, wodurch sich
Preußen und Rußland zu gemeinsamem Kampf verbanden
und Rußland sich verpflichtete, nicht eher die Waffen nieder—⸗
zulegen, bis Preußen wieder in seine Machtstellung vor 1806
eingefetzt wäre. Am 20. März brachte die Schlesische Seitung
        <pb n="46" />
        38 II. Abschnitt. Das Zeitalter Napoleons J.

den berühmten, von Staatsrat v. Hippel verfaßten Aufruf
des Königs, der in schwungvollen Worten den Abfall von
Napoleon verkündete und zur Verteidigung des Vaterlandes
aufforderte: die „Kückkehr zur Wahrheit“, wie Schleiermacher
es nannte, hatte sich Bahn gebrochen! Am 16. März erfolgte
die Kriegserklärung. Die erste größere Schlacht bei Groß—
Görschen in Sachsen am 2. Mai endete mit dem Sieg Na—
poleons; mochte Blücher noch so zornig wettern — der Rück—
zug hinter die Elbe mußte angetreten werden, Sachsen blieb
ein Vasall Napoleons. Auch die Schlacht bei Bautzen am
20. Mai brachte keinen günstigeren Erfolg, doch in diesem
ängstlichen Augenblick wurde endlich der Beitritt Osterreichs
zu den Verbündeten perfekt. Im Vertrauen auf eine Über—
macht, die ja allmählich erdrückend werden mußte, konnte
zu neuem Waffengang geschritten werden. Unterhandlungen,
die im Juli angeknüpft wurden und zu den Prager Konfe—
renzen führten, blieben erfolglos.
Die von den Verbündeten angebotenen Friedensbedingungen
waren für Napoleon so günstig wie denkbar. Trotzdem lehnte
er sie entrüstet ab. „Will man von mir, daß ich mich ent—
ehre?“ sagte er zu Metternich in der denkwürdigen Dresdner
Unterredung. „Das werdet ihr von mir nicht erleben! Eure
auf dem Thron geborenen Souveräne können sich zwanzig—
mal schlagen lassen und dennoch immer wieder in ihre
hauptstädte zurückkehren. Ich aber bin nur ein Sohn des
Glücks; ich würde aufgehört haben zu regieren an dem Tage,
wo ich aufgehört hätte, allen zu imponieren!“
Auch im Süden Deutschlands war inzwischen die bittere
Erfahrung gemacht worden, daß mächtige Adler zwar breite
Fittiche, aber auch scharfe Krallen haben. Die Fürsten hatten
einsehen gelernt, daß sie unter Napoleons Protektorat nur
wenig von den Präfekten des engeren Frankreichs sich unter⸗
schieden, und die Völker empfanden nicht mehr mit Stolz,
sondern mit Scham und Sorn, daß Tausende von Landes—
kindern für fremden Ehrgeiz geopfert wurden. Das erwachte
Bewußtsein der Bedrückung ließ auch die Sachsen und Bayern
und Schwaben in den vor kurzem noch mit Gleichgültigkeit oder
Abneigung betrachteten Scharen Yorks und Blüchers ihre na—
türlichen Bundesgenossen erkennen, und an ihre Seite tretend,
wuschen sie die Makel der Verwelschung von ihren Waffen.
        <pb n="47" />
        Die Freiheitskämpfe der europäischen Nationen. 39

Noch einmal leuchtete der Stern Napoleons heller auf in
den Kämpfen bei Dresden (26. und 27. August 1813), doch
er selbst unterschätzte zu sehr die Bedeutung seines Sieges;
er blieb zum erstenmal und jetzt zur Unzeit in der Defensive.
Inzwischen wuchs von Tag zu Tag die Sahl, die Übermacht
seiner Feinde; er erkannte, daß er diese Völkermassen nicht
mehr aufzuhalten vermöge. „Mein Schachbrett ist in Ver—
wirrung gekommen!“ raunte er Marschall Marmont zu. Die
Gewißheit des Mißerfolgs beugte den starken Geist zu Boden.
Halbe Tage saß der sonst Unermüdliche im Schloß zu Düben
apathisch auf dem Sofa, nur damit beschäftigt, einen Bogen
nach dem andern mit großen Buchstaben vollzukritzeln. „Man
erkennt den Kaiser in diesem Feldzug nicht wieder!“ klagte
Marmont. Wie die Dinge lagen, konnte auch wohl das ge—
schickteste Manöver die Zusammenwirkung der feindlichen
Armeen nicht mehr hindern. Strategisch war er bereits be—
siegt; die Tage von Leipzig, 16., 18. und 19. Oktober 1813,
brachten nur die nicht mehr zweifelhafte Entscheidung.
Der Sieg der Verbündeten war das Signal zu allgemeiner
Erhebung der von Frankreich unterworfenen oder doch davon
abhängigen Völker. Die Politik der Kabinette verschwand
neben dem elementaren Drang des Völkerwillens nach Un—
abhängigkeit.
Die Verbündeten schlossen sich am 9. September zu Teplitz
enger aneinander durch Verträge, in welchen die Beschränkung
der französischen Herrschaft auf das linke Kheinufer als Grund—
lage des Friedens in Aussicht genommen war. Doch die Ver—
schiedenheit in den übrigen Absichten und Sielen der Ka—
binette trat alsbald zutage. Preußen und Rußland wollten
eine entschlossene Angriffspolitik verfolgen, während Oster—
reich und England eher hemmend als fördernd wirkten und
nur eine Einschränkung, nicht die Beseitigung der herrschaft
Napoleons anstrebten. Die Rheinbundfürsten traten freiwillig
oder notgedrungen zu den Verbündeten über; König Fried—
rich August von Sachsen wurde, weil er sich weigerte, dem
Bündnis mit Napoleon zu entsagen, nach der Schlacht bei
CLeipzig als Gefangener behandelt; die von Napoleon ab—
gesetzten Fürsten nahmen wieder Besitz von ihren Ländern.
Gneisenaus Plan, direkt auf Paris loszugehen, erschien den
Vertretern der alliierten Mächte allzu verwegen, doch wurde
        <pb n="48" />
        die Vereinigung der einzelnen Armeen auf dem Plateau von
Langres verabredet; dann sollte gemeinsam mit dem aus
Spanien ins südliche Frankreich vorgedrungenen heere Wel—
lingtons und den aus den Niederlanden heranzuziehenden
Truppen zum Angriff geschritten werden.
In gleichem Maß, wie bei den bezwungenen Nationen das
HVertrauen wuchs, sich des welschen Kaisertums zu erwehren,
schwanden Macht und Ansthen des sonst so Gefürchteten im
eigenen Lande. Schwager Murat brachte seine Truppen in
Sicherheit, um die vom haupt Napoleons gleitende italienische
Rönigskrone für sich zu ergattern; Talleyrand ersann immer
neue Schliche, um die Herrschaft des Gebieters zu unter—
wühlen; im Senat, im gesetzgebenden Körper, wo sonst jedes
Wort des Kaisers als Befehl gegolten hatte, wurden die
feindseligen Anträge der Opposition mit zynischen Beifallssalven
 begrüßt.
Trotz alledem blieb Napoleon fest; das wiederholte An—
erbieten der sicherlich gunstigen Bedingung der Einschränkung
Srankreichs auf die angeblichen „natürlichen Grenzen“, Rhein,
Alpen und Pyrenäen, wurde zurückgewiesen; er wollte sich
keine Erniedrigung gefallen lafsen, um seine Krone zu retten
oder aber um Europa furchtbare Blutopfer zu ersparen —
um dieser dämonischen Unbeugsamkeit willen von Millionen
verflucht, von Millionen bewundert. Es zeigte sich jetzt das
unheilvolle Wesen des Bonapartismus in grellstem Lichte, —
es zeigte sich, welches Unheil es für ein Reich bedeutet, einen
Regenten an der Spitze zu haben, der nur seine militärischen
Pflichten und nur seine soldatische Ehre kennt. „Sie sind
nicht Soldat,“ sagte Napoleon zu Metternich in Dresden,
„Sie wissen nicht, was eine Soldatenseele ist; ich bin im
Seldlager groß geworden, ein Mann wie ich schert sich den
Teufel um das Leben einer Million Menschen!“
Das Ultimatum des legitimen Europas wurde von Na—
poleon damit erwidert, daß er in Paris die bisher verpönte
Marseillaise von allen Drehorgeln leiern ließ, daß er, wie
1793 Carnot, an die revolutionäre Leidenschaft des Volkes
appellierte, — jede Mahnung zur Mäßigung als Feigheit
und Verrat brandmarkte, — nur an sich und Krieg und
Sieg dachte, ohne die ARussichten des Wagnisses abzuwägen
oder die Bedrängnis des Landes zu beachten.

40 II. Abschnitt. Das Zeitalter Napoleons J.
        <pb n="49" />
        Die hundert Tage.

41

Allein der Schlachtenmeister mochte noch so kühne Wagnisse
vollbringen, die Kriegführung der Verbündeten mochte noch
so lau und lahm sein, — die Übermacht der Gegner war
zu groß, als daß er sich ihrer erwehren konnte. Am 31. März
1814 hielten Zar Alexander und König Sriedrich Wilhelm III.
mit ihren Garden Einzug in Paris; Norks und Kleists
Truppen durften, obwohl sie den Löwenanteil an allen
Rämpfen gehabt hatten, wegen der Abgerissenheit ihrer Uni⸗
formen nicht teilnehmen. Von seinen Generalen verlassen,
verzichtete Napoleon am 4. Upril in Fontainebleau für sich
und seine Erben auf die Urone; nur das Fürstentum Elba
sollte ihm als souveräner Besitz verbleiben. In österreichischer
Uniform, eine weiße Kokarde auf dem Tschako, mußte der
vor kurzem noch vergötterte Held, um der Wut der eigenen
Untertanen zu entrinnen, durch Südfrankreich reisen. Mit
Staunen gewahrte seine Umgebung Tränen des Kleinmuts
in seinen Augen und alle Seichen der Furcht in seinen
Mienen.
Kaum war er aber auf Elba angelangt, so gewann er
mit dem Gefühl der Sicherheit die alte Entschlossenheit und
Umsicht. Mit demselben Eifer, den er bisher den heeren
von halb Europa gewidmet hatte, sorgte er nun für die
Elbaer Liliput-Armee, und auch die Verwaltung seines Länd⸗
chens ließ er sich scheinbar mit allem Ernst angelegen sein.
Scheinbar, denn im Hintergrund seiner Gedanken stand von
vornherein der Plan, im geeigneten Augenblick für Surück—
eroberung seiner Krone nochmals das höchste Spiel zu wagen.
Während die Späher, die den Verbannten zu überwachen
hatten, mit Genugtuung an ihre Höfe berichteten, daß sich
der CExkaiser mit der schönen Gräfin Walewska trefflich
amüsiere, mit 12 Insulanern ernsthaft Staatsrat spiele und
zur herstellung von Inventaren seine Matratzen und Bett—
laken selbst abzähle, — dachte er nur an Slucht und Ver⸗
schwörung, an Frankreich und die Tuilerien.
Und das Unglaubliche geschah: mit Schrecken und Sorn,
Staunen und Bewunderung erfuhr die Welt die Flucht Na—
poleons (26. Februar 1816), die Landung, das siegreiche Vor⸗
dringen in Frankreich. „Une grande nouveauté“ hat in
Frankreich immer Aussicht auf Beifall und Erfolg. Die
Armee ging mit fliegenden Fahnen zum „petit caporal“
        <pb n="50" />
        42

II. Abschnitt. Das Zeitalter Napoleons J.

über; mit weniger Entschiedenheit und Enthusiasmus folgte
diesem Beispiel die Bevoͤlkerung.
Doch Napoleon hatte sich, um wieder auf den Thron zu
gelangen, eine Täuschung der Nation zuschulden kommen
lassen. Er hatte die Versicherung gegeben, daß er mit seinem
„lieben Schwiegervater“ in der hofburg zu Wien voöllig aus⸗
gesöhnt sei, daß ihm die Wahl freistehe, welche von den
europäischen Mächten er zu Bundesgenossen haben wolle.
Dieses Truggespinst mußte bald zerreißen. Die lakonische
Nachricht: Napoleon ist von Elba verschwunden! machte die
streitenden Diplomaten in der Wiener Hofburg mit einem
Male einig; dem Bunde vom 265. März 1815 gegen den
Friedenstörer traten alle europäischen Staaten mit Aus—
nahme des von Bernadotte regierten Schweden bei.
Der 18. Juni 1815, der Tag von Waterloo brachte dem
Regiment der hundert Tage ein jähes Ende. Um das äußerste
von sich abzuwenden, suchte der Kaiser einen wunderlichen Weg
zur Kettung einzuschlagen. Wie Themistokles, so schrieb er an
den Rönig von England, vertrauensvoll zu den Persern ge—
flohen sei, denen er zeitlebens am meisten Schaden und Un—
heil zugefügt habe, so lege er vertrauensvoll sein Schicksal
in die hände der großherzigen britischen Nation. Allein die
Entscheidung des Uönigs Xerres lauiete: St. helena!
Unglücklich war der Ausgang des Mannes, der wie kein
anderer weder vor noch nach ihm die Teilnahme der Welt
auf sich gezogen hat, doch das Ende war, wie er es sich
schon als Unabe auf der Militärschule zu Brienne gewünscht
hatte: es entbehrte nicht des großen Zuges! Der an eine
Fantasia erinnernde, kühne Cinzug in Frankreich, der letzte
glorreiche Sieg bei Ligny, der ehrenvolle Untergang bei
Waterloo, das vom majestätischen Ozean umbrandete Grab
auf St. helena!
        <pb n="51" />
        III. Abschnitt.

Resftauration und Verfassungskämpfe.
Die hl. Allianz. Die konstitutionelle Idee. Die Neugestaltung
Deutschlands. Die Ara Metternich. Verschwörungen und Kufftände
der Verfassungsfreunde. Die Kongresse der Reaktion. Der griechische
Befreiungskampf und die orientalische Frage.

cSiteratur.

A. Schmidt, Geschichte der deutschen Verfassungsfrage während der
Befreiungskriege und des Wiener Kongresses 1812-1815. A. d.
Nachl. herausg. von A. Stern (1890).
Gervinus, Geschichte des 19. Jahrhunderts seit den Wiener Ver⸗
trägen (8 Bde. 1858-1866).
Flathe, Das Zeitalter der Kestauration und der Revolution 1815
bis 1881 (1883).
Hh. v. Treitschke, Deutsche Geschichte im 19. Jahrhundert (5 Bde.
3. Aufl. 1886 1894). 2. Bd.: Bis zu den Karlsbader Beschlüssen.
3. Bd.: Bis zur Julirevolution.
N. Biedermann, 1815 —1840, Fünfundzwanzig Jahre deutscher Ge⸗
schichte (2 Bde. 1889-1890).
v Zwiedineck-Südenhorst, Deutsche Geschichte von der Auf—⸗
lösung des alten bis zur Errichtung des neuen Kaiserreiches
(I. Bo.: Die Zeit des Kheinbundes und die Gründung des Deutschen
Bundes. 1903).
U. mendelsfohn⸗Bartholdy, Geschichte Griechenlands seit 1453
(2 Bde. 1870 - 1871).
Hertßberg, NReueste Geschichte Griechenlands (1879).

Die Monarchen von Rußland, Osterreich und Preußen, die
am 7. Juli 1815 zum zweitenmal im Triumphe durch den
arc de létoile zogen, erblickten in ihrem Sieg die Nieder⸗
werfung der franzoͤsischen Revolution, die sich feindlich gegen
Thron und Altar, ja gegen das Christentum gewandt hatte.
Deshalb, und weil ihnen so Großes gelungen sei, daß sie die
siegreiche Entscheidung nur der besonderen Gnade Gottes zu⸗
schreiben könnten, stifteten sie am 26. September 1815 die
Hi. Allianz, einen Bund für alle Monarchen, die sich ver⸗
        <pb n="52" />
        44 III. Abschnitt. Restauration und Verfassungskämpfe.

pflichten würden, nach den Grundsätzen der christlichen Re—
ligion — wobei es natürlich darauf ankam, was unter
Christentum verstanden wurde! — und zum S«chutz dieser
Grundjsätze sich gegenseitig Beistand zu leisten.
Doch mochte man von seiten der Machthaber die Schlag—
worte Freiheit und Menschenrechte in Acht und Bann er—
klären, mochte man Napoleons Eroberungen zurückgeben und
Frankreich auf den Umfang vor den Koalitionskriegen zurück—
drängen, — die der Revolution zugrunde liegenden Ideen
waren aus dem Gedankenkreis der Völker nicht mehr aus—
zutilgen. Die Forderung Mirabeaus, daß dem Volke zur
Abwehr von Willkür und Bedrückung und Mißwirtschaft ein
Anteil an der Regierung gebühre, der konstitutionelle
Gedanke verschwand nicht mehr von der Tagesordnung, und
das Verlangen der Völker nach Gewährung und Ausbau einer
Verfassung wird die eine mächtige Triebfeder der politischen
Entwicklung in den nächsten Jahrzehnten, der Drang nach
nationaler Vereinigung und Zentralisierung die andre.
Eine Reihe schwieriger Fragen war von den in Wien ver—
sammelten Vertretern der größeren Staaten Curopas zu lösen.
Das Diplomatenwerk ging denn auch nur langsam vorwärts.
Es hatte den Anschein, als ob die Monarchen und Mminister
Europas sich nur versammelt hätten, um das fröhliche Wiener
Leben zu genießen; bekannt ist das Spottwort des österreichi—
schen Feldmarschalls Fürsten von Cigne: „Le congrès danse
beaucoup, mais il ne marche pas!“ Die schwierigste Frage
war die preußisch-polnische. Kußland hatte dem preußischen
Kabinett seine Verwendung zugesichert, daß der größte Teil
Sachsens, dessen Monarch durch allzu zähes Festhalten am
Rheinbund den Anspruch auf sein Knigreich verwirkt habe,
mit Preußen vereinigt werden sollte; Friedrich August sollte
durch ein Königreich auf dem linken Kheinufer entschädigt
werden. Der noch immer gefangene König protestierte aber
gegen diesen Tausch, und auch die Westmächte, sowie Osterreich
und Bayern wollten die Integrität Sachsens aufrecht erhalten.
Die gefährliche Spaltung in dieser Frage schien die Sprengung
des Kongresses nach sich zu ziehen, ja, ein neuer Weltkrieg
war in drohende Nähe gerückt. Die Westmächte schlossen am
3. Januar 1815 mit Osterreich ein geheimes Bündnis, defsen
feindliche Spitze gegen Preußen und Rußland gerichtet war.
        <pb n="53" />
        Die Neugestaltung Deutschlands. 45
Doch die Nachricht von der Landung Napoleons in Frankreich
stellte die Cinigkeit unter den Mächten wieder her, und unter
dem Eindruck der gemeinsamen militärischen Erfolge gelang
es, in der sächsisch-polnischen Frage einen Ausgleich herbeizu—
führen. Preußen begnügte sich mit einem beträchtlichen Teile
Sachsens und erhielt seine alten linksrheinischen Besitzungen
zuruͤck und dazu noch den größten Teil des Kurfürstentums
Röln, nassauische Territorien und französische Gebietsteile an
Mosel und Maas; von Dänemark tauschte es Schwedisch-Pom-—
mern für Lauenburg ein. HAuch England gab seine Forderung
der Wiederherstellung des Polenreiches auf, und Friedrich
August trat das Herzogtum Warschau an Rußland, das Po—
sensche Gebiet an Preußen ab; Krakau wurde als Freistadtbe—
zirk erklärt, Galizien mit seinen einträglichen Salzbergwerken
an Osterreich abgetreten. Außerdem erhielt Kaiser Franz zur
Entschädigung für den Verlust Belgiens die Gebiete von Mai—
land, Mantua, Venedig und Veltlin, die zu einem lombardisch⸗
venezianischen Königreich vereinigt wurden.
Ein nicht minder schwieriger, sorgenreicher Beratungsgegen⸗
stand war die Neugestaltung Deutschlands.
Wenn man berücksichtigt, mit welch stumpfer Gleichgültig—
keit das deutsche Volk den Zusammenbruch des alten Reiches
betrachtet hatte, so wirkt es überraschend, daß der Befreiungs⸗
kampf gegen Napoleon eine so erregte und gehobene Stim⸗
mung in allen Kreisen wachrief. Nach dem glücklichen Aus—
gang gab sich das Volk der frohen Zuversicht hin, daß nun
auch die Fürsten, vom mächtigen Drang des Seitgeistes erfaßt,
eine feste Cinigung des Vaterlandes anstreben würden. Es
tauchten die mannigfaltigsten Pläne auf, wie die Gefahren
der Vielherrschaft abzuwenden seien, ohne die alterworbenen
historischen Rechte umzustoßen. Viele entschieden sich für den
Foͤderativstaat, bei weitem die Mehrheit aber vereinigte sich
im Rufe: Kaiser und Reich! — Nur jene Begeisterung, die
auch den Nüchternen zum Schwärmer gewandelt hatte, konnte
übersehen lassen, wie wenig die tatsächlichen Verhältnisse dazu
angetan waren, den idealen Volkswillen zur Tat werden zu
lassen. Der klaffende Dualismus, die Nebenbuhlerschaft zwi⸗
schen österreich und Preußen, war ja durch die von den ver—
bündeten Armeen in Frankreich erkämpften Siege nicht aus
der Welt geschafft. Schon an dieser Klippe mußten alle jene
        <pb n="54" />
        46 III. Abschnitt. Restauration und Verfassungskämpfe.

patriotischen Hoffnungen scheitern. Die Tradition war zwar
noch immer mächtig genug, daß nicht bloß der ganze Süden
die Wiederaufrichtung des Kaiserthrones Franz' II. wünschte
und erwartete, sondern auch in vielen Ortschaften Mittel- und
Norddeutschlands das Geburtsfest des Kaisers wieder gefeiert
wurde. Dagegen wurde von andern darauf hingewiesen, daß
ein Staat, der noch vor kurzem einen Friedrich den Großen
zum Regenten gehabt hatte, der auch am großen National⸗
werk der Befreiung den Löwenanteil beanspruchen durfte, nicht
mehr in eine zweite Rangstufe in Deutschland einzureihen sei.
Um diesen Uampf der Meinungen und Wünsche des Vol⸗
kes kümmerten sich aber die Lenker der Geschicke Curopas auf
dem Wiener Uongreß ganz und gar nicht. Nur die kleinsten
Fürsten, die davon Schuß für ihre eigene Herrschaft erwarteten,
griffen den Kaiserplan auf. Preußen verhielt sich aber ab—
lehnend gegen jede Art von Unterordnung, und Osterreich
zeigte um so weniger Lust, die deutsche Kaiserkrone wieder
zu übernehmen, da Metternich, der allmächtige Leiter der
oͤsterreichischen Politik, von einer engeren Verbindung mit den
„von französischem Geist angesteckten Kheinbundstaaten“ ge⸗
fährlichen Einfluß auf die österreichischen Untertanen befürch—
tete. Die öffentliche Meinung beachtete auf dem Kongreß nie—
mand, und die Veröffentlichung der Bundesakte vom 8. Juni
1815, die nur ein loses völkerrechtliches Band um die Glieder
des alten Reiches knüpfte, setzte allen patriotischen Hoffnungen
ein Ende.
„Wenn Napoleon,“ so sagt Metternich in seiner Auto—
biographie, „das Prinzip der Revolution, des Krieges, der Er⸗
oberung war, so ist der Wiener Kongreß das Prinzip der
Rechtmaäßigkeit, des Friedens, der Erhaltung.“
Entspricht aber diese Versicherung der Wahrheit? Srei—
lich, solange der Kampf und die Gefahr dauerten, fehlte in
keinem Aufruf die Versicherung, daß man nur um die Kechte
und Freiheiten und um die Unabhängigkeit der Völker Krieg
führe. Allein der Erfolg hat von jeher nachteilig auf das
Gedächtnis gewirkt. Die fünf Großmächte, welche die Neu⸗
ordnung seloͤstherrlich in die hand nahmen und zu Wien mit
Cand und Leuten einen schwunghaften handel trieben, blieben
in bezug auf Ländergier und Willkür hinter ihrem Erzfeinde
nicht zurück. Um das Meisterwerk Metternichs, der mit dem
        <pb n="55" />
        Die Neugestaltung Deutschlands. 47

Schlagwort conservation vor allem den Nutzen Osterreichs zu
betreiben suchte, und des bekehrten Jakobiners Talleyrand,
der mit dem Schlagworte légitimité von seinem neuen Schütz—
ling Ludwig XVIII. jede Einbuße abzuwenden wußte, nach
ihrem wahren Wert zu würdigen, braucht man nur die Karte
von 1815 mit ihren groben Sünden am Blut und an den
Überlieferungen und Gefühlen der Volksstämme zu betrach—
ten. Finnland mußte bei Rußland bleiben, Norwegen bei
Schweden; Belgien und holland, zwei in Sprache, Sitte und
Keligion grundverschiedene Völkerschaften, wurden zusammen⸗
geschweißt, Lombardo-Venetien fiel an Osterreich, obwohl es
als ausgeschlossen gelten konnte, daß die herrschaft des te—
desco hier sich einwurzeln werde. Die durch die Teilung
Polens geschaffenen Schwierigkeiten wurden durch die neue
Regelung nicht gehoben, sondern verschärft. Und so fehlte es
denn auch in der Folge in den „Friedensjahren“, auf welche
sich Metternich so viel zugute tut, selten an Unruhen und
ARufständen, bald in Polen, bald in Neuenburg, bald in der
Combardei, bald in den Niederlanden.
nicht gerechter und einsichtiger verfuhr man bei der Ord⸗
nung der inneren Staatszustände. Damals rief der große
Münchner Kechtsgelehrte Anselm von Feuerbach den Fuͤrsten
die schöͤne Mahnung zu: „Höret auf, die Herren eines willen⸗
losen Maschinenwerkes, genannt absoluter Staat, sein zu
wollen; zieht es vor, geliebte Regenten dankbarer, weil den—
kender Pölker zu sein!“ Doch wie weit entfernt waren die
Gewalthaber von Wien, den Vorteil eines solchen Zugeständ⸗
nisses einzusehen! Zwar kam das Versprechen, daß alle deut—
schen Bundesstaaten Verfassungen erhalten sollten, dank einer
augenblicklichen, durch Napoleons Flucht von Elba geschaffe—
nen Konstellation als Artikel 13 sogar in die Bundesakte,
allein das Gelöbnis blieb in Preußen und in Osterreich ein—
fach unbeachtet, und die Regenten der kleineren Staaten, die
ihren Untertanen Verfassungen verliehen, hatten in der näch—
sten Zeit unter dem Mißtrauen und der Mißgunst der kon—
servativen Großmächte schwer zu leiden.
Rasch verflog die nationale Begeisterung. Die „Kestau—
ration“ wurde in den maßgebenden Kreisen dahin verstanden,
daß „gut“ nur das Bestehende, das Beste die einfache Unbeweg⸗
lichkeit sei, daß jede Bewegung zum Jakobinismus führen
        <pb n="56" />
        418 III. Abschnitt. Restauration und Verfassungskämpfe.

müsse. Deshalb geschah auf den Kongressen von Aachen (1818),
Karlsbad, Wien (1819), Troppau (1820), Caibach (1821),
Verona (1822) alles, um Beschäftigung des Volkes mit poli—
tischen Fragen überhaupt zu unterdrücken. Gegen die Hoch⸗
schulen, die „Freistätten der revolutionären Propaganda“,
gegen die Turnerei, die schon den Knaben unter „moralisch⸗
revolutionäre Zucht“ stellen wolle, gegen die Burschenschaft,
diese „Inkarnation des Umsturzgeistes“, gegen die freie Presse
wurde aufs strengste eingeschritten, bis endlich im allgemeinen
die Teilnahme des Volkes am politischen Ceben unterdrückt
war. St. pierres ewiger Friede schien gekommen, aber mit
ihm kein goldenes Zeitalter. Jetzt galt als höchste Weisheit,
sich nur üum Gewinn und Verlust am äußeren Wohlstand zu
betümmern, das Brot als Hhaupisache, das politische Lied als
garstiges Lied zu betrachten. Die Modeliteratur spiegelt getreu
die Zeitstimmung. Es ist begreiflich, daß die Kaiseridee von
einer Generation, die für Clauren schwärmte, nicht erfaßt,
geschweige denn ins Leben gerufen werden konnte.
Dadurch war aber keineswegs ausgeschlossen, daß auch in
den von Metternichs Einfluß beherrschten Staaten eine ge—
wisse Mißstimmung sich erhielt und immer noch steigerte. Ver⸗
faffungen galten eben damals als Allheilmittel für alle so⸗
zialen und wirtschaftlichen Mißstände. Heute werden sich nur
noch wenig enthufiastische Bewunderer des Parlamentarismus
finden; man ist in dieser Beziehung gründlich abgekühlt wor⸗
den. Doch es gibt nun einmal kein anderes Korrektiv gegen
willkür der Kegierungen, und wenn 3. B. die kurhessischen
oder die braunschweigischen Zustände in den zwanziger Jahren
ins Auge gefaßt werden, begreift sich leicht, daß damals die
Ciberalos⸗· so wurden zuerst in Spanien die Verfassungs⸗
freunde genannt — in Deutschland und im ganzen Abendland
so mächtig anwuchsen und die Kegierungen beständig in Atem
gehalten wurden.
Hrei Gegner hatte die politische, soziale und wirtschaftliche
Freiheitsbewegung der Rulturvölker im neunzehnten Jahr⸗
hundert zu bekämpfen: den Absolutismus, der in den klei⸗
neren und kleinsten Staaten noch häufiger als in größeren
die nackte Willkürherrschaft bedeutete, den Klerikalismus mit
seiner dogmatisch-hierarchischen Bindung des religiösen, wis⸗
senschaftlichen und sittlichen Lebens, und den Feudalis mus
        <pb n="57" />
        Verschwörungen und Uufstände. 49

mit seiner schroffen Abschließung der Stände und Berufe. EAls
Geburtstag des Liberalismus ist jener 4. August 1789 anzu⸗
sehen, den die Anhänger des ancien régime den „ruch—
losen“, die befreiten Völker den „göttlichen“ nannten. Der
konstitutionelle Staat ist seine wichtigste Schöpfung, auch die
Selbstverwaltung der Gemeinden, die Erhöhung der Leistungs—
fähigkeit auf wirtschaftlichem, technischem und wissenschaft—
lichem Gebiet durch freien Wettbewerb der Individuen und
Nationalitäten, die Beseitigung schädlicher Inzucht durch Ein—⸗
führung von Freizügigkeit und Verehelichungsfreiheit, die För⸗
derung eines gesunden, sozialen Stoffwechsels durch Abschaf⸗
fung ständischer Privilegien und beruflicher Gebundenheit und
andere wirklich als Fortschritte anzusehende Entwicklungen
verdankt die Kulturwelt dem Liberalismus, der freilich auch,
wenn er in formalen Doktrinarismus ausartet, schädlich wirken
kann und gewirkt hat.
In Neapel nötigte eine Militärverschwörung unter Füh—
rung des Guglielmo Pepe den Rönig, eine Verfassung zu ge⸗
währen und selbst die Carbonarifarben anzulegen. Auf dem
Monarchenkongreß zu Troppau wurde aber beschlossen, gegen
die Insurgenten einzuschreiten; der österreichische General Fri—
mont schlug bei Kieti die Anhänger Pepes, und die freiheit—
liche Bewegung wurde durch Gewaltmittel der grausamsten
Ert erdrückt.
In Spanien zwangen Kiego und Ballestros den KRönig
Serdinand, die schon 1812 gewährte Konstitution wiederherzustellen,
 doch der Monarchenkongreß zu Verona beschloß, auch
hier das Feuer der Revolution auszustampfen. Die Fran—
zosen, deren Monarch sich 1818 selbst an die hl. Allianz an—
geschlossen hatte, überschritten unter Führung des Herzogs von
Angouleme die Bidassoa und zwangen die Exaltados, den ge—
fangenen König freizugeben. Auch hier wurde grausame Rache
an den Rädelsführern der Bewegung genommen, doch gerade
diese Strenge führte in vielen spanischen und portugiefischen
Kolonien, in Mexiko, Brasilien, Peru, Columbia neue Kämpfe
herbei, die fast überall mit Befreiung von der spanischen Herr⸗
schaft endigten.
Unabhängigkeit von unerträglichem Joch strebten auch die
Griechen an, die mit den Landesherren, den Türken, neun
Jahre lang (1821-1829) einen Kampf der Verzweiflung
Anus 129: Heigel, politische Ströämungen. 2. Aufl.
        <pb n="58" />
        30 III. Abschnitt. Restauration und Verfassungskämpfe.

führten. Auch diesem Befreiungsversuche trat Metternich feind⸗
lich entgegen, während die Auferstehung Griechenlands in den
gebildeten Kreisen des ganzen Abendlandes freudig begrüßt
wurde. Je drückender die Keaktion auf den Völkern lastete,
jeden Anteil am öffentlichen Leben brandmarkend, jede natio—
nale Regung verfolgend, desto bereitwilliger erblickte man
— trotz der geschichtlichen und philologischen Bedenken Fall⸗
merayers — in den Mainoten und Hydrioten die echten Nach—
kommen der alten Hellenen und ideale Freiheitshelden.
Freilich gelang die Befreiung nicht so fast durch die
heĩdentaten der Botsaris und Diakos und durch die warme
Förderung der Philhellenen; im wesentlichen war sie das Werk
der Großmächte, welche die griechische Frage als ein Teil der
drientalischen Frage beschäftigte.
Die orientalische Frage ist über 400 Jahre alt, d. h.
ebenso alt, wie die herrschaft der Türken über europäisches
Gebiet. Nur ging die Frage zuerst dahin: Wie weit werden
die Osmanen in Europa vordringen? und später lautete sie:
Wann werden die Türken aus Europa hinausgedrängt werden?
— Das angebliche Testament Peters des Großen ist nur eine
im Auftrag Napoleons J. fabrizierte Fälschung, aber tatsäch—
lich war Peters Politik immer auf Erwerbung Konstanti—
nopels gerichtet, und ebenso haben alle seine Nachfolger dieses
Ziel im Auge behalten. Osterreich, jahrhundertelang bedrängt
und geschädigt durch den Türken, hat seit den Siegen Montecu—
tolis, Ludwigs von Baden und Eugens von Savoyen namhaften
Cändergewinn auf Kosten der Hohen Pforte gemacht. Später
wechselte die Politik Osterreichs. Noch unter Josef II., vorüber⸗
gehend auch unter Franz II. ging Osterreich Hand in hand
mit Rußland, um eine Teilung der Balkanhalbinsel durch—
zusetzen; da aber der Besitz Konstantinopels für Kußland einen
fo überragenden Zuwachs an Macht bedeuten würde, daß jeder
andre Gewinn daneben bedeutungslos wäre, gab sich und gibt
fich Osterreich seit Metternichs Tagen Mühe, die orientalische
Frage zu stauen. Deshalb muß auch verhindert werden, daß
die im letzten Jahrhundert mehr oder weniger selbständig ge—
wordenen Donaufürstentümer gänzlich unter russischen Ein—
fluß kommen. Wenn sich Osterreich — nach Bismarcks Wort
und Wunsch — als wirkliches Ostreich behaupten will, darf
es sich nicht die wichtigsten PBerkehrsadern unterbinden lassen;
        <pb n="59" />
        Der griechische Befreiungskampf und die orientalische Frage. 51

das kann nicht durch eine passive, sondern nur durch eine
aktive Politik verhütet werden; deshalb war die Besetzung
Bosniens und der Herzegowina nach dem Berliner Kongreß
von 1878 ein Schritt von großer Tragweite; wie weit Oster⸗
reich in Zukunft in dieser Kichtung vorwärts gehen kann,
hängt von seiner Lebenskraft ab.
In der Äbsicht, Kußland von den griechischen Gewässern
zurückzuhalten, wurde 1827 von den Londoner Protokoll⸗
mächten das Königreich Griechenland geschaffen, und es war
nur eine der vielen krausen Wendungen der Weltgeschichte,
daß Rußland selbst durch seine Diebitsch und Paskiewitsch im
Nriege von 182829 die Pforte erst zwingen mußte, die Un—
abhängigkeit Griechenlands anzuerkennen. — —
RNant sagt: „Der ewige Friede kann nur von Frankreich
ausgehen, da bisher von Frankreich der ewige Krieg aus—
gegangen ist.“ Das Wort kann noch weiter ausgedehnt werden.
Frankreich war im 19. Jahrhundert auch der herd aller poli⸗
tischsozialen Bewegungen, die von dort aus das übrige Europa
durchzogen.
Zwischen den Anhängern des napoleonischen Cäsarentums
und der absolutistischen Monarchie war der tiers parti er—
wachsen, eine Mittelpartei, die ein auf politische Freiheit sich
stützendes Königtum aufrichten wollte. Wie sich vor der großen
Revolution im Palais Royal die Gegner des ancien régime
um Philipp von Orleans geschart hatten, so versammelten sich
jetzt im nämlichen Schlosse Benjamin Constant, Cafitte, Seba⸗
stiani, Girardin; hierher kamen auch Adolphe Thiers und
Srancçois Mignet, die hauptmitarbeiter des „Constitutionnel“,
die beliebtesten und berühmtesten Wortführer der liberalen
Opposition. Die Bourbons, die in der langen Zeit ihrer Ver—
bannung nichts gelernt und nichts vergefsen hätten, sollten
von der Regierung verdrängt, an ihre Stelle sollte der juͤngere
Sweig des alten Königsstammes gesetzt werden, da von Lud—
wig Philipp, dem Sohne des Egalité, zu erwarten sei, daß
er die Nation und die Zeit besser verstehen, daß er die Charte
zu einer Wahrheit machen werde.
        <pb n="60" />
        IV. Abschnitt.

Das Vordringen des französischen Liberalismus
und die Wiederbefestigung der alten Gewalten.

Das Julikönigtum in Frankreich. Die liberalen Reformen in Eng—
land. Der Befreiungskampf Belgiens. Die nationalen und liberalen
Ideen in Italien und Deutschland. Wechselnde Strömungen in der
katholischen Kirche. Das Aufstreben des vierten Standes. Die nationale
Erhebung Deutschlands im Jahre 1840. Die Unterdrückung des be—
schränkten Untertanenverstandes. Der Antagonismus zwischen Oster—
reich und Preußen. Das junge Italien und die italienischen Ke—
gierungen. Das Ende des Bürgerkönigtums in Frankreich. Das
Sturmjahr 1848. Das Srankfurter Parlament. Der Sieg der Keaktion
in Europa.

Citeratur.

Gerainville, Histoire de Louis Philippe (3 Tom. 1870- 1876).
Karl hillebrand, Geschichte des Julikönigtums (2. Aufl., 2. Bd. 1881).
Treitschke, Deutsche Geschichte im 19. Jahrhundert (4 Bd.: Bis zum
Tode Sriedrich Wilhelms III. 1889; 5. Bd.: Bis zur März—
revolution, 1894).
Hh. * 3 —— Iecrunduns des Deutschen Keiches durch Wilhelm J.
1. Bd. 1889).
h. Schmid, Geschichte der katholischen Kirche Deutschlands von der
Mitte 7 18. Jahrhunderts bis in die Gegenwart (3 Abtlgn.,
1872- 74).
Maurenbrecher, Die preußische Kirchenpolitik und der KRölner
Rirchenstreit (1881).
h. CLaube, Das erste deutsche Parlament (3 Bde. 1849).
K. Biedermann, Dreißig Jahre deutscher Geschichte, von der Thron⸗
besteigung Friedrich Wilhelms IV. bis zur Aufrichtung des neuen
deutschen Kaisertums (2 Bde. 1881-82).
zwiedineck-Südenhorst, Deutsche Geschichte von der UAuflösung
des alten bis zur Errichtung des neuen Kaiserreiches (2. Bd.:
Ges chre des Deutschen Bundes und des Frankfurter Parlaments,
1903).

Als Karl X. am 25. Juli 1830 die von seinem Minister
Fürst Polignac aufgesetzten „Ordonnances“ erließ, welche die
eben erst vollzogenen Kammerwahlen für ungültig erklärten,
ein neues Wahlrecht oktronierten und die Presse unter strengste
        <pb n="61" />
        Das Juliksönigtum in Frankreich. 53

Bevormundung stellten, traten Thiers und seine Gesinnungs—
genossen mit Cudwig Philipp in Verbindung, ohne daß der
Vorsichtige öffentlich seine passive Rolle aufgeben wollte. Die
ufregung über die Anzeichen der Wiederaufrichtung des
Absolutismus teilte sich aber rasch weiteren Kreisen mit und
führte zu einem Bündnis aller mit der Restauration unzufrie—
denen Parteien. Mißvergnügte Bonapartisten, überzeugungs⸗
treue Republikaner, Anhänger der englischen Verfaffungs—
idee und plünderungslustige Proletarier vereinigten sich zur
Schilderhebung gegen das bourbonische Königtum, zur Juͤli—
revolution (27.-29. Juli 1830). Der von Thiers im „National“
 verfochtene Satz: „Der König hat zu herrschen, nicht
zu regieren!“ wurde die CLosung der Bewegung. Cine nach Be—
ginn des Kampfes zwischen den Volksmassen und den Truppen
von Thiers veröffentlichte Proklamation erklärte, daß Karl X.,
an dessen händen Bürgerblut klebe, nicht länger Oberhaupt
Frankreichs bleiben, daß nur der herzog von Orleans als
Freund der Freiheit die Ordnung wiederherstellen könne.
CLudwig Philipp hielt sich in der Laiterie in seinem Park zu
Neuilly versteckt. Erst als am dritten Tage des Straßenkampfes
der Bankier Lafitte die Nachricht überdbrachte, daß das Volk
den Sieg erfochten und König Karl sich geflüchtet habe, erklärte
er sich bereit, dem Kufe der Vorsehung und der Mitbürger
Folge zu leisten. Von den Führern der fiegreichen Barrikaden—
kämpfer geleitet, begab er sich nach Paris, um als „General—
leutnant des Rönigreichs“ das Vaterland vor der Sturm-—
flut der Anarchie zu retten. Am nächsten Tage umarmte er
auf dem Balkon des Höôtel de ville den Befehlshaber der
Nationalgarde, Lafayette, um die Sympathie der Menge zu
gewinnen oder, wie er selbst sich ausdrückte, um die Weihe
des Volkes zu erhalten. Am 7. August nahm er den Titel
eines „Königs der Franzosen“ an, wie Lafayette auseinander⸗
setzte, als gekrönter Präsident der Republik, als Sachwalter
des souverän gewordenen Volkes.
Wenn sich diese Katastrophe zwischen 1815—21824 ereignet
hätte, so wäre die Solge gewesen, daß sich das ganze mon—
archische Curopa wie ein Mann gegen den König von Volkes
Gnaden erhoben hätte; ein Koalitionskrieg zur Nieder—
drückung des revolutionären Geistes in Frankreich wäre un—
vermeidlich gewesen.
        <pb n="62" />
        54 IV. Abschnitt. Das Vordringen des französischen Ciberalismus.

Doch die Bande der Heiligen Allianz waren schon lockerer
geworden. Die englische Regierung stand jetzt noch entschie—
dener abseits von den konservativen Großmächten des Kon—
tinents, als in der Ara Wellington, und sogar zwischen Ruß—
land und Osterreich war durch gegensätzliche Haltung in der
orientalischen Frage eine Entfremdung aufgewachsen. Nur
Zar Nikolaus hielt an ablehnender haltung gegen das Liebes—
werben Cudwig Philipps fest; die übrigen Mächte erkannten,
eine nach der anderen, den Usurpator, den Barrikadenkönig an.
Damit war die Möglichkeit gegeben, daß die Julirevolution
auch auf andere Staaten wirkte. Sogar auf denjenigen, der in
stolzem Begnügen an seiner eigenen geschichtlichen Entwick—
lung am schroffsten die neufränkische Freiheit abgewehrt hatte,
auf England. Unter dem Einfluß der Julirevolution voll—
zogen sich hier Reformen, an denen bisher die entschlossensten
Staatsmänner gescheitert waren, die Uatholikenemanzipation,
die von Großbritannien endlich die Schmach häßlicher Unduld—
samkeit nahm, das Werk des Irenführers O'Connel, und die
Reformbill, die eine Reihe von veralteten, reaktionären Ver—
fassungsbestimmungen aufhob, das Werk des freisinnigen
Cords Russell. Die Neugestaltung wurde 1832 abgeschlofsen
durch den Sieg der Whigs im UKabinett selbst, durch die Er—
hebung Lord Palmerstons, der dann lange Jahre hindurch im
Sinne des Liberalismus, freilich nur solange der Liberalismus
dem englischen Interesse entsprach, auf die Entwicklung der
europäischen Verhältnisse maßgebenden Einfluß übte. — —
Eine Nachwirkung der Juli-Ereignisse in Paris trat auch
in der Brüsseler Revolution zutage. CLangwierige Kämpfe
führten endlich zur Unabhängigkeit der südlichen Provinzen.
Der vorwiegend katholische Agrikultur- und Industriestaat Bel—
gien mußte von der Zugehörigkeit zum protestantischen und
——
Auch in verschiedenen deutschen und italienischen Städten
folgten Unruhen und Aufstände.
In Italien stand bereits der Einheitsgedanke im Vorder—
grund aller Wünsche und Pläne. Seitdem die schon von
Macchiavelli mit leidenschaftlicher Wärme vertretene Forde—
rung der Italia unita in der Napoleonischen Zeit eine wenn
auch unvollkommene und beschränkte Erfüllung gefunden
hatte, bewegte der Gedanke, Italien von der herrschaft der
        <pb n="63" />
        Die nationalen und liberalen Ideen in Italien und Deutschland. 55

Psterreicher und der fremden Dynastien zu befreien, die herzen
des italienischen Volkes mit elementarer Gewalt. Die ganze
italienische Geschichte von 1815 bis 1870, wie das Leben der
einzelnen hervorragenden Männer geht in diesem Sinnen und
Trachten auf. Unablässig folgen aufeinander Verschwörungen
und Aufstände der Carbonaria und anderer Geheimbünde.
Keine noch so grausame Unterdrückung vermochte den Wagemut
zu brechen, keine noch so bittere Enttäuschung die patriotischen
hoffnungen auszulöschen. Auch eine erstaunliche literarische
Propaganda war auf die moralische und politische Erneue—
rung der Nation gerichtet; Roman und Drama, Ode und
Ssatire, Zeitung und Gelehrtenarbeit mußten ihr dienen. Der
Periode eines scheinbar aussichtslosen politischen Kampfes ver⸗
dankt Italien seine glänzendsten Schriftsteller: Manzoni, Leo—
pardi, Massimo d'Azeglio, Gioberti, den größten Staatsmann
Cavour, den Erzverschwörer Mazzini, den Nationalhelden
Garibaldi. Allen diesen Männern stand das freie und ge—
einigte Vaterland als Ideal vor der Seele noch lebhafter, als
den großen Geistern des 16. Jahrhunderts, und wenn die
Männer der Neuzeit auch nicht die Genialität der Männer
der Renaissance, der Macchiavelli und Poggio besaßen, so
war ihr Streben um so reiner und selbstloser. Trotzdem
würde aller Opfermut fruchtlos geblieben sein und schließ—
lich in verschwommenen Kosmopolitismus sich verflüchtigt
haben, wenn nicht eine italienische Dyn ast ie das Einigungs—
werk mit starker hand ergriffen hätte. In erster Keihe ist es
dem zielbewußten Cavour zu danken, daß auf eine lange Pe—
riode des Leidens und der Opfer die Zeit des Sieges und der
Erfüllung folgte. — —
Die deutsche Bewegung der dreißiger Jahre war von
jener nach den Befreiungskriegen gründlich verschieden. Unter
der Einwirkung der Julirevolution hielten nur noch wenige
am Gedanken einer nationalen Einigung unter einem Reichsoberhaupt
 fest. Die meisten „Sprecher des Volks“ waren Be—
wunderer der schimärischen Freiheit und Gleichheit der Neu—
franken von 1793. Das junge Deutschland schwärmte für Ver—
einigte Staaten Europas, für Völkerlenz und Völkerverbrüde—
rung. Der läppische Frankfurter Putsch von 1833 beweist,
wie wenig jene Politiker, die den Baum fällen wollten, um
die Apfel zu pflücken, auf die nächstliegenden Gebote der Klug-
        <pb n="64" />
        56 IV. Abschnitt. Das Vordringen des französischen Ciberalismus.

heit achteten, beweist, daß positive Kesultate von den ham—
bacher Wallfahrern weder für die Freiheit noch für die Ein—
heit zu erwarten waren. — —
Doch nicht bloß auf rein politischen, auch auf anderen
Gebieten gingen wichtige Strömungen von Frankreich aus.
Man hätte glauben sollen, daß das Zeitalter der Aufklärung
und das ZSeitalter der großen französischen Revolution den
alten Kirchenglauben verdrängt oder doch wesentlich geschwächt
hätten. Allein gerade der Radikalismus, der alles Uirchen—
tum bis auf die letzte Faser ausrotten wollte, rief auf kirch—
lichem Gebiete ebenso wie auf politischem einen Rückschlag
hervor. In der Zeit der Befreiungskriege trat bei vielen ein
Geist wahrer aufrichtiger Religiosität, bei vielen ein krank—
hafter Muystizismus an die Stelle der Libertinage des Revo—
lutionszeitalters. Beide Elemente trugen zur Schöpfung der
Heiligen Allianz bei, aber mächtiger als in den verbündeten
Staaten schwoll die kirchliche Strömung in Frankreich an.
Chateaubriand, de Bonald, de Maistre erblickten in unbeding—
ter Unterwerfung unter die unfehlbare Papstkirche die Rettung
der Gesellschaft. Lamennais stellte ein theokratisches Programm
 auf, dessen Spitze sich ebenso gegen den Gallikanismus
wie gegen den Staat und seine Gesetze richtete. Während die
eine kirchliche Kichtung, die in de Maistre ihren Hauptver—
treter hatte, Wiederaufrichtung der absoluten Gewalt an—
strebte und folgerichtig sich mit der politischen Reaktion ver—
bündete, ging durch Lamennais' Lehre von Anfang an ein
demokratischer Zug. Lamennais wollte die Freiheit der Kirche
vom Staat, unbedingte Freiheit des Unterrichts, der Presse,
des Vereinswesens; er wollte den Bund der Kirche mit der
Demokratie noch offener und rücksichtsloser ausgebildet wissen,
als der Ire O'Connel und die Belgier Potter und Merode.
Als er demgemäß nicht bloß mit den galllkanisch gesinnten
Bischöfen, sondern auch mit Kom sich entzweite und ebenso
wegen seiner Verhetzung der Armen gegen die Reichen auch
vom Staat in Strafe gezogen wurde, fuhren seine Schüler,
Abbé Lacordaire, Graf Montalembert, Graf de Caux und
andre fort, am Bündnis des Katholizismus mit der Freiheit
festzuhalten. Sie verlangten unbedingte Unterrichtsfreiheit.
sAls ihnen erwidert wurde, daß ihre Forderung gegen die Ge—
setze des Staates verstoße, wurde von ihnen ein feindlicher
        <pb n="65" />
        Wechselnde Strömungen in der katholischen Kirche. 57

Gegensatz zwischen dem Staat und der — nach Ansicht der
ultramontains, wie sie sich selbst nannten — unwürdig be—
handelten Kirche beklagt und zur Abwehr der „Christenverfol—
gung“ aufgerufen.
Ahnliche Tendenzen breiteten sich auch in den Nachbarstaaten
aus. In Köln machten sie einen Kampf entbrennen, der eine
Zeitlang die Leidenschaft der Religionskriege wiederzuer—
wecken drohte. Insbesondere die Frage der gemischten Ehen
wurde hier von den nur nach kanonischen Rechtsgrundsätzen
sich richtenden Kurialisten, an deren Spitze Erzbischof Klemens
Sreiherr von Droste-Vischering selbst stand, so einseitig auf—
gefaßt, daß es in einem paritätischen Staat Anstoß erregen
mußte. Nach mehrfachen, nicht einwandfreien Versuchen zu
friedlicher Beilegung des Streites glaubte die RKegierung mit
Strenge vorgehen zu müssen: Erzbischof Droste wurde am
20. November 1837 als Gefangener auf die Festung Minden
abgeführt. Dieser Gewaltakt führte jedoch nicht die Beile—
gung, sondern eine Verschärfung des Streites herbei. Auf
römischer Seite wurde der Gefangene als Märtyrer gefeiert;
auf regierungsfreundlicher Seite begnügte man sich nicht, die
staatsfeindlichen Ausschreitungen der Gegner zurückzuweisen,
sondern begann einen gehässigen Kampf gegen die katho—
lische Kirche. Erst nach dem Regierungsantritt Friedrich Wil—
helms IV., der auch das katholische Element nicht als Bundes—
genossen zur Stärkung des Christentums missen wollte, ge—
lang es, den Kölner Handel zu schlichten. Nachdem Droste er⸗
klärt hatte, sich dem Urteil des Papstes zu unterwerfen, wurde
der Bischof Geissel von Speyer zum Koadjutor ernannt und
war tatsächlich Drostes Nachfolger, wenn dieser auch mit Recht
erklären konnte, daß er nach wie vor als der rechtmäßige
Erzbischof zu gelten habe. —
Die privilegierten Stände in Frankreich hatten ihre Vor—
rechte durch die große Revolution verloren, und ihre Wieder—
einsetzung war durch die Julirevolution verhindert worden.
Doch der Bürgerkönig, wie ihn seine Anhänger, der Börsen—
könig, wie ihn seine Gegner nannten, war dazu behilflich,
daß sich nun die reiche Bourgeoisie zur herrschenden Macht im
Staate aufschwang. Das neue Optimatentum schloß sich vom
vierten Stande, der doch in der Julirevolution fast allein seine
haut zu Markte getragen hatte, nicht minder hochmütig ab,
        <pb n="66" />
        58 V. Abschnitt. Das Vordringen des französischen CLiberalismus.

wie früher die noblesse d'épée. Dafür rächte sich das Prole—
tariat, indem es ebenso exklusiv Todfeindschaft schwor nicht bloß
den eigentlichen Bedrückern, sondern den Besitzenden insgesamt.
Die bürgerliche Gesellschaft hatte kein Auge für die Zu—
rücksetzung, für die Not der Arbeiter. Diese Sünde trägt die
Schuld am Klassenhaß des Proletariats, der sich zu einem so
unheilvollen Faktor der inneren Lage aller Staaten aus—
wachsen sollte. Es ist leider nicht unberechtigt, wenn die Führer
der sozialistischen Bewegung behaupten, es wäre wohl niemals
zu einer gerechteren Verteilung des CLohnes der Arbeit gekom—
men, wenn nicht der vierte Stand selbst sich drohend auf—
gerichtet und sein Kecht verteidigt hätte. Sogar den Bürger—
namen, der in den düstersten Tagen der großen Revolution
als Ehrenname für jeden Angehörigen der Nation gegolten
hatte, warfen nun die Unzufriedenen von sich. Tatsächlich ge—
lang es ihnen, allenthalben eine Reform des Verhältnisses
zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer anzubahnen, was jeder
Ehrliche nur mit Genugtuung gutheißen kann. nNichtsdesto—
weniger bleibt es eine politische Monstrosität, daß eine Partei
ohne Rücksicht auf Wohl und Wehe des Ganzen nur ein ein—
seitiges Klasseninteresse vertritt, als ob es in anderen Stän—
den nicht auch Not und Sorge und Gram und Tod gäbe, als
ob die schwielige Hand das einzige Zeugnis ehrlicher Mit—
arbeiterschaft am vielverzweigten Werk der Sivilisation wäre!
Auch bedurfte es, um das Proletariat zu einer politischen
Macht zu erheben, erst der aus den oberen Gesellschafts—
schichten herabsickernden Ideen. Die Emanzipationstheorien
der George Sand, die naturalistischen Schilderungen aus dem
Gossenleben der Armen und Elenden in den Romanen von
Eugen Sue und andere literarische Erscheinungen haben dazu
beigetragen, den Sozialismus zu stärken. Die nämliche Wirkung
hatten die Systeme des Grafen St. Simon, der den auf Gewalt
und Unterdrückung gestützten Staat durch einen Arbeiterstaat
ersetzen wollte, und seiner Schüler Comte und Enfantin, die aus
der phantastischen Lehre praktische Folgerungen zogen, Ab—
schaffung des Erbrechts, Befreiung des Weibes u. a. Der Kom—
munismus des Francçois Babeuf lebte wieder auf in den Theo—
rien der Buonarotti und Cabet, und Proudhon entfesselte
durch seine berühmte Frage: „Was ist Eigentum?“ und die
Antwort: „Eigentum ist Diebstahl!“ den haß gegen das Na⸗
        <pb n="67" />
        Das Hufstreben des vierten Standes.

59

pital als den Ursprung aller Ungleichheit und alles Despo—
tismus.
Auch diese Strömung verbreitete sich, verschiedene Formen
annehmend, über die Nächbarländer. Während sie aber z3. B.
in Deutschland vorläufig noch rein theoretischen Charakter be⸗
hielt, erlangte sie in Frankreich zuerst dadurch gefährliche
Macht, daß Louis Blanc, CLouis Blanqui, Barbés, Bernard,
die Genossen der „société des saisons“,, ihre sozialistischen
oder vielmehr kommunistischen Bestrebungen in Zusammen—
hang mit dem Kampf der politischen Parteien brachten. Die
Jünger Proudhons und Fouriers, die den Umsturz alles Be—
stehenden, die herbeiführung eines neuen Kulturzustandes an⸗
strebten, verbruͤderten fich mit den Republikanern. An diesem
Bund zerschellte der Thron des Bürgerkönigs, der auch die
Neigung der Besitzenden verloren hatte, weil es seinem Ke—
giment an Glanz und Würde fehlte. —
In der Geschichte der nationalen Entwicklung Deutschlands
bildet das Jahr 1840 einen denkwürdigen Markstein. Als der
Minister Thiers, um die Franzosen über eine diplomatische
Niederlage Frankreichs in der orientalischen Krisis hinweg—
sehen zu machen, dem Verlangen nach der „natürlichen
Grenze“, dem Rhein, offen Ausdruck gab und dadurch ein
Urieg der Nachbarn in gefährliche Nähe gerückt war, regte
sich endlich wieder in Preußen das deutsche Gewissen. Auch
in Süddeutschland trat ein Aufschwung des Nationalgefühls
zutage und wurde von den Regierungen sogar begünstigt. Es
waren keine mustergültigen Verse, womit König Cudwig J.
von Bayern den Dichter des sozufagen über Nacht populär
gewordenen KRheinliedes feierte, aber eine gut deutsche Ge—
finnung sprach sich darin aus. An diesem Patriotismus der
Cudwig von Bayern und Wilhelm von Württemberg und Leo—
pold von Baden scheiterte der mit List und Cifer in Szene ge—
setzte Versuch, einen neuen Rheinbund ins Leben zu rufen.
Auch der Frankfurter Bundestag, der bisher nur in Abwehr
des nationalen Gedankens seine Pflicht erblickt hatte, suchte
jetzt wenigstens für die Wehrverfassung eine einheitliche Form
zu finden. Ja, sogar Metternich empfand eine Regung patrio—
tischen Opferwillens; er gab seine Zustimmung zu einer An⸗
ordnung, die er bei der ersten Anregung im Jahre 1832 leiden⸗
schaftlich bekämpft hatte, daß nämlich die Mittel- und Klein—
        <pb n="68" />
        60 IV. Abschnitt. Das Vordringen des französischen Ciberalismus.

staaten ihre Kontingente im Kriegsfall unter preußisches Kom—
mando stellen sollten.
Solche Wirkung ihres Säbelklirrens hatten Thiers und die
Seinen nicht erwartet. Frankreich stand isoliert, denn die
entente cordiale der Westmächte, die Talleyrand mit heißem
Bemühen in die Wege geleitet hatte, war rasch zerstoben, als
Palmerston gewahr wurde, daß Frankreich ebenfo lüstern nach
Agypten wie nach der Rheingrenze blicke. Durfte doch Eng⸗
land die CLandenge von Suez schon um Indiens willen nicht in
fremde Hände gelangen lassen. Als Thiers trotzdem dem König
eine Thronrede vorlegte, welche den Feinden Frankreichs den
Fehdehandschuh hinwarf, weigerte sich Louis Philipp, alles
auf eine Karte zu setzen. An Stelle Thiers' wurde Guizot
berufen, und der neue Leiter der auswärtigen Angelegenheiten
vermittelte für Frankreich aus der bedrohlichen Krisis einen
glimpflichen Rückzug.
Sobald aber für die deutschen Staaten die äußere Gefahr
verschwunden war, hatte auch der Patriotismus der Regie—
rungen ein Ende, und das Ministerium Cichhorn in Berlin
wie das Ministerium Abel in München erschraken vor den
Gefahren eines Weges, auf den einst demokratische Sturm—
gesellen hingewiesen hatten.
Doch die Sehnsucht nach einer innigeren Gemeinschaft der
deutschen Stämme wollte trotz alledem nicht mehr erlöschen,
und zwar vollzog sich eine eigentümliche Wandlung. Während
in den dreißiger Jahren Frankreich dem deutschen Liberalis—
mus als Muster und Vorbild gegolten hatte, war diese Ver—
ehrung seit dem Vorstoß des französischen Chauvinismus gegen
Deutschland verblaßt. In den dreißiger Jahren kosmopoli—
tisch und republikanisch, in den vierziger Jahren national und
liberal; dieser Gegensatz ist scharf ausgeprägt. Die natio—
nalen Wünsche waren freilich noch immer unklar und ver—
schwommen. Das Arndtsche Baterlandslied ist dafür charak—
teristisch. Welch wunderlicher Pangermanismus in einer
Zeit, da die kleinen und kleinsten, wie die großen und
mittleren deutschen Staaten fast nichts Gemeinsames hatten,
außer daß über politische Verbrechen von sämtlichen Polizeibehörden
 an die große Mainzer Zentraluntersuchungskommission
berichtet wurde! Ohne S5weifel hat aber das Singen dieser
Daterlandslieder, das Cautwerden volkstümlicher Schlagworte
        <pb n="69" />
        Die nationale Erhebung Deutschlands im Jahre 1840. 61

das deutsche Nationalgefühl genährt und erhalten. Allmäh⸗
lich gesellten sich dazu auch deutsche Taten. Der Kölner Dom—
bau war eine rühmliche Tat des ganzen deutschen Volkes. Auch
zur Wiederaufrichtung des alten Königsstuhls bei Rense, zu
Bandels hermannsdenkmal im Teutoburger Walde wurde
überall in deutschen Landen — das war seit den Karlsbader
Beschlüssen nicht mehr vorgekommen! — gesammelt, wenn
auch nicht überall gespendet. Ludwig J. von Bayern gab dem
Gefühl der Zusammengehörigkeit der deutschen Stämme durch
den Bau der Walhalla und der Befreiungshalle Ausdruck.
Einen nicht unwichtigen Faktor der nationalen Bewegung bil—
deten die mannigfaltigen Kongresse. Auf den Germanisten⸗
tagen in Frankfurt im ehrwürdigen Römersaal, im hanseaten⸗
saal in Lübeck sprachen Männer wie Uhland, Dahlmann, Ja⸗
kob und Wilhelm Grimm, Waitz, Beseler nicht bloß über wissen⸗
schaftliche Fragen, sondern auch über praktische Forderungen,
3. B. Wiedereinführung des —33— Schöffengerichts.
Auf den Anwalttagen wurde fast Jahr für Jahr die Notwen⸗
digkeit eines einheitlichen Rechts für ganz Deutschland betont.
Die politischen Schriftsteller begnügten sich schon nicht mehr
mit solchen vereinzelten Wünschen; sie begehrten eine Reform
Deutschlands an haupt und Gliedern. Daß der Deutsche Bund
nur eine mißratene Schöpfung war, ohnmächtig nach außen,
volksfeindlich nach innen, wurde von allen erkannt, aber welche
Besserung sollte angestrebt werden? — Da gingen wieder, wie
nach dem Befreiungskampf, die Wünsche und Anschauungen
auseinander.
Für Osterreich lebten noch immer in Süd- und Mitteldeutsch—
land die wärmsten Sympathien. Die Stellung der lustigen
Kaiserstadt Wien war natürlich nicht mit der Bedeutung von
Paris für Frankreich zu vergleichen; immerhin galt sie als
deutsche Stadt und als die erste deutsche Stadt. Allein das
Mißregiment in Osterreich machte schon viele irre an dem
Beruf Osterreichs, die Vormacht Deutschlands zu bleiben.
Metternich war nicht einmal mehr der bewunderte Messias der
Absolutisten; er selbst hatte sein System wiederholt durch⸗
brechen müssen. Nach der Niederlage der Legitimisten im
belgisch-⸗holländischen Streit hatte er geäußert: „Ich sehe, die
praktische, die einzige auf die Lage des Tages anwendbare
Wahrheit ist die nNotwendigkeit, die Entwicklung der Ereignisse
        <pb n="70" />
        62 IV. Abschnitt. Das Vordringen des französischen Ciberalismus.

abzuwarten!“ Das Wort Entwicklung hatte bisher gefehlt im
Metternichschen Wörterschatz. Er selbst hatte, als es im irchen—
staat gärte, dem Papst zu staatlichen Keformen geraten; er
hatte den Verfassungsbruch in Hannover und das selbstherrliche
Vorgehen Ernst Augusts gegen die Göttinger Sieben und den
Osnabrücker Bürgermeister Stüve wenigstens nach außen ge—
mißbilligt. Doch für Osterreich und das von Osterreich be—
einflußte italienische Machtgebiet ließ er diese Wahrheiten nicht
gelten; da blieb seine Politik starr, herrisch, exklusiv. Die
Wiener Politik bewegte sich immer in einem falschen Kreis—
schluß. Osterreich sollte die deutsche Vormacht bleiben, der Ein⸗
fluß Preußens im übrigen Deutschland bekämpft werden, aber
zugleich wurde daran festgehalten, daß Osterreich einen in sich
abgeschlossenen Staat bilde; alle Verbindungen mit dem „Keich
draußen“ wurden argwöhnisch beobachtet. „nur keine ünde—
rungen, nur keine Neuerungen!“ Kaiser Franz war pflicht⸗
treu und eifrig, aber freilich mehr wie ein Vogt oder Amt—
mann, nicht wie ein Beherrscher weitgedehnter Keiche. Nach
Franz' II. Tod, unter Ferdinand wurde es nicht besser, sondern
schlimmer. Der physisch und geistig schwächliche Ferdinand war
nicht die geeignete Persönlichkeit, das Metternich-Sedlnitzkysche
Polizeiregiment auf eine höhere Stufe zu erheben.
Diese Zustände in Osterreich erklären in erster Reihe, daß
die auf eine festere Zentralisierung gerichteten Wünsche der
Deutschen häufiger und entschiedener auf denjenigen Staat sich
richteten, der sich, weil er gänzlich in Metternichsches und noch
mehr in russisches Fahrwasser einlenkte, der Gunst der Libe—
ralen bisher am wenigsten erfreut hatte, auf Preußen.
Es ist bezeichnend, mit welch überschwenglichen Hoffnungen
nach dem Tode Friedrich Wilhelms III. (7. Juni 1840) der
Nachfolger, Friedrich Wilhelm JIV., begrüßt wurde. Der
Pommer Robert Prutz, der hannoveraner Hhoffmann von
Fallersleben, der Hesse Dingelstedt, der Detmolder Freilig—
rath und viele andere feierten ihn als deutschen Messias. So—
gar herwegh apostrophierte ihn:

„Die Hoffnung Deutschlands steht zu dir,
feft, wie nach Norden weist die Nadel!
O Herr! Ergreife das Panier,
noch ist es Zeit, noch folgen wir,
noch soll verstummen jeder Tadel!“
        <pb n="71" />
        Der Antagonismus zwischen Osterreich und Preußen. 63

Doch die Begeisterung verflüchtigte sich rasch. Friedrich Wil—
helm IV., eine stark impulsive Natur, war immer vorndran,
beteiligte sich persönlich an allen Kämpfen der Meinungen und
der Parteien; deshalb gewöhnte man sich daran, alles und
jedes auf die Initiative des Königs zurückzuführen. Man
machte ihn verantwortlich für die schlecht verhüllte Nieder—
lage, welche der preußische Staat bei dem Abschluß des Kölner
Kirchenstreits erlitt; man schob die Schuld auf eine angeblich
katholisierende Kichtung Friedrich Wilhelms, die in Wirklich—
keit, wie die Briefe an Bunsen beweisen, nichts anderes war,
als romantisch⸗mittelalterlicher Uberschwang; man machte ihn
verantwortlich für die gehässigen Polizeimaßnahmen des herrn
v. Rochow, des Erfinders des Worts vom „beschränkten Unter⸗
tanenverstand“. Auch besonnene Politiker beklagten, daß sich
der König unerbittlich gegen die immer deutlicher hervortreten⸗
den Forderungen der neuen Zeit verschließe, deren Erfüllung
allein die Durchführung der deutschen Mission Preußens er—
mögliche. Als dem Verlangen, der König möge endlich in Er—
füllung des von seinem Vater gegebenen Versprechens eine
Verfassung gewähren, immer stürmischer, bald von Provinzial-⸗
ständen, bald von Stadtvertretungen Ausdruck gegeben wurde,
wies er das Ansinnen barsch und bündig ab. Metternich, der,
vom Rönig um Rat befragt, vor dem Sprung ins Dunkle ge—
warnt hatte, konnte getröstet an seine Gemahlin schreiben:
„Ich habe den unsinnigen Verfassungsplan getötet (j'ai tué)!“
Doch Friedrich Wilhelm IV., wenn auch kein Anhänger mo—
derner Ideen, besaß zu viel Geist und Gemüt, als daß er
sich in allen Fragen nach dem Metternichschen hexenhammer
gerichtet hätte. So wurde trotz alledem die Regierung des
„Romantikers auf dem Throne“ die Brücke zur neuen ZSeit.
Auf eine ähnliche Erscheinung stoßen wir in Italien. Welcher
haß sich dort gegen Metternich und die auf Metternichs Welt—⸗
ordnung eingeschworenen kleinen Machthaber angesammelt
hatte, zeigte ein Blick auf die Literatur. Aus den Denkwürdig-⸗
keiten Settembrinis, um nur ein Beispiel hervorzuheben, ist
auch zu ersehen, daß dieser Haß nicht unberechtigt war, daß
sich die Getreuen Metternichs, seine „hände“, wie er sagte,
zur Unschädlichmachung der giovine Italia unwürdiger Mittel
bedienten. Gegen die auf italienischem Boden sich abspielen—⸗
den Tragödien ist Fritz Reuters Festungstid eine Idylle. Eine
        <pb n="72" />
        64 IV. Abschnitt. Das Vordringen des französischen Ciberalismus.

wehmütige allerdings; ein Gefangener bleibt auch bei Punsch
und Kartenspiel ein Gefangener. Allein in den italienischen
Kerkern gab es für politische Verbrecher geradezu grausame,
entsetzliche körperliche Strafen und Seelenqualen. Allein keine
Herfolgung vermochte den standhaften Sinn jener Männer zu
brechen; heute befreit, setzten sie morgen ihr Verschwörungs⸗
werk fort; das ganze österreichische Italien, sowie die auf
Osterreichs Waffen und Metternichs Autorität sich stützenden
Sürstenthrone wurden durch unterirdische Minierarbeit so
unterwühlt, daß der Zusammenbruch nur noch eine Frage der
Zeit war. —
Unvermeidlich war auch der Zusammenbruch der Staats—
ordnung von 1830 in Frankreich geworden. Cudwig Philipp
war von Barrikadenkämpfern zum Oberhaupt des Staais er—
hoben worden, allein die Besorgnis der Füuͤrsten, es möchte
durch ihn der revolutionären Propaganda Vorschub geleistet
werden, war grundlos gewesen; der „neue Cromwell suchte
sogar mit einer gewissen demütigen Unterordnung den Souve—
ränen ihre Befürchtungen auszureden. Den in Polen, Italien,
Deutschland entweder für ihre Nationalität oder für liberale
Reformen kämpfenden Parteien wurden zwar unter der hand
freundliche Worte, aber nicht die erhoffte Unterstützung ge—⸗
spendet. „haben wir deshalb“, so wurde in den Reihen der
Opposition geklagt, „eine neue Dynastie auf den Thron gesetzt,
damit sie durch unterwürfige Dienste sich die Anerkennung der
europäischen Fürsten erbettle, während unsere alten Könige
unbestritten an der Spitze der europäischen Fürsten standen 2
Dazu kam, daß ein stark ausgeprägter wirtschaftlicher Sinn
den König zu manchen Handlungen verführte, welche mit der
königlichen Würde nicht vereinbar waren. Er verschmähte
nicht, an der Börse zu spekulieren und sogar politische Ma—
növer zugunsten seiner Privatkasse oder der von ihm bevor—
zugten Finanzleute ausführen zu lassen. Immer lauter erscholl
die Klage, daß Landmaun, Arbeiter und Kleinbürger härterem
Druck ausgesetzt seien, als in den Zeiten der absoluten
Monarchie, waͤhrend die neue privilegierte Kaste der Geld—
händler und Großgewerbetreibenden alle Früchte des Schweißes
der „Armen und Elenden“ einheimse. die Verfassung von
1830 beruhe nicht auf demokratischer Grundlage, sondern stehe
unter dem Bann einer Plutokratie, deren materielles Wesen
        <pb n="73" />
        Das Ende des Bürgerkönigtums in Frankreich. 65

auf alle Kreise entsittlichend wirke. Und auch Frankreich
wurde, wie Italien, unterwühlt von geheimen Gesellschaften,
deren Ideal die Kepublik oder der Kommunismus oder die
Vereinigung von beiden war. Die Gegnerschaft gegen ein Ke—
giment, das, wie der Exminister Thiers 1847 schrieb, zu seinem
Wesen und seinen Überlieferungen in geradem Widerspruch
stehe: „ghibellinisch in Rom, jesuitisch in Bern, österreichisch
in Piemont, russisch in Krakau und Warschau, französisch nir—
gendwo“, — nahm immer bedrohlicheren Charakter an. Die
nach der Ablehnung einer Keform des Wahlgesetzes von den
Antragstellern veranstalteten sogen. Reformbankette leiteten
die revolutionäre Bewegung ein, und am 22. Februar 1848
stieg die Opposition aus den Bankettsälen und von der Redner—
tribüne des Parlaments bewaffnet auf die Boulevards von
Paris. Nach dreitägigem Straßenkampf war die Sache des
Königs verloren; er floh nach England, und die Sweite Kammer
proklamierte nach dem Willen der in den Sitzungssaal ein⸗
gedrungenen Menge die Republik.
Wieder blieb die Bewegung nicht auf Frankreich beschränkt:
der elektrische Funke sprang von einem Volke zum andern.
kim 13. März brach in Wien der Sturm los. Die Stände wan⸗—
derten gemeinsam nach der Hofburg, um zeitgemäße Zuge—
ständnisse zu erwirken. In den Straßen wurden des ungarischen
Volksführers Kossuth Feuerreden verlesen; die Bürger, die
Studenten waffneten sich; eine wild johlende Rotte stürmte
den Palast Metternichs, während dieser in der hHofburg, wie
er erklärte, für sein Prinzip: Recta tueri! Schutz dem guten
Recht! den letzten entscheidenden Kampf mutig und in wür—⸗
diger Haltung kämpfte. Die wenigen Freunde hörten auf ihn
nur zerstreut und ängstlich, die Feinde mit Ungeduld und dro—
hender Miene. Nach seinem Empfang in der Hofburg konnte er
nicht mehr zweifeln: auch die hohen und höchsten herren, denen
er fünfzig Jahre lang als hirt des Staates und als Hort des
Friedens gegolten hatte, gaben ihn auf! Als er erklärte, daß er
um der Ruhe des Staates willen von seinem Posten zurücktreten
wolle, belohnte ihn ob dieser Großmut ein Beifall, der für ihn
beleidigender war, als das Pfeifen der vor der Hhofburg ver—
sammelten Menge. Er, dem zum herrscher nichts gefehlt hatte
als der Name des herrschers, war ein toter Mann. — —
Es half nichts mehr, daß der eingeschüchterte Bundestag die
AnucG 129: heigel, politische Strömungen. 2. Hufl.
        <pb n="74" />
        66 IV. Abschnitt. Das Vordringen des französischen CLiberalismus.

Farben der deutschen Burschenschaft, Schwarz-Rot-Gold, an—
nahm; die Bewegung schritt über ihn hinweg. Die Sturmpeti—
tion einer Mannheimer Volksversammlung unter Itzsteins Vor—
sitz forderte ein deutsches Parlament, Preßfreiheit, Volksbewaff—
nung, Geschworenengerichte, Vereidigung des Militärs auf die
VDerfassung, Verantwortlichkeit der Minister, politische Gleich—
stellung aller Bekenntnisse und andere freisinnige Reformen.
In Preußen hatte Friedrich Wilhelm JIV. schon 1847 dem
immer stürmischer kundgegebenen Volkswunsche durch Beru—
fung einer gesetzmäßigen Volksvertretung, des aus Abgeord—
neten der acht Provinziallandtage gebildeten sogen. „Der—
einigten Landtags“, nachgegeben. Die Versammlung erwies
sich als einflußreicher Träger der freiheitlichen Ideen, welche
damals die weitesten Kreise erfaßt hatten. Friedrich Wil—
helm IV., über den allzu freimütigen Ton der Verhandlungen
erbittert, versagte den an ihn gerichteten Wünschen bezüglich
einer festeren ständischen Organisation seine Zustimmung. Als
sich aber die Stimmung im Lande unter dem Einfluß der
Pariser Vorgänge verschärfte, versprach der König, eine dem
Geist der neuen Zeit genügende Verfassung zu gewähren und
für die Umwandlung des Deutschen Bundes in einen Bundes—
staat einzutreten. Kaum hatte am 18. März eine vor dem
Schloß versammelte große Volksmenge dem König für diese
Zugeständnisse jubelnden Dank bezeugt, kam es durch zufällige
Entladung zweier Schüsse zu blutigen Kämpfen zwischen Volk
und Militär. Obwohl die Truppen siegreich blieben, befahl
ihnen der König, die Stadt zu räumen. Damit war er ganz
in die Gewalt der Revolution gegeben. Das Wort der Prokla—
mation vom 21. März: „Preußen geht fortan in Deutschland
auf!“ entsprach nur einem Wunsche, den der König sein Leben
lang genährt hatte, aber die Mittel, die jetzt dazu angewendet
werden sollten, um Freiheit und Glück der einzelnen Staaten
und Einheit und Ehre Deutschlands zu erringen, waren für
Friedrich Wilhelm IV. wie für die anderen deutschen Fürsten
fremd und unannehmbar. Da bewährte sich der am 2. April
ins Schloß berufene Vereinigte Landtag ebenso als feste Stütze
des Königtums wie als Träger der Reformbewegung. Es
gelang, die Kadikalen zurückzudrängen, gleichzeitig aber die
Erfüllung weitreichender Volkswünsche, wie sie im Mann—
heimer Programm festgelegt waren, durchzusetzen.
        <pb n="75" />
        Das Sturmjahr 1848.

67

Zu ähnlichen Unruhen kam es auch in andern deutschen
Staaten. Rückschrittliche Minister dankten ab und wurden durch
Führer der volkstümlichen Bewegung ersetzt. Sogar der Frank—
furter Bundestag richtete an die Bundesregierungen das Er—
suchen, nicht bloß den auf Mitwirkung an der Kegierung ge—
richteten Volkswünschen nachzugeben und die konstitutionelle
Monarchie als Staatsform anzuerkennen, sondern auch die
Wahlen von Nationalvertretern anzuordnen, welche am Sitze
der Bundesversammlung zusammenzutreten hätten, um als
Mittler zwischen Regierungen und Volk das deutsche Ver—
fassungswerk zustande zu bringen. Der Bundestag wagte aber
nicht, einen Senat der Bundesregierungen, ein Oberhaus, zu
bilden, und auch über die Berufung eines Oberhauptes zur
Leitung der Reichsregierung kam es nicht zur Einigung. So
beschloß man, das Parlament ohne Reichsregierung zusam—
mentreten zu lassen.
sAm 31. März 1848 eröffnete das deutsche „Porparlament“
in der Paulskirche zu Frankfurt seine Sitzungen. UÜber 500
Mitglieder, Süddeutsche in starker Überzahl, hatten sich dazu
eingefunden.
Nur volles Einverständnis zwischen Fürsten und Volk
konnte dem nationalen Werk eine befriedigende, dauerhafte
Lösung sichern, — dieses Einverständnis war aber im
Jahre 1848 nicht vorhanden. Dagegen fehlte es nirgends
an Widersprüchen, Gegensätzen, Feindfeligkeiten. Trotz alle—
dem war es ein großer Augenblick, als unter dem Geläut
aller Glocken und dem Donner der Geschütze zum ersten—
mal freigewählte Vertreter der deutschen Nation vom
Römer nach der Paulskirche zogen. Zum erstenmal ging
der Ditmarsche neben dem Schwaben, der Pommer neben dem
Tiroler, — und welche Männer waren hier versammelt! Die
auserlesensten Geister der Nation befanden sich darunter, —
es sei nur an Arndt, Dahlmann, Jakob Grimm, Gervinus,
Raumer, Uhland, Robert Mohl, Welcker, Mittermaier, Döl—
linger, CLasaulx, Pfizer, Jakoby erinnert. Daß viele dem Pro—
fessorenstand angehörten, hat der Versammlung den Spitz—
namen „Schulmeisterparlament“ eingetragen. „Deutschland
hat“, so urteilt LCudwig Bamberger, „unter der Anführung
seiner Professoren das trostloseste Schauspiel politischer Un—
beholfenheit und Schwachsinnigkeit gegeben, das jemals die
2*
        <pb n="76" />
        68 UWV. Abschnitt. Das Vordringen des französischen CLiberalismus.

Sonne beschienen hat.“ Auch weniger befangene Ppolitiker
haben mit dem Überwiegen dieses Elements in Zusammen—
hang gebracht, daß trotz der vielen Verhandlungen und schönen
Reden ein praktischer Erfolg nicht erzielt wurde, doch läßt
sich wohl die Gegenfrage aufwerfen, ob denn in den Parla—
menten, seit das Professorenelement zurückgetreten ist, die
Reden kürzer und nützlicher geworden sind? Die Schuld am
Fiasko des Frankfurter Parlaments liegt wohl kaum am her⸗
vordrängen der Professorenweisheit, sondern die deutsche Frage
war in erster Keihe eine Machtfrage; der Erfolg hing davon
ab, ob es gelingen werde, den Gegensatz zwischen dem Süden und
dem Norden zu überbrücken. Die Arbeit des „an Geist und reiner
Leidenschaft größten Parlaments in deutscher Geschichte“ (max
Cenz) ging auch für die Zukunft Deutschlands nicht verloren. Die
in den RKeden von Dahlmann, Schmerling, Gagern und anderen
niedergelegten Gedanken sind geistiges Cigentum der Nation
geworden und haben bei den staatsrechtlichen Schöpfungen von
1866 und 1871 mitgewirkt, obwohl sich vielleicht die beteilig—
ten Staatsmänner selbst dessen gar nicht bewußt waren.
In der noch mit bedeutender Stimmenmehrheit voll⸗
zogenen Wahl des Erzherzogs Johann von Osterreich zum
Reichsverweser darf noch eine Kundgebung alter Sympathien
für das durch die Tradition mit der Kaiserkrone verbundene
Erzhaus erblickt werden. Im Kaiserstaat selbst aber schätzten
die maßgebenden Kreise am allerwenigsten die Freundschaft
der revolutionären Versammlung. Die hinrichtung des Abge—
sandten des Nationalkonvents, Robert Blum, in Wien machte
jede Hhoffnung auf Mitwirkung des Erzhauses am Verfassungs⸗
werk schwinden. Als infolge der Abwendung Osterreichs die
preußischen Aussichten gestiegen waren — „Das Warten auf
Osterreich“, so warnte der Abgeordnete Beckerath, „ist das
Sterben der deutschen Einheit!“ — stellte Professor Welcker
den Antrag, die vollstreckende Gewalt im neuen Reich, die
Vertretung nach außen und den Oberbefehl über die gesamte
Kriegsmacht dem Rönig von Preußen als erblichem „Kaiser
der Deutschen“ zu übertragen. Der Antrag wurde zwar am
28. März 1849 mit Stimmenmehrheit angenommen, allein fast
die hälfte der Wähler, darunter fast sämtliche Süddeutsche
hatten sich der Abstimmung enthalten. Unter diesen Umstän—
den konnte noch weniger überraschen, daß Friedrich Wil⸗
        <pb n="77" />
        Das Frankfurter Parlament.

69

helm IV., der stolze Vertreter des Legitimitätsprinzips, der
gefügige Schüler Metternichs, der treue Freund Osterreichs,
den Aögesandten des Parlaments eine ablehnende Antwort
erteilte er könne die von einer revolutionären Versammlung
angebotene Krone nicht annehmen, sondern nur eine, die mit
zustimmung aller deutschen Fuͤrsten angeboten werde, die den
Erwählten zum herrscher von Gottes Gnaden mache.
Nach der Absage der preußischen Monarchie steigerte sich
noch die Zerfahrenheit in der Paulskirche. Aufstände in Sachsen,
Baden und der Pfalz wurden mit Waffengewalt unterdrückt.
Die meisten Regierungen riefen ihre Abgeordneten von Frank⸗
furt zurück. Das nach Stuttgart übergesiedelte „Rumpfpar⸗
iament“ wurde schließlich im Juni 1849 durch württem—
bergisches Militär aufgelöst.
nicht minder kläglichen Ausgang nahmen andere Volks⸗
kämpfe. Die in Ungarn unter Ludwig Kofsuths Sührung
ausgebrochene Revolution wurde von österreichischen und
rusfischen Truppen niedergeschlagen; am 13. August 1849
machte der Oberkommandant der Hhonveds, Görgey, durch die
Waffenstreckung von Vilagos dem nutzlosen Widerstand ein
Ende. In Illyrien hatte die aufständische Bewegung der
„Illyria rediviva nur zur Folge, daß Begriff und Name
Königreich Illyrien“ bei der KReuorganisation des Kaiser—
staates im Jahre 1849 gänzlich aufgegeben wurden. Die von
Uarl Albert, Uönig von Sardinien, unterstützte Erhebung des
zsterreichischen Italiens wurde durch die Siege Radetzkys bei
Custozza (23. -26. Juli 1848) und bei Novara (23. März
1849) bezwungen. In Krakau wie in Posen mußten die Auf—
rührer nach anfänglichen Erfolgen bald die Waffen strecken.
Während bei den genannten Völkern die nationale Be—
wegung sich darin kundgab, daß auseinandergerifssene Volks—
teile nach Vereinigung oder Wiedervereinigung strebten,
suchten anderwärts künstlich zusammengefügte, verschieden ge—
artete Stämme eine Lösung dieser Fesseln, eine Geltend—
machung ihrer nationalen Cigentümlichkeit durchzusetzen. Da—
hin gehoͤren der Streit zwischen den germanischen Plämingen
und den romanischen Wallonen in Belgien und der Widerstand
gegen die Zerreißung der herzogtümer Schleswig und Holstein
und die widerrechtliche Einverleibung Schleswigs in den
dänischen Staat. Ganz Deutschland schloß sich dem Schwure
        <pb n="78" />
        70 IV. Abschnitt. Das Vordringen des französischen Ciberalismus.

„Up ewig ungedeelt“ der meerumschlungenen Provinzen be—
geistert an; auch die deutschen Kegierungen nahmen sich der
deutschen CLandsleute zwischen Nord- und Ostsee an. Die
Leitung des Krieges gegen Dänemark wurde Preußen über—
tragen. Die dänischen Truppen wurden mit leichter Mühe
in den Kämpfen bei Schleswig, Düppel und Kolding zurückge—
worfen; trotzdem konnte das große, mächtige Deutschland mit
40 Millionen Seelen das kleine Dänemark mit 2 Millionen
seelen nicht bezwingen, weil es keine Flotte besaß, um sich
der Blockierung der deutschen Küsten zu erwehren. Ruch durch
die drohende haltung Rußlands und Englands, sowie durch
die Abneigung der preußischen Regierung, mit Aufständischen
gemeinsame Sache zu machen, wurde die deutsche Kriegsführung
 gelähmt.“ Der Abschluß eines Waffenstillstands
zwischen Preußen und Dänemark (10. Juli 1849) war das
Dorspiel zum schimpflichen Ende. Das Condoner Protokoll der
Broßmächte vom 8. Mai 1852 gab Schleswig den Dänen preis.
Inzwischen waren die Märzministerien überall wieder ent—
lassen, die Presse und das Vereinswesen wieder in strenge Zucht
genommen und alle der freiheitlichen Bewegung gemachten
Zugeständnisse zurückgenommen worden; die in Frankfurt fest—
gesetzten „Grundrechte des deutschen Volkes“ waren nur noch
eine historische Crinnerung. Die Aufgabe, welche das Jahr
1848 dem deutschen Volk übertragen hatte, war nicht gelöst
worden, hatte nicht gelöst werden können bei dem Stand der po—
litischen Bildung des Volkes, solange teils radikale Be—
strebungen, teils Regungen des Sondergeistes in den einzelnen
Staaten kräftiger wirkten als der nationale Gedanke.
Die Hochflut der Begeisterung für ein einiges, freies Vater—
land ebbte zurück. An einen deutschen Volksstaat war nicht
mehr zu denken, und auch der Glaube an einen deutschen Ge—⸗
samtstaat war fortan wieder, wie nach dem Befreiungskrieg,
den leitenden Kreisen nur noch ein ärgernis.
Doch gerade in den Tagen der auf allen europäischen Staaten
lastenden Keaktion vollzog sich eine wichtige Wendung in der
wissenschaftlichen und praktischen ökonomischen Entwicklung
der Völker. Bis dahin hatte der Sozialismus nur eine unter—
geordnete Rolle gespielt; seit 1848 trat das Interesse an
den sozialen Fragen entschiedener und entscheidender in den
Dordergrund der inneren Staatenpolitik. „Mit dem Jahr
        <pb n="79" />
        71
1848“, sagt der Arbeiterführer Lassalle, „ist eine neue Welt⸗
periode eingetreten, dazu bestimmt, die sittliche Idee des Ar—
beiterstandes, das Prinzip der Arbeit, zum herrschenden Prin⸗
zip der Geseilschaft zu erheben.“ 1848 gründete Mazzini die
ersten italienischen Arbeitervereine; im nämlichen Jahre er—
schien das „Manifest der kommunistischen Partei“ von Karl
Marrx, ein Aufruf an die Proletarier, ohne Rücksicht auf die
nationalität zusammenzuwirken zur Abschaffung der bürger⸗
lichen Gesellschaftsordnung, des ECigentums und der Familie.
Diese kommunistische Bewegung wurde freilich ebenso wie die
siberale von den herrschenden Gewalten zu Boden geschlagen,
allein die Gedanken des nach London entflohenen Marr wirk—
ten fort und von noch tiefer greifender, grundlegender Be—
deutung für die Organisation des vierten Standes wurde seine
1867 erschienene Schrift „Das Kapital“ mit dem Dogma:
Quelle des Wertes ist einzig und allein die menschliche Arbeit!
Es trafen viele Momente zusammen, um die Arbeiterfrage
fortan einen ausgesprochen kriegerischen Charakter annehmen
zu lassen. Der Eintritt der Maschine in den Arbeitsbetrieb,
die Zusammendrängung der Bevölkerung in Fabrikplätze, die
trostlosen hygienischen Mißstände im Wohnungswesen, die Ver⸗
wahrlosung der Kinder und andere traurige Begleiterschei—
nungen des industriellen Großbetriebes ließen den Arbeit—
nehmer im Arbeitgeber, im Vertreter des „fluchwürdigen Ka—
pitals“ einen Feind und alles Heil in einer mit physischen und
geistigen Kräften anzustrebenden sozialistischen Gesellschaftsoͤrdnung
 erblicken. Immer offener und leidenschaftlicher trat
dem nationalen Staat das international organisierte Prole—
tariat gegenüber. Lassalle wünschte und erhoffte noch eine
friedliche Auseinandersetzung. „Wie?“ ruft er aus, „es hat
fich jemand in einem faustischen Triebe durchgearbeitet von
der pᷣhilosophie der Griechen und dem römischen Kechte, durch
die verschiedensten Fächer historischer Wissenschaft bis zur mo—
dernen Nationalökonomie und Statistik, und man könnte im
Ernste glauben, er wolle diese ganze, lange Bildung damit
schließen, dem Proletarier die Brandfackel in die hand zu
drücken?“ Aber freilich, wenn die Berechtigung des Arbeiter—
programms nicht rechtzeitig anerkannt werde, dann werde
„die Revolution kommen mit wild wehendem Lockenhaar und
erzene Sandalen an den Sohlen!“

Der Sieg der Reaktion in Europa.
        <pb n="80" />
        V. Abschnitt.

Der Sieg des Nationalitätsprinzips.

Das Wiederaufleben des Cäsarismus in Frankreich. Napoleon III.
Cavour. Der Freiheitskampf Piemonts gegen Osterreich. Nationale
Bestrebungen und Rämpfe in den österreichischen Erblanden. Die
großdeutsche und die kleindeutsche Idee.

Literatur.

Karl Biedermann, Dreißig Jahre deutscher Geschichte. Von der
Thronbesteigung Friedrich Wiihelms IV. bis zur Aufrichtung des
neuen deutschen Kaisertums (2 Bde. 1881).
Hheinrich v. Smhel, Die Begründung des Deutschen Reiches durch
Wilhelm J. (2. Bd. 1889).
zwiedineck-Südenhorst, Deutsche Geschichte von der HAuflösung
des alten bis zur Errichtung des neuen Kaiserreiches (3. Bo.: Die
Cöfung der deutschen SFrage und das Kaisertum der Hohenzollern,
1849 - 1871, 1905).
Kraus, Cavour (1903).
Delord, Histoire du second empire (6 Tom., 1874-82).
h. v. Sybel, Napoleon III. (1873).
Friedjung, Osterreich von 1848 1860, 1. Bòö. (1908).

Nachdem im Frühjahr 1848 die alte Bundesgewalt zu Grabe
gegangen, im Frühjahr 1849 der Versuch eines neuen Reichs—
regiments zusammengebrochen war, trat, wie Metternich sich
ausdrückte, ein „führerloses Vakuum“ ein.
uf diesen Augenblick hatte aber die radikale Partei, in den
sogen. „Märzvereinen“ über das ganze Land organisiert, nur
gewartet, um, wie sie es nannte, zur Tat zu schreiten. Es
wäre unrichtig und ungerecht, über alle „Sturmgesellen“ das
nämliche vernichtende Urteil zu fällen. Ohne Zweifel waren
unendlich viele von ehrlichem Streben beseelt, dem Vaterland
aufzuhelfen, doch es war nur ein unreifer Tatendrang ohne
klares Zielbewußtsein. Kichard Wagner, Gottfried Semper und
andere hervorragende Männer, die in den Strudel des Sturm—
jahres hineingezogen worden waren, haben später gestanden,
        <pb n="81" />
        Das Wiederaufleben des Cäsarismus in Frankreich. 73

daß sie über verschwommenen Tyrannenhaß und veilchenblaue
schwärmerei für die Kepublik nicht hinausgekommen seien.
Auch die Führer, hecker, Struve u. a., waren in einer wunder⸗
lichen Verkennung der tatsfächlichen Machtverhältnisse be—
faugen, so daß die ungenügend vorbereiteten, fast wehrlosen
Freischaren ohne große Anstrengung bezwungen wurden.
Unter der Losung, die Fürsten müßten, da sie freiwillig sich
nicht fügen wollten, zur Anerkennung der konstitutionellen und
nationalen Volkswunsche gezwungen werden, kam es im
Mai 1849 in Sachsen, in Baden, in der bayrischen Kheinpfalz
zu Aufständen. Obwohl anfangs eine bedenkliche Gärung unter
den regulären Truppen herrschte und einzelne Regimenter sich
dem Aufruhr anschlossen, konnten sich die Volksheere nicht
lange behaupten, der Siegeslauf der preußischen CTruppen er⸗
streckte sich bis zum Bodensee, während ähnliche Erfolge in
Jütland gleichzeitig gegen die Dänen erstritten wurden. Der
Tindruck war für den Augenblick gewaltig. Wenn der
preußische Premierminister Graf Brandenburg im Juni 1849
die deutschen Regierungen aufgefordert hätte, den preußischen
Entwurf für die deutsche Verfassung binnen acht Tagen anzu—
nehmen oder abzulehnen, so wäre vermutlich die Annahme
durchgedrungen. So kühne, entschlossene Politik lag aber Fried⸗
rich Wilhelm IV. und seinen Ministern fern. Mit: Verhand—
lungen, Modifikationsvorschlägen, Kepliken und Dupliken
wurde glücklich so viel Zeit verbraucht, daß Osterreich in—
zwischen wieder freie Hand gewann, wenn es ihm auch nicht
durch eigene Kraft, sondern nur durch russische hilfe gelang,
den Aufstand in Ungarn zu dämpfen. Fortan wurde zwar noch
in den Schriftstücken der deutschen Diplomaten die Unerschütter—
lichkeit des deutschen Einheitsdranges betont, allein zunächst
zeigte sich die Cinheit wieder wie in den dreißiger Jahren nur
in gemeinsamer Bekämpfung der nationalen Strömung in den
volkskreisen. Freilich nicht überall. Die badische Regierung
z. B. sah davon ab, die ganze Bevölkerung für das revolutionäre
Treiben eines Bruchteiles verantwortlich zu machen. Bald hieß
es: die badischen KRammern sind liberaler als das Volk, die
Minister liberaler als die Kammern, der Großherzog aber
liberaler als alle! Da nach dem Tode Großherzog Leopolds
(1852) auch der Nachfolger in nationale und liberale Pfade
einlenkte, war hier eine Brücke für die Zukunft geschlagen.
        <pb n="82" />
        74 V. Abschnitt. Der Sieg des Nationalitätsprinzips.

VDorerst aber wurde allenthalben unter ähnlichen Begleit—
erscheinungen wie nach den Befreiungskriegen die Restauration
wieder durchgeführt. Die alten Gewalten schienen auf die
Dauer befestigt zu sein. In Italien war es wie in Deutschland
gegangen. Der Versuch des Königs von Sardinien, Carlo
fAlberto, als spada d'stalia die Fremdherrschaft zu brechen,
war durch den Sieg Radetzkys bei Custozza niedergeschlagen
worden. In Rom hatte der 1847 auf den Stuhl Petri er—
hobene Papst Pius IX. einen Anlauf genommen, im Sinne
Camennais' und Giobertis als Apostel der Freiheit ebenso
auf die Rirche, wie auf die politische Gestaltung Italiens ein—
zuwirken, doch bald hielt er erschrocken ein, und der Gebieter
Roms wie die übrigen italienischen Fürsten wandelten wieder
die von Metternich empfohlenen Pfade. —
fuch in Frankreich, wo die Revolution siegreich geblieben
und am 27. Februar 1848 am Suße der Julisäule die Ab—
schaffung der „Monarchie in jeder Form“ ausgesprochen wor—⸗
den war, erfolgte trotzdem eine Restauration, freilich von ganz
anderem Charakter als in den übrigen Staaten des Festlands.
Die Bevölkerung von Paris hatte das Julikönigtum nieder—
geworfen. Da aber die Couis Blanc, Raspail und Blanqui,
die Führer der siegreichen Arbeiterparteien, durch die Ergeb⸗
nisse der Sebruarrevolution noch nicht befriedigt, im Juni
nochmals den Versuch machten, die rote, die radikale Republik
aufzurichten, folgte auf die ungestüme Vorwärtsbestrebung der
Großstadt der Gegenstoß. Bei den Wahlen gab die Landbe—
völkerung den Ausschlag. Vertrauensmann des Bauernstandes,
der Gemäßigten, der Friedliebenden war kein andrer als der
Neffe jenes großen Mannes, dessen Andenken seit seinem Tode
erst recht lebendig geworden war. Louis Napoleon Bonaparte,
der Sohn Louis Napoleons, Rönigs von holland, und der
Hortense de Beauharnais, hatte zwar durch schlecht vorbereitete
Putsche seine staatsmännische Begabung nicht in günstiges
Licht gesetzt. Cins aber hatte er trefflich verstanden: sich in der
Stille zu verlieren, wenn ihn widriges Geschick ereilt hatte,
und wieder aufzutauchen, wenn sich günstige Gelegenheit
zeigte, um ein altes Anrecht geltend zu machen oder einen
neuen Vorteil zu erreichen. Nach dem Sieg der Februarrevo—
lution kam er nach Paris und versicherte der provisorischen
Regierung, er habe keinen anderen Ehrgeiz als den Dienst
        <pb n="83" />
        Napoleon III.

75

fürs Vaterland. Als der Wunsch geäußert wurde, er möge um
der Ruhe des Vaterlandes willen Frankreich verlassen, ging
er sofort nach England zurück. Von mehreren Departements
in die Nationalversammlung gewählt, erschien er wieder in
Paris. Er hatte nur freundliche Worte für Republik, Frei—
heit und Gleichheit, empfahl sich aber mit den Worten: meiĩn
Name ist ein Symbol der Ordnung, der Nationalität und des
Ruhmes; sollte das Volk mir Pflichten auferlegen, so werde
ich sie zu erfüllen wissen!“ gewissermaßen selbst als Retter
der Gesellschaft vor der drohenden Anarchie. Am 20. Dezember
1848 schwor er, mit 7300000 sStimmen gegen 1300000 zum
Präsidenten gewählt, „der einen unteilbaren Kepublik“ treu
zu bleiben bis an sein Lebensende und alles abzuwenden, was
die Republik schädigen, der Nation einen Tyrannen auf—
zwingen könnte. In der Nacht vom 1. auf 2. Dezember 18651
wurden aber die Führer der orleanistischen, bourbonischen und
republikanischen Parteien, Thiers, Cavaignac, Changarnier,
Camoricière, Victor hugo und viele andere verhaftet und
in Festungen gebracht, die Nationalversammlung, der „herd
der Verschwörungen“, aufgelöst, der Aufstand der Kepublikaner
in der Vorstadt St. Antoine durch Kartätschenfeuer bezwungen.
Trotz dieser blutigen Vorgänge sprachen sich am 20. Dezember
abermals mehr als sieben Millionen Franzosen, teils durch
Handgeld bestochen, teils durch Furcht vor der Anarchie ge—
trieben, teils durch den Namen Napoleon gewonnen, für die
Verlängerung der Präsidentschaft auf zehn Jahre aus. Bald
trat zukage, daß das Oberhaupt der Republik nach der Krone
trachte, wenn auch dieses Verlangen von Seit zu Seit feierlich
in Abrede gestellt wurde. In Bordeaux ließ Couis Napoleon
bei einem Bankett der handelskammer das Wort fallen:
„Læempire c'est la paix!“ Das Naiserreich bedeutet den
Frieden! In vielen Städten ertönte schon der Zuruf: „Vive
Pempereur!“ Und am 2. Dezember 18652 proklamierte ihn
ein neues Plebiszit mit 7800 000 gegen 253 000 sStimmen zum
Kaiser der Franzosen. Das stupide Moment des populären
Namens entschied für einige Jahrzehnte das Schicksal Frank—
reichs und der Welt.
Kaum über eine andere Persönlichkeit der neuesten Geschichte
sind so widersprechende Urteile gefällt worden, wie über Na—
poleon III. „Wir vernehmen die Töne der Bewunderung und
        <pb n="84" />
        76 V. Abschnitt. Der Sieg des Nationalitätsprinzips.

des Hasses,“ sagt Sybel, „der dankbaren Liebe und der wilden
Derachtung! Ein unfähiger Politiker, ein Wohltäter Europas,
ein Abenteurer und Bandit, ein Meister der Regierungskunst:
so schallen die Urteile durcheinander und werden von den
Vslkern und den Parteien in lebhafter Bewegung verhandelt.
Er selbst hat schweigsam gelebt und ist schweigsam geftorben,
ein unbequemes und aufregendes Rätsel für die öͤffentliche
Meinung der Zeitgenossen.“ Noch ist die Möglichkeit nicht ge⸗
boten, dieses Rätfel zu lösen; die Quellen für die echte Ge—
schichte des merkwürdigen Mannes sind noch nicht genügend
erschlossen; dankbare neue Kunde werden ohne Z3weifel ein⸗
mal die Aufzeichnungen der noch lebenden Kaiserin bieten.
Ein unbedeutender Mensch, wie man wohl auch behauptet
hat, ist er sicherlich nicht gewesen; wer so wie er die Politik
eines Erdteils fast zwei Jahrzehnte hindurch beherrscht oder
doch auf den Gang der Ereignisse bestimmenden Einfluß geübt
hat, muß, abgesehen von seiner Machtstellung, auch über eine
nicht gewöhnliche Kraft des Willens und des Geistes ver—
fügt haben.
Ein Franzose im eigentlichen Sinne des Wortes war Na⸗
poleon III. ebensowenig, ja noch weniger als sein großer
Oheim. Napoleon Bonaparte, Italiener und bis zu seinem
zwanzigsten Lebensjahre von Haß gegen die Zwingherren seiner
heimatinsel erfüllt, wurde Franzose, als die Revolution
seinem Ehrgeiz Bahn öffnete; er wurde Franzose, um fortan
Frankreichs Volkskraft als Mittel für seine Pläne zu ver—
werten. Der Neffe war zwar in Paris geboren und hatte
französisches Blut wenigstens von mütterlicher Seite in den
Adern, doch vom sechsten bis zum vierzigsten Jahre, also in
der Lebensperiode, welche für die Gestaltung des menschlichen
Charakters entscheidend ist, lebte er in aller herren Ländern,
nur nicht in Frankreich. Er sah von Frankreich nichts als die
Wände der Gefängnisse, in welche er nach seinen Putschen ge—
steckt wurde. Seine Schulbildung erhielt er in Deutschland, seine
militärische Erziehung in der Schweiz; die Cehrzeit der revo—
lutionären Demagogie machte er in JIlalien durch; staats⸗
männische Anregung erhielt er in englischer und amerikanischer
Umgebung. Er lernte mithin von allen Kulturvölkern, außer
vom französischen. Zu SFrankreich fühlte er sich nicht durch
baterlandsliebe hingezogen, sondern weil der Thron seines
        <pb n="85" />
        Napoleon III.

77

als Vorbild verehrten Oheims auf französischem Boden ge—
standen hatte. Wie dem Oheim, so war auch ihm Srankreich
nicht Zweck, sondern Mittel; wie bei dem Oheim gingen auch
bei ihm von Anfang an die politischen Entwürfe weit über
Frankreichs Grenzen und SFrankreichs Interessen hinaus.
Dieser internationale Tatendrang schmeichelte eine Zeitlang
der Kuhmesliebe der Franzosen, legte aber auch den Grund
zur vernichtenden Katastrophe.
So viel ist aber gewiß: wer einen solchen CLebenslauf zurück—
legen und solche Leidenschaften in Bewegung setzen konnte,
war — obwohl es in der Seit seiner Putsche zur Erreichung
der höchsten Gewalt diesen Anschein hatte, — kein unbedeuten⸗
der, kein gewöhnlicher Mensch. „Er ist unter die einfachen
Kategorien von Gut oder Schlecht, Groß oder Mittelmäßig nicht
unterzubringen; nach- und nebeneinander zeigt er die verschie—
densten Eigenschaften, ist immer ein anderer, als er ankündigt,
bei scheinbarer Unbeweglichkeit immer ruhelos beschäftigt, und
schließlich stets derselbe trotz alles schillernden Wechsels.“
Der Staatsstreich vom 2. Dezember kostete blutige heka—
tomben. Binnen wenigen Stunden wurden von den CTruppen
viele Tausende, Barrikadenkämpfer und harmlose Suschauer,
Männer, Frauen und Kinder in den Straßen von Paris nieder⸗
gemacht. Entsetzen erfaßte ganz Frankreich, doch während diese
Anfänge die herrschaft eines rücksichtslosen Selbstherrschers be⸗
fürchten ließen, kann der Regierung Napoleons III., was die
innere Politik betrifft, das Cob der Volksfreundlichkeit nicht
abgesprochen werden. Was unter Louis Philipp an Familien⸗
und Börseneinflüssen gescheitert war, führte der kaiserliche
Absolutismus mit glänzendem Erfolg durch: die Eröffnung
des Freihandels, einen für jene Zeit großartigen Ausbau des
ECisenbahnsystems und des Straßenwesens, einen unvergleich—
lichen Umbau fast aller Großstädte des Landes, vor allem
von Paris, eine lange Keihe bedeutender und wohltätiger
Schöpfungen auf geistigem und materiellem Gebiete.
Rein Wort ist aber weniger zur Wahrheit geworden, als
jene in Bordeaur gegebene Versicherung, das Kaiserreich werde
der Friede sein!
Ohne Hast, aber auch ohne Kast trachtete auch der dritte
Napoleon in einer Zeit, da die vVölker Europas nach Cinheit
und Freiheit strebten, mit kluger Benützung der nationalen
        <pb n="86" />
        78 V. Abschnitt. Der Sieg des Nationalitätsprinzips.

Strömungen eine Weltherrschaft zu erreichen, wie sie sein
großer Oheim auf den Trümmern des Seudalismus aufge⸗
richtet hatte. Der „Neffe als Onkel“ trug eine Neugestaltung
Europas im Sinn, welche, wie sich die amtliche Presse aus⸗
drückte, der Pernunft und humanität entsprechend, überall
den Volkswillen zur Geltung brächte; in Wirklichkeit sollte
aber das System in einer Machterhöhung Frankreichs und
der Napoleoniden gipfeln, welche mit den neuen Grundsätzen
nichts gemein hatte, ja dieselben geradezu ausschloß.
Anfänglich erzielte seine kluge Berechnung die glücklichsten
Erfolge. Bei seiner Thronbesteigung sah er das alte Europa
geschlossen sich gegenüber, obwohl die Regierungen Ursache
hatten, dem Sieger über die soziale Kevolution dankbar zu
sein. Napoleon verstand aber zu warten, bis diese Mächte sich
entzweiten. Endlich bot eine kirchliche Streitfrage im Orient
den Anlaß zu erwünschter Einmischung. Römische und
griechische Mönche in Jerusalem zankten sich um den
Sschlüssel der Kirche zu Beihlehem. Zar nikolaus suchte
den Streit zugunsten des griechischen Bekenntnisses zu
lösen. Natürlich handelte es sich für Nikolaus nicht bloß um
das beanspruchte Schutzamt; in Wahrheit verfolgte er ganz
andere Pläne. Die Eroberungspolitik Katharinas II. gegen
das zerrüttete Türkenreich soilte wieder aufgenommen, der
„kranke Mann“ nach Asien gedrängt werden., Die Nachbar—
mächte waren zwar über das eigenmächtige Vorgehen Ruß⸗
lands entrüstet, wagten aber angesichts der am Pruth zu⸗
sammengezogenen großen russischen Armee kein heto. da
suchte der Kaiser der Franzofen alte Verträge hervor, wonach
der französischen Nation der Schutz der Katholiken im Orient
übertragen sein sollte. Damit war zugleich dem Priester⸗
tum eine Dankesschuld abbezahlt, denn die Gunst des Klerus,
der den Neffen des Imperators immer noch lieber an der Spitze
des Staates sah, als den Sohn des Uönigsmörders Cavaignac,
hatte die Entscheidung in der Präsidentenfrage im Dezember
1848 erheblich beeinflußt. Es gelang dem Raiser, nicht bloß
die Bundesgenossenschaft Englands, sondern sogar Fühlung
mit Osterreich zu gewinnen, so daß Frankreich gegen Preußen
gedeckt war. Und noch ein kleiner Staat tral dem angeb⸗
lich zum Schutze der katholischen Interessen aufgerichteten
Bunde bei, Sardinien.
        <pb n="87" />
        Cavour.

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Graf Cavour, der Leiter der auswärtigen wie der inneren
Politik des Königreichs Sardinien, hielt den Augenblick für
gekommen, das grünweißrote Banner aufzurollen. Die Be⸗
freiung Italiens von der Vormundschaft Osterreichs sollte die
erste Etappe zur nationalen Einigung werden. Um den latei⸗
nischen Moͤnchen in Jerusalem zu ihrem Schlüfssel zu verhelfen,
in Wahrheit, um einer engeren Verbindung Osterreichs mit
den Westmächten zuvorzukommen, trat Cavour im Dezember
1854 dem französisch-englischen Bündnis bei. Durch Mitwir⸗
kung am Kriege gegen Kußland erwarb sich Piemont Anspruch
auf Unterstützung seiner Bundesgenossen in der italienischen
Frage. Englaͤnder, Franzosen und Türken hatten schon den
Feldzug in der Krim mit einem Siege an der Alma eröffnet.
die Belagerung der Seefestung Sebastopol zog sich aber in—
folge der geschickten Verteidigung durch Totleben fast ein
ganzes Jahr hin. Erst im September 1855 wurden die Russen
durch Erstuͤrmung des festesten Bollwerkes, des Malakoff⸗
turnes, zur Übergabe des Platzes genötigt. Der Nachfolger
nikolaus, Alexander II. schloß unter Vermittlung des neu—
tral gebliebenen Osterreichs — Preußen durfte nur an den⸗
senigen Verhandlungen sich beteiligen, welche die von ihm frü—
her mitunterzeichneten Verträge betrafen, — am 30. März 1856
in Paris Frieden. Die Hohe Pforte verhieß eine Reihe von
inneren Keformen, welche die Emanzipation der Christen im
türkischen Keich anbahnen sollte; damit war dem Zaren der
Vorwand entzogen, daß er sich der christlichen Untertanen des
Padischah annehmen müsse. Außerdem hatte Rußland die
Donaumuͤndungen mit einem kleinen Landstrich am linken Ufer
an die Türkei abzutreten und mußte sich verpflichten, auf dem
Schwarzen Meere nicht mehr Schiffe zu halten als die Türkei.
Nnapoleon Bonaparte war selbst in seiner Jugend Mitglied
der Carbonaria gewesen und hatte sich eidlich verpflichtet,
zur Aufrichtung eines geeinigten Italiens nach Kräften bei⸗
zutragen. Er leistete auch durch diplomatische und revolutio⸗
näre Mittel Vorschub, allein der italienischen Propaganda
ging dies zu langsam. 18858 erfolgte das mißglückte Attentat
Hrfinis; unmittelbar vor der hinrichtung ließ Orsini den
Uaiser eindringlich zur Unterstützung der italienischen
Einigung als der einzig möglichen Sühne für seinen Despotis⸗
mus auffordern. Bald darauf folgte die berühmte Zusammen⸗
        <pb n="88" />
        80 V. Abschnitt. Der Sieg des Nationalitätsprinzips.

kunft des ängstlich gewordenen Uaisers mit Cavour in Bad
Plombieres. Von einem italienischen Einheitsstaat wollte Na—
poleon nichts wissen, sondern nur von einem italienischen
Staatenbund, aber Piemont sollte das lombardo⸗venezianifche
KRönigreich einverleiben dürfen, wenn dafür Nizza und
Savoyen an Frankreich abgetreten würden. Nachdem er sich
der wohlwollenden Neutralität des Zaren, der dem lauen
Sreunde Osterreich ob seiner Zurückhaltung im Krimkrieg mehr
grollte als dem offenen Gegner, und der freundschaftlichen Zuͤ—
stimmung des mit den italienischen Patrioten sympathifierenden
 Englands versichert hatte, gab er bei der Neujahrscour
1859 gegenüber dem österreichischen Gesandten Hübner dem
Bedauern über die Spannung der Beziehungen zwischen den
beiden Regierungen Ausdruck. Das Wort bedeutete eine Kriegs⸗
erklärung. Während Osterreich daraufhin seine Truppen so⸗
fort jenseits der Alpen konzentrierte, sprach Napoleon seine
Derwunderung aus, daß seine nichts weniger als feindselige
Rede als Drohung mißdeutet werden konnte; wenn Osterreich
mitten im Frieden seine Armee kriegsbereit mache, sei dies
nur aus der Angriffslust des Wiener Hofes zu erklären. Na—
poleon hatte damit nicht unrecht. Der Wiener hof wollte
losschlagen; er hoffte, in den Rüstungen einen Vorsprung zu
haben; er hoffte, Deutschland mit sich fortzureißen; er hoffte,
mit den ungenügend vorbereiteten Franzosen und Piemontesen
leicht fertig zu werden; dann könne das Kaiserreich gestürzt
und eine legitimistisch-klerikale Regierung unter Hheinrich V.,
dem letzten Bourbon, eingesetzt werden.
Napoleon geriet denn auch für den Augenblick in peinliche
Cage. Er hatte erwartet, daß es gar nicht zum Losschlagen
kommen, daß Osterreich schon durch gemeinsamen Drudk aller
Großmächte zu bewegen fein werde, seine Oberhoheit über
das nichtoöͤsterreichische Italien aufzugeben. Jedenfalls war er
nicht auf eine so rasche Wirkung seiner herausforderung ge⸗
faßt gewesen; die französischen Küstungen waren in der Tat
nicht fertig; kaum 100 000 Mann konnten den Piemontesen
zu hilfe kommen. Trotzdem wurden die Osterreicher infolge
schwerer Fehler ihrer heeresführung bei Magenta und noch
entscheidender bei Solferino (24. Juni 1859) geschlagen. Zu⸗
gleich erhoben sich auf der ganzen Halbinsel die Völker gegen
ihre bisherigen Herren, in Toskana, Modena, Parma, den
        <pb n="89" />
        Der Freiheitskampf Piemonts. 81

—
Freunde einer föderalistischen Verfassung, die der Ansicht hul—
digten, man könne eine jahrhundertelange Vergangenheit nicht
mit einemmal auslöschen, man könne nicht so fremdartige Be—
standteile zu einem organischen Ganzen verbinden, — doch die
Apostel des einigen Italien siegten; der äußere Prozeß war
mit der Bildung der Italia unità beendigt; Italien wurde
ein Glied der europäischen Hexarchie. Der innere Prozeß der
Verschmelzung der ungleichartigen Teile und der wirtschaft⸗
lichen Gefundung kann sich freilich erst allmählich vollziehen,
und der den Romanen im Blut liegende revolutionäre Trieb,
der an dem kaum unter den furchtbarsten Opfern aufgerichte—
ten Thron schon wieder zu rütteln beginnt, die Lust der Menge
an Neuerung und Umsturz macht die staatsmännische Auf—⸗
gabe noch schwieriger. Völlig gelöst ist auch noch nicht das
wichtige Problem der Unschädlichmachung des Dualismus: der
junge nationale Staat und die Weltstellung des Papsttums.
Denn der Einigung Italiens fiel — um dies schon hier
anzureihen — der merkwürdigste Staat des alten Europas
zum Opfer, der Kirchenstaat. Obwohl Gestaltung und Ver—
fasfsung die wunderlichsten Züge aufwiesen, hatte die Schöpfung
des Frankenkönigs Pipin elfhundert Jahre lang den gewal—⸗
tigsten Stürmen, der Feindschaft der Salier, der Hohenstaufen,
der Bourbons, der Borgia standgehalten. Auch die große Revo—
lution und ihr Besieger und Vollender Napoleon hatten nur
vorübergehend den Päpsten ihr weltliches Erbe streitig ge—
macht; die Restauration hatte die Hherrschaft der Päpste in
Rom wieder aufgerichtet. Pius VII. hatte ein patriarchali-⸗
sches, volksfreundliches Regiment geführt; Rom war damals
bon den Unruhen der Carbonari fast verschont geblieben. Erst
als Gregor XVI. aus Furcht vor dem ZSeitgeist jede Regung
von Volkswünschen mit strenger Verfolgung ahndete und
Neuerungen und Reformen auch auf materiellen Gebieten zu⸗
rückwies, begann der Zersetzungsprozeß, zuerst in den Le—
gationen, dann in Rom selbst. Als im September 1870 die
grünweißrote Trikolore vor den Mauern flatterte, konnten
weder Nobelgarden und treue Schweizertruppen, noch die im
Mittelalter so wirksame Androhung von Rirchenstrafen den
zZusammenbruch verhindern. Es schien jedoch im Interesse der
übrigen europäischen Staaten geboten, zu verhindern, daß der
Anus 129: ZBeigel, politische Strösmungen. 2. Aufl.

8
        <pb n="90" />
        82 V. Abschnitt. Der Sieg des Nationalitätsprinzips.

neue italienische Staat sich etwa einmal der päpstlichen Au—
torität zu politischen Swecken bediene, wie im 14. Jahrhun—
dert die Könige von Frankreich den Einfluß der Päpste in
Avignon für sich ausgebeutet hatten. Auf Andringen auch der
protestantischen Mächte bot die italienische Krone nach der Be—
setzung Roms (20. September 1870) dem Papst Pius IX. die
leoninische Stadt, das Trastevere, als souveränen Besitz an.
Natürlich war es aber der Wunsch der Regierung, daß dieser
Dorn möglichst bald aus dem Fleisch gezogen werde. Un—
ruhen, welche Gott weiß wer angeregt hatte, boten Anlaß,
die Entscheidung einer Volksversammlung zu übertragen:
80 Prozent der Stimmberechtigten, 98 Prozent der Abftim⸗
menden sprachen sich gegen das päpstliche Regiment aus. Da—
mit war dem Kirchenstaat ein Ende gemacht. Den Päpsten ver—
blieb der souveräne Besitz der Peterskirche, des Vatikans
und des Lateranischen Palastes in Kom, sowie der Sommer-⸗
wohnung Castell Gandolfo am Albanersee. Trotzdem wurde
die angebliche „Gefangenschaft“ des Papstes von vielen Katho—
liken auch außerhalb Italiens als Gefährdung der Selbständigkeit
 des Papsttums beklagt. Inzwischen hat jedoch eine vier⸗
zigiährige Erfahrung jene Besorgnis als unbegründet
erkennen lassen. In keinem anderen Jahrhundert hat die
katholische Kirche so mächtig in das politische Leben einge—
griffen; nie hat der katholische Kultus in und außer Curopa
eine so weite, in alle Höhen und Tiefen eindringende Ver—
breitung gefunden; nie hat die Ehrerbietung der Monarchen
und der Völker gegenüber dem Oberhaupt der römischen Kirche
eine solche Steigerung erfahren, als seit der Entäußerung der
Päpste von der allezeit nur mit sehr weltlichen Mitteln auf—
recht zu haltenden Herrschaft über einen Kleinstaat. Die auf
Wiederherstellung der weltlichen Macht der Paͤpste zielenden
hilferufe sind denn auch immer schwächer geworden und haben
heute nur noch eine akademische Bedeutung. —
Osterreich verlor durch Solferino und Röniggrätz seine ita—
lienischen Provinzen, aber in den österreichischen Erblanden
war auch sonst an vielen Punkten eine nationale Bewegung er—
wacht, wobei die Forderung: Los von Osterreich! mehr oder
weniger laut als Losung diente. In Ungarn wurde nichts
Geringeres angestrebt, als die Kroaten, Walachen, Deutschen
und alle anderen Volkselemente im Lande völlig unter die
        <pb n="91" />
        Nationale Bestrebungen und Kämpfe in den österreichischen Erblanden. 83

herrschaft der magyarischen Minderheit zu bringen und für
die Stephanskrone volle Selbständigkeit zu erringen. Da zur
Durchführung dieses Programms die Konservativen, die Sec—
zenyi und Eötvös, mit den gemäßigt Liberalen unter Deaks
Leitung und mit dem allgemeinen Schutzverein, dem radi—
kalen Vedegylet unter Kossuth einmütig Hand in hand gingen,
war die Bewegung von unwiderstehlicher Uraft. 8war der
Aufstand von 1848-1849 wurde von den vereinigten Oster—
reichern und Russen niedergeschlagen; auch hier folgte eine
Reaktion auf staatsrechtlichem und kirchlichem Gebiet, doch die
nationale Partei wuchs immer mächtiger empor. Als der
österreichische Minister v. Schmerling 1861 das schon einmal
gescheiterte Experiment der Errichtung eines Zentralparla—
ments für sämtliche Teile der österreichischen Monarchie im
ungünstigsten Zeitpunkt wieder aufnahm, setzten die Ungarn
passiven Widerstand entgegen. Nach dem unglücklichen Feldzug
von 1866 erfolgte unter wenig glücklicher Vermittlung des
österreichischen Ministerpräsidenten Grafen Beust die Bei—
legung des langen Streites wesentlich im Sinne der Deakpartei.
sAm 20. Sebruar 1867 wurde ein selbständiges ungarisches
Ministerium berufen, am 8. Juni die Stefanskrone, welche einst
Joseph II. als historisches Kuriosum in die Wiener Schatz—
kammer hatte bringen lassen, dem „König von Ungarn“, Franz
Joseph, aufgesetzt. Der Staat jenseits der Leitha erhielt volle
Unabhängigkeit. Mit EOsterreich sollte das neue Königreich
nur noch die Vertretung der auswärtigen Angelegenheiten und
die wechselseitige Landesverteidigung gemein haben.
In Osterreich gibt es zwei große flawische Gruppen, im
Süden die Illyrier, die sich zu fast gleichen Teilen aus Ser—
ben, Slawonen und Kroaten zusammensetzen, im Norden die
Tschechen, die mit den hannaken in Mähren und den Slo—
waken an der Tatra fast 19 Prozent der Gesamtbevölkerung
ausmachen. Bei der politischen Wiedergeburt des Tschechen—
tums spielen literarische Verhältnisse eine große Rolle, die
Entdeckung der sogenannten Königinhofer handschrift mit
ihren altböhmischen Heldenliedern und anderer künstlerischer
und literarischer Keliquien, eines nationalen Schatzes, dessen
Gold und Edelsteine an blendendem Schimmer nichts zu wün—
schen übrig lassen, nur daß sie die Probe auf Echtheit nicht
ausgehalten haben. Die Böhmen wollten sich auch nicht mit
        <pb n="92" />
        84 V. Abschnitt. Der Sieg des Nationalitätsprinzips.

der Anerkennung einer tschechischen Nationalität, ja nicht ein—
mal eines Tschechentums begnügen; nirgends wird der Idee
des Panslawismus, der Zusammengehörigkeit und der herr—
schaft aller Zweige des ssawischen Stammes so überzeugungs—
treu gehuldigt, als bei den Enkeln der hussiten. Da der sla—
wische Stamm mit seinen 70 Millionen der zahlreichste in
Europa, so gehöre ihm die Zukunft:

Spät erst treibt die CLinde Blüten,
doch sie duften süß und hold
und Arznei wird draus gewonnen,
und sie bergen Honiggold.
So auch wird dem Slawenstamm
spät des Blühens Glück zuteil,
doch aus seinen Blüten kommen
wird der ganzen Welt erst Heil!

Jablonsky.

In Böhmen errang die nationale Propaganda, obwohl der
deutsche Teil der Bevölkerung kräftig widerstrebte, über—
raschende Erfolge. Es rächte sich bitter, daß die Volkskraft
des Tschechentums, obwohl sie schon im 15. und 17. Jahr—
hundert so furchtbar zutage getreten war, lange Seit unter—
schätzt, „der Böhm'“ vom deutsch-Osterreicher nur als komische
Figur verspottet worden war. Dagegen richtete sich nun das
Tschechentum seit der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts als
eine Macht auf, die den Deutschen nicht bloß in Böhmen, son—
dern auch in rein deutschen Provinzen bedrohte.
Wie die Tschechen auf die Wiederkehr des Königtums des
heiligen Wenzel, setzten die Südslawen des österreichischen
Kaiserstaates auf die Auferstehung des Königreichs Illyrien
ihre hoffnung. Sie verstehen darunter das Gebiet, das Na—
poleon 1810 als illyrische Provinzen an Frankreich an—
gliederte: die südlichen Teile von Steiermark, Kärnten und
Krain, Görz, Gradiska, Kroatien und Dalmatien. In den
Tagen der deutschen Schillerfeier huldigten die in diesen Erb—
landen lebenden Slawen dem Andenken des kroatischen Rechts⸗
gelehrten Lindewit Gaj, der gleichzeitig mit dem napoleo—
nischen Illyrien das Licht der Welt erblickt hatte und, zum
Manne gereift, der feurigste Prophet des Illyrismus gewor—⸗
den war. Ihm verdanken die Südslawen die einheitliche Schriftsprache
 (nach dem serbischen Dialekt von RKagusa) und die
        <pb n="93" />
        Nationale Bestrebungen und Kämpfe in den österreichischen Erblanden. 85

einheitliche Schriftart (nach tschechischem Muster). Sein Pro⸗
gramm war die Schaffung eines Großillyriens von der Drina
dis zur Drau mit Einschluß von Bosnien und der herzegowina.
Diese Pläne leben noch fort; noch heute gibt es Anhänger
eines „Trialismus“, der neben Osterreich und Ungarn als
gleichberechtigtes drittes Glied der Habsburgischen Monarchie
Anen nationalen Verband aller Südslawen ohne Unterschied
des Stammes und des Bekenntnisses aufstellen will.
Während aber solche Wünsche in Böhmen und Illyrien nur
in Versammlungen und Zeitungen laut wurden, gab sich die
nationale Strömung bei einem andern slawischen Stamme das
ganze Jahrhundert dindurch in immer wiederholten Aufständen
kund, in Polen. Die deutschen Liberalen haben lange Zeit eine
moralische Pflicht darin erblickt, von der „Beraubung des
ritterlichen Polens“ mit Entrüstung zu sprechen. heute wird
kaum noch behauptet werden, daß nur sträfliche Raubgier
Friedrichs des Großen die Katastrophe von 1772 verschuldet
habe. Wenn nicht König Friedrich eine Verteilung von nicht
mehr lebensfähigen polnischen Provinzen angeregt und durch⸗
gesetzt hätte, so wäre die ganze Kepublik unrettbar dem Zaren⸗
reiche verfallen. Etwas anderes war es mit der zweiten und
dritten Teilung. Bei der ersten hatte Preußen nur Gebiete
gewonnen, die früher von Polen dem Deutschherren⸗Orden ab—⸗
genommen, die durch deutsches Schwert und deutschen Pflug
der Barbarei abgeruugen waren. In diesen Gebieten hätte sich
leicht die Assimilierung an die alten deutschen Candesteile voll⸗
zogen. Die Minister Friedrich Wilhelms II. begnügten sich
aber nicht mit diesem Erwerb, sondern gingen unbedenklich
auf die von Rußland angeregte weitere Aufteilung ein. Der
polnische Staat wurde gänzlich aufgelöst. Ob es nicht vorteil⸗
hafter gewesen wäre, ein geschwächtes, durch seine sprichwört—⸗
uͤche Uneinigkeit ungefährliches Polen als Pufferstaat zwischen
Deutschland und dem russischen Koloß zu belassen? Diese Frage
kann wohl aufgeworfen werden, aber kein deutscher Patriot
wird daraͤn die Forderung knüpfen, es müsse wieder zurückge—
geben werden, was seit mehr als hundert Jahren in deutschem
Besitz sich befindet.
Per Gewaltakt hat seine Kechtfertigung gefunden durch das
zivilisatorische Werk, das Preußen und Osterreich in den ein—
derleibten Gebieten durchgeführt haben. Wie wenig trotz aller
        <pb n="94" />
        86 V. Abschnitt. Der Sieg des Nationalitätsprinzips.

ritterlichen Romantik und trotz aller patriotischen Begeiste—
rung ein polnischer Nationalstaat sich in der Welt von heute be—
haupten könnte, haben gerade jene Aufstände deutlich gezeigt.
Wie im 18. Jahrhundert, so war es auch 1830, so war es
1846, 1848, 1861! „Kampflust und Opfermut im Über—⸗
schwang,“ so charakterisiert Treitschke den Verlauf der pol—⸗
nischen Revolutionen, „flammende Reden und brüderliche Um—
armungen, zeternde Priester und hochsinnige schöne Frauen,
dazu Punsch und Mazurka, soviel das herz begehrte, aber
daneben auch Parteihaß, Unbotmäßigkeit, wütende Anklagen
herüber und hinüber, und in diesem Gewoge tapferer, be—
geisterter Männer kein einziger staatsmännischer Kopf, kein
einziger großer Charakter!“ Und so mußten an den heeren
der Ostmächte, die das gemeinsame Interesse immer wieder
zusammenband, alle Anstrengungen der unter dem weißen
Adler kämpfenden Freischaren scheitern. —
Schon der heftige Nationalitätenstreit im eigenen CLande
würde es den österreichischen Staatsmännern, auch wenn sie
gewollt hätten, unmöglich gemacht haben, die deutsche Frage
zu glücklichem Abschluß zu bringen.
Auf die stürmische nationale Erhebung im Jahre 1848
folgte klägliche Ernüchterung. Mit der Auflösung des Par—
laments war auch die Idee einer festeren Cinigung der Stämme
wieder zu Grabe gelegt. Man gewöhnte sich an den trost—
losen Gedanken, eine deutsche Sentralgewalt, ein Deutsches
KReich sei überhaupt nicht möglich, vielleicht nicht einmal wün—
schenswert. Man schämte sich nicht, ganz ernsthaft den Grund⸗
satz aufzustellen, Deutschland müsse im Interesse der europä—
ischen Kultur eine zerklüftete, schwache Nation bleiben, damit
es immer von Kriegen verschont bleibe und nicht gestört durch
politische Sorgen seinen psychologischen und philologischen Stu—
dien und naturwissenschaftlichen Experimenten sich widmen
könne.
Doch eine Gruppe von Politikern, denen weder das vor—
märzliche, noch das nachmärzliche Osterreich in die Idee ihres
neuen deutschen Staates paßte, die auf ein mit der Freiheit
ausgesöhntes Preußen ihre Hoffnung richteten und deshalb
von ihren Gegnern als die kleindeutsche Partei verspottet wur⸗
den, — sie selbst nannten sich seit dem Parteitag in Gotha am
Johannistag 1849 die Gothaer Partei — ließ sich unver—
        <pb n="95" />
        Die großdeutsche und die kleindeutsche Idee. 87

drossen die Ausbreitung ihrer Ideen angelegen sein. Solange
Friedrich Wilhelm IV. die Krone trug, war an eine Ver⸗
wirklichung ihrer Pläne nicht zu denken. Nach einer Skizze, die
er Dahlmann im Jahre 1849 mitteilte, wünschte dieser Mon⸗
arch nichts anderes als einen mit Fürftenrat und Parlament
ausgestatteten Staatenbund, an dessen Spitze der Kaiser von
Osterreich als „Ehrenhaupt deutscher Nation“ stehen sollte,
Neben ihm sollie ein „eutscher König“, wie weiland zu Frank⸗
furt im Konklave der alten Bartholomäuskirche, gewählt
und, wenn katholisch, durch den Erzbischof von Köln, wenn
evangelisch, durch einen eigens zu ernennenden evangelischen
Erzbischof von Magdeburg gesalbt und gekrönt werden; der
Rönig war aber nur als Keichserzfeldherr gedacht, dem in
Kriegszeiten die übrigen deutschen Könige und Großherzoge als
Keichswehrherzöge“ untergeordnet sein sollten.
Wie man sieht, war gerade derjenige Fürst, dem nach klein⸗
deutschem Programm die deutsche Krone zukam, ein überzeug⸗
ler Hertreter großdeutscher, recht eigentlich mittelalterlicher
Anschauungen.
Ein Umschwung der deutschen CLage war also erst möglich,
seit am 7. Oktober 1858 an Stelle des von Geisteskrankheit
ergriffenen Rönigs dessen Bruder, Prinz Wilhelm von
Preußen, die Regentschaft übernahm. Sybel vergleicht den
vbom Geschick zur Lösung der deutschen Frage ausersehenen
Fürsten glücklich mit Rudolf von Habsburg, von dem ein gleich⸗
zeitiger Chronist sagte, er sei vor allem ein „aufrichtiger und
auf die Sache sehender Mann“ gewesen. Die altpreußische
Partei hatte in ihm ihr Oberhaupt verehrt, das übrige Deutsch⸗
iand hatte ihm bisher wenig Neigung entgegengebracht. Er
war nicht so geistreich, beredt und belefen wie sein Bruder; im
foldatischen Dienst war bisher sein Tagewerk so ziemlich auf⸗
gegangen. Allein er war eine praktische Natur; er hatte die
natürsliche Gabe, das Erreichbare wahrzunehmen, und eine
nicht gewöhnliche Klarheit der Auffafsung, die sich namentlich
in einer fast irrtumslosen Menschenkenntnis bewährte. Dazu
kam eine günstige Verbindung von Festigkeit und Biegsamkeit
des Geistes, wie sie im Gegensatz zum Doktrinär dem prak—⸗
tischen Staatsmann eigen ist. Bis an sein LCebensende blieb
er unerschütterlich seinen konservativen Grundsätzen treu, ge⸗
stand aber ohne widerstreben zu, daß in veränderten Zeiten
        <pb n="96" />
        88 V. Abschnitt. Der Sieg des Nationalitätsprinzips.

auch die Mittel zur Bewahrung der Macht sich ändern und
daß fortschreitende Reform die Bedingung der Erhaltung ist.
Er würde unter allen Umständen ein bedeutender Regent
des preußischen Staates gewesen sein; zur Erfüllung der
deutschen Mission, zu weltgeschichtlicher Bedeutung hob ihn
der Mann, den er im September 1862 zu seinem ersten Mi⸗
nister erkor. Er hätte den ihm eigenen common sense, seinen
Beruf zum Regenten nicht glänzender beweisen können, als
dadurch, daß er den Tüchtigsten zu seinem Ratgeber, zum voll—
strecker seines Willens ernannte, Otto von Bismaré.
        <pb n="97" />
        VI. Abschnitt.
Das SZeitalter Bismarcks.

Bismarcks politische Anfänge. Bismarck als Bundestagsgesandter.
Die Ernennung Bismarcks zum Ministerpräsidenten. Der schleswig—
holsteinsche Krieg 1864. Der deutsche Krieg 1866. Der Norddeutsche
Bund. Der deutsch-französische Krieg 1870 u. 1871. Das neue Deutsche
Reich. Die Kommune in Paris. Ronfessionelle und soziale Kämpfe.
Der Dreibund. Der Sturz des ersten Kanzlers.

Literatur.
h. v. Sybel, Die Begründung des Deutschen Reiches durch Wilhelm J.
(7 Bde, 1880 18040).
Oncken, Das Zeitalter des KNaisers Wilhelm (2 Bde., 1800- 1802).
zwiedineck-Südenhorst, Deutsche Geschichte von der Auflösung des
alten bis zur Errichtung des neuen Kaiferreiches (3. Bd.: Die Lösung
der deutschen Frage und das Kaisertum der Hohenzollern, 1905).
6533 Der Rampf um die Vorherrschaft in Deutschland (2 Bde.
1897).
Treitschke, Zwei Kaiser (1888).
Moltke, d se des Deutsch⸗Französischen Urieges von 1870 bis
1871 (1891).
Marcks, Wilheim J., Deutscher Kaiser und König von Preußen (1897).
M. Lenz, Bismarcks Leben (1902).
Marcks, Bismarck (1. Bo. 1909).

Am 22. September 1862 fand im Schloß zu Babelsberg
die denkwürdige Audienz Bismarcks bei König Wilhelm statt,
welche die wichtigste Epoche Preußens und Deutschlands ein⸗
leitete. Durch den persönlichen Eindruck getröstet, ließ der
König die Bedenken, die ihn von dem gefürchteten Manne
bisher fern gehalten hatten, fallen und berief ihn als Mi—
nisterpräsidenten an die Spitze seines Kabinetts.
Gerade zur nämlichen Zeit, da Ludwig Bamberger in aus—
schweifendem Bürgerstolz sich zur Außerung verstieg, „die
heimatlosigkeit, Unwissenheit und schlechthinige Wertlosigkeit
des deutschen Adels seien eine so notorische Sache, daß ein
gesundes Gehirn unmöglich auf den Einfall geraten könne,
der Junkerwelt einen sogenannten organischen Platz in dem
Wachstum des deutschen Volkes anzuweisen“ — gerade zur
nämlichen Zeit trat in den Vordergrund deutscher Geschichte,
wurde der Schöpfer eines neuen Deutschlands ein Mann, der
aus dem kleinen Landadel Preußens hervorgegangen war.
        <pb n="98" />
        30 VI. Abschnitt. Das Zeitalter Bismarcks.

An zahlreichen Biographien, die dem deutschen Volk seinen
Bismarck erklären wollten, ist nur die redliche Absicht löblich.
Doch auch Meister der Forschung, es sei nur an Schmoller,
Lenz, Marcks, Meinecke erinnert, — haben mit gewissenhaftem
Eifer in den Werdeprozeß dieser Individualität von weltge—
schichtlicher Bedeutung sich einzuleben getrachtet; sie wollen
die Schwächen des Starken nicht bemänteln, doch all ihre
Prüfung mündet aus in Anerkennung der Größe Bismarcks
und in Dank für seine bewundernswerte Lebensarbeit. Als
die Tagebuchaufzeichnungen von Moriz Busch, dem angeb—
lichen Vertrauten des Kanzlers, alle, auch die intimsten Auße—
rungen und geheimsten Kunstgriffe der Offentlichkeit preis—
gaben, frohlockten die Gegner: „Nun ist der Götze gestürzt!“
Da war ja auch manches zu lesen, was einen befremdenden,
erkältenden Eindruck machen mußte. Der erste Kanzler des
neuen Reichs hatte zwei schwer vereinbare Eigenschaften:
neben außergewöhnlicher staatsmännischer Klugheit ein leiden—
schaftliches Herz. Wo ihm Widerstand entgegentrat, konnte
er eine Rücksichtslosigkeit, eine Härte entwickeln, die ihn wie
einen Dämon erscheinen ließen. Stimmungen und persönliche
Abgunst trübten nicht selten sein Urteil, was sich auch in
den „Gedanken und Erinnerungen“ noch geltend machte. Doch
wo wäre der Entselbstete, der niemals von Temperament, Par⸗
teigeist und persönlichen Neigungen beeinflußt wäre? Auch
ein bitteres Wort ist einem Manne zu verzeihen, den sein
CLeben lang während seiner großartigen Kämpfe für die Eini—
gung der Nation Neider und Ränkeschmiede, aristokratische
Spießbürger und demokratische Streber verfolgten und pei—
nigten.
Und den Politiker, den Organisator, den schöpferischen Ge—
nius sehen wir gerade aus den malitiösen Enthüllungen Buschs
nur noch gewaltiger in die höhe wachsen. Diese Energie, Kühn—
heit, Vielseitigkeit, Schlagfertigkeit, Willensstärke haben kaum
ihresgleichen in der Weltgeschichte. Napoleon J. kommt ihm
darin gleich, ja, die Leistungsfähigkeit und Tatkraft des Fran⸗
zosenkaisers wirken noch verblüffender, noch übermenschlicher,
war er doch zugleich der größte Staatsmann und der größte
Feldherr seiner SZeit! Dagegen war Napoleon der eigene herr
seiner Entschließungen, während Bismarck nicht bloß vom
Willen seines Monarchen abhängig war, sondern noch mit
        <pb n="99" />
        Bismarcks politische Anfänge. 91

zahlreichen anderen Faktoren und Faktörchen zu rechnen hatte.
Seine tägliche Arbeit glich einem Gewebe, das aus vielen
hundert von allen Ecken des Webstuhles zusammenlaufenden
Fäden gewirkt werden mußte, und in das immer wieder fremde
hände von links oder rechts störend eingriffen. —
Der Eintritt Bismarcks in die Laufbahn eines Politikers
hatte sich mit seiner Wahl in den sog. Vereinigten Candtag
in Berlin 1847 vollzogen. Er selbst verwahrt sich in seinen
„Gedanken und Erinnerungen“ gegen die gäng und gäbe An—
heftung von Vorurteilen des Junkerstandes an seine Jugend—
zeit. Er habe schon damals eine „ständisch-liberale“ Gesinnung
in sich getragen, meint er, und wenn er sich in seinen Reden
Außerungen erlaubte, die damit nicht übereinstimmten, so sei
es nur geschehen im Unwillen über die abgedroschenen Kedens—
arten und den Mummenschanz der Opposition, über die
falsche Sentimentalität Beckeraths, den rheinisch-französischen
Ciberalismus der Heydt und Mevissen und die polternde Hef—⸗
tigkeit der Vinckeschen Emanationen.
Gewiß, der Bismarck vom Vereinigten Landtag war nicht
der welterfahrene und weltmüde Bismarck, der seine Denk—
würdigkeiten Lothar Bucher in die Feder diktierte, und doch
kein anderer, nur ein jüngerer, ein Feuerkopf, von höchstem
Ehrbegriff, aber unbedenklich in der Wahl der Mittel, um
die „perbannte Ehre“ der Krone zurückzuholen. So ist es zu
verstehen, daß Friedrich Wilhelm IV., als auf einer ihm vor—⸗
gelegten Ministerliste auch Bismarcks Name sich befand, dazu
schrieb: „Nur zu gebrauchen, wenn das Bajonett schrankenlos
waltet.“ Bismarck war auch entschieden gegen die von den
„Frankfurter Zungendreschern“ angebotene Krone, weil „ihr
Gold erst durch das Einschmelzen der preußischen Königskrone
gewonnen werden müßte“, doch fügt er in den „Gedanken
und Erinnerungen“ dazu: „und hauptsächlich, weil es zweifel⸗
haft war, ob damals der Umguß gelungen wäre, und ob
Friedrich Wilhelm 1V. der geeignete Träger dieser Krone ge—
wesen wäre. Die Kriege, welche Wilhelm J. geführt hat,
würden nicht ausgeblieben sein, nur würden sie nach der Kon—⸗
stituierung des Kaisertums als Folge derselben, und nicht vor⸗
her, das Kaisertum vorbereitend und herstellend zu führen
gewesen sein. Ob Friedrich Wilhelm IV. zur rechtzeitigen
Führung derselben hätte bewogen werden können, weiß ich
        <pb n="100" />
        92

VI. Abschnitt. Das Zeitalter Bismarcks.

nicht; es war das schon schwierig bei seinem Herrn Bruder,
in dem die militärische Ader und das preußische Offiziers—
gefühl vorwiegend waren.“ Die Rücksicht auf die Kammer—
zelebritäten und gefeierten Staatsrechts-Theoretiker dünkte ihn
verwerflich. „Der preußische Geist ist ein edles Roß, das den
gewohnten Reiter und herrn mit mutiger Freude trägt, den
unberufenen Sonntagsreiter aber mitsamt seiner schwarzrot⸗
goldenen Zäumung auf die Erde setzt.“ Anstatt der vielen
theoretischen Erörterungen über VDerfassungsparagraphen, so
meint er auch noch in seinen Denkwürdigkeiten, hätte man
besser die vorhandene lebenskräftige, preußische Militärmacht
in den Vordergrund stellen sollen, und hätte man besser ohne
Rücksicht auf Beifall und Popularität bei verwandten Fürsten⸗
häusern, bei Parlamenten, historikern und in der Tagespresse
gehandelt.
Das Programm von 1866 ist im Grunde genommen nur
eine Umschreibung des Bismarckschen Ausspruches von 1848
„Es wäre eine echt nationale preußische Politik, mit dem⸗
selben Kecht, wie einst Schlesien erobert wurde, den Deutschen
zu befehlen, welches ihre Verfassung sein sollte, auf die Ge—
fahr hin, das Schwert in die Wagschale zu werfen.“ Im
Erfurter Parlament von 1851 trat er als trotziger Verächter
des Unionswerkes auf, weil es den Krieg mit Osterreich bringen
würde. Diese Begründung erklärte er später damit, daß er
den Krieg noch aufgeschoben haben wollte, bis Preußen hin⸗
länglich gerüstet wäre. Aus seinen damaligen Reden tritt je—
doch klar zutage, daß auch er noch ebenso wie der Uönig von
Preußen der Äberzeugung war, daß Preußen sich Osterreich
unterzuordnen oder wenigstens an engster Verbindung mit
Osterreich festzuhalten habe, da die beiden großen Kontinental
mächte den Beruf hätten, den demokratischen Zeitgeist zu be—
kämpfen.
Sreilich als er noch im nämlichen Jahre zum Bundestags-⸗
gesandten in Frankfurt ernannt würde, war für ihn die
Politik des „Hand in hand-Gehens“ mit Osterreich nicht lange
mehr maßgebend. Aus den von Poschinger veröffentlichten
Berichten aus Frankfurt wissen wir, wie der verspottete „diplo⸗
matische Säugling“, obwohl er nie ein juristisches Staatsexamen
gemacht und den größten Teil seiner Lebensjahre unter Bauern
zugebracht hatte, seine Kollegen um haupteslänge überragte.
        <pb n="101" />
        Die Ernennung Bismarcks zum Ministerpräsidenten. 93

Bei seinem Eintritt in das Bundeskollegium wünschte er noch
loyales Zusammengehen mit dem Raiserstaat, da die beiden
großen Mächte im Herzen Europas den Beruf hätten, den um⸗—
stürzlerischen Zeitgeist zu bekämpfen. Als Kollege Rechbergs in
Frankfurt bekehrte er sich aber rasch zur Ansicht, daß die
habsburgisch-lothringische Monarchie zu viel fremde Volks—
elemente in sich vereinige, um noch als deutscher Staat gelten
zu können, daß also weder von Osterreich selbst noch von
einem anderen Staate im Bunde mit Osterreich eine nationale
Einigung Deutschlands durchzuführen sein werde. Von diesem
Augenblick an wirkte er gegen die Freundschaft mit Osterreich,
deren Pflege bisher in Preußen trotz aller Rivalitätsgelüste
als oberstes Gesetz gegolten hatte.
Der panische Schrecken, den Bismarcks Ernennung zum Mi—⸗
nister im September 1862 in Wien verursachte, beweist, daß
seine Bedeutung im Ausland früher erkannt wurde, als von
der großen Mehrheit seiner Landsleute. Sein politisches Pro—
gramm stand fest: Einigung Deutschlands ohne Osterreich, und
da dieses Ziel nicht ohne Kampf zu erreichen war: Verstär—
kung der Wehrkraft Preußens um jeden Preis. Fast alles war
ihm entgegen; die feindlichen Strömungen im In- und Aus—⸗
land drohten ihn zu überfluten. Er mußte die Heeresreform
gegen die leidenschaftlich widerstrebenden Volksvertreter ver⸗
teidigen, ohne daß er seine großen Pläne auch nur ahnen
lassen durfte; er mußte sich mit den preußischen Torys, die in
ihm einen verdächtigen Verehrer Napoleons erblickten, wie mit
den Liberalen, die ihn den preußischen Polignac nannten,
herumschlagen. Er hatte immer aufs neue zu kämpfen gegen
die Ränke von Damen und herren in der unmittelbaren Um—
gebung des Königs, die ihn nicht verstehen wollten oder ver—
stehen konnten. Wie wurde damals über den genialsten Staats—
mann des Jahrhunderts geurteilt! Der ihm persönlich wohl—
gesinnte Bernhardi, der Freund des herzogs Ernst von Koburg,
tadelte seine „Planlosigkeit“, die immer nur aus der hand in
den Mund lebe. Der geistvolle Max Duncker sagte: „Dieser Bismarck
 ist ein Spieler, der die Existenz Preußens, die Existenz
der Dynastie unbedenklich einsetzt.“ Fürst Anton von Hohen⸗
zollern prophezeite dem verwegenen Roturier ein Ende mit
Sschrecken. Peinlich auffällig war die Vereinsamung Preußens,
als sich am 15. August 1863 unter dem Jubel der Liberalen
        <pb n="102" />
        94 VI. Abschnitt. Das Zeitalter Bismarcks.

fast alle deutschen Fürsten zum lang ersehnten Werk der Bun—
desreform in Frankfurt a. M. um Kaiser Franz Joseph von
Osterreich sammelten.
Das stolze Wort König Wilhelms, daß es wider die Würde
eines Uönigs von Preußen sei, an einer Staatshandlung teil—
zunehmen, die man ohne ihn vorbereitet und vorberaten habe,
wurde von manchen bedauert, von vielen verhöhnt, von
wenigen verstanden und gebilligt. heute wissen wir, wie
schwer es dem König geworden ist, sich von der Gemeinschaft
der deutschen Fürsten zu lösen. Doch er brachte der Staats
kunst des Mannes, dem er sich aus Achtung vor einer genialen
Überlegenheit unierordnete, auch dieses Opfer.
In neue Seelenkämpfe zog den Rönig die nach dem Tode
König Friedrichs VII. von Dänemark im November 1863
wieder aufgetauchte Schleswig-Holsteinsche Frage. Mit der
Mehrheit des deutschen Volkes und der deutschen Fürsten
wünschte Wilhelm die Anerkennung der Augustenburgischen
Erbfolge; Bismarck aber erklärte, ein Staat wie Preußen dürfe
nicht der Gefühlspolitik der Mittel- und Kleinstaalen Vor—
spann leisten.
Doch die deutsche Pflicht, die Schleswig⸗Holsteiner im Kampfe
gegen die ihnen von König Christian IX. aufgedrungene Ver⸗
fassung zu schützen, erfüllte Preußen hand in Hand mit Oster⸗
reich mit Mut und Kraft. Beim ersten Kanonenschuß erwachte
die alte germanische Kampffreude, und einem tapferen Fürsten
blieb der Deutsche auf die Dauer niemals gram. Und als bei
Düppel — wo der preußische General von Raven, von der
todbringenden Uugel getroffen, gelassen sagte: „Es ist hohe
Zeit, daß wieder einmal ein preußischer General für seinen
König stirbt!“ — und am Alsensund Epril 1864) der Sieg
auf die deutschen Fahnen niederrauschte, wurde denn doch schon
vielen klar, daß diefe Sühnung alter deutscher Schmach nicht
möglich gewesen wäre, wenn nicht der Rönig von Preußen und
seine Getreuen so fest auf der Neugestaltung des Hheerwesens
bestanden hätten.
Allein die Rückgabe des befreiten Landes an seinen recht⸗
mäßigen Herrn verlangte die öffentliche Meinung jetzt erst
recht; Bismarck dagegen blieb bei seinem Veto; der König
schwankte, denn er achtete und liebte den Erbprinzen von
Augustenburg. Schon klagte Bismarck, daß das „herz des
        <pb n="103" />
        Der deutsche Krieg 1866. 95

Königs im andern Cager“ sei, und nach dem vorzeitigen Freu⸗
denruf eines Liberalen stand der Minister wirklich eine Zeit⸗
lang „auf dem Wipp“. Doch sobald König Wilhelm die ge—
wohnte Ruhe der Überlegung wiedergewonnen hatte, fügte
er sich den Mahnungen Bismarcks und Moltkes, die darauf
hinwiesen, daß die seit den Anfängen deutscher Geschichte heiß
umstrittene Nordmark, das norddeutsche Elsaß, nur durch Ver—
bindung mit einem mächtigen Staat dauernd für Deutschland
gesichert werde.
Dieser Beschluß mußte aber zu Reibungen zwischen den
Waffengenossen von 1864 führen, und daraus entspann sich
ein neuer Krieg, so furchtbar in seiner Erscheinung und so
fruchtbar in seinen Folgen, wie kein anderer in deutscher
Geschichte.
Wie unendlich schwer es auch diesmal dem König fiel, die
„gewalttätige“, die „abenteuerliche Politik“ des leitenden Mi—
nisters, — so urteilte die gesamte Umgebung des Königs in
UÜbereinstimmung mit dem Landtag — gutzuheißen, ist aus
den Denkwürdigkeiten des Kriegsministers Roon zu ersehen.
Nicht nur herzog Ernst von Koburg stellte dem König in be—
weglichen Worten vor, welche Verantwortung er auf sich lade,
wenn er den Bürgerkrieg entzünde; auch der Kronprinz sagte
sich förmlich und feierlich los von einer ebenso verwerflichen
wie verhängnisvollen Politik. Erzbischof Melchers, der höchste
katholische Würdenträger des Staates, führte drohende Sprache.
Fast alle Zeitungen und sonstigen Organe der öffentlichen
Meinung gaben dem Unwillen und der Entrüstung Ausdruck.
Doch wieder siegte die Beharrlichkeit Bismarcks über alle
hindernisse und Bedenken. Er ließ es nicht zweifelhaft, daß
es sich nicht bloß um Recht oder Unrecht in dem speziellen,
an und für sich unbedeutenden Streitfalle handle, sondern um
ein Größeres: Es mußte einmal abgestimmt werden, ob
Preußen, ob Osterreich die Führung der deutschen Nation zu—⸗
stehe, und die Lösung dieser Frage konnte nicht am grünen
Tisch und nicht bei Schützen- und Turnerfesten erfolgen —
die Waffentüchtigkeit mußte entscheiden!
Am 1. Juni 1866 brachte Osterreich die schleswig-holsteinsche
Angelegenheit vor den Bundestag, obwohl nach Beendigung
des Krieges im Gasteiner Vertrag vom 14. August 1864 die
beiden Großmächte sich allein die Entscheidung über die Elb—
        <pb n="104" />
        36 VI. Abschnitt. Das Zeitalter Bismarcks.

herzogtümer vorbehalten hatten. Gleichzeitig erhielt der
Sührer der noch in Holstein stehenden österreichischen Truppen,
v. Gablenz, den Befehl, die Stände des Herzogtums einzu—
berufen. Das preußische Kabinett erklärte die österreichischen
Maßnahmen für einen Bruch des Gasteiner Vertrags und ließ
seine in Schleswig stehenden Truppen in Holstein einmar—
schieren. Da sich dies nur als Bruch des Bundesfriedens auf⸗
fassen lasse, beantragte Osterreich am Bundestag die Mobilmachung
 des nichtpreußischen Bundesheeres zum Zweck der
Erekution gegen den Störenfried. Am 14. Juni wurde der
Antrag mit neun gegen sechs Stimmen angenommen; ganz
Ssüddeutschland, sowie Kurhessen, Nassau, Sachsen und Hhan⸗
nover stimmten dafür, die übrigen norddeutschen Staaten
schlossen sich an Preußen an. Am 15. erfolgten die Kriegserklärungen.
 Als nun der Kanonendonner in den Tagen vom
26. Juni bis 3. Juli über die böhmischen Felder bei Gitschin,
Nachod, Trautenau und Röniggrätz roilte, da lebte trotz alle—
dem in Preußen der Geist von 1813 wieder auf. Wo par—
teiung und Serrissenheit gewesen war, da machte die Gefahr
einig und stark. Es trat zutage, daß EOsterreichs Entwicklung
nicht gleichen Schritt gehalten mit der des jugendlicheren,
kräftigeren Nebenbuhlers. Damit war die Frage der führer⸗
schaft erledigt, und kein deutscher Patriot konnte sich der Kon—
——
Das hatte Napoleon nicht erwartet. Er selbst hatte, wie
wir jetzt aus den Depeschen von Drouin de CLuys und Graf
Goltz wissen, im April 18606 der preußischen Regierung An—
nexions⸗ und Vergrößerungsgedanken entgegengebracht, um,
wie er sich ausdrückte, große Dinge gemeinsam mit der von ihm
besonders geschätzten preußischen Kegierung in Europa durch—
zusetzen, oder vielmehr, wie es aufrichtiger lauten müßte, um
Preußens Waffen gegen Osterreich zur Befreiung Venetiens
zu verwenden. Worin die „großen Dinge“ bestanden, das ver⸗
kündigte ein Rundschreiben des Kaisers vom 11. Juni an seine
Diplomaten. Er behalte sich vor, die deutsche ängelegenheit
in dem Sinne zu ordnen, daß Osterreich jedenfalls in seiner
großen deutschen Position bleibe, Preußen Schlesien an Oster—
reich, die Kheinprovinz an Frankreich abtrete und dafür Schles—
wig⸗Holstein, hannover und Uurhessen einverleibe, daß den
übrigen deutschen Staaten eine feste Organisation gegeben,
        <pb n="105" />
        Der Norddeutsche Bund.

97

d. h. also nach der Entfernung Preußens vom KRhein eine neue,
auf Frankreichs Protektion angewiesene Troisième Allemagne
gebildet werden sollte!
Es war alles wohlbedacht; der Plan hatte nur einen Fehler,
der aber hinreichte, die ganze Berechnung hinfällig zu machen;
der Plan war gebaut auf die Unzulänglichkeit des preußi—
schen Hheeres. Nach Königgrätz aber war das Napoleonische
Gewebe durch einen Stärkeren zerrissen — die Fäden flatter—
ten im Winde. Wohl dachte Napoleon daran, seine Forde—
rungen auf die Spitze seines eigenen Degens zu stellen, allein
sein Kriegsminister versicherte, es sei unmöglich, auch nur
100 000 Mann in Kriegsbereitschaft zu setzen. Dagegen er—
klärte Moltke mit aller Gelassenheit: „Auch ein Krieg mit
Frankreich wird uns nicht unvorbereitet treffen!“ und Roon
gab die gleiche Zusicherung: „Der Krieg kann, wenn nötig,
auch nach zwei Fronten geführt werden; 300 000 Preußen
werden rascher am Rhein stehen, als die Franzosen!“
Sso mußte sich Napoleon damit zufrieden geben, daß ihm
der äußerliche Glanz einer Vermittlerrolle vergönnt blieb;
in der hauptsache konnte er nicht hindern, daß der Waffen⸗
stillstand von Nikolsburg vom 16. Juli und der Prager Friede
bvom 23. August ungefähr das gerade Gegenteil des kaiser—
lichen Programmes vom 11. Juni feststellten.
Es war die Lösung der deutschen Frage, wie sie Hharden—
berg im Jahre 18060 und Manteuffel im Jahre 1850 vor—
geschwebt hatte, nicht die Einigung der Nation. Osterreich
mußte aus dem deutschen Verband ausscheiden; Preußen ver—
leibte, wie es Napoleon gütig angeraten hatte, die Elbherzog—
tümer, hannover, Kurhessen, Nassau und die Freistadt Frank—
furt am Main ein, ohne jedoch die Rheinlande oder Schlesien
opfern zu müssen; die norddeutschen Fürsten sollten einem
neuen, norddeutschen Bunde beitreten, die Staaten südlich von
der Mainlinie sollten unabhängig bleiben und, wenn sie woll⸗
ten, einen Südbund schließen. Venetien mußte, obwohl La—
marmora von Erzherzog Albrecht bei Custozza (24. Juni) und
die italienische Flotte unter Persano von der österreichischen
unter Tegetthoff bei Lissa (20. Juli) aufs Haupt geschlagen
worden war, an Italien abgetreten werden.
Immerhin war die Vereinigung der homogenen Elemente
im Norddeutschen Bund eine gesunde Fortentwicklung der deut⸗
Anus 129: Heigel, politische Strömungen. 2. HAufl.
        <pb n="106" />
        98 VI. Abschnitt. Das Zeitalter Bismarcks.

schen Einigung, und schon aus wirtschaftlichen Gründen war
der Anschluß der süddeutschen Staaten nur noch als eine Frage
der Seit anzusehen.
Er wurde beschleunigt durch den Versuch des eifersüchtigen
Nachbarn, die deutsche Entwicklung zu stören. Denn wie immer
die persönliche Cinwirkung Bismarcks auf die Frage der Be—
setzung des spanischen Thrones durch einen hohenzollernschen
Prinzen aufgefaßt werden mag, und wenn sogar bei Bismarck
der direkte Wunsch, eine Waffenentscheidung zwischen Frankreich
 und Deutschland herbeizuführen, vorausgesetzt werden
muß, so ist doch nicht daran zu zweifeln, daß die eigentliche
Offensive von Frankreich ausging und daß der Krieg, durch
welchen Deutschlands Einheit geschaffen wurde, nicht bloß ein
glücklicher, sondern auch ein gerechter Urieg war. Freilich steht
fest, daß Napoleon persönlich auch noch im Sommer 1870 den
Krieg mit den Deutschen vermeiden wollte, allein er mußte
dem Ehrgeiz der französischen Nation, den die unverhoffte
Wendung des Krieges von 1866 verletzt hatte, Rechnung
tragen; die Radikalen drängten ebenso zur Abrechnung mit
dem gehaßten Bismarck, wie die Klerikalen und Kaiserin
Eugenie. Als Erwählter der Nation hatte Napoleon die fran—
zösische Uberlieferung zu vertreten; ihr Ruhm und ihr Slück
mußten seine Begleiter bleiben; nur sie konnten ihm die man—
gelnde Legitimität seines Ursprungs ersetzen und die Zukunft
seiner Dynastie sicherstellen. Die französische Politik sah aber
schon seit Jahrhunderten ihr Siel in Zerfplitterung der deut⸗
schen Kräfte; nur auf der Erniedrigung Deutschlands konnte
Frankreichs hegemonie aufgebaut werden.
Diese Erwägung führte den Kaiser dazu, die nationale Be—
wegung, die ihn selbst emporgetragen, die er in Italien zum
Siege geführt, die ihm die ersten großen Erfolge, die füh—
rende Stellung in Europa gebracht hatte, in Deutschland zu
bekämpfen — und dieser Abfall kostete ihm den Thron.
Er versuchte mit Glück, durch diplomatische Künste seine
Stellung für den bevorstehenden Entscheidungskampf zu be—
festigen. Obwohl er, von den Ulerikalen im eigenen Lande
gedrängt, den Italienern in der römischen Frage entgegen—
getreten war, obwohl bei Mentana die neuen Chassepots in
den händen französischer Zuaven an den Freiwilligen Gari—
baldis ihre ersten Wunder gewirkt hatten, obwohl Italien die
        <pb n="107" />
        Der Deutsch-Französische Krieg 1870/71. 99

Erwerbung Venetiens nur den preußischen Siegen in Böhmen
zu danken gehabt hatte, war es 1870 nicht einen Augenblick
zweifelhaft, daß die Sympathien Viktor Emanuels und der
großen Mehrheit des italienischen Volkes den romanischen
Stammesgenossen gehörten. Und auch in Wien war die Hoff⸗
nung, die neue Ordnung in Deutschland zu zerstören, noch
nicht aufgegeben; bei der Zusammenkunft Napoleons mit
Franz Joseph im Sommer 1867 in Salzburg waren Ent—
würfe zu einer Tripelallianz angesponnen worden. Daß es
aber über Besprechungen und Versprechungen nicht hinaus—
kam, das ist Bismarcks größter diplomatischer Erfolg.
Auch Napoleons hoffnung, die von Preußen „geknechteten“
süddeutschen Staaten auf seine Seite zu ziehen, schlug fehl. Die
Beleidigung des ehrwürdigen Königs Wilhelin, der „still und
heiter“ in Ems sein UKraͤnchen getrunken hatte, durch den
französischen Geschäftsträger Benedetti wurde nicht nur im
Norden zornig empfunden. auch Bayerns König teilte das
Gefühl, daß damit dem ganzen deutschen Volke ein Schimpf
zugefügt sei, für den mit vereinten Kräften Genugtuung ge⸗
fordert werden müsse.
Heftige Angriffe erfuhr die handlungsweise Bismarcks nach
dem Cinlaufen der vielbesprochenen Emser Depesche. Eigen—
mächtig und nur, um sich seiner Feinde im Innern zu erwehren,
— so wurde dem Kanzler vorgeworfen — habe er eine harm⸗
lose, höfliche Antwort des Königs in eine zum Kampfe her⸗
ausfordernde Fanfare verwandelt. Doch auqͤ die schärsste kri⸗—
tische Prüfung des Aktenstücks läßt die redaktionelle Ande—
rung nicht als Fälschung erscheinen. Eine entschiedene Ab—
weisung des französischen Ultimatums wollte ja auch der
Rönig; nur in der Schärfe des Tones griff die Bismarcksche
Fassung über die Absicht des Königs hinaus. Der Streit der
beiden Mächte war eben schon zu leidenschaftlich geworden;
die Abwehr der Beleidigung konnte nur noch im Angriff be⸗
stehen. Nachgiebigkeit war ausgeschlossen, wenn nicht die
Würde des KRönigs und die Ehre des Staates demütigende
Tinbuße erleiden sollten. Überdies konnte jeder Tag die Macht
des Gegners verdoppeln; man war in Berlin über die Ver—
handlungen Napoleons in Wien und Slorenz wohl unterrichtet.
Und endlich — die Anmaßung des Franzmannes hatte, was
niemand für möglich gehalten hatte, ganz Deutschland einig
        <pb n="108" />
        100 VI. Abschnitt. Das Seitalter Bismarcks.

gemacht. Es wäre ein Frevel gewesen, diese glückliche Stunde
nicht zu benützen, um die Zukunft des deutschen Volkes sicher⸗
zustellen!
So zogen im Juli 1870 Bayern und Schwaben Schulter
an Schulter mit Märkern und Pommern über den Khein.
Es folgten die Schlachten bei Weißenburg und Wörth, am
4. und 6. August 1870. „Daß die Bayern“, schrieb Blanken⸗
burg frohlockend an Roon, „unter unseres Kronprinzen Füh—
rung den ersten, entscheidenden Schlag mitgetan haben, ist die
cösung der deutschen Frage!“
Die schwierigste militärische KRufgabe, die Verhinderung des
Anschlusses Bazaines an Mac Mahon, wurde von der II. Armee
gelöst. In 3 Doppelschlachten bei Colomben-Nouilly, bei Vion⸗
ville-Marslatour und entscheidend bei Gravelotte-St. Privat
(14., 16. 18. August) wurde Bazaine von der Straße nach Ver⸗
dun abgedrängt und in die Festung Metz zurückgeworfen.
Es folgt die Katastrophe von Sedan (1. und 2. September).
Tine ganze Armee von mehr als 100 000 Mann wird gefangen
genommen, Napoleon, vor kurzem noch der Diktator Euro—
pas, ist gezwungen, seinen Degen auszuliefern und seine Su—
kunft der Gnade des Siegers anheimzustellen — die Welt—
geschichte hat kaum einen zweiten Sieg von solchem Glanze
und solcher Wirkung aufzuweisen!
Während Paris von deutschen heeresabteilungen umklam—
mert wurde, bezog der Uönig von Preußen das Königsschloß
in Versailles. Wieder ein märchenhaftes Ereignis! In den
Prunkhöfen des stolzesten aller französischen Schlösser ertönt
der preußische Fahnenmarsch; unter dem Erzbild des Roi
soleil verteilt „unser Fritz“ Eiserne Ureuze an die deutschen
Ssoldaten.
Das kluge horazische Nil admirari! hat seine Grenzen.
„Kriegsglück!“ sagt der dekadente Lump, der kein Ideal hat,
als sein liebes, schwächliches, wertloses „Ich“. Die Braven,
die damals hundertmal im Kugelregen standen, die glänzend
den Beweis lieferten, was Ausbildung, Mannszucht, weise Ver—
teilung der Kräfte und unvergleichliche Tapferkeit zu leisten
vermögen, die wissen es besser: nicht das Lager übermütiger
Candsknechte war jenes Versailles, sondern das Kapitol, auf
dem ein treues Volk für seine Leiden und Kämpfe endlich den
mmergrünen Kranz empfing!
        <pb n="109" />
        Das neue Deutsche Reich.

101

Nach solchen gemeinsamen Gefahren und Erfolgen war eine
Trennung von Nord und Süd nicht mehr denkbar. Auch der
bayrische Minister Graf Bray, ein überzeugungstreuer Partikularist,
 konnte sich der Erkenntnis nicht verschließen, daß die
Einzelstaaten zugunsten der Einigung und Zentralisierung
Opfer bringen müßten.
Die Verhandlungen über die künftige Gestaltung Deutschlands
 wurden in Versailles geführt. Ein neues Deutsches Keich
entstand, freilich ein anderes Staatsgebilde, als es die Freunde
der preußischen Hegemonie bisher gewünscht hatten. Nicht der
von Sybel geforderte „deutsche König“, sondern der von Görres
und Arndt ersehnte „Kaiser“ wurde Oberhaupt des Reiches.
Doch nicht eine romantische Laune rief die geschichtlichen
Namen Kaiser und Reich wieder wach, machte den „Sommer⸗
nachtstraum eines deutschen Kaisertums“, wie Treitschke 1865
gespottet hatte, lebendig. Bismarck und alle jene, denen das
mittelalterliche Gebilde bisher mehr ein ärgernis als ein an—
zustrebendes Ziel gewesen war, mußten anerkennen, daß unter
den gegebenen Verhältnissen das Kaisertum die einzig mögliche
Form der Zentralisierung der deutschen Lande sei.
Wie unter Otto J. war wieder durch gemeinsam vollführte
zlückliche Kriegstaten die Idee der Zusammengehörigkeit der
deutschen Stämme, der Notwendigkeit einer einheitlichen Zu—
sammenfassung ihrer Kräfte neu gestärkt worden.
Nichtsdestoweniger hat sich der Sonderungstrieb nicht mit
einem Mal verflüchtigt, weil er eben im deutschen Volkscharakter
wurzelt. Auch jetzt ist für die Bürger der einzelnen Staaten
die Erhaltung, die Bedeutung der partikularen Dynastien eine
herzenssorge. Die Reichsverfassung von 1871 gewährt Scho—
nung dieser Interessen und schafft dennoch einen Bund, dessen
Gliederung ihn dem Ausland als einen geeigneten Staat er—
scheinen läßt. Als Krönung dieses bundesstaatlichen Aggregats
bot sich nichts anderes dar, als die Kaiserwürde. Von einer
Kontinuität mit dem 1806 zusammengebrochenen, alten Keiche
kann nicht gesprochen werden. Bismarck selbst hat wiederholt
erklärt: „Unser Keich ist ein neues Reich, keine Fortsetzung
des alten, keine Restauration einer verflossenen Cpoche!“ Das
neue Reich hat weder Kechte noch Pflichten vom alten über—
nommen, ünd in voller Freiheit können seine Bürger alles
zurückweisen, was man ihnen im Widerspruch mit den Be—
        <pb n="110" />
        102 VI. Abschnitt. Das Zeitalter Bismarcks.

dürfnissen der Gegenwart als eine aus der Erbschaft des alten
Reiches entspringende Pflicht aufdringen möchte. Ein pro—
testantisches Kaiserhaus wird nie den Anspruch auf eine Welt—
herrschaft erheben, nie auf die Idee sich stützen können, daß in
gleicher Weise, wie durch das Christentum die Menschheit
zu einem Glauben und zu einer Kirche vereinigt ist, auch ein
oberstes weltliches Reich zum Schutze des Kirchentums alle
Völker umschlingen soll. Nichtsdestoweniger war es, wie sich
auf Grund einer vierzigjährigen Erfahrung feststellen läßt,
eine staatskluge Berechnung, mit einem ehrwürdigen Titel an
die Crinnerung einer großen Zeit zu appellieren; insbesondere
im deutschen Süden war der Kaisertitel, wie Bismarck es ge—
wünscht und erwartet hatte, ein werbendes Element für Eini—
gung und Vereinheitlichung.
Die Kaiserproklamation in der prunkenden Spiegelgalerie
(18. Januar 1871) angesichts der Bilder, welche die Kieder—
lagen Deutschlands verherrlichen, war der Schlußgesang eines
Epos ohnegleichen. Der ganze Gegensatz zwischen dem theo—
kratischen römisch-deutschen Kaisertum und der neuen Würde
trat in jener weltgeschichtlichen Szene im Königsschlosse Cud—
wigs XIV. zutage. Die Kaiserkrone sollte nur das Symbol
der Zentralgewalt sein, sonst wurde auf keine Weise an das
alte Kaisertum des römisch-deutschen Keiches angeknüpft. „Die
Krone des neuen Reiches“, schrieb Gustav Freytag am Fest⸗
tage der Deutschen, „ist und bleibt der Helmn!“
sAm 10. Mai 1871 unterzeichneten Bismarck und Jules Favre
im Hotel zum Schwan in Frankfurt a. M. den Frieden, nach
welchem Frankreich an das neue Deutsche Reich Elsaß und
Deutsch⸗Lothringen mit Metz und Diedenhofen abzutreten, so—
wie eine Kriegskostenentschädigung von 5 Milliarden Francs
zu zahlen hatte.
Die Umwandlung der mit den Waffen zurückeroberten West—
mark in wirklich deutsches Cand konnte sich natürlich nicht
von heute auf morgen vollziehen. Die Behandlung einer Be—
völkerung, die sich jahrhundertelang von der Verwelschung
freigehalten, die aber der Ruhm Frankreichs an dieses Keich
gefesselt hatte, war eine sehr schwierige Sache, obwohl oder
vielleicht gerade, weil so starke altdeutsche Clemente in den
neugewonnenen Provinzen sich ansiedelten. Daß auf deutscher
Seite dabei viel Takt und Geschick an den Tag gelegt woͤr—⸗
        <pb n="111" />
        Die Kommune in Paris.

103

den wären, kann nicht behauptet werden. Trotzdem wird sich
der Verschmelzungsprozeß, wenn auch langsam, vollziehen, weil
das ganze Elsaß und der größte Teil Lothringens eben
doch kerndeutsches Gebiet sind.
In Frankreich folgte unmittelbar auf den unglücklichen
Krieg eine Erhebung der in den Junikämpfen von 1848 be—
siegten radikalen RKichtung gegen die nach Napoleons Sturz
(4. September 1870) eingesetzte republikanische Regierung.
Vorübergehend geriet Paris gänzlich unter die herrschaft eines
Ausschusses der „Internationale“, der „das Ende der alten
Regierungs- und Kirchenwelt, des Soldaten- und Beamten⸗
tums, des Börsenspiels, der Monopole und Privilegien“ prokla—
mierte. Erst Ende Mai wurde der Aufstand niedergeschlagen.
Als am Husgang des Kampfes nicht mehr zu zweifeln war,
beschloß der Gemeinderat auf Antrag des Diktators Deles—
cluze, es sollten alle öffentlichen Gebaͤude in Paris, die von
Victor hugo vielbesungenen „Wunder der Welt“, zur „Leichen⸗
feier“ der Kommune in Brand gesteckt werden. Wirklich wurde,
als die Regierungstruppen am 21. Mai durch das Tor von
St. Cloud in die Stadt eindrangen, der wahnwitzige Beschluß
ins Werk gesetzt. Während des siebentägigen Barrikaden—
kampfes sanken die Tuilerien, das Palais Koyal, das Hotel
de Ville und andere Staatsgebäude, Kirchen und Theater in
bAsche. Endlich gelang es aber, auch die letzten Barrikaden
einzunehmen. 50000 Communards wurden als Gefangene
nach Versailles gebracht, doch gelang es den meisten, durch
Flucht sich der Strafe zu entziehen. Die kühnsten Führer der
Kommune, Delescluze, Dombrowsky u. a. hatten im Straßen⸗
kampfe den Tod gefunden, andere wurden standrechtlich er—⸗
schossen oder deportiert, von der internationalen Arbeiter—
schaft als „Märtyrer des Zukunftsstaates“ gefeiert.
Doch auch in Deutschland stellten sich schwere Krisen ein.
Es galt, die Ströme neuen Lebens, die das neue Reich durch—
rauschten, im Bett einer gesunden Fortentwicklung zu er—
halten.
Ein schweres Werk, das wohl schon in den Anfängen ge—
scheitert wäre, wenn nicht der an der Spitze stehende Staatsmann
 in allen Sätteln gerecht, ein immer sachlicher und dabei
doch mächtig anregender Parlamentsredner, ein rastloser Ar⸗
beiter, ein scharfblickender, mit allen Künsten vertrauter und
        <pb n="112" />
        104 VI. Abschnitt. Das Seitalter Bismarcks.

doch im entscheidenden Augenblick nur durch verblüffende Ein—
fachheit und Offenheit wirkender Diplomat gewesen wäre.
Das Werk hätte aber auch nicht gelingen können ohne die
Bundestreue der deutschen Fürsten, deren Eintracht — wo—
für es in der ganzen deutschen Geschichte kein Gegenstück gibt —
untereinander und mit dem Kaiserhaufe schon ein volles Men—
schenalter hindurch kaum einen Augenblick getrübt wurde.
Doch andre staatsfeindliche Mächte erschwerten die Aufgabe,
das im Krieg Erworbene im Frieden auszubauen.
Der vom ökumenischen Konzil zu RKom im Juli 1870 in
Glaubenssachen für unfehlbar erklärte und seit der Cinnahme
von Rom durch die Piemontesen freiwillig als Gefangener im
Vatikan lebende Papst Pius IX. wandte sich energisch gegen
die neuen Gesetze der preußischen Regierung, welche das staat—
liche Aufsichtsrecht über die Diener der Kirche sichern sollten.
Es entspann sich zwischen den Anwälten staatlicher Autorität
und den Verfechtern der Machtansprüche der Kurie der soge—
nannte „Kulturkampf“, der jeden Augenblick in erbitterte kon—
fessionelle Fehde übergehen konnte.
Bismarck, der sich mit der hoffnung getragen hatte, im
Geiste und mit den Waffen des Protestantismus die Bewegung
unschwer zu bewältigen, — „Nach Canossa gehen wir nicht!“
— trug im Kampfe mit diesen Mächten nicht den Sieg davon:
es trat vielmehr eine deutliche Wandlung im Auftreten der
Keichsregierung gegenüber der katholischen Kirche und ihren
Bekennern zutage. Doch die nämliche Erscheinung ist bei der
zum Schutze der Papstkirche gebildeten Partei im Keichstage
wahrzunehmen; die anfänglich offen hervorgekehrten parti—
kularistischen Bestrebungen traten mehr und mehr in den hin—
tergrund und werden nur noch gelegentlich als Wahlmittel
gebraucht.
In Deutschland leben evangelisches und katholisches Bekennt—
nis gleichsam in einer gemischten Ehe. Da ist Verträglichkeit
unumgänglich geboten. Es ist heute ebensowenig eine Mög—
lichkeit gegeben, an die Gegenreformation wieder anzu—
knüpfen, wie es an der Zeit wäre, den Kampf gegen Kom
als den Erbfeind des evangelischen Glaubens zu eröffnen.
„höre man doch wenigstens endlich auf“, sagt Bismarck in den
„Gedanken und Erinnerungen“, „das alte Starenlied immer
wieder abzuleiern: meine politischen Überzeugungen sind rich—
        <pb n="113" />
        Konfessionelle und soziale Kämpfe. 105

tig und die deinen falsch; mein Glaube ist Gott wohlgefällig,
dein Unglaube führt zur Verdammnis. Werfe man nicht immer
Tiraden von der Rednertribüne dem gleich achtbaren Gegner
ins Gesicht, die man im gesellschaftlichen Leben sich schämen
würde, zur Verwendung zu bringen!“ Der Ton macht die
Musik.
Noch gefährlicher als der religiöse Zwist schien die soziale
Frage das neue Reich zu bedrohen. Oft wird in staatstreuen
Kreisen als schwerer Fehler Bismarcks bezeichnet, daß er in
die Derfassung des neuen Reiches das allgemeine Wahlrecht
aufnahm. Tatsache ist, daß dieses Zugeständnis an den besitz—
losen Teil des deutschen Volkes der sozialistischen Bewegung
erst zu Kraft und Ausdehnung verhalf. Trotzdem war die EAb—
sicht, die den Schöpfer der Keichsverfassung zu seinem Wagnis
bewogen hatte, sicherlich die richtige. Nicht bloß wurde die
Neuordnung der Dinge durch die Erfüllung einer alten libe—
ralen Forderung mit einem Schlage populär, — es sollten
durch die Freigebung des Wortes auch die elektrisch gespann—
ten Lüfte entlastet werden. Das nächste Ergebnis war freilich
nur, daß das organisierte Proletariat nun auch im Parlament
den Staat als leidenschaftlicher Feind bekämpfte. Nachdem un—
mittelbar auf den siegreichen Krieg ein schimmernder wirt—
schaftlicher Aufschwung gefolgt war, trat 1873 ein trauriger
Rückschlag ein. Auf den Gründerschwindel folgte der Gründer—
krach. Das war Wasser auf die Mühle des seit 1848 immer
mächtiger aufgewachsenen Sozialismus. Das Grundeigentum, so
wurde, wie schon erwähnt, von Marr und Engels und Lassalle
gefordert, muß verschwinden, die Grundrente zu Staatsaus—
gaben verwendet, das Erbrecht abgeschafft, gleicher Arbeits—
zwang für alle eingeführt, die Arbeit systematisch eingeführt
werden. Dieses Programm fand in Deutschland eine philo—
sophische Vertiefung und eine praktische Bedeutung, wie sie
bisher die Ledru Rollin, CLouis Blanc, Raspail für ihre Lehre
nicht zu erringen vermocht hatten. Unter den sozialen und
moralischen Wirkungen der finanziellen Krisen gelang es, die
unzufriedenen Massen dem Bürgertum abwendig zu machen
und in eine frondierende Sonderstellung zu treiben. Wie die
Kitter im 12., die Humanisten im 15., die Galanthommes
im 18. Jahrhundert in gemeinsamen Interessen sich zusammen—
fanden, so organisierte sich das Proletariat im 19. Jahrhun—
        <pb n="114" />
        106 VI. Abschnitt. Das Seitalter Bismarcks.

dert international auf Grundlage des Marxismus, und diesmal
war es nicht ein romanisches Land, diesmal war es Deutsch⸗
land, von welchem die hauptströmung ausging, um sich in
alle Kulturländer zu verbreiten.
Da die neue Partei als staatsfeindliche Macht auftrat, mußte
Bismarck gegen sie den Kampf eröffnen. Überdies drängte
ihn dazu nach den fluchwürdigen Attentaten auf den greisen
Kaiser Wilhelm auch noch persönliche Gemütsbewegung. In
diesen beiden Faktoren ist die Ursache für die große Wendung
in Bismarcks innerer Politik gegen Ende der siebziger Jahre
zu suchen. Das Erste und Höchste war ihm die Befestigung
des Reiches auf den von ihm gelegten Fundamenten. Den
Kampf mit den Ultramontanen brach er ab, sobald er sah,
daß ihre Macht nicht ein für allemal als Feindin seiner Keichspolitik
 betrachtet werden müsse. Dagegen glaubte er um so
entschlossener gegen die rote Internationale vorgehen zu
müssen. Das Sozialistengesetz vom 21. Oktober 1878 verbot
alle den Umsturz der bestehenden Staats- und Gesellschafts—
ordnung bezweckenden Vereine, alle solchen Z3wecken dienenden
Versammlungen, Schriften, Zeitungen usw. Damit wurde die
öffentliche Organisation der Partei unterdrückt, doch nun
traten die „Fachvereine“ der Arbeiter, welche die Polizei zu—
lassen mußte, aushilfsweise für die politische Organisation
ein. Das Jahrzehnt des Ausnahmegesetzes förderte nur die
Sammlung der inneren Kräfte, und mit elementarer Wucht
brachen sie sich Bahn, als nach Bismarcks Sturz die Schran—
ken aufgehoben wurden.
Mit der aggressiven Wendung gegen die Klassenpolitik des
Arbeiterstandes hing auch der Umschwung der Bismarckschen
Wirtschaftspolitik zusammen. In der öffentlichen Meinung
war die Auffassung, daß dem Wohlstand in Deutschland nur
durch Aufgeben des Freihandels aufgeholfen werden könne,
weit verbreitet. Da sich insbesondere die deutsche Landwirt⸗
schaft unbestreitbar in schlimmer Notlage befand, wählte der
—
duktion! zur Losung, um eine gesündere Wirtschaftspolitik zur
Hherrschaft zu bringen. Im Solltarifgesetz vom 12. Juli 1879
war diesen Wünschen Rechnung getragen. Um so leidenschaft—
licher scharten sich die Vertreter der verlassenen Kichtung gegen
den neuen Rurs, und der Streit um die praktischen Interessen
        <pb n="115" />
        Der Dreibund.

107

wurde mit nicht geringerem Parteieifer aufgenommen, als
die Religions- und Klassenkämpfe.
Noch gefährlicher war die Befestigung der nationalen Macht
bedroht durch die kleinen Egoisten, die Philister, die Nörgler,
die ewig Unzufriedenen, die immer wieder die Frage auf—
warfen? „Was nützt es uns denn, daß wir zu einem Reich
vereinigt sind? Sind wir nicht dadurch genötigt, mehr Truppen
zu halten? Werden wir nicht dadurch viel leichter in die Welt—
händel verwickelt ?“
Mit solchen Politikern läßt sich ebensowenig streiten, wie mit
Falstaff, wenn er fragt: „Ehre, was ist Chre? Kann man
Thre efsen? kann man Ehre trinken?“ Nationale Sorgen sind
eben auch nationale Ehre, denn sie beweisen, daß Deutschland
in das Kulturzentrum gerückt ist, wo die Lebensfragen der
Menschheit ausgetragen werden.
Noch ein andrer Einwand stand den Gegnern der neuesten
deutschen Entwicklung zu Gebote. Das neue Deutsche Reich,
konnten sie sagen, ist ja nur das früher verspottete Klein—
deutschland; ein großer Teil des deutschen Volkes ist davon
ausgeschlossen, ist inmitten feindseliger Tschechen, Kroaten,
Magyaren der Verkümmerung preisgegeben! Die Klage ist
leider berechtigt, doch wie schmerzlich es auch die Patrioten
berühren muß, das Keich kann zurzeit die stammperwandten
Brüder im Osten und Süden nicht aufnehmen; es muß vorerst
darauf verzichtet werden, die Grenzen des alten Keiches oder
des späteren Bundes wiederzugewinnen. In der Beschränkung
zeigi sich oft nicht bloß die Klugheit, sondern auch die Kraft.
Auch ließ sich ein schätzbarer Ersatz finden. Unmittelbar
nach der Schlacht bei Königgrätz hatte Bismarck gesagt: „Der
Streit zwischen Osterreich und Preußen ist entschieden, jetzt
gilt es für uns, die alte Freundschaft mit Osterreich wieder
zu gewinnen!“ Er ließ diesen Plan auch nicht mehr aus den
Augen, und als in Wien nicht mehr die Träger der Politik
von 1866 am Ruder standen, gelang es, das Siel zu erreichen.
Am 7. Oktober 1879 wurde im hotel Imperial in Wien von
Bismarck und dem Leiter der auswärtigen Politik Oster—
reichs, Graf Andrassy, ein hocherfreuliches staatsmännisches
Werk zum Abschluß gebracht, ein enges Bündnis zwischen
Osterreich und Deutschland. Es ist die natürlichste Verbindung
von der Welt. Deutschland hat zum Schutz gegen Frankreich,
        <pb n="116" />
        108 VI. Abschnitt. Das Seitalter Bismarcks.

das die Opfer des Jahres 1871 nicht verschmerzen kann, die
hilfe Osterreichs nötig, während Osterreich der deutschen Hilfe
zur Lösung der Balkanfrage bedarf. Schon 1876 hatte Bis—
marck den sonst so hochverehrten Saren auf eine Anfrage, ob
Deutschland, wenn Kußland über dem Ronflikt mit der hohen
Pforte auch mit Osterreich in Krieg geriete, neutral bleiben
würde, nicht im unklaren gelassen, daß er Deutschland an
Osterreichs Seite finden würde. Der Susammenbruch der Türkei
nach dem Fall von Plewna, der Vormarsch der KRussen über
den Balkan gegen Konstantinopel, der die russische Macht in
gefährlicher Weise erweiternde Friedensvertrag von Santo Ste—
fano ließen erkennen, daß auf die eine Karte der Freundschaft
mit einem Reiche, das allzeit nur auf Erweiterung seines
Gebiets, nicht auf gesunde Fortentwicklung der nationalen
Kräfte bedacht ist, nicht alles gesetzt werden dürfe. Das in
Santo Stefano erschütterte europäische Gleichgewicht sollte der
Berliner Kongreß von 1878 wiederherstellen. Wie vorsichtig
sich auch Bismarck auf der schmalen, Krieg und Frieden schei—
denden Linie bewegte und im allgemeinen die russischen Forde⸗
rungen eher begünstigte als beeinträchtigte, erlitt doch die
historische Freundschaft zwischen Rußland und Preußen einen
gefährlichen Riß. Der Sturz des den Deutschen freundlich ge⸗—
sinnten russischen Botschafters Schuwalow, die Rüstungen der
Russen an der Westgrenze, die Angriffe der russischen Presse
bewogen Bismarck zu engerem Anschluß an Osterreich. Das
österreichisch-deutsche Bündnis wurde 1883 durch den Beitritt
Italiens erweitert; gerade diejenigen zwei Mächte, die im
Juli 1870 drauf und dran gewesen waren, Deutschland in
den Rücken zu fallen, sollten ihm fortan die gefährdeten Gren—
zen decken. Bei alledem dachte Bismarck nicht daran, die Brücke
nach Petersburg abzubrechen; um das Sarenreich über den
friedlichen Zweck seines Zusammengehens mit Osterreich zu
beruhigen, schloß er 1884 mit Rußland einen geheimen Rück—
versicherungsvertrag, der den Bundesgenossen verpflichtete, für
den Fall des Angriffs einer dritten Macht auf Deutschland
wohlwollende Neutralität zu bewahren. Zweifelsohne war es
ein politischer Fehler, daß nach Bismarcks Entlassung diese
Rückversicherung aufgegeben, daß, wie Bismarck klagte, der
Draht nach Rußland abgeschnitten wurde. Erst infolge dieser
Abschwenkung kam die von Frankreich angestrebte Annäherung
        <pb n="117" />
        Der Sturz des ersten Kanzlers.

an Rußland zustande (1891); der unnatürliche Zweibund
zwischen Autokratie und Republik sollte ein Gegengewicht
bilden gegen den Dreibund im herzen ECuropas. —
Bismarck selbst hat einmal gesagt: „Was ein guter Gaul ist,
stirbt in den Sielen!“ Ihm sollte es aber nicht vergönnt sein,
im Amt zu sterben.
Nachdem die Lebenssonne des greisen Kaisers Wilhelm J.
würdevoll untergegangen war (9. März 1888) und den Nach—
folger Friedrich III. bald darauf eine tückische Krankheit hin—
weggerafft hatte (15. Juni 1888), bestieg den Thron ein junger
Kaiser, der von seinen Kechten, aber — sogar der leidenschaft—
lichste Gegner wird dieses Zeugnis nicht versagen! — auch von
seinen Pflichten die höchste Meinung hat und zur Durchfüh—
rung seiner Regentenaufgabe ebenso außergewöhnliche Geistes—
gaben wie festen Willen mitbringt. Es war etwas Selbstver—
ständliches, daß ein Fürst von so kräftiger, impulsiver Art
nicht auf die Dauer die höchste Gewalt mit einem Diener teilen
wollte, dessen Autorität so riesengroß aufgewachsen war, daß
er selbst und die deutschen Patrioten in jeder Beschränkung
seiner Machtbefugnis eine Gefahr erblickten. Das Seitalter
Bismarcks war abgelaufen; der Susammenstoß der hervor—
ragendsten Vertreter der alten und der neuen Zeit war unver—
meidlich.
sAm 20. März 1890 schied Bismarck aus dem Amt. Wenige
Tage später verließ er, nachdem er noch drei blühende Rosen
auf den Sarg Kaiser Wilhelms J. niedergelegt hatte, die
Reichshauptstadt, um sich nach seinem Landgut im Sachsen—
walde, Friedrichsruh in Lauenburg, zurückzuziehen. Die dank—
bare Verehrung aller Kreise, in welchen der nationale Ge—
danke hochgehalten wurde, blieb ihm treu, bis er am 30. Juli
1898 die Augen für immer schloß. Solange es Deutsche gibt,
wird des Mannes nicht vergessen werden, für welchen das von
Goethe für Blücher gepräqte Wort volle Geltung hat:

„In Sturz und Sieg
bewußt und groß ....“

109
        <pb n="118" />
        VII. Abschnitt.
Weltvpolitik.

Überseeische Politik der europäischen Nationen. Die Aufteilung
der Welt. Der Kampf der Interessensphären. Politische und wirt—
schaftliche Entwicklung Amerikas, Englands, Deusschlands. Imperia—
liftische Bestrebungen und Irenäen.

Literatur.

U. Camprecht, Sur jüngsten Vergangenheit (Ergänzungsbände l,
Ila und IIb zur Deutschen Geschichte, 1902 1904)
Kaiserreden Wilhelms II. (1902).
Lotz, Die Derkehrsentwicklung in Deutschland von 1800-1900 (1900).
Senkel, Weltproduktion und Welthandel im 19. Jahrhundert 1901).
Sombart. Die deutsche Volkswirtschaft im 19. Jahrhundert 1903.

Seit dem 20. März 1890 wurde das Deutsche Reich nicht
mehr von der starken Hand geleitet, die es in den Sattel ge⸗
hoben hatte.
Man hat sich daran gewöhnt, in Bismarck die Verkörperung
deutscher Kraft zu erblicken; das ist der Typ in den heroisieren,
den Bildern Lenbachs, und noch prägnanter ist diese Auffassung
verkörpert im archaischen Typ des hamburger Denkmals, das
ihn seinem Volke als Roland, als starken Wächter deutscher
kArt und Größe vor Augen bringt.
Doch diese Keckengestalt beherbergte ein feines, empfindliches
Nervensystem; jede seelische Erregung vibrierte in seinem KRör⸗
per fort. Daraus erklären sich die Weinkrämpfe, die sich ein—
stellten, wenn er seine Pläne mißverstanden oder durchkreuzt
sah, ja, nicht selten wurden schwere körperliche Leiden durch
flufregung und Sorgen hervorgerufen.
Doch wenn es politisches Denken und handeln galt, waren
alle Leidenschaften und Schwächen abgestreift. In der Politik
wußte er jederzeit die kühlste Berechnung und die weiseste
Entsagung zu wahren. Darin unterscheidet er sich von Na—
poleon I., der seiner persönlichen neigung und Abneigung auch
        <pb n="119" />
        überseeische Politik der europäischen Nationen. 111

in der Politik nachgab, und von Napoleon III. der leicht
ein Übermaß von politischen Ansprüchen sich erlaubte. Jeder
phantastische Uberschwang lag Bismarck fern; das Unerreich—
bare und Uferlose lockte ihn niemals; er wünschte für Deutsch—
land nur eine Machtstellung, wie sie vom deutschen Volke ge—
fordert, eingenommen und behauptet werden konnte. Er war
demgemäß von Hhaus aus durchaus nicht darauf erpicht, Unter—
nehmungen ins Leben zu rufen oder zu fördern, die über den
Rahmen deutscher oder doch europäischer Politik hinausreich—
reichten. So stand er denn auch den Anfängen der kolonialen
Bewegung eher widerstrebend als freundlich gegenüber, An—
fängen, die ja auch in ihren Zielen keineswegs klar waren. Auch
war nicht unrichtig, was ebenso von der freisinnigen Partei wie
vom Sentrum gegen eine selbsttätige kultivatorische Kolonial—
politik eingewendet wurde: der Gewinn einiger kulturloser tro—
pischer Gebiete konnte vorläufig nur wenig Nutzen bringen.
Den deutschen Raufleuten und Fabrikanten wäre es für den
fugenblick vorteilhafter gewesen, ihre Absatzgebiete in den
riesig ausgedehnten, der Kultur schon lange erschlossenen eng—
lischen Kolonien zu suchen.
Doch der Kanzler blickte zu scharf in die Welt, als daß
ihm entgangen wäre, daß eine neue Seit gekommen sei, eine
SZeit, in der viele von den Schranken, welche die Völker des
Weltalls trennten, ebenso fallen mußten, wie die mMautschranken
zwischen den deutschen Zollvereinsstaaten in der Mitternachts⸗
stunde zu Neujahr 1834. Er sah, daß die Welt aufgeteilt
werde, daß eine allzu ängstliche Politik, die am allgemeinen
Wettbewerb um die besten Plätze in den neuerschlossenen Welt—
teilen nicht teilnehmen wollte, das Ansehen einer Großmacht
schädigen würde. Wenn England ügypten unter seine Botmäßigkeit
 gebracht hat und dort, wie in hinterindien, am Senegal
und am Kongo, im Mittelmeer und im Indischen Ozean mit
Frankreich um die Herrschaft streitet, wenn in Asien die eng⸗
lische und die russische Interessensphäre, wie von geheimen
Naturgewalten getrieben, immer weitere Ausdehnung suchen,
so kann das stärkste Mitglied des mitteleuropäischen Bundes
nicht tatenlos beiseite stehen; das „Nichts zu fuchen“ hätte
wahrlich keinen Sinn. Das nationale Kraftgefühl verlangt
Betätigung, das Anwachsen der Population einen Abzugskanal.
Der Widerspruch parlamentarischer Gegner war für den
        <pb n="120" />
        112 VII. Abschnitt. Weltpolitik.

Kanzler mehr ein Ansporn, denn ein hindernis, und so wurde
schon von ihm, wenn auch immer maßvoll und wachsam, in
jene Pfade eingelenkt, die man heute als Weltpolitik bezeichnet.
Ein Land, dessen Bewohnerzahl sich alljährlich nahezu um
eine Million Köpfe vermehrt — so hoch beläuft sich heute
der Überschuß der Geburten in Deutschland —, defsen wirt—
schaftliche Entwicklung die Verbindung mit dem Weltmarkt
nötig hat, das auf die Zufuhr von Rohstoffen aus aller herren
Ländern und auf eine entsprechende Ausfuhr der eigenen Fabri—
kate nach allen Teilen der Welt angewiesen ist; ein Land, das
seine Konkurrenzfähigkeit nur aufrecht erhalten kann, wenn
die geistige und technische Pildung der breiten Volksmassen
es zu wirksamen Wetteifern mit den übrigen Welthandels—
mächten befähigt; ein Land, dessen Bevölkerung auf verhält—
nismäßig engem und wenig reichem Boden nur mittelst größter
Anstrengung und schwerster Arbeit sich behauptet, — ein
solches Land kann unmöglich auf die Dauer regiert werden
nach den Prinzipien und Tendenzen von gestern.
Auch Bismarck, wiewohl ihn die Konsequenzen überseeischer
Erpansion immer noch beängstigten, konnte sich nicht ver—
hehlen, daß ein aktiveres und intensiveres Verfahren in diesen
Fragen eingeschlagen werden müsse. Als Markstein dieses Um—
schwunges ist das Celegramm Bismarcks an den deutschen Kon—
sul in Kapstadt (April 1884) anzusehen. Die Firma Lüderitz
in Bremen hatte in Angra Pequena an der ,Küste des süd—
lichen Westafrika einen hafen, auf welchen keine andere Nation
rechtlichen Anspruch erheben konnte, nebst einem Gebiet von
10 deutschen Geviertmeilen erworben. Als von den deutschen
Nolonen eine weitere Ausdehnung angestrebt wurde, die eng—
lische Kapkolonie aber Miene machte, dem Nachbarn den Platz
streitig zu machen, telegraphierte Bismarck an den Konsul in
Kapstadt: „Nach Mitteilungen des herrn Lüderitz scheinen
die englischen Kolonialbehörden zu bezweifeln, daß seine Er—
werbungen auf deutschen Schutz Anspruch haben. Erklären Sie
amtlich und nachdrücklich, daß Herr Lüderitz und seine Nieder—
lassungen unter dem vollen Schutz des Reiches stehen!“
Fortan wandte sich die lang zurückgehaltene deutsche Volks—
kraft beherzter und häufiger der kolonialen Tätigkeit zu, ja,
das Reich selbst schritt zu Erwerbungen in Afrika und in Poiynesien.
 Außer Südwestafrika vom Oranje bis zum Kunenefluß
        <pb n="121" />
        Die Aufteilung der Welt.

113

wurden auch das Kamerungebiet und das Togoland in Ober⸗
guinea, ein großes Gebiet an der ostafrikanischen Küste, ferner
das Kaiser-Wilhelms-Cand mit den vorgelagerten Bismarcksinseln,
 die Salomonen, die Marschallinseln, die Samoainseln
im Stillen Ozean, die Karolinen- und Marianeninseln im
Großen Ozean unter deutschen Schutz gestellt. Als eine be—
sonders wichtige Erwerbung — der gründlichste Kenner der
chinesischen Welt, v. Kichthofen, erhoffte sich davon schon für
die nächste Zukunft große Vorteile — ist die von der chinesi—
schen Regierung gepachtete Kiautschoubucht mit Tsingtau anzu⸗
sehen. Den anderen Nationen unerwartet, innerlich keineswegs
so unvorbereitet, wie es den Anschein hatte, in der Verwal—
tung seines Erwerbs freilich noch ungeübt und unfertig, trat
das Deutsche Reich in die Keihe der kolonialen Mächte ein.
Noch 1871 war der Wunsch nach überseeischem Landbesitz
einem so guten Patrioten und so scharfblickenden Politiker
wie Gustav Freytag als eine törichte Vermessenheit erschienen.
Doch ein Volk, das sich so glänzenden Triumphes erfreute,
wie das deutsche im Jahr 1870, konnte sich nicht mit der
moralischen Wirkung begnügen; es mußte daran denken,
seinen Machtzuwachs auszunützen und den vom schicksal dar—
gebotenen Vorteil zu ergreifen. „Diejenige Nation“, sagt der
geistvolle nNationalökonom Leroy Beaulieu, „ist die hoffnungs⸗
vollste, die sich der Kolonisation am eifrigsten widmet.“ Es
war also jedenfalls nicht, wie Gustav Freytag meinte, eine
vermessene, und nicht, wie Ludwig Bamberger klagte, eine
verschwenderische Politik, wenn die Reichsregierung in vor—
sichtiger Weise durch Gründung von Kolonien dem Überschuß
an Volkskräften einen Ausweg und dem Unternehmungsgeist
der Nation einen neuen Wirkungskreis eröffnete. Anfangs
lachte der wagemutige Brite, als die deutsche CLandratte den
Anspruch erhob, auf der See etwas zu bedeuten; heute lacht
er nicht mehr, an Stelle des Spottes ist eine nur als UAn—
erkennung zu deutende Mißgunst getreten.
Es gibt kaum einen größeren Gegensatz als das Deutsch⸗—
land von 1849, — das die einzigen paar Schiffe, die es zur
Dämpfung des dänischen Ubermutes erworben hatte, auf einer
Auktion wieder losschlagen ließ, — und das neue Deutsch—
land! —
Außerlich noch glänzender ist der Aufschwung der Vereinigten
Anus 129: Heigel, politische Strömungen. 2. Hufl.
        <pb n="122" />
        114 VII. Abschnitt. Weltpolitik.

Staaten und des britischen Reiches. Den Vereinigten Staaten
war im Laufe des 19. Jahrhunderts ungeheurer Bevölkerungs—
zuwachs zuteil geworden. Auf die französischen Flüchtlinge
der Kestaurationszeit und die mit dem heimischen Regiment
unzufriedenen Iren war eine starke Woge deutscher Einwan—
derung gefolgt. Insbesondere in der Keaktionsperiode nach
1848 wurden dem amerikanischen Freistaat tüchtige Volks—
elemente zugeführt, Tausende von Deutschen, die, mit der Bil—
dung der alten heimat ausgerüstet, — es sei nur an Karl
Schurz und seinen Kreis erinnert —, in der neuen den Samen
deutscher Geisteskultur ausstreuten. Die durch die wachsende
Slut der Ansiedlung ermöglichte Urbarmachung der unge⸗
heuren westlichen Gebiete steigerte ihre politische und wirt
schaftliche Bedeutung so ins Unermeßliche, daß ängstliche Wirt—
schaftspolitiker in diesem jugendlichen Wachstum Amerikas
schon den Untergang für das alternde Europa erblickten. Nicht
die Waffen Amerikas, sagte der englische Parlamentarier Dilke,
wohl aber das amerikanische Getreide, Fleisch und Eisen auf
der einen, die amerikanischen Zölle auf der andern Seite wer—
den Europa besiegen und die NYankees zu Herren der Welt
erheben. Der Aufschwung der Union hat in der Tat etwas
Märchenhaftes. Um das Jahr 1850 konnte noch auf keinem
wirtschaftlichen Gebiete von einer Ebenbürtigkeit Amerikas
gesprochen werden; Europa versorgte die Union mit Menschen
und Waren, mit Büchern und Erfindungen; der einzige Stapelartikel
 Amerikas war die Baumwolle der Südstaaten. In den
sechziger Jahren aber wurden auf Carenys Betreiben die
strengen Schutzzölle eingeführt, die das Entstehen und Wachs—
tum der verschiedensten Industrien überraschend förderten. Un—
geheure Steppen und Urwälder, bis dahin nur Jagdgründe
der Indianer, wurden durch Eisenbahnen dem Verkehr eröffnet
und durch die nach Westen wandernde Volksmenge in Getreide—
land umgeschaffen; auf die Dauer erwiesen sich Getreidebau
und Viehzucht lohnender als selbst die kalifornische Gold—
gräberei. Der wilde Westen hat sich mit blühenden Feldern
und Gärten, mit zahllosen Dörfern und Städten, der sonst
so einsame Stille Ozean mit Schiffen aller Art bedeckt. In—
folge dieses wunderbaren materiellen Aufschwunges wandelte
sich auch der Staat, der 1850 von den politikern noch gar
nicht in Rechnung gezogen wurde, in eine Weltmacht. Man
        <pb n="123" />
        Politische und wirtschaftliche Entwicklung Amerikas. 115

möchte fast sagen: ohne Anstrengung und Opfer, denn was be—
deuten die Opfer der Kriege gegen Mexiko und Spanien, ja
sogar die des Bürgerkrieges zwischen dem Norden und Süden
(1861- 1865) im Vergleich zu den Jahrhunderte währenden
Kämpfen, wodurch England und Frankreich, Italien und
Deutschland ihre Weltstellung und ihre Kultur erlangt haben.
Die Union ist der durch die Natur und das Glück begünstigte
Emporkömmling unter den Nationen, was auf Lebensgewohn—
heiten und Anschauungen des einzelnen wie auf die Politik
des Staates auffälligen Einfluß geübt hat.
Noch unter der Präsidentschaft Abraham Lincolns (1860
bis 1865) schien die Union entschlofsfen, ihr Sonderdasein
zu bewahren. Präsident Monroe (1816-1825) hatte den
Grundsatz aufgestellt: Amerika den Amerikanern! 1823 hatte
er sich jede Cinmischung Europas in die Verhältnisse der neuen
südamerikanischen Kepubliken verbeten und den Interventions—
gelüsten der Hl. Allianz das Veto eines neuen amerikanischen
Völkerrechts entgegensetzt. An dieser Doktrin wurde festge—
halten, aber auch jede Einmischung in die Streitigkeiten der
Alten Welt vermieden. Die demokratische Verfassungsform
ohne jedes Zugeständnis an Militarismus und der geschlossene
Merkantilstaat, der alle seine Bedürfnisse selbst erzeugt und
seinen Markt durch hohe Zölle gegen die Einfuhr des Aus—⸗
landes schützt, waren das politische und wirtschaftliche Ideal
der Amerikaner.
Im letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts vollzog sich
aber eine Wandlung. Die Vereinigten Staaten wollen sich
nicht mehr mit ihrer politischen und wirtschaftlichen Unab—
hängigkeit innerhalb ihrer Grenzen begnügen; ihre Industrie
trachtet nach der Croberung der Märkte in Europa, und zu
diesem Zweck soll auch die Union zur Weltmacht aufgerichtet
werden. Die Monroe-Doktrin, erklärte Präsident Roosevelt,
soll nach wie vor als Grundgesetz der auswärtigen ameri—
kanischen Politik angesehen werden, aber die Durchführung
dieses Grundsatzes erheischt eine Flotte ersten Ranges und ein
ausreichendes Heer. Was dieser Umschwung in den Anschau—
ungen und Absichten der Amerikaner zu bedeuten hatte, trat
in ihrem Krieg gegen Spanien (1898) zutage. Angeblich galt
er der Befreiung Kubas vom spanischen Joche; tatsächlich
endete er nach einer fast ohne Verluste gewonnenen Seeschlacht
        <pb n="124" />
        116 VII. Abschnitt. Weltpolitik.

mit der Besetzung Portorikos und der Philippinen. Was seit—
dem im Tun und Treiben der Vereinigten Staaten, vor allem
in der neuen Panamafrage, in charakteristischen Zügen her—
vorgetreten ist, beweist das stetige Anwachsen der imperialisti—
schen Idee. Der Hankee will auch Brasilien und Argentinien,
Kuba und Venezuela nicht bloß unter seinen großmütigen
Schutz, sondern unmittelbar unter seine Leitung nehmen. Die
Idee eines in sich abgeschlossenen, aber sich nicht mehr auf
sich beschränkenden Pan-Amerika gilt vielen amerikanischen
Politikern nicht mehr als Utopie.
Europa ist jedoch von diefer Gefahr wohl kaum ernstlich
bedroht. Schon der nationale Gegensatz der romanisch⸗indi—
anischen Kasse in Mexiko und den südamerikanischen Staaten
zur angelsächsisch-keltischen in der Union ist ein hindernis
der engeren vereinigung. Der Zeitpunkt, daß die europäischen
Staaten die amerikanische Konkurrenz nicht mehr aushalten
könnten, steht jedenfalls noch fern. Die Macht der Amerikaner
auf dem Weltmarkt findet Schranken in den inneren Zustän⸗
den des Landes. Mit dem schnellen Wachstum der Bevölkerung
verringerten sich auch dort die Entwicklungsfreiheit des ein—
zelnen und der Reichtum an unbebautem CLand; der stärkere
Verbrauch im Inland wird die Ausfuhr einschränken. Nichts
erschöpft sich leichter, als scheinbar unerschöpfliche Kornkam—
mern; das hat schon das Altertum an Sizilien und ügypten
erfahren. Dazu kommt die Einwirkung der politischen Ver—
hältnisse. Seit die Union in eine imperialistische Periode ein⸗
getreten ist, will sie auch im europäischen Konzert eine domi—
nierende Rolle spielen, und spielt sie: das Liebeswerben der
europäischen Staaten um die Gunst der Regierung in Washing—⸗
ton erreicht nahezu den Wettlauf des europäischen hochadels
um die Gunst reicher amerikanischer Erbinnen. Es konn nicht
mehr von einer hexarchie, es muß von einer Heptarchie der
Großmächte gesprochen werden. Damit hat aber auch für
Amerika die ausschließliche Verwendung der nationalen Kraft
für Anbau des Landes und Entwicklung der Industrie ein
Ende; es wird fortan seiner Machtstellung immer bedeutendere
Opfer zu bringen haben, und die Verstärkung der Kriegs—
mittel zu Wasser und zu Lande erfordert in Amerika noch
weit größeren Aufwand, als in den europäischen Staaten, wo
der Militarismus historisch organisiert ist. Man darf sagen:
        <pb n="125" />
        Politische und wirtschaftliche Entwicklung Englands.117

Die Gefahr eines Sieges der amerikanischen Erpansionspoli—
tik verringert sich wieder im nämlichen Maße, je selbstbewußter
der amerikanische Imperialismus in alle Welthändel eingreift
und je stärkere Schutzmittel einer Aggressivpolitik er nötig hat.
Daß noch nicht von Abgelebtheit Curopas gesprochen wer⸗
den darf, beweist schon ein Blick auf Großbritannien. Wenn
wir Deutsche mit berechtigtem Stolz von einem Bismarckschen
Zeitalter sprechen dürfen, weil unser Kanzler nicht bloß der
Schöpfer eines geeinigten Deutschlands war, sondern vermöge
seiner Autorität eine führende Rolle in Europa innehatte,
kann der Engländer von einem Viktorianischen Seitalter
sprechen, weil sich unter der herrschaft Viktorias Großbritan—
nien zum mächtigsten aller Weltreiche entwickelt hat. Frei⸗
lich ist der Umschwung nicht das eigene Werk der Herrscherin.
Nicht als ob schon die englische Verfassung dies unmöglich
gemacht hätte; die Beschränktheit der monarchischen Gewalt
hat die geniale Elisabeth nicht zu hindern vermocht, ebenso—
viel wie ihre Staatsmänner und Seehelden dazu beizutragen,
daß England die erste Seemacht Curopas wurde. Von Viktoria
ging weder auf politischem, noch auf künstlerischem und wissen⸗
schaftlichem Gebiet ein direkter Cinfluß aus; weder Palmerston
und Begaconsfield, noch Darwin und Dickens verdanken der
Rönigin Anregung und Förderung. Dennoch verbreitete sich
von dieser Frauenherrschaft ein merkwürdiger Glanz und
Schimmer über das gesamte Leben der Nation; alle frucht—
baren Keime der Entwicklung entfalteten sich voller und
reicher, eine außerordentliche Fülle von Talenten und Kräften
führte jenen Aufschwung der gesamten Kultur herbei, der die
Bezeichnung des Viktorianischen ZSeitalters rechtfertigt.
Auf den von der großen Elisabeth geschaffenen Widerlagen
beruht die Stellung Cromwells und Wilhelms III.; diese
großen Staatsmänner haben die politischen und wirtschaft—
lichen Tendenzen jenes Zeitalters nur weiter ausgebaut. Huch
Viktoria trat schon ein reiches Erbe an; durch Nelsons Siege
und die zielbewußte Auslandspolitik des jüngeren Pitt war die
herrschaft Englands auf den Ozeanen gesichert worden. Die
Bevölkerungszahl hat sich nahezu verdoppelt, und in gleichem
Verhältnis ist das gesamte Nationalvermögen gewachsen. Das
Staatseinkommen hat eine Steigerung auf das Dreifache er—⸗
fahren, während die infolge der Napoleonischen Kriege zu
        <pb n="126" />
        1188* VIlI. Abschnitt. Weltpolititk.

gewaltiger höhe gestiegene Staatsschuld erheblich vermindert
werden konnte. Statt der 32 KRolonien, welche der jugend⸗
lichen Königin bei ihrer Thronbesteigung am 22. Juni 1837
huldigten, entsandten zu ihrem 60 jährigen Regierungsjubi⸗
läum 65 ihre Vertreter. Bom ungeheuren Aufschwung der
Industrie und des Handels im vereinigten Rönigreich legen
die Siffern der Weltverkehrsstatistik beredtes Zeugnis ab.
Der Gesamtwert der Aus- und Einfuhr wurde 1896 auf 800
Millionen Pfund Sterling oder 16 Milliarden Mark geschätzt,
und wie sehr auch die übrigen seefahrenden Nationen sich be—
müht haben, ihre Handelsflotien zu vermehren und ihrem
überseeischen Verkehr neue Bahnen zu erschließen, so behauptet
doch die britische Flagge noch auf allen Meeren und an allen
KNüsten den ersten Kang.
Doch nicht bloß handel und Industrie und mit ihnen der
Volkswohlstand wuchsen in staunenerregender Weise auf. Der
erfinderische Geist in der Technik wetteiferte mit dem Scharf⸗
finn der Naturforschung, mit dem Glanz und Gehalt der
Geschichtschreibung, mit der schöpferischen Fülle und Eigen—
art in Dichtung und Malerei. Die realistische Weltauffassung
Bacons verwirklichte sich erst jetzt in den wunderbaren Schöp⸗
fungen der Mechanik und der Chemie, und eine Fülle von
Entdeckungen und Erfindungen drückte dem Zeitalter Diktorias
ebenso einen eigenartigen Stempel auf, wie die politischen Vor—
gänge und wirtschaftlichen Umwandlungen. Erst während der
Regierung biktorias hat sich der Begriff eines britischen Welt—
reiches, haben sich Verständnis und Stimmung dafür bei den
Engländern selbst ausgebildet. Als Viktoria den Thron bestieg,
stand Indien nur in loser Perbindung mit der englischen Krone;
die gesamte Verwaltung Indiens lag ja noch in den händen
der Ostindischen Kompagnie. Die australischen Kolonien waren
von geringer Bedeutung. Die Kaptkolonie war noch fast
ausschließlich von Buren bewohnt. Weder in Agypten, noch
in China hatte England festen Fuß gefaßt. An Erschließung
und Eroberung des noch unbekannten Aäfrikas dachte kein
Europäer.
Wie hat sich dies alles in sechzig Jahren geändert!
England wuchs noch weit intensiver, als es bis dahin der
Fall gewesen war, aus Europa heraus; seine Beziehungen
und Interessen berühren alle Erdteile in uͤngleich umfassen⸗
        <pb n="127" />
        Politische und wirtschaftliche Entwicklung Englands. 119

derer Weise, als es jemals in der hellenistischen Zeit und in
der Periode des römischen Cäsarentums der Fall war. Die
englische Sprache wird in Entfernungen gesprochen, von
denen weder Griechen noch Römer eine Vorstellung hatten. Ma—
caulay läßt bekanntlich einen melancholischen Neuseeländer
auf den Trümmern Londons der Vergänglichkeit des Irdischen
nachsinnen. Vorerst sagt diese Figur nichts anderes, als daß
im Viktorianischen Zeitalter die ganze Welt der Südsee englisch
geworden ist, daß in Australien, Neuseeland, auf zahllosen
Inselgruppen ein neues England mit derselben Sprache, dem—
—00
tungen im Entstehen begriffen ist, bereit, die Kultur und die
Herrschaft der angelsächsischen Kasse fortzusetzen, wenn das
alte Mutterland dem Schicksal alles Irdischen erliegen würde.
Vom britischen Reich läßt sich tatsächlich sagen, daß es keine
Grenzen kennt; von Jahrzehnt zu Jahrzehnt dehnten sie sich
immer weiter ins Ungewisse aus. Damit wurde Europa für
die englische Politik fast gleichgültig. Das Kabinett von St.
James enthielt sich denn auch jeder Einmischung in die Ver—
wicklung Italiens und Deutschlands, ja sogar in den Bürger—
krieg der Vereinigten Staaten, wie stark auch der Vorteil Eng—
lands und die Sympathie der Engländer den Südstaaten zu—
neigten. Auch der Verschiebung der Machtverhältnisse in
Mittelasien sah England schweigend zu. Sein zunehmender
Wohlstand und seine universelle Stellung trösteten es über
Machtvergrößerung seiner Nebenbuhler; es schien keine höhe—
ren Ziele zu kennen, als den Genuß seines Reichtums und die
Ausdehnung seiner handelsbeziehungen.
In den letzten zwanzig Jahren wurde aber auch in Eng—
land diese friedliche Stimmung durch eine imperialistische Ten—
denz verdrängt. Die Bedrohung Herats durch die Kussen und
der Aufstand in Agypten, der den englischen Einfluß nicht
bloß im Nillande, sondern auch in Indien zu vernichten drohte,
schreckten die Briten auf. Die Ironie des Schicksals wollte
sogar, daß der Führer der Friedenspartei, Gladstone, sich ge—
zwungen sah, durch die Beschießung Alexandrias und die Be—
—0—
leiten. Seither mußte England fast jedes Jahr das Schwert
ziehen.
Im Kriege mit den beiden südafrikanischen Burenrepubliken
        <pb n="128" />
        120 VII. Abschnitt. Weltpolitik.

(1899 - 1902) trat die Minderwertigkeit der englischen heeres—
einrichtungen überraschend zutage. Diese Beobachtung hat so—
gar zur Annahme verleitet, daß der unermeßliche Umfang
des britischen Reiches für dessen Festigkeit eine ernste Gefahr
geworden sei, daß der Abfall der Kolonien vom Mutterlande
bevorstehe, daß die heutige Weltlage schon den Anfang vom
Ende der britischen Weltmacht bedeute. Doch diese Befürch—
tungen oder hoffnungen scheinen vorerst wenig begründet zu
sein. Der wirtschaftliche Aufschwung des Reiches führte keines—
wegs einen Gegensatz im Verhältnis der Kolonien zum Mutter⸗
lande herbei, vielmehr erwuchs gerade daraus ein sympa⸗
thisches Gefühl der Zusammengehörigkeit. In Toronto wie
in der Kapstadt, in Hongkong wie in Melbourne fühlt sich der
englische Ansiedler so sicher und stark, wie einst der civis Romanus.
 Der Wunsch, den Begriff eines größeren Britanniens
zum sichtbaren Ausdruck zu bringen, fand, kaum daß er im
Mutterlande erwacht war, in den Kolonien ein freundliches
Echo. Unter allgemeiner Zustimmung nahm die Königin von
England den Titel einer Kaiserin von Indien an; das Impe—
rium erschien zum erstenmal auf dem horizont der Zukunft.
Benjamin Disraeli wandte zum erstenmal diesen Ausdruck auf
die Gesamtheit der englischen Macht an. Durch die Ausdeh—
nung der Eisenbahnen, die Fortschritte im Betrieb der Dampfschiffahrt
 und die herstellung der unterseeischen Kabel war
es ermöglicht, die Kolonien noch fester mit dem Mutterlande
zu verbinden. Der Krieg mit den Buren, wie beschämend auch
die Anfänge waren, zog auch die entferntesten Kolonien in
Mitleidenschaft. Die Unglücksfälle des Krieges trugen eher
zur Stärkung, als zur Schwächung der nationalen Gesinnung
bei. In Europa und in Kanada, in Indien und in Australien
erwachte der englische Stolz, befestigte sich das Gefühl der ge—
meinsamen Abstammung und der politischen Zusammen⸗
gehörigkeit. Gerade in den Tagen des Unglücks wurde das
englische Weltreich eine Realität.
Freilich ist fraglich, ob der Plan des Führers der imperia—
listischen Partei, Chamberlain, durch eine weitreichende Schutz⸗
politik das Weltreich noch fester zu konsolidieren, verwirk—
licht werden kann. England hat seit Jahrhunderten in den
Grundsätzen des Freihandels seine Befriedigung gefunden und
in diesen Bahnen seinen nationalen Wohlstand begründet. Der
        <pb n="129" />
        Politische und wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands. 121

Übergang zu anderen Lehren und Einrichtungen würde nur
schwer vonstatten gehen. Dazu kommt die Abneigung der Be—
völkerung gegen den Kriegsdienst. Die obligatorische Dienst—
pflicht wurde bisher immer noch als Attentat auf die persön⸗
liche Freiheit abgelehnt. Das Weltreich bedarf aber unab—
weisbar einer umfassenderen heranziehung der Volkskraft zum
militärischen Dienst. In der Lösung dieses Problems beruht
geradezu die Zukunft des Reiches. Wenn England das Band
zwischen sich und den Kolonien fester knüpfen und eine stram—
mere staatliche Einheit herstellen will, muß es zuerst eine für
Mutterland und Rolonien gemeinschaftlich wirtschaftliche und
politisch-militärische Grundlage schaffen. Ein Imperium ist
nur möglich, wenn ein Wille das Ganze beherrscht und leitet.
Da liegt der Gedanke nahe, daß solche Gleichmacherei ebenso
im Mutterland wie in den Kolonien auf Widerstand stoßen
wird. Möglicherweise hatte doch Kichard Cobden, der „große
Kaufmann“ des 19. Jahrhunderts, nicht unrecht, wenn er
vor Überschätzung eines allzumächtig ausgedehnten Kolonial—
besitzes warnte. Mit schweren Opfern, so erörterte Cobden,
ziehe das Mutterland die Kolonien groß, um sie zu verlieren,
sobold sie zu wirtschaftlicher Blüte herangereift wären —
man erinnere sich nur an die Jugendgeschichte der Vereinigten
Staaten Amerikas!
Jedenfalls war aber die imperialistische RKichtung eine not⸗
wendige Folge der vorausgegangenen Entwicklung. Wie die
Römer der KRaiserzeit, so mußten auch die Briten angesichts
des unglaublichen Wachstumes ihrer Macht und ihrer Reich—
tümer als Herrenvolk — in Nietzsches Sinn — sich fühlen. Der
Imperialismus, in welchem Eroberung und handel zusammen⸗
fließen, war der logische Schluß der grandiosen Entwicklung
des Viktorianischen Zeitalters. —
Nicht Amerika oder England dürfen zum Vergleich heran—
gezogen werden, wenn von einer Weltpolitik des neuen Deut⸗
schen Reiches gesprochen werden will, doch sind wir wenigstens
auf dem Wege, achtbare Nebenbuhler zu werden.
Es wäre ungerecht, wollte man das gegenwärtige Oberhaupt
unseres Reiches allein für den neuen Kurs der deutschen Po—
litik verantwortlich machen: die Verhältnisse haben den Um—
schwung erzwungen. Des Raisers Verdienst ist es, aus der
Erkenntnis dieser Weltlage die nötigen Lehren gezogen zu
        <pb n="130" />
        122 VII. Abschnitt. Weltpolitik.

haben. Deutschland kann sich, wenn es vorwärts kommen will,
vom allgemeinen Wettbewerb nicht ausschließen; es muß rast—
los trachten, über See neue Absatzgebiete für die Erzeugnifse
seiner Industrie zu erlangen und auch sonst am Welthandel
sich zu beteiligen. Eine solche gewinnbringende Stellung ist
aber ohne den Schutz einer Kriegsflotte nicht zu erringen.
Gewiß, der deutsche Handel hat sich im 19. Jahrhundert
nicht ungünstig entwickelt, ohne daß das Kauffahrteischiff und
die Fischerbarke von deutschen Panzerschiffen geschützt waren,
allein der immer steigende Verkehr einerseits und die Rück—
sicht auf die Chre des Vaterlandes andrerseits mußten es end—
lich geboten erscheinen lassen, „das auswärtige Deutschland“
unter eigenen Schutz zu stellen. Die friedlichen Eroberer, die
nächst und neben dem unvergleichlichen Heere die Ehre des
deutschen Namens mächtig gehoben haben, die mit dem eigenen
Vorteil auch den Nationalreichtum fördern, die Kolonisten in
UAamerun und an der Kiautschoubucht und die Kaufleute am
Jangtsekiang und Orinoko durften nicht länger in Abhängig—
keit von den fremden Seemächten verbleiben. Nachdem die
Deutschen als das letzte unter den großen Völkern sich zu einem
mächtigen Staatswesen zusammengeschlossen hatten, mußte das
Bücken und Buckeln ein Ende nehmen. DdDie Weltstellung der
Nation erheischte auch eine selbständige Stellung zur See.
Wenn das politisch geeinte Deutschland nicht hinter den anderen
lebensfähigen Nationen zurückbleiben wollte, mußten Kolo—
nien gegründet, mußte eine Flotte gebaut, mußte ein größeres
Deutschland aufgerichtet, mußte Weltpolitik getrieben werden.
Weshalb sollten die Deutschen, die ein halbes Jahrtausend
lang über die gefürchteten Galeonen der hansa verfügten, die
sich im Besitze langgestreckter Ufer an Ost- und Nordsee mit
trefflichen Häfen befinden, nicht ebensogut Anspruch haben auf
die See und damit auf die Welt, wie Engländer und Fran—
zosen? Berechtigten nicht die Anfänge der neuen Entwicklung
zur Hoffnung auf gedeihlichen Fortgang? Ist nicht schon jetzt
das Wachstum des handelsverkehrs und der industriellen Tätig—
keit für das ganze deutsche Volk eine Quelle des materiellen
Wohlstands und der intellektuellen Stärkung geworden? Frei—
lich, die neue Zeit ist die Sklavin eines Ungeheuers geworden,
das sie selbst geboren hat, der Maschine. houston Stewart
Chamberlain meint deshalb in seinem phantastischen Buche
        <pb n="131" />
        Politische und wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands. 123

„Die Grundlagen des 19. Jahrhunderts“, unser Seitalter sei
infolge des Aufschwunges des Maschinenwesens die schmerzens—
reichste aller weltgeschichtlichen Cpochen. Allein es wäre erst
festzustellen, welches Los menschenwürdiger zu nennen, das⸗
jenige des geringsten Arbeiters von heute oder dasjenige eines
französischen hörigen Bauern vor der Revolution? Schon die
fast ins Unbeschränkte erweiterte Möglichkeit der Auswande—
rung hat die unerläßliche Grausamkeit der industriellen Ent—
wicklung wesentlich gemildert.
Welch ungeheure Steigerung der produktiven Energien der
Nationen hat der große Zusammenhang mit dem Außenbereich,
der ganze Vorgang der Expansion herbeigeführt! Wie sind
neue Bedürfnisse zunächst des Konsums in seinen einfachsten
Formen, in Ernährung und Kleidung, dann aber auch in der
Produktion, in jeder Art von gewerblicher und Fabrikarbeit
aufgetaucht! Die Wirkung erstreckt sich auch nicht bloß auf
die materielle Seite des Lebens. Wie hat das Bedürfnis nach
erhöhter Beschäftigung des Geistes, nach Belehrung und Unter—
weisung auf allen Gebieten der Natur und des Menschenlebens
sich verallgemeinert! Das Wort: Wissen ist Macht! ist heute
zum Dogma für die breitesten Schichten des Volkes geworden.
Auch die Ausbreitung des Bildungstriebes steht in innigem
Zusammenhang mit der Erweiterung des politischen Gesichts—
kreises. Wie eine frische Brise weht es von unseren Rüsten,
die binnenländischen Nerven stählend und die nationale Spann—
kraft steigernd. So wird zur Wahrheit das vielverspottete Wort
Friedrich Lists, daß der Ozean nicht bloß berufen sei, Kampf—
platz im friedlichen Wettbewerb der Nationen, sondern auch
Wiege einer neuen Freiheit zu werden.
Von abenteuerlichem Wagemut ist der Deutsche auch in den
Tagen der Weltpolitik nicht angesteckt. Ja, es läßt sich nicht
einmal sagen, daß das deutsche Kapital so willig upd reichlich
den neuen HAufgaben entgegenkäme, wie es wünschenswert
wäre. Immerhin regt sich wieder etwas vom Unternehmungs—
geist und Selbstgefühl der alten Hanseaten. Wie im Mittel—
alter die Lübecker und Kölner Livland und Kurland koloni—
sierten, dem Deutschen Orden bei der Unterwerfung und Ger—
manisierung Preußens halfen, in Bergen, London und Brügge
ihre Kontore hatten, so gibt es wieder deutsche Handelshäuser
in den meisten europäischen Hafenstädten, in China, in Ma—
        <pb n="132" />
        24

VII. Abschnitt. Weltpolitik.

rokko, im Kapland, unter allen himmelsstrichen. Möchten
sich diese auswärtigen Deutschen nur auch immer vor Augen
halten, daß zu den Eigenschaften, dank denen die Engländer
den Weltmarkt für sich erobert haben, an erster Stelle ihr
starkes Nationalgefühl gehört.
Die überseeischen Beziehungen und das Erscheinen der Reichs⸗
flagge auf den Meeren haben aber nicht nur das deutsche Un—
sehen im Ausland erhöht, sondern auch wohltätig auf die
inneren Verhältnisse der heimat zurückgewirkt. Der Süden
ist dem Norden dadurch näher gerückt worden, denn auch die
süddeutsche Industrie, Nürnberger Spielzeug, Pforzheimer
Schmuckwaren, Münchner Bier finden, dank der stattlichen
handelsflotte, reichen Absatz in der Fremde. Bayrische Offi—
ziere und ärzte dienen in den afrikanischen Schutztruppen neben
den preußischen. Katholische wie protestantische Priester be—
mühen sich, in erhebendem Wetteifer Not und Gefahr ertra—
gend, die christliche Lehre in die dunkelsten Erdteile zu ver—⸗
pflanzen.
Freilich fehlt es nicht an urteilsfähigen, besonnenen Vater—
landsfreunden, die durch die weitreichende Expansion, durch
den angespannten Wettbewerb der deutschen Volkskraft mit
anderen Nationen in bange Sorge versetzt sind. Doch die
überraschend glücklichen Erfolge dürften als ausreichender Be—
weis gelten können, daß wir auf dem rechten Wege sind. Es ist
zu hoffen, daß die neue Entwicklung unserem Volke den alten
Ruhm eines Kulturträgers und KUulturmehrers wieder erwer—⸗
ben und mit der wirtschaftlichen auch die geistige Leistungs—
fähigkeit stärken und steigern wird. —
Wir sind am Schluß unserer Betrachtung angelangt. In
der Einleitung wurde die Behauptung vertreten, daß die Ge—
schichte nicht auf allen Gebieten menschlicher Kultur einen
Fortschritt aufzuweisen hat. Auch auf Anfang und Ende des
19. Jahrhunderts läßt sich dieser Grundsatz anwenden, — man
vergleiche nur das klassische Zeitalter der deutschen Literatur
mit ihrem heutigen Tiefstand! Doch in Ausbreitung und Ver⸗
tiefung der humanität ist auch während des letzten Jahr—
hunderts ein segensvoller Fortschritt nicht zu verkennen. Als
Zeugnis kann auch die Friedenskonferenz angeführt werden,
welche in einer mächtig aufgewühlten friedlosen Zeit auf be—
sonderen Wunsch des Zaren Nikolaus II. zu Pfingsten 1899
        <pb n="133" />
        Imperialistische Bestrebungen und Irenäen. 125

im haag zusammentrat. Aus der ganzen Welt trafen Ver—
treter der Staaten und verschiedener Friedensligen in der
niederländischen Residenzstadt ein, hoffnungsvoll die einen,
zweifelnd die anderen, doch alle erfüllt von dem edlen Ver—
langen, daß den Schrecken des Krieges nach Möglichkeit ge—
steuert und den Friedensbestrebungen der Menschheit ein wei—
teres und freieres Feld der Tätigkeit eröffnet werde.
Wie bescheiden auch das praktische Ergebnis des Kongresses
war, — nur die Einführung des Haager Schiedsgerichts für
Streitigkeiten zwischen einzelnen Staaten kann als solches be—⸗
zeichnet werden — der Gedanke einer solchen Vereinigung
ist eine edle Frucht der modernen humanität, und die Zustim—
mung der gesamten Kulturwelt beweist, welche Anerkennung
die Lehren der Bergpredigt auch bei solchen Völkern finden, die
sich nicht zum christlichen Dogma bekennen.
Freilich, der Friedenskongreß hat, wie zu erwarten war,
den Krieg nicht aus der Welt geschafft. Unmittelbar danach
kam es ja zu den blutigen Kämpfen zwischen Buren und Briten,
und wenig später entspann sich im äußersten Osten der Alten
Welt zwischen RKußland und dem mit zauberhafter Schnellig—
keit in den internationalen Wettbewerb um handelsmacht und
politische Geltung eingetretenen Japan einer der furchtbarsten
Kriege der Weltgeschichte. Es kann also nicht im Ernst ge—
fordert werden, daß ein Staat, der seine Machtstellung und
damit seine Ehre aufrecht erhalten will, dem Kufe schwärmen⸗
der Friedensfreude: Die Waffen nieder! Solge leisten soll.
Trotzdem darf in der Tatsache, daß die Geschichte des
19. Jahrhunderts mit einem Friedenskongreß abge—
schlossen hat, ein freundliches Vorzeichen erblickt werden. Wie
vor nahezu zweitausend Jahren aus dem unscheinbarsten
Samenkorn ein mächtiger Baum des Lebens aufgewachsen ist,
kann wieder einmal eine CLichterscheinung niedersteigen, um
der Menschheit den langersehnten Frieden zu bringen.
        <pb n="134" />
        Druck von B. G. Teubner in Leipzig.

Ni ns.
tit spisa
sinden

9*
        <pb n="135" />
        Verlag von B. G. Teubner in Leipzig und Berlin

* *
Staatswissenschaftliche
äge der Gehe-Stift
*
Vorträge der Gehe-Stiftung
Band J. [233 8.] gr. 8. 1909. Geheftet M. 4. 80.
Inhalt: Regierung und Parlament in Deutschland. Von Prof. Dr. Georg
Jellinek in Heidelberg. — Staat und Stadt. Don Prof. Dr. Hugo Preuß in
Berlin. — Die Beteiligung der Laien an der Strafrechtspflege. Von Candgerichts⸗
rat a. D. W. Kulemann in Bremen. — Das Vereinswesen und seine Bedeutung.
don Prof. DPr. Alex. Leist in Gietzen. — Die Lage und das Schicksal der unehelichen
Kinder. Von Prof. Dr. Othmar Spann in Brünn. — Reichsfinanzen und Landes⸗
finanzen. Von Prof. Dr. Robert Wuttke in Dresden.

Band II. [290 8.) gr. 8. 1910. Geheftet M. 6.—
Inhalt: Der Prozeß und die staatsbürgerlichen Rechte. Von Geh. hofrat
Prof. Dr. Richard Schmidt in Sreiburg i. B. — Beruf, gesellschaftliche Gliederung
und Betrieb im Deutschen Reiche. Von Dr. R.van der Borghi. — Die Reform der
Gesetzgebung in Strafrecht und Strafprozeßz. Von Prof. Dr. Sritz van Calker in
Straßburg i. Els. — Die Polizet. Von Prof. Dr. Gerhard Anschütz in Berlin. —
Staatsbürgerliche Erziehung. Von Dr. W. So erster.
Die vortrãge werden auch einzeln zu je M. .- Gultemann M. 1.40,
Calker M. 2.80) abgegeben.

Die Entwicklung des deutschen Städtewelens.
Von Professor Dr. Hugo Preuk in Berlin. In 2 Bänden:
J. Band. Entwicklungsgeschichte der deutschen Städteverfassung.
Geh. M. 4. 80, in CLeinwand geb. M. 6. -
II. Band. Probleme der Verfassung und Verwaltung lin vVorb.].
„Selten bekommt man ein wissenschaftliches Werk in die Hände, das so wohl ⸗
gelungen scheint, in so hohem Maße befriedigt, wie dassenige, welches zu ee
ich w das Vergnügen habe. Der Verfasser zeichnet sich Denoehe durch Scharfblick
im Untersuchen und Treffsicherheit im Urteilen wie durch erquicklichen politischen
Freimut uünd Wahrheitssinn aus. — Und er ist — wie leider noch sehr wenige —
der Meinung, daß ein wissenschaftliches Werk auch ein Runstwerk sein müsse.“
(Bolsiswirtschaftliche Zlätter.)
Zur preukischen Verwaltungsreform. Ne
der Altesten der Kaufmannschaft in Berlin. PDon Professor Dr. Hugo Preus in
Berlin. IUnter der Presse.]

4 * Von Prof. Dr. Pelix Salo-Die
 deutschen Parteiprogramme. α—en
hest 1: Pon 1844 - 1871. Frn u. 112 5] gr. 8. 1907. —R geh. M. 1.40.
Heft 11. Von 1871 — 1900. IVI u. 136 8.— gr. 8. 1907. Steif geh. M. 1. 60.
„Was hier an programmatischen Kundgebungen in zwei kleinen Bändchen vor
uns liegt, ist nicht sowohl für den historiker und für den politischen Tagesschriftsteller,
sondern auch für die große Allgemeinheit, der politischen Interessenten von höchstem
utzen. Und zwar, weil hier einwandsfrei und von allen Mängeln parteiisch gefärbter
Kriuit gesäubert. übersichtiich und snftematisch, d. h. nach dem geschichtlichen Perlauf,
alle deutschen Parteiprogramme zusammengestellt sind, und so einmal ein Überblick
liber die Entwicklung unferer polifischen Parteien gewährt wird. Gerade losgeschält
von den kritischen Anhängseln bietet sich so leicht das politische Bild der Partei dar.“
Deutiche Warte.)

anusG. 129.
        <pb n="136" />
        Schriften zur frauenbewegung
aus dem Verlage von B. G. Teubner in Leiboziq und Berlin

Soziale Frauenbildung

Dr. Aliee Salomon

[IV u. 90 8.1 gr. 8. 1908. Kart. M. 1.20.

„fus der Fülle eines reichen Wissens und einer seltenen Klarheit der Vorstellungen und
ey der Zwecke ist in dieser kurzen Schrift von nur 100 Seiten das Problem der Maͤdchen—
ildung für die besitzenden Stände erörtert und der praktischen Lösung zugeführt. Mit pacenden
Worten wird hineingeleuchtet in das Suchen und Sehnen der ungeleiteten und irregeleiteten
ungen Seelen, zu denen durch zahllose feine Rangale,alle Einflüsse der Zeit dringen, die Bbe—
gabtesten am wüdesten erregend, die Hochstrebenden häufig auf Irrwege leitend, von denen sie
sich nicht zurückfinden. Dieses Heft bedeutet mehr ais kine Darlegung fachwissenschaftlicher
Gesichtspunkte. Es gibt sozusagen in einer Nußschale das Bild dessen, was ais Ideal weiblichen
Wirkens in der Offentlichtkeit d. h. in der Semeinde und für das Bolisganze weien Kreisen der
sozial gesinnten Gebildeten vorschwebt. Es gibt vorzüglich das Bild der Errungenschaften, für
welche sich die in den sog. gemäßigten Vereinen organisterten Frauen ne Es stelli un⸗
absichtlich das Programm derjenigen vor fuger die in der Schulung und Entwicklung der Frauen⸗
kräfte die beste Propaganda für Srauenforderungen erblicken.“ (Samsurger Korrespondent)
Politisches Handbuch für Frauen
herausgegeben vom
Allgemeinen Deutschen Frauenverein
1909. Kart. M. 1.20.

„Das Buch soll der politischen Erziehung und Aufktlärung der Frauen dienen. Ist eine
si bei der gegenwärtigen Lage der Frau im modernen wirtschaftlichen und geistigen Leben
iüberhaupt eine Notwendigkeit, so wird sie vollends ein dringendes Bedürfnis von dem Augenblick
 an da durch Erlaß des Keichsvereinsgesetzes die Frauen in die Lage versetzt sind, pratisch
in politischen Vereinen mitarbeiten zu können, und die Parteien werbend und zur Stellungnahme
auffordernd an sie herantreten.... Das Buch ist parteilos und objettiv gehalten.
Es will nicht Propaganda machen, sondern unterrichten. Deshalb kann es allen Frauen,
welcher Richtung sie auch angehören mögen. dienen und wird diese Aufgabe hoffentlich in recht
weiten Kreisen erfüllen.“ (Die Frau.)

Katechismus der Frauenbewegung

Dr. Rarl Woltf

von

Hßekrönte Preisschrift, herausgegeben vom Verein „Frauenbildung —
Frauenstudium“. 1905. Kart. M. 1.-„Die
 Schrift enthält in knappester Form eine Sülle orientierenden Materials, alles
klar und prag in Frage und Kntwort geordnet, ein treffliches Propagandamittel. Anregend,
auftlärend wirkt es; wir wissen dem Verfasser Dank, daß er uns durch diese Schrift zeigt, wie
verständnisvoll er auch als Mann unseren Frauenbewegungsvereinen gegenübersteht, daß er
zeigt. wie er unser Streben mit voller Sympathie begleitet.“ (NReue Rahnen.)
„Die Herausgabe des Katechismus war ein glücklicher Gedanke und Dr. Wollf hat die
gestellte Aufgabe iñ zuverlässigster Weise gelöst. Er enthält in knappester Form eine Fülle
drientierenden Materials, alles klar und präzis in Frage und Antwort geordnet, ein treffüches
Propagandamittel allen solchen gegenüber. die sich zum Lesen eines zusammenhängenden
Buches niemals entschließen.“ sComenius⸗Rlätter für Vockserziehung.)
        <pb n="137" />
        Verlag von B. G. Teubner in Leipzig und Berlin

Die (uhtur der begenwart. Iure batwikldung und jbre Ziele
Herausgegeben von Professor Paul Hinneberg

Peil II. Abt. 5. 1:

Staat und Gesellsschaft der neueren Zeit
(bis z2ur franzôösischen Revolution)
(VI u. 349 8.) Lex-ö8. 1908. Geh. M. 9. -, in Leinwand geb. M. 11. -
Gedankenreich und inhaltsvoll, daneben böchst anziehend geschrieben, ist Bezolds
Essay als eine glückliche und wertvolle Einführung in die Ideenwelt sowie in die staatlichen
und gesellschaftlichen Zustäànde des Reformationszeitalters zu begrüben und zu empfeblen.
Wohs die beste zusammenfassende Darstellung der Gesamtgeschichte Europas in dieser
Beriode auf so kKurzem Raume, unter Hinweglassung alles überflüssigen Details und scharfer
Zeichnung der groben Züge der Entwicklung. Nicht nur, daß der Verfasser vollkommen
seinen Stoff beherrscht; er weib ihm auch neue Gesichtspunkte abzugewinnen,“
(Deutsche Literaturzeitung.)

Systematische ßechtswissonschaft

[X, LX u. 526 8.) Lex.8S. 1906. Geh. M. 14. —. in Leinw. geb. M. 16.—

„Den Hauptgrund dieses Sichverschliebens der Laien und dieser Zurückweisung finden
wir in dem bisberigen gänzlichen Fehblen eines für den gebildeten Laien geschriebenen
Systems der Rechtswissenschaft, das in wissenschaftlicher und doch gemeinverständlicher,
edler Sprache die groben Zusammenhänge des gesamten Rechts, gdes privaten wie des
öffentlichen, mit dem kultarellen, religiösen, geistißgen und wirtschaftlichen Leben der Gegenwart
 aufrollt. Diese Lücke füllt, um unser Endurteil vorwegzunehmen, in trefflichster Weise
das hier zu besprechende Sammelwerk aus; die führenden Geister auf den einzelnen Teilgebieten
 des Rechts bringen hier ihre Lebhren auf Knappstem Raume in künstlerisch geformter
 Sprache zu einer alHlies Wesentliche behandeluden, grobzügigen Darstellung. Nirgends
wird die Behandlung rein technisch-jarisstischer Probleme zum Seibstzweck, nirgends verliert
 sich hierin die Darstellung, stets bleibt der Sinn auf das Ganze, nämlich -uf den Zu—
sammenhbang des Rechts mit der gesamten Kultur der Gegenwart gerichtet.“ (Die Hilfe.)

Teô il II. Abt. 103

Allgemoine Volkswirtschaftslehre
Bearbeitet von WV. Lexis

[VI u. 259 8.) Lex-8B. 1910. Geh. M. 7. —. in Leinwand geb. M. q. -

... . Es ist mit besonderer Freude zu begrüben, daß sich der Göttinger Gelehbrte
dazu verstanden hat, in einem 2u321mmenbüngenden Werke eine Darstellung der Volkswirtschaftslehre,
 der theoretischen Nationalökonomie“, 2u geben, die, weit entfernt von der
Zerlassenheit der historischen Schule, dem Leser ein festes Gefüge von den Grunderscheinungen
und dem Kreislauf bietet. Sorgsam durchdacht, stellt das Werk die gereifte Erucht eines
langen Gelebrtenlebens dar. Ausgezeichnet durch Klarheit und Kürze der Definitionen,
wird die „Allgemeine Volkswirtschaftslehres von Lexis sicher zu einem der beliebtesten
Einführungsbücher in die Volkswirtschaftslehre für Studenten wie aber auch für Praktiker,
Geschaftsleute, Fabrikanten usw. werden, die, mitten im wirtschaftlichen Getriehe stehend,
das Bedurfnis éempfinden, über die um sie herflutenden wirtschaftlichen Erscheinungen Klarheit
zu erhalten. Kein Rinführungsbuch im Sinne von, Leitfaden“, sondern eine zum selbständigen
Studium der Volkswirtschaftstheorie völlig ausreichende, den Leser zum starken Nachdenken
anregende Schrift. .. Das Werk können wir allen volkswirtschaftlich-theoretisch interessierten
 Lesern warm empfehlen.“ (Dtschr. des Vereins d. deutschen Zucker-Industrie,
        <pb n="138" />
        „Aus Natur und Geisteswelt“
Jeder Band geheftet M. 1. —2, in Leinwand gebunden M. 1.25.

Zur Geschichte und Kulturgeschichte sind u. a. erschienen:
Restauration und Revolution. Stizzen zur Entwicklungsgeschichte
der deutschen Einheit: R.Schwemer. (Bd. 37.)
Die Reaktion und die neue ära. Stizzen zur Entwicklungs⸗
geschichte der Gegenwart: R. Schwemer. Gd. 101.)
Vom Bund zum Reich: Neue Skizzen zur Entwicklungsgeschichte
der deutschen Einheit: R.Schwemer. (Bd. 102.)
1848. Sechs Vorträge: G. Weber. (Bd. 533.)
Osterreichs innere Geschichte von 1848 bis 1907: R. Charmatz.
J. Teil. Die Dorherrschaft der Deutschen. (Bd. 242.)
il. Teil. Der Kampf um die Gleichberechtigung der Nationen. GBd. 243.)
Napoleon l. Mit einem Bildnis Napoleons: Th. Bitterauf. (Bd. 195.)
SFriedrich der Großze. Mit 2 Bildnissen: Th. Bitterauf. Bd. 246.)
Von Cuther zu Bismarck. 12 Charakterbilder aus deutscher Ge—
schichte: G. Weber. 2 Bände. (Bo.123/124.)
Geschichte der Vereinigten Staaten von Amerita: E. Dae⸗
neil. EGd. 117)
Byzantinische Charakterköpfe: M. Dieterich. Mit 2 Abbildungen.
 (Bd. 244)
Soziale Kämpfe im alten Rom: C. Bloch. (Bd. 22.)
Pompeijii, eine hellenistische Stadt in Italien: F. Duhn.
Mit 62 Abbildungen. (Bd. 114.)
Kulturbilder aus griechischen Städten: E. SZiebarth. Mit
22 Abbildungen. (Bd. 131)
Deutsche Städte und Bürger im Mittelalter: B. Heil. 2. Aufl.
Mit zahlreichen Abbildungen. (Bd. 43.)
historische Städtebilder aus Holland und Niederdeutsch⸗
land: A. Erbe. Mit 50 Abbildungen. (Bo. 117)
Das deutsche Haus und sein Hausrat: R. Meringer. Mit
106 Abbildungen. (Bd. 116.)
Deutsches Srauenleben im Wandel der Jahrhunderte:
E. Otto. Mit 25 Abbildungen. (Bd. 45.)
Das deutsche handwertk in seiner kulturgeschichtlichen
Entwicklung: E. Otto. Mit 27 Abbildungen. ——
ulturgeschichte des deutschen Bauernhauses: Chr. Ranck.
Mit 70 Abbildungen. (Bd. 121)
Geschichte des deutschen Bauernstandes: Hh. Gerdes. (Bd. 320.)
Die Anfänge der menschlichen Kultur: K. Stein. (Bd. 93.)
Germanische Kultur der Urzeit: G. Steinhausen. Mit
17 Abbildungen. (Bd. 75.)

NMahere Anqaben über diese Bände siehe im Anbhang.
        <pb n="139" />
        Aus Natur und Geisteswelt.

Sammlung wissenschaftlich-gemeinverständlicher
Darstellungen aus allen Gebieten des Wissens.
Jeder Band ist in sich abgeschlossen und einzeln käuflich.
Jeder Band geh. m. 1.2, in Leinwand geb. M. 1.25.

Übersicht nach Wissenschaften geordnet.

2 2 2 2
Allgemeines Bildungswesen. Erziehung u. Unterricht.
Das deutsche Bildungswesen in seiner geschichtlichen Entwicklung. Von
weil. Prof. Dr. Friedrich Paulsen. 2. Auflage. Mit einem Geleitwort
von Prof. Dr. W. Münch und einem Bildnis Paulsens. (Bd. 106.)
Eine uͤnpartelische Darstellung der Entwicklungsgeschichte des deutschen Bildungswesens nach
seinen Hauptrichtlinten zugleich ein Spiegelbild deutscher Kulturentwicklung.
Der Ceipziger Student von 1409- 1909. Von Dr. Wilhelm Bruch⸗
müller. Mmit 25 Abbildungen. (Bd. 273.)
Eine zusammenfassende Kultur⸗ und Sittengeschichte des Ceipziger Studenten.
augemeine Pãdagogĩt. Von Prof. Dr. Ch. Ziegler. 3. Aufl. (Bd. 33.)
Behandelt das mit der großen sozialen Frage unserer Zeit in so engem Zusammenhang ftehende
Hroͤblem der Volkserziehung in prattischer, seibständiger Weise und in sittlich⸗ sozialem Geiste.
Erper mentelle Pãdagogit mit besonderer Rücksicht auf die Erziehung
durch die Tat. Von Dr. W. A. Cay. Mit 2 Abbildungen. (Bd. 224.)
Behandelt Gechsichte Aufgaben, Wesen und Bedeutung der experinentellen Pãdagogik und
ihrer SForschungsmethode. VP
Mmoderne Erziehung in haus u. Schule. Bon Johannes Tews. (Boö. 1659.)
Zeichnet scharf die Schattenseiten der modernen Erziehung und zeigt Mittel und Wege für eine
allseitige Durchdringung des Erziehungsproblems.
Die höhere Mädchenschule in Deutschland. Von Oberlehrerin Marie
Martin. Bd. 65.)
Pietet aus berufenster Feder eine Darstellung der Ziele, der historischen Entwicklung. der
heutigen Gestalt und der utunfts aufgaben der höheren Mädchenschulen.
Hom Hhilfsschulwesen. Von Rektor Dr. B. Maennel. (Bd. 73.)
Hibt in kurzen Zugen eine Theorie und Praxis der Hilfsschulpãädagogik nach ihrem gegen⸗
wartigen Stand und zugleich KRichtlinten für ihre künftige Entwicklung.
Das deutsche Ae chulwesen. Von Direktor Dr. Friedrich
Schilling. (Bd. 2656.)
Wurdigt die gegenwärtige Ausgestaltung des gesamten (einschließlich des gewerblichen und kauf⸗
naͤ nnischen Forsbidungeschutwesens und zeichnet Richtlinien für einen konsequenten Weiterbau.
Die Knahenhandarbeit in der heutigen Erziehung. Von Seminar⸗Dir.
Dr. A. Pabst. Mit 21 Abbildungen und 1 Vitelbild. (Bd. 140.)
Gibt einen Überblick über die Geschichte des Rnabenhandarbeitsunterrichts, untersucht seine
Stellung im Lichte der modernen padagogischen Strömungen sowie seinen Wert als Erziehungs⸗
dusttel und erörtert sodann die Art des Betriebes in den verschiedenen Schulen und Ländern.
Geschichte des deutschen Schulwesens. Von Oberrealschuldirektor
Dr. Karl Knabe. Gd. 86.)
Cine ͤbersichtliche Darstellung der Entwicklungsgeschichte des deutschen Schulwesens von seinen
ufanaen an bis zum nationlen Bumanismus der Gegenwart.
        <pb n="140" />
        Aus VNatur und Geisteswelt. —VF
Jeder Band geheftet M. 1.—, in Leinwand gebunden M. 1.253.

Das deutsche Unterrichtswesen der Gegenwart. Von Oberreal—
chuldirettor DBr. Rarl Knabe. Bd. 299.)
7. anregenden berblick über das Gesamtgebiet des gegenwärtigen deutschen Unter⸗
ri s5wesens.

Das moderne volksbildungswesen. Bücher⸗ und Lesehallen, Volks—
hochschulen und verwandte Bildungseinrichtungen in den wichtigsten Kultur⸗
ländern in ihrer Entwicklung seit der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts.
Don Stadtbibliothekar Dr. Gottlieb Sritz. Mit 14 Abbildungen. GBd. 266.)
Gibt einen zujammenfassenden überblick über das für den Aufschwung des geistigen Cebens
der modernen Kulturvolter so wichtige Volksbildungswesen.
Schultkämpfe der Gegenwart. vVon Johannes Tews. (Bd. 111.)
Stellt die Probleme dar, um die es sich bei der Reorganisation der Volksschulen handelt, deren
Stellung zu Staat und Kirche, Abhängigkeit vom Zeitgeist und Wichtigkeit für die Heraus
gestaltung einer vollksfreundlichen Gesamttuliur scharf beleuchtet werden.
Deutsches Ringen nach Uraft und Schönheit. Aus den literarischen
Zeugniffen eines Jahrhunderis gesammen. von Turninspektor Karl Mmöller.
In 2 Bänden.
Band J: Von Schiller bis Cange. Bo. 188.) Band II: In Vorberxeitung.
Eine feinsinnige Auslese von Aussprüchen und Zufsätzen unserer führenden Geister über eine
allseitig harmonische usbildung von Leib und Seele.
Schulhygiene. Von Prof. Dr. Ceo Burgerstein. 2. Auflage. Mit
33 Figuren. GBd. 96.)
Ein alle in Betracht kommenden Fragen gleichmäßig berücksichtigendes Gefamtbild der modernen
—A
Jugend⸗Fürsorge. Von Waisenhaus⸗Direktor Dr. Johannes Petersen.
2 Bände. Bd. 161. 162.)
Bandel: Die öffentliche Fürsorge für die hilfsbedürftige Jugend. Bd. 161.
Band II: Die enge Zurserge r die inne e 7 die gewerblich au
162.
Behandelt das gesamte öffentliche Fürsorgewesen, dessen Vorzüge und Mängel sowie die Moͤglich⸗
keit der Reform.

Die amerikanische Universität. Von Ph. D. Edward Delavan Perry
Mit 22 Abbildungen. Boͤ. 206)
schildert die Entwicklung des gelehrten Unterrichts in Nordamerika, belehrt ũber das dortige
innere und äußere akademische Teben und bietet interessante Verqleiche zwischen deutschem und
amerikanischem Hochschulwesen

Lechnische Hochschulen in Nordamerika. Von Prof. Siegmund Müller.
Mit zahlreichen Abbildungen, Karte und Lageplan. Bd. 190.)
Schildert, von lehrreichen Abbildungen unterstũtzt, die Einrichtungen und den Unterrichtsbetrieb
der amerikanischen lechniichen Hochschulen in ihrer cigenart.
Volksschule und CLehrerbildung der vVereinigten Staaten in ihren
hervortretenden SZügen. Don direkto De SFranz Kuypers. Mit 49 46
bildungen. (Bd. 150.)
Schildert anschaulich das gmexilanische Schulwesen vom Rindergarten bis zur — überall
das Wesentliche der amerikanischen Erziehungsweise Hie Itete Erziehung zum Leben das wegen
des Betdtigunastriebes. das Hindrãngen auf prattische Herwertung usw. hervorhebend.
Pestalozzi. Sein Ceben und seine Ideen. Von Prof. Dr. Paul Natorp.
Mit einem Bildnis und einem Brieffaksimile. Bo. 250.)
Sucht durdh systematische Darstellung der Prinzipien Pestalozzis und ihrer Durchführung eine
von seiner zeitlichen Bedingtheit losgelöste Würdigung des Paͤdagogen 4mu
        <pb n="141" />
        Aus Natur und Geisteswelt.
Jeder Band geheftet M. 1.-, in Leinwand gebunden M. 1.25.

Hherbarts Cehren und Ceben. Von Pastor O. Slügel. Mit einem
Bildnisse Herbarts. (Bd. 164.)
Sucht durch liebevolle Darstellung von Hherbarts Werden und Cehre seine durch eigenartige
Terminologte und Deduttionsweise schwer verständliche Philosophie und Pädagogik weiteren
Kreisen zugänglich zu machen.
Friedrich Fröbel. Sein Leben und sein Wirken. Von Adele von
Portugall. Mit s Tafeln. G6Gd. 82.)
Tehrt die grundlegenden Gedanken der Methode Sröbels kennen und gibt einen Üüberblick seiner
wichtigsten Schriften mit Betonung aller jener Kernaussprüche, die txeuen und oft ratlosen
muttern als Wegweiser in Ausübung ihres hehrsten und heiligsten Berufes dienen können.

Hierzu siehe ferner:
—X——
üͤbungen 5. 18.

Religionswissenschaft.
Ceben und Cehre des Buddha. Von Prof. Dr. Richard Pischel.
mit 1 Tafel. od. os0)
Gibt eine wissenschaftlich begründete, durchaus obsektive Darstellung des Cebens des Buddha,
seiner Stellung zu Staat und Kirche, seiner Lehrweise und Lehre sowie der weiteren Entwicklung
des Buddhismus.
Mujtikim heidentum und Christentum. Von Dr. EdvinCehmann. (Bd. 217.)
Herfoigt die Erscheinungen der Mystik von der niedrigsten Stufe durch die orientalischen
Religionen bis zu den mystischen Phänomenen in den christlichen Kirchen aller seiten.
Palajstina und seine Geschichte. Von Prof. Dr. Hhermann Freiherr von
Soden. 2. Auflage. Mit 2 Karten, 1 Plan von Jerusalem und 6 Ansichten
des Heiligen Landes. GBod. 6.)
Ein Bild, nicht nur des Candes selbst, sondern auch alles dessen, was aus ihm hervor⸗ oder
über es dingeaanaen ist im Caufe der Jahrhunderte, in deren Verlauf die Patriarchen Ifraels
und die AUreuzfahrer, David und Christus, die alten Assprer und die Scharen Mohammeds
einander ablösten.
Palästina und seine Uultur in fünf Jahrtausenden. Nach den neuesten
Ausgrabungen und FSorschungen. Von Gymnalialoberlehrer Dr. Peter
Thomsen. Mit 36 Abbildungen. (Bd. 260.)
wili, indem es die wichtigsten bis in das 4. Jahrtausend vor Chrifti zurückreichenden Ergeb⸗
nisse der neuesten Ausgrabungen in Palãstinã zum ersten Male gemeinperständlich darstellt,
zugleich ein Fuhrer sein zu neuem und tieferem Eindringen in die geichichtlichen Grundlagen
unserer Religion.
Die Grundzüge der israelitischen Keligionsgeschichte. Von Prof.
Dr. Friedrich Giesebrecht. 2. Auflage. (Bd 52)
Schildert, wie Israels Religion entfteht, wie sie die nattonale Schale sprengt, um in den
ropheten die Ansätze einer Menschheitsreligion auszubilden. und wie auch diese neue Religion
66 verpuppt in die Formen eines Priesterstaats.
Die Gleichnisse Jesu. Sugleich linleitung zu einem quellenmäßigen
verständnis der Evangelien. Von Lic. Prof. Dr. heinrich Wetnel.
2. Ruflage. (Bd. 46.)
will gegenüber kirchlicher und nichtkirchlicher Allegorisierung der Gleichnihse Jesu mit ihrer
richtigen wortlichen Auffassung bekannt machen und verbindet damit eine Cinführung in die
Arben der modernen Theologie.
Wahrheit und Dichtung im Leben Jesu. Von Pfarrer D. Paul
Mehlhorn. (Bò. 137.)
will zeigen, was von dem im Neuen Testament uns überlieferten Ceben Jesu als geschichtlich
seglaubigter Tasbestand festzuhalten und was als Sage oder Dichtung zu betrachten ist.
        <pb n="142" />
        Aus Natur und Geisteswelt.
Jeder Band geheftet M. 1.—, in Leinwand gebunden M. 1.25.
Jesus und seine Seitgenossen. Geschichtliches und Erbauliches. Von
Pastor Carl Bonhoff. GBd. 89.)
zucht der ganzen Fülle und Eigenart der Persönlichkeit Jesu gerecht zu werden, indem es ihn
in seinem Verkehr mit den imt umgebenden Menschengestalten. Voite und Parteiaruppen zu
verstehen sucht.
Der Text des Neuen Testamentes nach seiner geschichtlichen
Entwicklung. Von Div.Pfarrer August Pott. mit 8 Tafeln. GBd. 154.)
will die Frage: „Ist der ursprüngliche Text des KReuen Testamentes überhaupt noch hergu
stellen ?“ durch eine Darstellung seiner Entwicclung von der ersten schriftlichen Fixierung bis
zum heutigen „berichtigten“ Text beantworten.
Thrisftentum und Weltgeschichte. Von Prof. Dr. K. Sell. 2 Bände.
Bd. 207. 208)
zeigt durch eingehende Charalteristerung der schöpferischen Persönlichkeiten die Wechselbeziehungen
wischen Kulturentwicklung und Thrisftentum auf.

Aus der Werdezeit des Chriftentums. Studien und Charabkteristiken.
Don Prof. Dr. Johannes Geffcken. 2. Auflage. Bò. 54.)
Ziu Bild der vielseitigen, kultur⸗ und religionsgeschichtlichen Bedingtheiten, unter denen die
Werdezeit des Christentums fteit.
Der Apostel Paulus und sein Werk. von Prof. Dr. Eberhard
vischer GBd. 309)
Zeigt durch eingehende Darstellung von Ceben und Lehre die Persönlichkeit des Apostels in
ihrer zeitlichen Bedingtheit und in ihrer bleibenden weligeschichtuchen Bedeutunq.

Luther im Lichte der neueren Forschung. Ein kritischer Bericht. Von Prof.
Dr. heinrich Boehmer. 2. Auflage. Mit 2 Bildniffen CLuthers. (Bd. 113.)
Bibt auf kulturgeschichtlichem Hintergrunde aine unparteiische, Schwächen und Stärken gleich⸗
mäßig beleuchtende Darstellung von Tuthers Teben und Wirken.
Johann Calvin. Von Pfarrer Dr. G. Sodeur. Mit 1 Bildnis. Bd. 247.)
zucht durch eingehende Darstellung des CLebens und Wirkens sowie der Persönlichkeit des Genfer
Keformators, sowie der Wirkungen, welche von ihm ausgingen, Verständnis für seine Größe
und bleibende Bedeutung zu wecken.

Die Jesuiten. Cine historische Stizze. Von Prof. Dr. heinrich Boehmer.
2. vermehrte Auflage. (Bd. 49.)
kin Büchlein nicht für oder gegen, sondern über die Jesuiten, also der Hersuch einer
gerechten Würdigung des vielgenannten Ordens nach seiner bleibenden geschichtlichen Be⸗
deutung.
Die religissen Strsmungen der Gegenwart. von Superintendent
2. August Heinrich Braafch. 2. Auflage. (Bd. 66.)
Will durch eine großzügige historische Übersicht über das an Kichtungen und Problemen so
— SGegenwart' den innerlichsten und höchsten Lebenswerten gegenüber
einen eigenen Standpuntt finden helfen.
Die Stellung der Religion im Geistesleben. Von Lic. Dr. Paul
Aalweit. B. 225.)
Vill das Verhältnis der Religton zu dem übrigen Geistesleben, insbesondere zu Wissenschaft,
Sittlichkeit und Uunst klarlegen, indem es die vedeunamsien linschauungen daͤrüber erdrlert,
Keligion und Naturwissenschaft in Kampf und Frieden. Ein geschicht⸗
licher RKückblick. Von Dr. August Pfannkuche. GBd. 141.)
will durch geschichtliche Darstellung der Beziehungen beider Gebiete eine vorurteilssreie Be⸗
urteilung des heiß umstrittenen Problems ermoguchen.
Hhierzu siehe ferner:
pon Negelein, Germanische Nythologie 8. 10.
Wachtler, Die Blñtezeit der griechischen Kunst im Splegel der Reliefsarkophage 8. 8.
        <pb n="143" />
        Aus Notur und Geijsteswelt.
Jeder Band gehestet M. 1.-, in Leinwand gebunden M. 1.25.
Philosophie und Psychologie.

Tinführung in die Philosophĩe. Von Prof. Dr. Raoul Richter. 2. Aufl.
Bo. 158)
Bietet eine anschauliche, zugleich wissenschaftlich-gründliche Darstellung der philosophischen
hauptprobleme und der Kichtungen ihrer Lösung, insbesondere des Erkenntnisproblems, und
nimmt dabei, nach einer vorherigen Abgrenzuug des Gebietes der Philosophie und Bestimmung
hrer Aufgabe, zu den Ssandpuntten des Matertalismus, Spixituqlismus, Theismus und Pan⸗
heismus Stellung, um zum Schluffe die Fragen der Moral⸗- und Religionsphilosophie zu beleuchten.

Die Philosophie. Cinführung in die Wissenschaft, ihr Wesen und ihre
Probleme. Von KRealschuldirektor Hans Richert. (Bd. 186.)
will die Stellung der Philosophie im Geistesleben der Gegenwart beleuchten, ihren Wert als
Weltanschauung Jicher jtellen, ihre Srundprobleme und deren Lösungsversuche charalterifteren
und in die phisosophische Citeratur einführen.

zührende Denker. Geschichtliche Einleitung in die Philosophie. Von
Pros. Dr. Jonas Cohn. Mites Bildnissen. (Bd. 176.)
will durch Geschichte in die Philosophie einführen, indem es von sechs großen Denkern, Sokrates
und Platon, Descartes und eenn Kant und gicne das für die Phnosophie dauernd Be⸗
deutende herauszuarbeiten sucht aus der überzeugung, daß aus der Uenntnis der Persönlich⸗
keiten am beften das Verständnis für ihre Gedanken zu gewinnen ist.

Die Weltanschauungen der großen Philosophen der Neuzeit. Von weil.
Prof. Dr. Cudwig Busse. 4. Aufiage, herausgegeben von Prof. Dr. R.
Falckenberg. (Bd. 56.)
Fine sich auf die Darstellung der großen klassischen Systeme beschränkende, aber deren be⸗
herrschende und charatteristische Grundgedanken herausarbeitende und so ein klares Gesamtbild
der in ihm enthaltenen Weltaänschauungen entwerfende Einführung in die neuere Philosophie.

Die Philosophie der Gegenwart in Deutschland. Eine Charakteristik ihrer
hqauptrichtungen. Von Prof. Dr. Oswald Külpe. 4. Auflage. (Bd. 41.)
Schildert die vier Hauptrichtungen der modernen deutschen eeee den Positivismus,
materialismus, KRaturalismus und Idealismus unter eingehender Würdigung der bedeutendsten
vertreter der verschiedenen Richtungen.

Rousseau. Von Prof. Dr. Paul hensel. Mit 1 Bildnisse. (Bd. 180.)
Stellt Rousseau als vorläufer des deutschen Idealismus, seine Lebensarbeit als unumaãnaliche
horausfekung für Goethe, Schiller, Berder, Kant, Fichte dar.

Immanuel Kant. Darstellung und Würdigung. Von Prof. Dr. Oswald
Nülpe. 2. Auflage. Mit einem Bildnisse Kants. (Bd. 146.)
Zine Einführung in das Verständnis Kants und eine Würdigung seiner Philosophte in ihrer
myodergieisichen und schier unerschöpflichen Kraft der Anregung, wie seiner Persönlichleit in
ihrer echten in sich geschloffenen Eigenart.

Schopenhauer. Seine Persönlichkeit, seine Lehre, seine Bedeutung. Sechs
orträge von Kealschuldireltor Hans Kichert. 2. Ruflage. Mit dem Bildnis
Schopenhauers. (Bd. 81))
Gibt, in das Werden dieses großen deutschen Philosophen und Schriftstellers mit sęinen geschicht⸗
lichen Bedingungen und Nachwirkungen einführend, einen zusammenfassenden Überblick über
zas Ganze seines Syftems.

Herbert Speneer. Von Dr. Karl Schwarze. Mit Bildnis. (GBd. 245.)
Hibt eine klar gefaffte Darstellung des Lebens und des auf dem Entwicklungsgedanken auf—
gebamen Systemns Hherbert Spencers nach seinen verschiedenen Seiten, nämlich philosophische
Srundlegung, Biologie, Psychologie, Soziologie und Ethit.
        <pb n="144" />
        Aus Natur und Geisteswelt.
Jeder Band geheftet M. 1.—, in CLeinwand gebunden M. 1.25.

Das Weltproblem von positivistischem Standpunkte aus. Von Prof.
Or. Josef Petzoldt. Bd. 133.)
Sucht die Geschichte des Nachdenkens über die Welt als eine finnvolle Geschichte von Irrtümern
phychologisch verständlich zu machen im Dienste der von Schuppe. Mach und Abenarius ver
tretenen Anschauung, daß es keine Weilt an sich, sondern nur eine weln für uns gibt.
fAufgaben und Siele des Menschenlebens. Von Dr. J. Unold.
3. Auflage. (Bd. 12.)
SsStellt sich in den Dienst einer nationalen Erziehnumng, indem es zuversichtlich und besonnen eine
von ronfessionellen Senen unabhängige, wissenschaftlich hältbare Tebensanschauung und
Tebensordnung begrũndet und entwidelt
Sittliche Lebensanschauungen der Gegenwart. Von Prof. Dr. Otto
Hürn. Bd. 177)
Übt verständnisvolle Kritik an den Cebensanschauungen des Naturalismus, des Urili—
karismus, des Evolutionismus, an der ästhetischen Lebensauffassung, um dann
für das überlegene Recht des sittlichen Zdegtismus einzutreten, indem es dessen folge⸗
richtige Durchführung in der christiichen Weltanschauung aufweist.
Die MNechanit des Geisteslebens. Von Prof. Dr. Marx Verworn.
2. Auflage. Mit 18 Fiqguren. (Bd. 200.)
Schildert vom monistischen Standpunkt aus die modernen Anschauungen über die physiologischen
Grundlagen der Gehirnvorgänge.
hypnotismus und Suggestion. Von Dr. rnst Trömner. (Bd. 199.)
Bietet eine rein sachliche Darsteilung der Cehre von Hypnotismus und Suggestion und zeigt
deren Einfluß auf die wichtigften Aiturgebiete.
pfuchologie des KRindes. Von Prof. Dr. Rob. Gaupp. Mit 18 Ab⸗
bildungen. (Bd. 213.)
behandelt die wichtigsten Rapitel aus der Kinderpsychologie unter Betonung der Bedeutung
des pinchologischen Dersuchs fur die Erkenntnis der Eigenart geistiger Tätigkeit wie der ind
viduellen Verschiedenheilen im Kindesalier.
Die Pyychologie des Verbrechers. Vvon Dr. Paul Pollitz, Straf⸗
anstaltsdirektor. Mit 5 Diagrammen. (Bo. 248.)
Gibt eine umsassende Übersicht und pfychologische Analyse des Verbrechens als Produkt fozialer
und wirtschaftlicher Verhältnisse, defekter geiftiger Anlage wie persönscher verbrecherischer Tendenz.
Die Seele des Menschen. Von Prof. Dr. Joh. Rehmke. 3. Aufl. Bd. 36.)
qugerneinwerstandlich eine eingehende wissenschaftliche Antwort auf die Grundfrage:
„Was ist die Seele?

hierzu siehe ferner:
Cehmann. Miystik in Heidentum und Christentum S. 3. Pischel, Ceben und Lehre des
ßzudodha s. 3. Slügel. Herbarts Lehre und Leben 8. 8. Pfannkuche, Naturwissenschaft
und Zeliglon in Kampf und Frteden S. äm. Volbehr, Bau und keben der bildenden Kunst 8. 6.
Muckle, Geschichte der soziansisschen Zdeen im 19 Jabrbuünber 4

Citeratur und Kprache.

Die Sprachstümme des Erdkreises. Von Prof. Dr. Sranz Nikolaus
Finck. (Bd. 267)
Gibt einen auf den Resultaten moderner Sprachforschung aufgebauten, umfassenden Überblia
über die Sprachstämme des Erdkretses, ihre Verzweigungen in Einzelsprachen sowle über deren
gegenseitige Zusammenhänge.

Die Hauptinpen des menschlichen Sprachbaues. Von Prof. Dr.
Franz nikolaus Finck. Bd. 268.)
witt durch Erklärung je eines charakteristischen Textes aus acht Hauptsprachtypen einen un⸗
mittelbaren Einblick in die Gefetze der menschlichen Sprachbildung geben.
        <pb n="145" />
        Aus Natur und Geisteswelt.
Jeder Band geheftet M. 1.—, in Leinwand gebunden M. 1.25.
Schrift· und Buchwesen in alter und neuer Zeit. Von Prof. Dr.
O. Weise. 2. Auflage. Mit 37 Abbildungen. (Bd. 4.)
Perfolgt Schrift-, Brief⸗ und Zeitungswesen, Buchhandel und bibliotheken von deu Bibliotheken
A0 groͤßartigen Entwicklung des
zchrift uUnd Buchwesens seit Erfindung der Buchdruckerlumst.

Wie ein Buch entsteht. Von Prof. Arthur W. Unger. 2. Auflage.
Mit 7 Tafeln und 26 Abbildungen. GBd. 175.)
gchildert in einer durch Abbildungen und Papier- und Illustrationsproben en Dar⸗
teilung Geschlane, herstellung und Vertrieb des Buches unter eingehender Behandlung sämtlicher
huchgewerblicher Techniken.

Entstehung und Entwicklung unserer Muttersprache. Von Prof.
Dr. wiihelm Uhl. Mit vielen Abbildungen und 1 Karte. (Bd. 84.)
Tine Zusammenfassung der Ergebnisse der sprachlich-wissenschaftlich lautphnsiologischen wie der
hhilglogichaermgnisttchen Sorschung, die Ursprung und Organ, Bau und Bildung, andererseits
ie Banbptpe ioden der Entwicklung unserer Muttersprache zur Darstellung bringt.

KRhetorik. Von Dr. Ewald Geißler. (Bd. 310.)
kine zeitgemäße Khetorik für den Berufsredner wie sür jeden nach sprachlicher Ausdrucks⸗
fähigkeit Strebenden.
Die deutschen Personennamen. Von Direktor A. Bähnisch. (Bd. 296.)
Bibt einen vollständigen historucen überblick über das gesamte Gebiet der deutschen Vor⸗ und
Famillennamen und ertlärt ihre Entstehung und Bedeutung nach ihren verschiedenen Gattungen.
das deutsche Volkslied. Über Wesen und Werden des deutschen Volks—
gesanges. Von Dr. J. W. Bruinier. 3. Auflage. (Bd. 7.)
ine von warmem Empfinden getragene, durch reiche Proben belebte Einführung in das Ver⸗
ständnis des Werdens und Wesens des deutschen Vollsgesanges.
Die deutsche Voltssage. Übersichtlich dargestellt. Von Dr. vie Fo
Bd. 262.
Bietet zum erstenmal eine vollständige Übersicht ũber die reichen Schätze der deutschen Volksage,
 als des tiesverschütteten Grundes deutscher Anschauungs⸗ und Denkweise.

Schiller. Von Prof. Dr. Theobald Ziegler. Mit dem Bildnis Schillers pon
Kügelgen in heliogravüre. 2. UAuflage. (Bd. 74.)
will durch eingehende Analyse der Einzelwerke in das Verständnis von Schillers Leben und
Gedantkenwelt einführen.

Friedrich Hebbel. vVon Dr. Anna Schapire-Neurath. Mit einem
Bildnis Hebbels. GBd. 238.)
Gibt eine eindringende Analyse des Werles und der Weltanschauung des großen deutschen Tragikers.

Gerhart hauptmann. Von Prof. Dr. E. Sulger⸗-Gebing. (Bd. 283.)
zucht durch endringende Enalnfe des Einzelwerkes in die Gedankenwelt Gerhart Haupt⸗
manns einzuführen.

Deutsche Romantit. Von Prof. Dr. Osktar 5. Walzel. (Bd. 232.)
Hibt auf Grund der modernen Sorschungen ein knappes, lebendiges Bild jener Epoche, deren
wichtigteit für unser, Bewußtsein ständig waächst, und die an Reichtum der Gefühle, Gedanken
ind Triebnisse von keiner anderen übertroffen wird.

Das deutsche Drama des neunzehnten Jahrhunderts. In seiner Ent—
wicklung dargestellt von Prof. Dr. Georg Wirkowski. 3. Auflage. Mit
einem Bildnis Hebbels. (Bd. 51.)
zucht in erster Linie auf historischem Wege das Verständnis des Dramas der Gegenwart an—⸗
— und derucksichtigt die drei Fattoren, deren jeweilige Beschaffenheit die Gestaltung
e8 Dramas bedingt: Runstanschauung, Schauspielkunst und Publikum.
        <pb n="146" />
        Aus Natur und Geisteswelt.
Jeder Band geheftet M. 1.—, in Leinwand gebunden M. 1.25.

Das Drama. Band J. Von der Antike zum französischen Klassizismus.
Von Dr. Bruno Busse. Mit 3 Abbildungen. (Bd. 287.)
Derfolgt die Entwicklung des Dramas von den primitiven Anfängen über Altertum, Mist⸗talter
und Renaissance bis zum französischen Klaffisisus.

Das Theater. Schauspielhaus und Schauspielkunst vom griech. Altertum bis
auf die Gegenwart. Von Dr. Christian Gaehde. Mit 20abbild. GBo. 230.)
Eine Geschichte des Theaters vom griechischen Alterkum durch Mittelalter und Renaissance bis
auf die Schauspielkunst der Gegenwart, deren verschiedene Strömungen in ihren historischen
und psiychologischen Bedingungen dargestellt werden

SGeschichte der deutschen Cyrik seit Claudius. Von Dr. Heinrich
Spiero. GBo. 254.)
Schildert unter liebevoller Würdigung der größten und feinsten Meister des Liedes an der Hand
wohlgewählter Proben die Entwicklungsgeschichte der deutschen Cyrik.
henrik Ibsen, Björnstjerne Björnson und ihre Zeitgenossen. Von
Prof. Dr. B. Kahle. Mit 7 Bildniffen. (Bd. 193.)
sucht Entwiklung und Schaffen Ibsens und Björnsons sowie der bedeutendsten jungen nor—⸗
wegtichen Dichter auf Grund der Veranlagung und Entwicklung des norwegischen Volkes
perständlich zu machen und im Zusammenhang mit den kulturelien Strömungen der zweiten
hälfte des 19. Jahrhunderts darzustellen.

Shakespeare und seine Seit. Von Prof. Dr. Ernst Sieper. Mit 3 Tafeln
und 3 Tertbildern. (Bo. 185.)
schildert Shakespeare und seine Zeit, seine Porgänger und eigenartige Bühne, seine Persönlich⸗
keit und seine Entwicklung als Mensch und Künftler und erörlert die vielumstrittene Shafe⸗
peare⸗Batcon⸗Frage.

Hhierzu siehe ferner:
ßerber, Die Slimme S. 19. Das Buchgewerbe und die Kultur S. 11.

Bildende Kunst und Musik.
ßau und Feben der bildenden Kunft. von Ddirektor Dr. Theodor
Volbehr. Mit 44 Abbildungen. (Bd. 68.)
rührt von einem neuen Standpunkte aus in das Verständnis des Wesens der bildenden RKunst
in erörtert die Grundlagen der menschlichen Gestaltungskraft und zeigt, wie das künstlerische
Interesse sich allmählich weitere und immer weitere Stoffgebiete erobert.

Die Blütezeit der griechischen Kunst im Spiegel der Reliefsarkophage.
ine Einführung in die griechifche Plastik. vVon De. 6H. Wachtler. Mit
8 Tafeln und 32 Abbildungen. GBò. 272.)
Sibt an der Hand der Entwicklung des griechischen Sarkophags eine Entwicklungsgeschichte der
gesamten griechischen Plajtik in ihrem Susammenhang mit Aultur und Religion
Deutsche Baukunst im Mittelalter. Von Prof. Dr. Adalbert Matthaei.
2. Auflage. Mit 29 46bbildungen. (Bd. 8.)
Will mit der Darstellung der Entwicklung der deutschen Baukunst des Mittelalters übet
das Wesen der Baufunst anftlären, imoem es zeigt, wie sich im Verlauf der Entwicklung die Raum—
vorstellumg klärt und vertieft, wie das technische Können vwächst und die praktischen Aufgaben
sich erweisern.

Die deutsche Illustration. Von Prof. Dr. Rudolf Kautzsch. Mit
35 Abbildungen. Bd. 44.)
Behandelt ein besonders wichtiges und lehrreiches Gebiet der Kunst und leistet zugleich,
indem es an der Hhand der Geschichte das Charalteristische der Illusiration als Kinnt zu
erforschen sucht, ein gut Teil „Uunsterziehung“.
        <pb n="147" />
        Aus Natur und Geisteswelt.
Jeder Band geheftet M. 1.—, in CLeinwand gebunden M. 1.25.

Deutsche Kunst im täglichen Leben bis zum Schlusse des 18. Jahrhunderts.
Von Prof. Dr. Berthoĩd haendcke. Mit 63 Abbildungen. (Bd. 198.)
Zeigt an der Hand zahlreicher Abbildungen, wie die angewandte Kunft im Caufe der Jahrhunderte
das deutsche Heim in Burg, — und haus behaglich gemacht und geschmückt hat, wie die
Gebrauchs⸗ und Cuxusgegenstände des tãglichen Lebens entstanden sind und sich gewandelt haben.
Albrecht Dürer. Von Dr. Rudolf Wustmann. Mit 33 Abb. (Bd. 9.)
Eine schlichte und knappe Erzählung des gewaltigen menschlichen und künstlerischen Entwichlungs
ganges Albrecht Dürers, verbunden mit einer eingehenden Autalnse seiner vorzüglichsten Werke.
Rembrandt. vVon Prof. Dr. Paul Schubring. Mit 50 Abb. Gd. 158.)
ine durch zahlreiche Abbildungen unterstützte lebensvolle Darstellung des menschlichen und
künstlerischen Entwicklungsganges Rembrandts.
Ostasiatische Kunst und ihr Einfluß auf Europa. Von Direktor Prof.
Dr. Richard Graul. Mit 49 Abbildungen. Bd. 87.)
Bringt unter Mitteilung eines reichen Bildermaterials die mehr als einmal für die Entwicklung
der Runst bedeutsame Tinwirkung der japanischen und chinesischen Kunst auf die europäische
zur Darstellung.
Aunstpflege in Haus und Heimat. Von Superintendent Richard
Bürkner. 2. Auflage. Mit 29 Abbildungen. Gd. 77.)
Zeigt, daß gesunde Vospsee zu wahrem Menschentum gehört, und wie es jedermann in seinen
Derhältniffen möglich ist, sie zu verwirklichen.
Geschichte der Gartenkunst. Von Reg.«Baumeister Chr. Ranct. Mit
41 Abbildungen. GBo. 274.)
Eine Geschichte des Gartens als Kunstwerk, vom Altertum bis zu den modernen Bestrebungen.
Seschichte der Musik. Von Dr. Sriedrich Spiro, (Bd. 143.)
Gibt in großen Zügen eine übersichtliche, äußerst lebendig gehaltene Darstellung von der CEiti⸗
wickiung der Musit vom Eltertum bis zur Gegenwart mit besonderer Beructichtigung der
führenden Perfönlichkeiten und der großen Strömungen.
thandn, Mozart, Beethoven. Von Prof. Dr. Carl Urebs. Mit pier
Bildnissen auf Tafeln. (Bd. 92.)
Eine Darstellung des Entwicklungsganges und der Bedeutung eines jeden der drei groen Uompo—
nisten für die musikgeschichte. Sie gibt mit wenigen, abe; scharsen Strichen ein Bild der meunsch—
lichen Persönlichkteit und des künstlerischen Wesens der drei heroen mit Hervorhebung dessen,
was ein jeder aus seiner Zeit geschöpfi imnd was er aus Eignem hinzugebracht hat.

Die Grundlagen der Tonkunst. Versuch einer genetischen Darstellung
der allgemeinen Musiklehre. Von Prof. Dr. heinrich Rietsch. (Bd. 178.)
Ein anschauliches Entwicklungsbild der musikaltschen Erscheinungen. des Stoffes der Tonkunst,
wie seiner Bearbeitung und der Musik als Tonsprache.
Einführung in das Wesen der Musik. Von Prof. Carl R. Hennig.
(Bd. 119)
Untersucht das Wesen des Tones als eines Kunstmaterials, prüft die Natur der musikalischen
darstelinngsmittel und erörtert die Objelte der Darstellung, indem sie klarlegt, welche Ideen
im wiusikalischen Kunftwerke gemäßz der Natur des Tonmalerlals und der Därstellungsmittel
zur Darftellung gebracht werden koͤnnen.

Die Blütezeit der musikalischen Romantik in Deutschland. Von Dr.
Tdgar Iftel. Mit einer Silhouette von E. T. A. Hoffmann. GBd. 239.)
Hibteeine erstmalige Gesamtdarstellung der Epoche Schuberts und Schumanns, der an Periön⸗
lichkeiten, Schöpfungen und Anregungen reichsten der deutschen Musilgeschichte.
Das moderne Orchester. Von Prof. Dr. Fritz Volbach. Mit Partitur—
beispielen und 2 Instrumententabellen. (Bd. 308.)
Gibt zum ersten Mal einen Überblich über die Entwicklungsgeschichte der Orcheftrierung vom
Altertum bis auf Richard Strauß.
        <pb n="148" />
        I Aus Natur und Geisteswelt.
Jeder Band geheftet M. 1.—, in Leinwand gebunden M. 1.25.

—F 2 2
Geschichte und Kulturgeschichte.
Ddie Anfänge der menschlichen Kultur. Von Prof. Dr. — udwig
Stein. Bd. 93.
Behandelt als Cinführung in die Kulturprobleme der Gegenwart den vorgeschichtlichen
die Anfänge der Arbeitsteilung, die Anfänge der Raffenbildung sowie der wirtschafiuchen, inteiletuellen,
 moralischen und sozialen Uullur.
Aulturbilder aus griechischen Städten. Von Oberlehrer Dr. Erich
Ziebarth. Mit 22 Abbildungen im Text und auf 1 Tafel. Bò. 131.)
Sssucht auf Grund der Ausgrabungen und der inschriftlichen Denkmäler ein anschauliches Bild
von dem Aussehen einer alfgriechischen Stadt und von dem städtischen Leben in ihr zu entwerfen.
Pompeii, eine hellenistische Stadt in Italien. Von hofrat Prof. Dr.
Friedrich v. Duhn. Mit 62 Abbildungen. (Bd. 114.)
sucht an dem besonders greisharen Beispiel Pompesis die übertragung der griechischen Kultur
und Kunst nach Italien, ihr Werden zur Weltkuliur und Weltkunst verständtich zu machen.
Soziale Uämpfe im alten Rom. Von Privatdozent Dr. Ceo Bloch.
2. Auflage. (Bd. 22.)
Behandelt die Sozialgeschichte Roms, soweit sie mit Rücksicht auf die die Gegenwart bewegenden
Fragen von allgemeinem Interesse ist.
Bnzantinische Charakterköpfe. Von Privatdozent Dr. Karl Dieterich.
Mit 2 Bildniffen. (Bd. 244)
Zietet durch Charakteristerung markanter Personlichketten einen Einblick in das wirkliche Wesen
des gemeinhin so wenig bekannten und doch so wichtigen mittelalterlichen Byzanz.
Sermanische Kultur in der Urzeit. Von Prof. Dr. Georg Steinhausen.
2. Auflage. Mit 13 Abbildungen. Gdd. 75.)
Beruht auf eingehender Quellenforschung und gibt in fesselnder Darstellung einen Überblick über
germanisches Leben von der Urzeit bis zur Berührung der Germanen mit der römischen Kultur.
Bermanische Mythologie. Von Dr. Julius p. Negelein. (Bd. 95.)
Gibt ein Bild germanischen Glaubenslebens, indem es die Zußerungen religiösen Lebens,
nanientlich auch im Aultüs und in den Gebräuchen des Aberglaubens aufsucht und sich überall
bestrebt, das ihnen zugrunde liegende pfychologische Motiv aufzudeden.
Nittelalterliche Ruurideale. Band J. heidenleben. Von Prof. Dr.
o. Dedei. Bo. 202)
Zeichnet auf Grund besonders der griechischen, germanischen, persischen und nordischen Helden⸗
dichtung ein Bild des heroischen Kriegerideals, um so Verständnis für die bleibende Bedeutung
dieses Ideals für die Ausbildung der Kultur der Menschheit zu wecken.
dulturgeschichte des deutschen Bauernhauses. Von Regierungs⸗
baumeister a. D. Christian Ranck. Mit 70 föbildungen. (Bo. 121.)
Sibt eine Entwicklungsgeschichte des deutschen Bauernhauses von der germanischen Urzeit übet
skandinavien und Mittelalter bis zur Gegenwart.
Das deiitsche Dorf. Von Robert Mielke. Mit 51 Abbild. (Bd. 192.)
Schildert die Entwicklung des deutschen Dorfes von den Aufängen dörflicher Siedelungen an bis
in die Neuzeit, in der uns ein fast wunderbares Mosatt ländlicher Siedelungstypen entgegentritt.
Das deutsche Haus und sein Hausrat. Von Prof. Dr. Rudolf Meringer.
Mit 106 Abbildungen. (Bdò. 116.)
will das Interesse an dem deutschen Hause, wie es geworden ist, fördern, indem es das „Hherdhaus“,
das oberdeutsche Haus, die Einrichtung der für diefes charakteriftischen Stube, den Ofen, den
Tisch, das Eßgerät schlldert und einen Überblick über die erkunft von hjaus und Hausrat gibt.
Deutsche Städte und Bürger im Mittelalter. Von Prof. Dr. B. Heil.
2. uflage. Mit zahlreichen Röbildungen und 1 Poppeltaäfel. Bd. 43.)
Stellt die geschichtliche Entwicklung dar, schildert die wirtschaftlichen, sozialen und staatsrecht⸗
lichen Verhältnijse und gibt ein zusammenfassendes Pild von der äußeren Erscheinung und dem
inneren Leben der deutschen Städte.
        <pb n="149" />
        Aus Natur und Geisteswelt.
Jeder Band geheftet M. 1. —, in Leinwand gebunden M. 1.285.

Deutsche volksfeste und Voltssitten. Von hermann s. Rehm. Mit
11 Abbildungen. Bd. 214.)
will durch die Schilderung der wichtigsten deutschen Volksfeste und Bräuche Teilnahme und
Derständnis für sie als Außerungen des Seelenlebens unseres Volkes neu erwecken und beleben.
historische Stãdtebilder aus Holland und Niederdeutschland. Von
Regierungs⸗Baumeister a. D. Albert Erbe. Mit 59 Abbildungen. (Bd. 117.)
wini dem Sinn für die Reize der alten malerischen Städtebilder durch elne Schilderung der
eigenartigen ijerriichteit ait⸗Hollands wie Niederdeutschlands, ferner Danzigs, Süheds, Bremens
und hanburgs nicht nur vom rein künstlerischen, sondern auch vom kulturgeschichtlichen Stand⸗
puntt aus enigegen kommen.
Das deutsche Handwerk in seiner kulturgeschichtlichen Entwicklung. Von
Direktor Dr. Eduard Otto. 3. Auflage. Mit 27 Abbildungen. (Bd. 14.)
Tine Darstellung der Entwicklung des deutschen handwerks bis in die neueste Zeit und der
jandwerkerbewegungen des 19. Jahrhunderis wie des älteren Handwerlslebens, seiner Sitten.
Bbräuche und Dichtung.
Deutsches Frauenleben im Wandel der Jahrhunderte. Von Dir. Dr.
Eduard Otslo. 2. Auflage. Mit 27 Abbildungen. Bd. 45.)
Gibt ein Bild des deutschen Frauenlebens von der Urzeit bis zum Beginn des 19. —A—
don Denten und Fuühlen, Steilung und Wirksamkeit der deutschen Sräu, wie sie sich im Wandel
der Jahrhunderte darstellt.
Das Buchgewerbe und die Kultur. Sechs Vorträge, gehalten im Auf⸗
trage des Deutschen Buchgewerbevereins. Mit 1 Abbildung. Bd. 182.)
Inhalt: Buchgewerbe und Wissenschaft; Prof. Dr. Rudolf Soge. — Buchgewerbe und
ckileratur: Prof bDr. Georg wittowsti. — Buchgewerbe und Kunst: Prof. Dr. Rudoltf
Ktautzsch. — Buchgewerbe uünd Religion: 8 Lie. Dr. heinrich Hermelink. —
Zuchgewerbe und Siaat: Prof. Dr. Robert Wuttte. — Buchgewerbe und Volkswirtschaft:
v De. Heinrich Waentig.
wili für das mit sämtlichen Gebieten deutscher Uultur durch tausend Fäden verknüpfte Buch⸗
gewerbe verständnisvolle Freunde, tatkräftige Berufsgenossen werben.
Die Munze als historisches Denkmal sowie ihre Bedeutung im Rechtsund
 Wirtschaftsleben. Von Dr. Arnold Luschin v. Ebengreuth. Mit
53 Abbildungen. Gd. 91.)
Zeigt, wie Münzen zur Aufhellung der wirtschaftlichen Zustände und der Kedhtseinrichtungen
früherer Zeiten dienen; legt die verschiedenen Arten pon Münzen, ihre äußeren und inueren
mer tmale sowie ihre herfteilung in historischer Entwicklung dar und gibt im Anschluß daran
munzensammlern beherzigenswerte Winke.
von Cuther zu Bismarck. 12 Charakterbilder aus deutscher Geschichte.
Von Prof. Dr. Ottocar Weber. 2 Bände. (Bd. 123. 124.)
Ein knaͤppes und doch eindrudsvolles Bild der g und kulturellen Entwicklung der Neu⸗
zelt, das aus den vier Jahrhunderten je drei Persoönlichkeiten herausgreift, die bestimmend
eingegriffen haben in den Werdegang deutscher Geschichte.
griedrich der Grotze. Sechs Vorträge. Von Privatdozent Theodor
pitterauf. Mit 2 Bildnissen. GBd. 246.)
sSchildert in knapper, wohldurchdachter durch charakteristische Ipitzenguine und authentische Auße⸗
ruugen bedeutender Zeitgenossen belebter Darstellung des großzen Königs Ceben und, Wirken, das
den Grund gelegt hat fuͤr die ganze spätere geschichtliche ünd kulturelle Entwicklung Deutschlands.
politische Hauptstrsmungen in Europa im 19. Jahrhundert. Von
Prof. Dr. Karl Theodor v. Heigel. Bo. 129.)
ßietet eine knappe Darstellung der wichtigften politischen Ereignisse im 19. eeet womit
eine Zchilderung der politischen Ideen Hhand in Hand geht, und wobei der innere Susammenhang
der einzeinen Vorgänge dargelegt, auch Sinnesart ünd Taten wenigstens der einflußreichsten
perlönlichkeiten gewürdigt werden.
Kestauration und Revolution. Stizzen zur Entwicklungsgeschichte der
deuifchen Einheit. Von Prof. Dr. Richard Schwemer. 2. Aufl. (Bd. 37.)
        <pb n="150" />
        Aus Natur und Geisteswelt.
Jeder Band geheftet M. 1.—, in Leinwand gebunden M. 1.25.
Die Reaktion und die neue ra. Stizzen zur Entwicklungsgeschichte
der Gegenwart. Von Prof. Dr. Richard Sqwemer. Bdo. 101.)
Vom Bund zum Reich. Neue Skizzen zur Entwicklungsgeschichte der
deutschen Einheit. Von Prof. Dr. Richard Schwemer. (Bd. 102.)
Die 3, Bände geben zusammen eine in Kuffassung und Darstellung durchaus eigenartige
Beschichte des deutschen Volkes im 19. Jahrhundert. „Restauration und Revolution“ behandeit
das Leben und Streben des deutschen Voikes von dem ersten Aufleuchten des Gedantens des
nationalen Staates bis zu dem tragischen Fehlschlagen aller hoffnungen in der Mitte des Jahrhunderts.
 „Die Reaktion und die neue üras, beginnend mit der Zeit der Ermattung nach dem
großen Hufschwung von 1848. stellt in den Mittelpunkt des Prinzen von Preußen und Otto von
Bismarcks Schaffen. „Vom Bund zum KReich“ zeigt uns Bismarck mit sicherer hand die Grundlage
des Reiches vorbereitend und dann immer entschiedener allem Geschehenen das Gepräge seines
Geistes verleihend.
1848. Sechs Vorträge. Von Prof. Dr. Ottocar Weber. 2. Aufl. (Bd. 53.)
Sucht in kritischer, abwägender Darstellung den einzelnen Ständen und Parteten, den rechts
und links auftretenden Exiremen gerecht zu werden uͤnd hebt besonders den großartigen deutschnationalen
 Aufschwung jenes Jahsres hervor.
Das Zeitalter der Entdeckungen. Von Pros. Dr. Siegmund Günther.
2. Auflage. Mit einer Weltkarte. Bd. 26.)
ʒchildert die großen weltbewegenden Ereignisse der geographischen Renaissancezeit von der
Begründung der portugiesischen Kolonialherrschaft und den Fahrten des Kolumbus an bis zu
dem hHervortreten der franzosischen, britischen und holländischen Seefahrer.
Englands Weltmacht in ihrer Entwicklung pom 17. Jahrh. bis auf unsere
Tage. Von Prof. Dr. Wilh. Cangenbeck. Mit 19 Bildnissen. (Bö. 174.)
kine großzügige und fesselnde Darstellung der für uns so bedeutsamen Eutwicklung des britischen
Weltreichs, seiner inneren und äußeren Rusgestaltung als einer der gewaltigsten Erscheinungen
der Weltgeschichte.
UNapoleon lJ. Von Privatdozent Dr. Theodor Bitterauf. Mit einem
Bildnis Napoleons. (Bd. 195.)
Will zum Verständnis für das System Napoleons führen und zeigen, wie die napoleonischen
kriege nur unter dem Gesichtswinkel der imperialistischen Politit zu verstehen sind
HYsterreichs innere Geschichte von 1848 bis 1907. Von Richard
Tharmatzz. 2 Bände. (Bd. 242. 243.)
Zand 1: Die Vorherrschaft der Deutschen. (Bd. 242.)
Zand Il: Der Kampf der Nationen. Bd. 243.)
GBibt zum ersten Male in lebendiger und klarer Sprache eine Gesamtdarstellung der Entstehung
des modernen Osterreichs, seiner interessanten, durch das Zusammenwirken der verschiedensten
fsaktoren bedingten innerpolitischen Entwicklung seit 1848.
Seschichte der Vereinigten Staaten von Amerika. Von Prof. Pr.
Ernst Daenell. Bd. 147.)
hibt eine übersichtliche Darstellung der geschichtlichen, kulturgeschichtlichen und wirtschaftlichen
Intwicklung der Vereinigten Staaten mit besonderer Berücksichtigung der verschiedenen politischen,
ethnographischen, sozialen und wirtschaftlichen Probleme der Gegenwart.
Dom Uriegswesen im 19, Jahrhundert. Zwanglose Skizzen von Major
Ditto von Sothen. Mit 9 überfichtskarten. —„A
In einzelnen Abschnitten wird insbesondere die Napoleonische und —
Zeispielen (Jena-⸗Röniggrätz-⸗Sedan) dargestellt und durch Kartenskizzen erläutert. Damit ver⸗
unden sind kurze Schiiderungen der preuͤßischen Armee von 1806 und nach den Befreiungskriegen
jowie nach der Keorganisation von 1860, endlich des deutschen Heeres von 1870 bis zur Gegenwaͤrt.
Der ?trieg im Seitalter des Verkehrs und der Technik. Von Alfred Meyer,
hauptmann im Kgl. Sächs. Inf.«Reg. Nr. 133 in Swickau. Mit 3 Abbildungen
m Text und zwei Tafeln. GBd. 271.)
stellt die ungeheüuren Umwälzungen dar, welche die Entwidklung des modernen Vertehrswesens
und der modernen Technik auf das Kriegswesen ausgeübt hat, wie sie bei einem europäischen
Arieg der Zukunft in die Erscheinung treten würden.
        <pb n="151" />
        Aus Natur und Geisteswelt.
Jeder Band geheftet M. 1.—, in Leinwand gebunden M. 1.25.
Der Seekrieg. Eine geschichtliche Entwicklung vom Seitalter der Ent—⸗
deckungen bis Jur Gegenwart. Von Kurt Sreiherr von Maltzahn, Vize—
Admiral a. D. (Bd. 99.)
Bringt den Seekrieg als Kriegsmittel wie als Mittel der Politik r Darstellung, indem es
zunächst die Entwicklung der Kriegsflotte und der Seekriegsmittel schildert und dann die heutigen
Weltwirtschaftsstaaten ünd den Seekrieg behandelt.

Die moderne C sbewegung. Von Alfred Hh. Sried. (Bd. 157.)
Entwickelt das Wesen und die Ziele der Friedensbewegung, gibt eine Darstellung der Schieds—
gerichtsbarkeit in ihrer Entwicklung und ihrem gegenwärligen Umfang, sowie des Abrüstuüngsproblemes
 und gibt zum Schluß einen eingehenden überblick über die Geschichte der Friedens—
bewegung und eine qronologische Darstellung der für sie bedeutsamen Ereignisse.
Die moderne Srauenbewegung. Ein geschichtlicher Überblick. Von Dr
Käthe Schirmacher. 2. Auflage. (Bd. 67.)
Unterrichtet eingehend und zuverlässig über die moderne Frauenbewegung aller Länder au
den Gebieten der Bildung, KArbeit, Siüllichkeit, Soziologie und Politik.

hierzu siehe ferner:

ij. v. Soden, Palästina und seine Geschichte. S. z. Thomsen, Palästina nach den neuesten
usgrabungen. S. 3. Neurath, Antike Wirtschaftsgeschichte. S. 18. Geffcken, Aus der
Werdezeit des Christentums. S. 4. Sell, Christentüm und Weltgeschichte. S. 4. Weise,
Die deutschen Volksstämme und eee s. 17. Matthaei, Deutsche Baukunst im Mittel⸗
alter. 8. 8. Bähnisch, Die deutschen Personennamen. 8S. 7. Böckel, Die deutsche Volkssage.
 s. 7. Bruinier, Das deutsche Volkslied. 8. 7. Paulsen, Das deutsche Bildungswesen
in seiner geschichtlichen Entwicklung. S. 1. Knabe, Geschichte des deutschen Schulwesens. 8. 1.
Bruchmüller, Der Leipziger Student von 1400 31909. 8. 1. Boehmer, CLuther im Cichte
der neueren Forschung. S.4. Sodeur, Johann Calpin. S. 4. Boehiner, Die Jesuiten. 8. 4.
Mmuckle, Gesqsichte der sozialistischen Ideen im 19. Jahrhundert. 8S. 14. Pohle, Die Ent—
wicklung des deutschen Wirtschaftslebens im 19. eh . 14. Taughlin, HAus dem
amerikanischen Wirtschaftsleben. S. 14. Schmidt, “J ichte des p ee 5. 14. Fried,
Internationales CLeben der Gegenwart. S. j4. Wislicenus, Der Kalender. S. 24. Weise,
Zzchrift- und Puchwesen. s8. 7. Ranck, Geschichte der Gartenkunst. S. 9.

Rechts⸗ und Staatswissenschaft. Volkswirtschaft.
Deutsches Sürstentum und deutsches Verfassungswesen. Von Prof. Dr.
—A Bd. 80.)
Zeigt den Weg, auf dem deutsches Fürstentum und deutsche Volksfreiheit zu dem in der Gegen⸗
wart geltenden wechselseitigen Ausgleich gelangt sind, unter besonderer Berücksichtigung der
Entwidlungsgeschichte der pᷣreußischen Versassung.
Grundzüge der Verfassung des Deutschen Reiches. Von Prof. Dr.
Edgar Loening. 3. HUHuflage. (Bd. 34.)
Eine durch geschichtliche Kückblicke und Vergleiche das Verständnis des geltenden Rechtes fördernde
Einführung in das Verfassungsrecht des Deutschen Reiches, soweit seine Kenntnis für jeden
Deutichen erforderlich ist.

Finanzwissenschaft. Von Dr. sS. P. Altmann. Bd. 306.)
Cin überblick über das Gesamtgebiet der Finanzwissenschaft, der jedem die Möglichkeit einer
obiektiv⸗wissenschaftlichen Beurteilung der Reichssfinanzreforni bietei.
Soziale Bewegungen und Theorien bis zur modernen Arbeiterbewegung.
vVon Gustav Maier. 4. Auflage. (Bd. 2.)
Schildert die sozialen Bewegungen und Theorien in threr geschichtlichen Entwicklung von den
altorientalischen und antiken Kulturvölkern an durch das mittelalter bis zur Entstehung des
nodernen Sozialismus.
        <pb n="152" />
        Aus Natur und SGeisteswelt.
Jeder Band geheftet M. 1. —, in CLeinwand gebunden M. 1. 25.

Beschichte der sozialistischen Ideen im 19. Jahrhundert. Von Dr.
Friedrich Muckle. 2 Bände. Go. 269. 270.)
Zandel: Die Geschichte der sozialistischen Ideen im 19. Jahrhundert. Bd. 333
Band II: Proudhon und der entwiclungsgeschichtüche Sozialismus. 63 270.
Bibt eine seine philosophischen Grundlagen eee Darstellung der Dneng des sozialen
Ideals mm 19. eect mit aralteristerung der Einzelpersontichteiten von
Owen, Sourier, Weltling über Proudhon, Saint⸗Simon, Kooberins bi⸗ zu Kari Marrx und Lassalle.
Das internationale Ceben der Gegenwart. Von Alfred H. Sried.
Mit einer lithographischen Tafel. J (Bd. 226.)
Ein Baedeker für das internationale Cande, der durch eine Zusammenstellung der internationalen
Dereinbarungen und en nach ihrem Umfang und ihrer Wirkfamteit zeigen
ucht, wie weit der internationale Zusammenschiuß der Kuiturwell auf nationaler Grundlaͤge
bereits gediehen ist.
Beschichte des Welthandels. Von Oberlehrer Dr.Mar 6 — Idt
.118.
Zgehandelt die Entwicklung des Hhandels vom Altertum an Uber das Mittelalier, in dem
Konstantinopel, seit den Keuzzügen Italien und Deutschland den Weltvertehr beherrichen, zur
Reuzeit, die mit der Entdeckung Ameritkas beginnt, und bis zur Segenwart, in der auch der
deutsche Kaufmann den ganzen Troͤball erobern
Geschichte d. deutschen Handels. Von Prof. Dr.W. Cangenbe ck.(Bd.237.)
schildert die Entwicklung von primitivften ee Anfängen bis zur heutigen Weli—
machtstellung des deutschen handeis mu ihren edingungen und gibt ein ubersichtuͤches Büd
dieses weitverzweigten Organismus.

Deutschlands Stellung in der Weltwirtschaft. Von Prof. Dr. Paul
Arndt. (Bd. 179.)
Stellt unsere wirtschaftlichen Beziehungen zum Auslande sowie die Ursachen der gegenwärtigen
hervorragenden Stellung in der Deosrde dar, erörtert die Vorteile und
GBefahren dieser Stellung eingehend und behandelt en 1 die vielen wirtschaftlichen und
politischen Aufgaben, die sich aus Deuischlande internationater Stellung ergeben.
Deutsches Wirtschaftsleben. Auf geographischer Grundlage geschildert
pon weil. Prof. Dr. Christian Gruber. 2. uflage. Neubearbeilet von
Dr. hans Reinlein. Go. 42.)
will Verständnis für den sieghaften Aufschwung unseres wirtschaftlichen Lebens seit der Wieder⸗
aufrichtung des Reichs herbeiführen und darlegen. inwieweit sich Produttion und Verkehrs⸗
bewegung auf die natürlichen Selegenheiten, die geographischen DVorzüqe unseres Daterlandes
stützen können und in ihnen sicher deramert liegen.
Die Entwicklung des deutschen Wirtschafts lebens im letzten Jahr⸗
hundert. Von Prof. Dr. Cudwig Ppohie. Auflage. GBd. 657.)
ine objektive. ruhig abwagende Darstellung der gewaltigen Umwälzung, die das deutsche
Wirtschaftsleben im Laufe des einen Jahrhunderts erfahren hat.
Die deutsche Tandwirtschaft. Von Dr. Walter Claaßen. Mit
15 Abbildungen und 1 Karte. GBd. 215.)
Behandelt die natürlichen Grundlagen der Bodenbereltung, die Technik und Betriebsorganisation
des Bodenbaues und der viehhaltung, die volfswirtschaftliche Bedeutung des Landbaues sowie
die agrarpolitischen Fragen, ferner die Bedeutung des Menschen als Produttionsfaktor in der Land⸗
wirtschaft und andererselts die Rolie, die das Tandpolt in CLebensprozesse der Nation spielt.
Innere Kolonisation. von A. Brenning. (Bd. 261.)
Bibt in knappen Zügen ein vollständiges Bild von dem Stande der inneren Kolonisation in
Deutschland als einer der voltswirtichaftlich, wie jsonial und national wichtigsten Aufgaben der
Begenwart.
Aus dem amerikanischen Wirtschaftsleben. Von Prof. J. aurence
Laughlin. Mit 9 graphischen Darsiellungen. G. 127.)
Ein Amerikaner behandelt für deutiche Ceser die wirtschaftlichen Fragen. die augenblicklich im
Hordergrunde des öffentlichen Cebens in amerita stehen
        <pb n="153" />
        Aus Natur und Seisteswelt.
Jeder Band geheftet M. 1.-, in Leinwand gebunden M. 1.25.
Die Japaner und ihre wirtschaftliche Entwicklung. Von Prof. Dr. KRarl
Rathgen. W5 72.)
Zchildert auf Grund langjähriger eigener Erfahrungen Tand und Leute, Staat und Wirtschafts⸗
leben sowie die Stellung Japans im Weltverkehr und ermöglicht so ein wirkliches Verständnis
für die staunenswerte innere Neugeftaltung des Candes in den letzten Jahrzehnten.
Antite wirtschaftsgeschichte. Von Dr. O. Nneurath. —
Gibt auf Grund der modernen Sorschungen einen gemeinverständlichen Übderblick über die Wiri⸗
schaftsgeschichte der Antike unter stetem Vergleich mit modernen Verhältnissen.
Die Gartenstadtbewegung. Von Generalsekr. Hans Kampffmeyer.
Mit 43 Abbildungen. 259.)
Orientiert gun ersten Male umfassend über Ursprung und Geschichte, Wege un Ziele, Be⸗
deutung und Erfolge der Gartenstadtbewegung.
Bevsngslehre. Von Prof. Dr. Max haushofer. (Bd. 50.)
will in gedrängter Form das Wesentliche der Bevölkerungslehre geben über Ermittlung dee
voltszahl, über Gliederung und Bewegung der Bevölkerung, Verhaltnis der Bevölkerung zum
bewohnten Boden und die Ziele der Bevölterungspolitik.
Arbeiterschutz und Arbe o·rversicherung. Von weil. Prof. Dr. Otto
v. Zwiedineck Südenhorst. (Bd. 78.)
Bietet eine gedrängte Darstellung des gemeiniglich unter dem Titel „Arbeiterfrage“ behandelten
Stoffes unter besonderer Berücksichtlgung der Sragen der Notwendigkett, Zweckmäßigkeit und
der tonomischen Begrenzung der einzelnen Schutzmaßnahmen und Versicherungseinrichtungen.
Die Ronsumgenossenschaft. Von Prof. Dr. Franz Sta dinger.
Bo. 222.
Stellt die Konsumgenossenschaft nach ihrer Bedeutung und, ihren Grundlagen, ihrer n
ichen Entwictlung und heutigen Organisation und in ihren Kämpfen und Zukunfis aussichten dar
Die Srauenarbeit. Ein Problem des Kapitalismus. Von Privatdozent
Dr. Kobert Wilbrandt. (Bd. 106.)
Behandelt von dem Verhältnis von Beruf und Mutterschaft aus, als dem zentralen Problem
der ganzen Frage, die Ürsachen der niedrigen Bezahlung der weiblichen Arbeit, die daraus
enistehenden Schwierigkeiten in der Ronkurrenz der Frauen mit den Männern, den Gegensat
don Arbenerinnenschutz und Befreiung der weiblichen Arbeit.
SGru⸗dzuge des Versicherungswesens. Von Prof. Dr. aufred Manes.
Bd. 105.
Behandelt die Stellung der Versicherung im Wirtschaftsleben, ihre Entwicklung und We
den Geschäftsgang eines Versicherungsbetriebs, die Dersicherungspolitik, das Persicherungsver⸗
tragsrecht und die Hersicherungswiffenschaft, ebenso die einzelnen Sweige der Versicherunq, wie
debensversicherung, Unfallverficherung usw.
verkehrsentwicklung in Deutschland. 1800 - 1900. Vorträge über
Deutschlands Eisenbahnen und Binnenwasserstraßen, ihre Entwicklung und
Herwoaltung sowie ihre Bedeutung für die heutige Polkswirts chaft. Von Prof.
hr. Walter Cotz. 3. Auflage, fortgeführt bis 100(0. Bod. 15.)
Gibt nach einer durzen Überstcht über die Hauptsortschritte in den VDerkehrsmitteln eine Geschichte
des Eisenbahnwesens, schildert den heutigen Stand der Eisenbahnverfassung, das Güter⸗ und
das Personentarifwesen. die Reformversuche und die KReformfrage, ferner die Bedeutung der
ßiunenwasserstrahen und endlich die wirkungen der modernen Verkehrsmittel.
Das Postwesen, seine Entwicklung und Bedeutung. Von Postrat Johannes
Bruns. Bd. 165.)
Sine umfassende Darstellung des gesamten Poltwesens unter Berücksichtigung der geschichtlichen
Entwidlung sowie der Beduͤrfnisse der Praxis.
Die Telegraphie in ihrer Entwicklung und Bedeutung. Von Postrat
Johannes Bruns. Mit 4 Siauren. Bd. 183.)
dibt auf der Grundlage eingehender praktischer Kenntnis der einschlägigen Derhãltnisse einen
Finblide in das für die heulige Kultur so bedeutungsvolle Gebiet der Telegraphie und seine
großartigen Fortichritte.
        <pb n="154" />
        Aus Natur und Geisteswelt.
Jeder Band geheftet M. 1.—, in CLeinwand gebunden M. 1.25.
Die Telegraphen⸗ und Sernsprechtechnit in ihrer Entwicklung.
Von Telegrapheninspektor Helmui Brid. Mit 58 Abbildungen. (Bo. 236.)
schildert unter tlarer Veranschaulichung der zugrundeliegenden Prinzipien den Entwicklungs⸗
zang der Telegraphen⸗ und Fernsprechtechnik von Flammenzeichhen und Kufposten bis züm
nodernen Mehrfach⸗ und Maschinentelegraphen und von Philipp Reis' und Graham Belis
Erfindung bis zur Einrichtung unserer großen Fernsprechumier.
Deutsche Schiffahrt und Schiffahrtspolitik der Gegenwart. Von Prof.
dr. Aari Thieß. Bd. 169.)
Hibt in übersichtlicher Darstellung der großen für ihre Entwicklung und ihr Gedeihen in Betradht
kommenden voliswirtschaftlichen Gesichtspunkte eine Rationalsfonsmit der deutschen Schiffahrt.
moderne Rechtsprobleme. vVon Prof. Josef Kohler. GBd. 128.)
behandelt nach einem einleitenden Abschnitte über Kechtsphilosophie die wichtigsten und
interessantesten Probleme der modernen Rechtspflege, insbesondere die des Strafrechts, des
sStrafprozesses, des Genossenschaftsrechts, des Zivilprozefses und des Volkerrechtes.
Verbrechen und Aberglaube. Stizzen aus der volkskundlichen Krimi⸗
nalistik. Von Kammergerichtsreferendar ÜÄr. aibert Hellwig. GBd. 212.)
Bietet eine Keihe interessanter Bilder aus dem Gebiete des kriminellen Aberglaubens, wie z. B.
don modernen Hexenprozessen. Vampyrglauben. Sympathieturen. verborgenen Schätzen. Meineids⸗
zeremonien usw.
Das dtsch. Zivilprozeßrecht. Von Rechtsanw. Dr. M. Strauß. (Bd. 315.)
Die erste zusammenfassende Orientierung auf Grund der neuen Zivilprozeßreform.
Ddie Jurisprudenz im häuslichen Ceben. Für Samilie und haushalt
dargestellt. VBon Rechtsanwalt Paul Bienengräber. 2Pände. GBd. 219. 220.)
Band J: Die FSamilie. (Bd. 219.) Band IIl: Der haushalt. (Bd. 220.)
zehandelt in anregender, durch zahlreiche, dem täglichen Leben emnommene Beispiele belebter
HDarstellung alle in der Familie und dem haushalt vortommenden ,Rechtsfragen und Rechtsfülle.
Ehe und Eherecht. Von Prof. Dr. Ludwig Wahrmund. GBod. 115.)
schildert die historische Entwicklung des Ehebegriffes nach seiner natürlichen, sittlichen und
rechtlichen Seite, untersucht das Verhaͤltnis von Staat umd Kirche auf dem Gebiete des Cherechtes
und behandelt darüber hingus auch alle jene Fragen über die redtliche Stellung der Frau und
besonders der Mutter, die immer iebhafter die öffentliche Meinung beschäftigen
Der gewerbliche Rechtsschutz in Deutschland. Don Patentanwali
ßernhard Tolksdorf. Bd. 38
ßehandelt die geschichtliche Entwicklung des gewerblichen Rechtsschutzes und führt in Sinn un—
Wesen des Patent⸗ Mufster⸗ und Warenzeichenrechts ein.
Die Miete nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch. Ein Handbüchlein für Juristen,
Mieter und Vermieter. Bon Rechtsanwalt Dr. Max sStrauß. (Bd. 194.)
Will durch eine objektipe, gemeinverständliche Darstellung des Mietrechts die beiden Gruppen Mieter
und Vermieter über ihr gegenseiliges Verhaltnis aufklaͤren und gleichzeitig durch Berüůcksichtigung
—RV—— Entscheidimgen dem prattischen Juristen als Handbuch dienen.
Das Wahlrecht. Von Kegierungsrat Dr. Oskar Poensgen. GBd. 249.)
tietet eine Würdigung der verschiedenen Wahlrechtssnsteme und Bestimmungen sowie eine Über⸗
sicht über die heufzutäge in den einzelnen Staaten geltenden Wahlrechte.
Hhierzu siehe ferner:
zloch, Soziale KRämpfe im alten Kom 8. 10. Barth, Uns. Schutzgebiete nach ihren wirischaftl.
herhaͤltuissen. Im Lichte d. Erdkunde dargestellt 8. 17. Pollitz, Ppsichologie des PBerbrechers 8.6.

Erdkunde.

mensch und Erde. Stkizzen von den Wechselbeziehungen zwischen beiden.
Don Prof. Dr. Alfred Kirchhoff. 3. auflage. Bd. 31.)
Seigt, wie die Ländernatur auf den Nenschen und seine Kultur einwirkt, durch Schilderungen
allgemeiner und r sart. der Steppen⸗ und Wüstenvölker, der Entstehhung von Nationen,
wie Deutschland und China u. a. m.
        <pb n="155" />
        Aus Natur und Geisteswelt.
Jeder Band geheftet M. 1.—, in CLeinwand gebunden M. 1.25.
Wirtschaftl. Erdkunde. Von weil. Prof. Dr. Christian Gruber. (Bd. 122.)
will die ursprünglichen Zusammenhänge zwischen der natürlichen Aucstattung der einzelnen
Tänder und der wirtschaftlichen 3 ihrer Bewohner klarmachen und Verstäudnis für
die wahre Machtstellung der einzelnen Dölker und Staaten erwecken.
Die deutschen Volksstämme und Landschaften. Von Prof. Dr. Oskar
Weise. 3. Auflage. Mit 29 Abbildungen. Bd. 16.)
schildert, durch eine gute Auswahl von Städte-, Candschafts⸗ und anderen Bildern unterstützt.
die Eigenart der denschen Gaue und Stämme, die charakteristischen Eigentümlichkelten der
Landschaft. den Einfluß auf das Temperament und die geistige Anlage der Menschen, die
Teistungen hervorragender Männer, Sitten und Gebräuche, Sagen und Märchen u. a. m.
Die deutschen Kolonien. (Cand und Ceute.) Von Dr. Adolf Hheilborn.
2. Auflage. Mit 26 Abbildungen und 2 Karten. (Bd. 98.)
Bibt eine durch Abbildungen und Rarten unterstützte objektive und allseitige Darstellung der
geographischen und ethnographischen Grundlagen. wie der wirtschaftlichen Entwicklung unserer
deutschen Kolonien.
Unsere Schutzgebiete nach ihren wirtschaftlichen Verhältnissen. Im Lichte
der Erdkunde dargestellt. Von Dr. Chr. G. Barth. (Bd. 290.)
Unsere kolonisatorischen Errungenschaften materieller und ideeller Art, wie auch die weitere
Tniwictlungssahigteit unserer Schutzgebiete werden geographisch und statistisch begründet.
Die Städte. Geographisch betrachtet. PDon Prof. Dr. Nurt Hassert. Nit
21 Abbildungen. Bd. 163.)
Erörtert die Ursachen des Entstehens, Wachsens und Vergehens der Städte, sowie ihre wirt⸗
schafts geographische Bedeutung und schildert das Städtebild als geographische Erscheinung.
Der Grient. Eine Länderkunde. Von Cwald Banse. GBd. 277. 278. 279.)
Band J. Die Atlasländer. Marotkko, Algerien, Tunesien. Mit 15 Abbildungen, 10 Kartenstizzen.
3 Diagrammen und 1J Tafel. Bo. 277.)
Band II. Der arabische Orient. Mit 29 Abbildungen und 7 Diagrammen. Bd. 278.)
Band III. Der arische Orient. Bd. 279.
Der erste Band gibt, durch zahlreiche Abbildungen unterstützt, eine lebendige Schllderung von
Tand, Leuten und wirtschaftlichen Verhältnissen in Marokko, Klgier und Tunis, der zweite eine solche
voon Agnpten, Arabien, Syrien und Mesopotamien, der dritte von Kleinasien, Armenien und Iran.
Die Polarforschung. Geschichte der Entdeckungsreisen zum Nord⸗ und
südpol von den ältesten Zeiten bis zur Gegenwart. Von Prof. Dr. Kurt
hafssert. 2. Auflage. Mit 6 Karten. Bd. 38.)
SFaßt in gedrängtem überblick die Fortschritte und wichtigsten Ergebnisse der Nord⸗ und Süd⸗
polarforschung von den ältesten Seiten bis zur Gegenwart zusammen.
meeresforschung und Meeresleben. Von Dr. Otto Janson. 2. Uufl.
Mit 41 Siguren. (Bd. 30.)
Schildert kurz und lebendig die Fortschritte der modernen Meeresuntersuchung auf geographischem,
phisitalisch·hemischem und biologischem Gebiete, die Verteilung von Wasser und Land auf, der
Erde, die Tiefen des Meeres, die phnfikalischen und chemischen Perhältnisse des Meerwafsers,
endlich die wichtigsten Organismen des Meeres, die Pflanzen und Tiere.
Die Alpen. Von Hhermann Reishauer. Mit 26Abb. u. 2 Rarten. (Bd. 276.)
Sibt, durch zahlreiche Abbildungen unterstützt, eine umfassende Schilderung des Reiches der
Alpen in landschaftlicher, erdgeschichtlicher, sowie klimatischer, biologischer, wirtschaftlicher und
berkehrstechnischer Hinsicht.

Anthropologie. Heilwissenschaft u. Gesundheitslehre.
Der Mensch. Sechs Vorlesungen aus dem Gebiete der Anthropologie.
Von Dr. Adolf hHeilborn. Mit 44 bbildungen. (Bd. 62.)
Bringt streng sachlich und doch durchaus volkstümlich das Wissen vom Ursprung des Menschen,
die Tatwiclungsgeschichte des Individuums, die Menschenrassen, die rassenanatomischen Verschieden⸗
heiten und den Tertiärmenschen zur Darstellung.
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        Aus Natur und Geisteswelt.
Jeder Band geheftet M. 1.-, in CLeinwand gebunden M. 1.28.

Die Angtomie des Menschen. Von Prof, Dr. Karl v. Bardeleben.
In 5 Bänden. Mit zahlreichen Abbildungen. (Bd. 201. 202. 203. 204. 263.)
J. Teil: Allgemeine Angtomie und Entwicklungsgeschichte. Mit 69 Abbildungen. (Bd. —M
. Teil: Das Stelett. Mit 53 abbildungen. Bd. 202.
. Teit: Das Mustel- und Gefäßsystem. Mit 68 Abbildungen. Bo 203.
T den: die Cingeweide (Darm, Atmungs- Harn⸗ u. Geschlechtsorgane). Mit 38 abb. 8. 204.
V. deil: Statikt und Mechanik des menschlichen Rörpers. Mit 26 Abbildungen. Bd. 263.
In dieser Reihe von 5 Bänden wird die menschliche Inatomie in knappem für gebildete Caien
seicht verstndlichem Texte dargestellt, wobei eine große anzahl sorgfältig ausgewählter Ab⸗
hildungen die Anschaulichkeit erhoööht. Der erste Band ane uͤ. a. einiges aus der Geschichte
der Anatomie von homer, bis zur Neuzeit, ferner die Zellens und Gewebelehre, die Ent⸗
wicklungsgeschichte, sowie Formen, Maß und Gewicht des Körpers. Im zweiten Band werden
dann Steleit, Knochen und die Gelenke nebst einer Mechanik der letzteren, im dritten die
bewegenden Organe des Körpers, die Muskeln, das Herz und die Gefäße, im vierten die Ein⸗
geweidelehre, Fan der Darmtraktus, sowie die harn- und Geschlechtsorgane, und im
suutten werden die verschiedenen Kuhelagen des Rörpers, Liegen, Stehen, Sitzen usw. sodann
je verschledenen Arten der Ortsbewegung, Gehen, Faufen, Tanzen, Schhwimmen, Reiten usw.,
endlich die wichtigsten Bewegungen innerhalb des Körpers, die der Wirbelsäule, des Herzens
und des Brustkorbes bei der Atmung zur Darstellung gebracht.
Bau und Tätigkeit des menschlichen Körpers. Von Privatdozent
Dr. heinrich Sachs. 2. Auflage. Mit 37 Abbildungen. (Bd. 32.)
Erläutert die Einrichtung und die Tätigkeit der einzelnen Organe des Körpers und zeigt dabei
vor allem, wie diese einzelnen Organe in ihrer Tätigkeit aufeinander einwirken, müteinander
zusammenhängen und so den menschlichen Körper zu einem einheitlichen Ganzen machen.
Acht Vorträge aus der Gesundheitslehre. Von weil. Prof. Dr. B.
Buchner. 3. fufl., besorgt von Prof. Dr. M.v. Gruber. Mit 26 Abb. (Bd. 1)
Unterrichtet über die ãußeren Lebensbedingungen des NMenschen, über das Verhältnis von Cuft,
icht und Wärme zum menschlichen Körper, über Kletdung und Wohnung, Bodenverhältnifse
und Wasserversorgung, die Urankheiten erzeugenden Pilze und die Infektionskrankheiten, kurz
über die wichtigsten Fragen der Hygiene.
Die moderne Heilwissenschaft. Wesen und Grenzen des ärztlichen
Wissens. Von Dr. Edmund Biernacki. Deutsch von Dr. s. Ebel. GBd. 25.)
Will in den Inhalt des ärztlichen Wissens und Rönnens einführen, indem die geschichtliche Ent⸗
wicstung der medizinischen Grundbegriffe, die Sortschritte der modernen Heilkunst, die Beziehungen
zwischeen Diagnose und Therapie, sowie die Grenzen der modernen Diagnostik behandelt werden.
Der Arzt. Seine Stellung und Aufgaben im Kulturleben der Gegenwart.
in Leitfaden der sozialen Medizin. Von Dr. med. Moritz Fürst. Gd. 265.)
Gibt einen vollständigen Üüberblick über das Wesen des ärztlichen Berufes in seinen verschiedenen
pᷣetãtigungen und veranschaulicht die heutige soziale Bedeutung unseres ärztestandes.
Der Aberglaube in der Medizin und seine Gefahr für Gesundheit
und Leben. Von Prof. Dr. D. von hansemann. Gd. 83.)
Behandelt alle menschlichen Verhältntsse, die in irgendeiner Beziehung zu Ceben und Gesundheit
ftehen, besonders mit Küdsicht auf viele schädliche rten des Aberglaubens, die geeignet sind, Krank⸗
heiten zu fördern, die Gesundheit herabzusetzen und auch in moralischer Beziehung zu schädigen.
Die Ceibesubungen und ihre Bedeutung für die Gesundheit. Von Prof.
Dr. Richard Zander. 2. Auflage. Mit 19 Ebbildungen. GBò. 13.)
will darüber aufklären, weshalb und unter welchen Umständen die Leibesũbungen segensreich
wirten, indem es ihr Wesen, andererseits die in Betracht kommenden Organe bespricht; erörtert
besonders die Weqhselbeziehungen zwischen körperlicher und geistiger Arbeit. die Leibesübungen
der Frauen, die Bedeutung des Sportes und die Gesahren der sportlichen Übertreibungen.
Ernährung und Volksnahrungsmittel. Von weil. Prof. Dr. Johannes
Srentzel. 2. Auflage. Ueu bearbeitet von Geh. Rat Prof. Dr. N. Zuntz.
Mmit 7 Abhildungen und 2 Tafeln. Bd. 19)
Gibt einen Überblick über die gesamte Ernährungslehre. Durch Erörterung der grundlegenden
Begriffe werden die Zubereitung der Nahrung und der Verdauungsapparat besprochen und endlich
die herstellung der einzelnen Nahrungsmittel, insbesondere auch der Konserven behandelt.
        <pb n="157" />
        Aus Natur und Geisteswelt.
Jeder Band geheftet M. 1.—, in Ceinwand gebunden M. 1.25.
Der aAltoholismus. Herausgegeben vom Zentralverband zur Bekämpfung
des Alkoholismus. In 3 Bänden. Bd. 103. 104. 145.)
Die drei Bändchen sind ein kleines wissenschaftliches Kompendlum der Alkoholfrage, verfaßt
bon den besten Uennern der mit ihr zusammenhängenden — und sozial⸗ethtschen
Probleme. und enthalten eine Fülie von —SES in Abersichtiicher und schoner Darstellung.

rankenpflege. Von Chesarzt Dr. Bruno Leick. (Bd. 152.)
Erörtert nach einem Überblick über Bau und Funktion der inneren Organe und deren haupt⸗
achtichste Erkrankungen die hierbei zu ergreifenden Maßnahmen, wobei besonders eingehend die
,e gInsettionstranlheiten. soͤwie bei plötzlichen Unglüdsfällen und Erkranlungen be⸗
ndelt werden.

vom Nervensnstem, seinem Bau und seiner Pedeutung für Leib und
Feele. Von prof. Dr. Richard Sander. Mit 27 Siguren. (Bd. 48.)
Trörtert die Bedeutung der nervösen Vorgänge für den Rörper, die Geistestãtigkeit und das
Frelenieben und fucht Harzulegen, unter welchen Bedingungen Stor ungen der nervoͤsen Vorgänge
anteten. wie sie zu besenigen und zu vermeiden sind.

Geisteskrankheiten. Von Anstaltsoberarzt Dr. Georg Ilberg. Gd. 151)
Erörtert an eingehend dargestellten Beispielen die wichtigsten Formen geistiger Erkrankung, um
so die richtige Beurteilung der Zeichen getig Ertrantung und damit eine rechtzeilige ver⸗
andnisbolle Behandlung derselben zu ermöglichen.

Die Geschlechtskrankheiten, ihr Wesen, ihre Herbreitung Bekämpfung
und Verhütung. Von Generaloberarzt Prof. Dr. wilhelm Schum burg.
mit 4 Aͤbbildungen und 1 Tafel. Bd. 251.)
Gibt in sachlicher, aber rückhaltlos offener Darlegung ein Bild von dem Wesen der Geschlechts⸗
rantheiten und von ihren Erregern, rvriert aus führlich ihre Bekämpfung und Verhütung, mit
besonderer Rücksicht auf das gefährliche Treiben der pᷣrostitution imd der Kurpfuscher. die
perionuchen Schutznaßregeln, sowie die Aussichten auf erfolgreiche Behandlung.
Die fünf Sinne des Menschen. Von Prof. Dr. Josef Klemens Kreibig.
ZAuflage. Mit 30 Abbildungen. Bd. 27.)
Eine Darstellung der —S Sinnesgebiete, der Organe und ihrer Funktionsweise, der als
keig wirkenden ußeren Ursachen, sowie der Empfindungen nach Inhalt, Stärke und Merkmalen.
Herz, Blutgefäßze und Blut und ihre Erkrankungen. Von Prof. Dr.
Heinrich Rosin. Bd. 312.)
Eine allgemeinverständliche Darstellung von Bau und Sunktion des Herzens und der Blut⸗
gefãße, sowie den berschiedenen Formen ihrer Erkrankungen.
Das Auge des Menschen und seine Gesundheitspflege. Von Privatdozent
hr. med. Georg Abelsdorff. Mit 16 Abbildungen. Bd 149.)
Zchildert die Anatomie des menschlichen Auges, sowie die Leistungen des Gesichtssinnes und
onden V ijngiene des Ruges, seine Erkrankungen und Verletzungen, Rurzsichtigkeit,
ererbung usw.

Die menschliche Stimme und ihre Hygiene. Von Prof. Dt. Paul
ßz. Gerber. Mit 20 Abbildungen. (Bd. 136.)
riach den notwendigsten Erörterungen ber das Zustandekommen und über die Natur der Töne
werden der Kehlkopf des menschen und seine Sunktion als musitalisches Instrument behandelt;
dann werden die Gesang⸗ und die Sprechstimme, ihre Rusbildung, ihre Fehler und Erkrankungen,
sodie deren verhutung und Behandlung erörtert.

Das menschliche Gebißz, seine Erkrankung und Pflege. Von Zahnarzt
Fritz Jager. Mit 24 Abbildungen. (Bd. 229)
schlldert Enwicklung und Aufbau, sowie die Erkrankungen der Zãhne, die Wechselbeziehungen
zwischen Zahnzerstsrnis und Fefamlorganismus und die zur Schaffung und Erhaltung eines
gesunden Gebisses dienlichen Maßnahmen.
        <pb n="158" />
        Nus Natur emnd Geisteswelt.
Jeder Band geheftet M. 1.2. in Ceinwand gebunden M. 1.25.

Die Tuberkulose, ihr Wesen, ihre Verbreitung, Ursache, Verhütung und
heilung. Von Generaloberarzt Prof Dr. Wilhelm Schumburg. Mitf Tafel
und 8 Figuren. (Bd. 47.)
Schildert nach einem Überblidk über die VHerbreitung der Tuberkulose das Wesen derselben,
—— eingehend mit dem Tuberkelbazillus, bespricht die Maßnahmen, duͤrch die man
ihn von sich fernhaͤlten kann, und erortert die Sragen der heuung der Tubertulose.
Die krankheĩiterregenden Bakterien. von Privatdozent Dr. Mar
Loehlein. Mit 31 ãbbildungen (Bo. 307.)
Hibt eine Darstellung der wichtigsten Errungenschaften der modernen Bakteriologie und eine
Übersicht über die häufigen Infektionskrankhennen nach dem Stande der neueren FSorschungen.
Der Säugling, seine Ernährung und seine Pflege. Von Dr. Walter
Raupe. Mit 17 Abbildungen (Bd. 154.)
Will der jungen Mutter oder Pflegerin in allen in Betracht kommenden Sragen den nötigen
Kat erteilen. Außer der aligemeinen geistigen und korperlichen Pflege des Kindchens werden
besonders die naturliche und künstliche Trnährung behaudeit und fuür alt diese Faͤlle zugleich
praktische Anleitung gegeben.
Fesundheitslehre für Frauen. Von weil. Privatdozent Dr. Roland
Sticher. Mit 13 Abbildungen. GBdo. 171)
Unterrichtet über den Bau des weiblichen Organismus und seine Pflege vom Kindesalter an.
vor allem aber eingehend über den Beruf der Frau ais Satuee nd Mutter.

Naturwissenschaften. Mathematik.

Die Grundbegriffe der modernen Naturlehre. von Prof. Dr.
Felix Auerbach. 2. Auflage. Mit 79 Figuren. (Bd. 40.)
ine zusammenhängende, für jeden Gebildeten verständliche Entwidlung der in der modernen
Naturgehre eine aligemeine und exatte Kolle spielenden Begriffe Raum und Bewegung, Kraft
und Nasse und der allgemeinen Eigenschaften der Materie, Arbeit, Energie und Eutropie.
Die Cehre von der Energie. Von Dr. Alfred Stein. Mit 13
Figuren. (Bd. 257.)
Vermittelt fũr jeden verständlich eine Vorstellung von der umfassenden Einheitlichkeit, die durch
die Aufstellung des Energiegesehhes in unsere gesamte Naturauffassung gekommen ist
Moletüle — Atome — weltäther. von Prof. Dr. Gustav Mie.
—A Bd. 58.)
Stellt die phisikalische Atomlehre als die ku e, logische Zusammenfassung einer großen Menge
phyfikalischer Tatsachen unter einem eie dar. die ausführlich und nac Nöcnteit
einzelne Experimente geschildert werden.
Das Licht und die Sarben. Von Prof. Dr. Ceo Graetz. 2. Auflage.
Mit 116 Abbildungen. Bd. 17.)
Behandelt. ausgehend von der scheinbar geradlinigen Ausbreitung, Zurückwerfuug und Brechung
des Cichtes. das Wesen der Farben. die Beugungserscheinungen und die Photographie.
Sichtbare und unsichtbare Strahlen. Von Prof. Dr. Richard Börn⸗
stein und Prof. Dr. W. Marckwald. 2. Auflage. Mit 88 Abb. (Bdo. 64.)
Schildert die verschiedenen Arten der Strahlen, darunter die KAathoden⸗ und Rontgenstrahlen,
die Hertzschen Wellen, die Strahlungen der radioattiven Körper Urau und Radiumd nach ihrer
Entitehung und Wirkungsweise, unter Darstellung der charalteristischen Vorgänge der Strahlung.
Einführung in die chemische Wissenschaft. Von Prof. Dr. Walter
Löb. Mit 1WG FSiguren. GBo. 264.)
Ermöglicht durch anschauliche Darstellung der den chemischen Vorgängen zugrunde liegenden
allgemeinen Tatsachen, Begriffe und Gesetze ein gründliches Verständnis dieser und ihrer pra—
dischen Anwendungen
        <pb n="159" />
        Aus Natur und Geisteswelt.
Jeder Band geheftet M. 1.—, in Ceinwand gebunden M. 1.25.

Die optischen Instrumente. Von Or. Moritz von Rohr. Mit 84 4b⸗
bildungen. (Bd. 88.)
Gibt eine elementare Darstellung der optischen Instrumente nach den modernen Anschauungen,
wobei das Ultramikroftop, die neuen Apparate zur mitrophotographie mit ultraviolettem Cicht,
die Prismen- und die Zielfernrohre. die pᷣrosesionsapparate und stereostopischen Entfsernunas⸗
messer erläutert werden.
Spettrostopie. Von Dr. C. Grebe. Mit 62 Abbildungen. (Bd. 284.)
Gibt etne von zahlreichen Abbildungen unterstützte Darstellung der spektroskopischen Sorschung
und ihrer weitiragenden Ergebnisse für wissenschaft und Technik.
Das mitrostop, seine Optik, Geschichte und Anwendung. Von Dr.
Do sScheffer. Mii 66 Abbildungen. Bd 35.)
Nach Erläuterung der opttschen Konstruktton und Wirkung des Mikrostops und Darstellung der
historischen Entwicklung wird eine Beschreibung der modernsten Mikroskoptnpen. Hilfsapparate
und Insirumente gegeben und gezeigt. wie die mitrostopische Untersuchnng die Cinsicht in
Naturvorgänge vertieft.
Das Stereostop und seine Anwendungen. Von Prof. Theodor hartwig.
Mit 40 Abbildungen und 19 Tafeln. Bd. 135.)
Behandelt die verschiedenen Erscheinungen und Anwendungen der Stereostopie, insbesondere
die stereostopischen himmelsphotographien, die siereostopische Darstellung milroskopischer Ob⸗
jette, das Stereostop als Mekßinstrument und die Bedeutung und Anwendung des Stereo⸗
komparators.
Die Cehre von der Wärme. Von Prof. Dr. Richard Börnstein.
Mit 33 Abbildungen. (Bd. 172.)
Behandelt ausführlich die Tatsachen und Gesetze der Wärmelehre, Ausdehnung erwärmter
Roͤrper und Temperaturmessung, warnemessung, Wärme⸗ und Kältequellen, Wärme als
Energieform, Schmelzen und Ersiarren, Sieden, Verdampfen und Verflüssigen, Verhalten des
Wasserdampies in der Atmosphäre. Dampf- und andere Wärmemaschinen und ichlieklich die
Bewegung der Wärme.
Die Phisik der Kälte. Von Dr. heinrich Alt. (Bò. 311.)
Ein UÜberblick über die künstliche Erzeugunag tiefster Temperaturen und ihre so wichtige
technische Verwendung.
Cuft, Wasser, Cicht und Wärme. Neun Vorträge aus dem Gebiete
der Experimental⸗ Chemie. Von Prof. Dr. Reinhart Blochmann. 3. Kufl.
Mit 15 Abbildungen. (Bd. 5.)
Führt unter besonderer Berücksichtigung der alltäglichen Erscheinungen des praktischen CLebens
in das verständnis der chemischen Erscheinungen ein und zeiqt die außerordentliche Bedeutung
derselben für unser Wohlergehen.
Das wasser. Von Privatdoz. Dr. O. Anselmino. Mit 44 Abb. (Bd. 291)
Gibt eine zusammenfassende Darstellung unseres gesamten Wissens über das Wasser. dies
Lebenselement der Erde, unter besonderer Beructsichtigung des praktisch Wichtigen.
Natürliche und künstliche pflanzen⸗ und Tierstoffe. Von Dr.
B.Pavink. Mit 7 Siguren. Bd. 187.)
Will einen Einblick in die wichtigsten theoretischen Erkenninisse der organischen Chemie geben
und das derständnis für ihre darauf begründeten praktischen Entdecküngen und Erfindungen
vermitteln.
Der Cuftstickstoff u. seine Perwertung. Von Prof. Dr. Rarl Kaiser. Bd. 315.)
Ein überblick über Wesen, Bedeutung und Geschichte dieses wichtigsten und modernsten Problems
der ñgrituiturchemie bis auf die neuesten erfolgreichen Versuche zu seiner Lösung.
Die Erscheinungen des Cebens. Von Privatdozent Dr. h. Miehe.
Mit 40 Siguren. Bd. 130.)
Sucht eine umfassende Totalansicht des organischen Lebens zu geben, indem es nach einer
Eroͤrterung der spekulativen vorstellungen über das CLeben und ener Beschreibung des Proto⸗
plasmas und der Zelle die hauptsachlichsten ußerungen des Cebens, wie Entwicklung, Ernãhrung⸗
une das Sinnesseben. die Soripflaänzung, den Tod und die Pariabilität bebandelt.
        <pb n="160" />
        Aus Nacur und Geisteswelt.
Jeder Band gehestet M. 1.—, in Ceinwand gebunden M. 1.25.

Abstammungslehre und Darwinismus. Von Prof. Dr. Richard
hesse. 3. Auflage. Mit 37 Siguren. (Bd. 39.)
Bibt einen kurzen, aber klaren Einblick in den gegenwärtigen Stand der Abstammungslehre
und sucht die Frage, wie die Umwandlung der organischen Wesen vor lich gegangen ist, nach
dem neuesten Stande der FSorschung zu beantworten.

Der Befruchtungsvorgang, sein Wesen und seine Bedeutung. Von
Dr. Ernst Teichmann. Mit 7 Abbildungen und 4 Doppeltafeln. Gd. 70.)
Eine gemeinverständliche, streng sachliche Darstellung der bedeutsamen Ergebnisse der modernen
Forschung über das Befruchtungsproblem.

Das Werden und Vergehen der Pflanzen. vVon Prof. Dr. Paul
Gisevius. Mit 24 Abbildungen. Bd. 173.)
Eine leichtfatzliche Darstellung alles dessen, was uns allgemein an der Pflanze interessier
eine ie „Botanik des praklischen Cebens“. ⸗ pflanz sMierh
Vermehrung und Sexualität bei den Pflanzen. Von Prof. Dr.
Ernst Küster. Mit 38 Abbildungen. (Bd. 112.)
Gibt eine kurze Übersicht üher die wichtigsten Formen der vegetativen Vermehrung und
beschäftigt sich eingehend mit der Sexugltat der Pflanzen, deren überraschend vielfache und
mannigfaltige Außerungen, ihre große Verbreitung im Pflanzenreich und ihre in allen Einzel⸗
heiten erkennbare Übereinfstimmung mit der Sexualltät der Tiere zur Darstellung gelangen.

Unsere wichtigsten Kulturpflanzen (die Getreidegräser). Von
Prof. Dr. Karl Glesenhagen. 2. Aufl. Mit 38 Figuren. (Bd. 10.)
Behandelt die Getreidepflanzen und ihren Anbau nach botanischen wie kulturgeschichtlichen Ge⸗
sichtspunkten, damit zugleich in anschaulichster Form allgemeine botanische Kenntnisse vermittelnd.
Der deutsche Wald. Von Prof. Dr. hans hausrath. Mit 15 Ab⸗
bildungen und 2 Karten. (Bd. 153.)
Schlldert unter Berücksichtigung der geschichtlichen Entwicklung die CLebensbedingungen und den
Zustand unseres deutschen Wäldes. die Herwendung seiner Erzeugniffe sowie seine günstige
Einwirkung auf Klima, Fruchtbarkeit, Sicherheit und Gefundheit des Landes, und erörtert zum
Schlusse die Pflege des Waldes. Ein Büchlein also für jeden Waldfreund.
Der Obstbau. Von Dr. Ernst Voges. Mit 13 Abbildungen. (Bd. 107.)
Will über die wissenschaftlichen und technischen Grundlagen des Obstbaues sowie seine Natur⸗
geschichte und große voltswirtschaftliche Bedeutung unterrichten. Die Geschtchte des Obstbaues,
das Leben des Obstbaumes, Obstbaumpflege und Obstbaumschutz, die wissenschaftüche Goft⸗
kunde. die üsthetik des Obstbaues gelangen zur Behandlung.

Kolsonialbotanit. Von Privatdoz. Dr. F. Tobler. Mit 21 Abb. (Bd. 184.)
Schildert die allgemeinen Grundlagen und Methoden Dscher Candwirtschaft und behandelt
im besonderen die bekanntesten Kolonialprodukte, wie Raffee, Zuder, Reis, Baumwolle ufsw.

Kaffee, Tee, Kakao und die übrigen narkotischen Getränke. Von Prof.
Dr. Arwed Wieler. Mit 24 Abbildungen und i Karte. (Bd. 132)
Behandelt Kaffee, Tee und Kakao, sowie Mate und Kola in bezug auf die Art und Verbreitung
der Stammpflanzen, ihre Kultur und Ernte bis zur Gewinnung der fertigen Ware.
Die Pflanzenwelt des mikroskops. Von Bürgerschullehrer Ernst
Reukauf. Mit 100 Abbildungen. GBo. 181.)
Eröffnet einen Cinblick in den staunenswerten Sormenreichtum des mikrostopischen Pflanzen⸗
lebens und lehrt den Ursachen ihrer wunderbaren Lebenserscheinungen nachforschen.
Die Tierwelt des Mitkrostops (die Urtiere). Von Privatdozent Dr.
Richard Goldschmidt. Mit 38 Abbildungen. GBd. 160.)
Eröfsnet dem Vaturfreunde ein Bild reichen Lebens im Wassertropfen und sucht ihn zuglelch
zu eigener Beobachtung anzuleiten.
        <pb n="161" />
        Aus Natur und Geisteswelt.
Jeder Band geheftet M. 1.—, in Leinwand gebunden M. 1.25.
Die Beziehungen der Tiere zueinander und zur pflanzenwelt.
Von Prof. Dr. R. Kraepelin. (Bd. 79.)
Stellt in großen Zügen eine Fülle wechfelseitiger Beziehungen der Organismen zueingnder dar.
Familienleben und Sraatenbildung der Tiere, wie die interessanten Beziehungen der Tiere und
Pflanzen zueinander werden geschildert.
Tierkunde. Eine Einführung in die Zoologie. Von Privatdoz. Dr. Nurt
hennings. Mit 34 Abb. (Bd. 142.)
Stellt die charakteristischen Eigenschaften aller Tiere — Bewegung und Empsindung, Stosf⸗
wechsel und Fortpflanzung — dar und sucht die Tatigkeit des Tierleibes aus seinem Bau ver⸗
ständlich zu machen.
Dergleichende Anatomie der Sir gane der Wirbeltiere.
Don Prof. Dr. Wilhelm CLubosch. Mit 107 Aäbbildungen. GBd. 282.)
Gibt eine auf dem Entwicklungsgedanken gufgebaute allgemeinverftändliche Darstellung eines
der interessantesten Gebiete der modernen Natürsorschung.
Die Stammesgeschichte unserer Haustiere. Von Prof. Dr. Carl
Keller. Mit 28 Abbildungen. (Bd. 252.)
Schildert eingehend den Verlauf der Haustierwerdung, die allmählich eingetretene Umbildung
der Kafsen sowie insbesondere die Stammformen und Bildungsherde der einzelnen Haustiere.
Die Sortpflanzung der Tiere. Von Privatdozent Dr. Richard Gold⸗
schmidt. Mit 77 Abbildungen. (Bd. 253.)
Bewährt durch anschauliche Schilderung der zu den wechs elvollsten und überraschendfien bio⸗
ogischen Tatsachen gehörenden Formen der tierischen Fortpflanzung sowie der Brutpflege Einblick
imn'dae mit der menschlichen Sittlichteit in so engem Zusammenhsang stehende Tatsachengebiet.
Deutsches Bogelleben. Von Prof. Dr. Alwin Poigt. (Bd. 221.
will durch Schilderung des deutschen Vogellehens in der Verschiedenartigkeit der Daseins—
bedingungen in den wechselnden Caͤndschaften die Kenntnis der charakteriftischen Vogelarten
und namentlich auch ihrer Stimmen fördern.
vogelzug und Pogelschutz. Von Dr. Wilhelm R. Ecardt. (Bd. 218.)
Eine wissenschaftliche Erklärung der rätselhaften Tatsachen des Dogelzuds und der daraus ent⸗
springenden praktischen Forderungen des Vogelichutzes.
Korallen und andere gesteinsbildende Tiere. Von Prof. Dr. W. Man.
Mit 45 Abbildungen. GBo. 2531)
Schildert die gesteinsbildenden Tiere, vor allem die sür den Bau der Erdrinde so wichtligen
Uorallen nacis Bau, Lebensweise und Vorkommen.
Cebensbedingungen und Verbreitung der Tiere. Von Prof. Dr.
Otto Maas. Mit 11 Rarten und Abbildungen. (Bdo. 139.)
Zeigt die Tierwelt als Teil des organischen Erdganzen, die Abhängigkeit der Verbreitung des
Tleres von dessen Lebensbedingungen wie von der Erdgeschichte. ferner von Uahrung. Tempe⸗
ratur, CLicht, Cuft und Vegetation, wie von dem Eingreifen des Menschen. und betrachtet an der
hand von Karten die geographische Einteilung der Tierwelt.
Die Bakterien. Von Prof. Dr. Ernst Gutzeit. Mit 13 Abbild. (Bd. 233.)
Setzt, gegenüber der laienhaften Identifikation von Bakterien und Krankheiten, die allgemeine
Bedeutung der Kleinlebewelt für den Kreislauf des Stoffes in der Natur und dem haushalt
des Menschen auseinander.
Die Welt der Organismen. In Entwicklung und Zusammenhang dar⸗
gestellt. Von Prof. Dr. Kurt Campert. Mit 52 Abbildungen. (Bd. 286.)
Sibt einen allgemeinverständlichen Überblick über die Gesamtheit des Tier⸗ und Pflanzenreiches,
über den Aufbau der Organismen, ihre Lebensgeschichte. ihre Abhängigkeit von der äußeren
Umgebung und die Wechselbeziehungen zwischen den einzelnen Gliedern der belebten Natur.
Zwiegestalt der Geschlechter in der Tierwelt Oimorphismus). Von
Dr. Sriedrich Knauer. Mit 37 Abbildungen. (Bd. 148.)
Die mertwurdigen, oft exstaunlichen Verschiedenheiten in Aussehen und Ban der Tiergeschlechter
werden durch zahlreiche Beispiele aus allen Gruppen auf wissenschaftlicher Grundlage dargejtellt.
        <pb n="162" />
        Aus Natur und Geisteswelt.
Jeder Band geheftet M. 1.—, in Leinwand gebunden M. 1.25.

Die Ameisen. Von Dr. Sriedrich Knauer. Mit 61 Siguren. (Bd. 94.)
Faßt die Ergebnisse der Forschungen über das Tun und Treiben einheimischer und exotischer
Ameisen, üher die Dielgestaltigkeit der Formen im Ameisenstaate, über die Bautätigkeit, Brut⸗
pflege und die ganze Olonomie der Ameisen, über ihr Zusannienieben mit anderen Tieren und
mit Pflanzen, und über die Sinnestätigkeit der Ameisen zusammen.
Das Süßwasser⸗Plankton. Von Dr. Otto Zacharias. Mit 49 Ab—
bildungen. Bo. 156.)
Bibt eine Anleitung zur Kenntnis jener mikrostopisch kleinen und für die Existenz der höheren
Tebewesen und für die Naturgeschichte der Gewässer so wichtigen Tiere und Pflanzen. Die
wichtigsten Formen werden vorgeführt und die merkwuͤrdigen Lebensverhältnisse undbedingungen
dieser unsichtbaren Welt einfach und doch vielseitig erörtert
Der Kampf zwischen Mensch und Tier. Von Prof. Dr. Karl E ckstein.
2. Auflage. Mit 51 Siguren. GBo. 18.)
Der hohe wirtschaftliche Bedeutung beanspruchende Kampf zwischen Mensch und Tier erfährt
eine eingehende Darstellung, wobei besonders die Kampfmittel beider Gegner, hier Schußwaffen,
Fallen, Giste oder auch besondere Wirtschaftsmethoden, dort spitzige Kraiie, scharfer Zahn, furcht⸗
bares Gift, Cist und Gewandtheit geschildert werden.
Wind und Wetter. Von Prof. Dr. Ceonhard Weber. 2. Auflage.
Mit 28 Figuren und 3 Tafeln. Bd. 55.)
schildert die historischen Wurzeln der Meteorologie, ihre physikalischen Grundlagen und ihre
Bedeutung im gesamten Gebiele des Wissens, ersrtert die hauptsächlichsten Aufgaben, die dem
ausũbenden Meteorologen obliegen, wie die prakuische Anwendung in der Weitervorhersage.
Der Bau des Weltalls. Von Prof. Dr. J. Scheiner. 3. Auflage. Mit
26 Figuren. (Bd. 24)
Gibt eine anschauliche Darstellung vom Bau des Weltalls wie der einzelnen Welttörper und
der Mittel zu ihrer Erforschung.
Entstehung der Welt und der Erde, nach Sage und Wissenschaft.
Von Geh, Regierungsrat Prof. D. M. B. Weinstein. Bd. 223.)
Zeigt, wie die Frage der Entstehung der Welt und der Erde in den Sagen aller Völler und
Zeiten und in den Theorien der wee beantwortet worden ist.
Das astronomische Weltbild im Wandel der Zeit. Von Prof. Dr.
Samuel Oppenheim. Mit 24 Abbildungen. (Bd. 110.)
Schildert den Kampf des geozentrischen und heliozentrischen Weltbildes, wie er schon im Altertum
hei den Griechen entstanden ist, anderthalb Jahrtausende später zu Beginn der Neuzeit durch
Kopernilus von neuem aufgenommen wurde und da erst mit einem Siege des heüoemenchen
—— schloß.
Der Mond. Von Prof. Dr. Julius Franz. Mit 31 Abbild. Bd. 90.)
Sibt die Ergebnisse der neueren Mondforschung wieder, eroͤrtert die Mondbewegung und Mond⸗
bahn, vespricht den Einfluß des Mondes auf die Erde und behandelt die Fragen der Ober⸗
flächenbedingungen des Mondes und die charakteristischen Nondgebilde, anschaulich zusammen⸗
gefaßt in „Beobachtungen eines Mondbewohners“, endlich die Bewohnbarkeit des Mondes.
Die Planeten. Von Prof. Dr. Bruno Peter. Mit 18 Figuren. (Bd. 240.)
Bietet unter steter Berücksichtigung der geschichtlichen Entwicklung unserer Erkenntnis eine ein
gehende Darstellung der einzelnen Körper unseres Planetensystems und ihres Wesens.
Der Kalender. Von Prof. Dr. W. F. Wislicenus. (Bd. 69.)
Erklärt die für unsere Zeitrechnung bedeutsamen astronomischen Erscheinungen und schildert die
historische Entwicklung des Nalenderwesens vom römischen Kalender ausgehend, den Werdegang
der christlichen Kalender bis auf die neueste Zeit verfoigend seht ihre Tim ichtungen aueααα
und lehrt die Berechnung kalendarischer Angaben.
Aus der Vorzeit der Erde. Von Prof. Dr. Fritz Frech. In 5 Bänden.
2. Auflage. Mit zahlreichen Abbildungen. GBd. 207- 211.)
In 5 Bänden wird eine vollständige Darstellung der Fragen der allgemeinen Geologie und
physischen Erdkunde gegeben. wobel UÜbersichtstabellen die Fachausdrücke und die Reihenfolge
der geologischen Perioden erlaͤutern und auf neue, vorwiegend nach Original⸗Photographien ange⸗
fertigte Abbildungen und auf anschautiche. lebendide Schilderung besonders Wert gelegt ist.
        <pb n="163" />
        Aus Natur und Geisteswelt.
Jeder Band geheftet M. 1.—, in Leinwand gebunden M. 1.25.

Band 1: Gebirgsbau, Erdbebenlehre und Vulkanismus. (Bd. 207.)
Band U: Rohlenbildung und Klima der Vorzeit. Bo. 208.
Band IiI: Die Arbeit des fließenden Wassers. Eine Einleitung in die phnysikalische Geologie.
Mit 51 Abbildungen im Text und auf 3 Tafeln. GBd. 209.)
Behandelt als eines der interessantesten Gebiete der Geologie die Arbeit fließenden Wassers, Tal⸗
bildung u. Karstphänomen, Höhlenbildung u. Schlammvulkane, Wildbäche, Quellen u. Grundwasser.
Band IV: Die Arbeit des Ozeans und die chemische Tätigkeit des Wassers im allgemeinen.
Mit 1 Titelbild und 51 Tertabbildungen. (Bd. 210.)
Behandelt die grundlegenden erdgeschichtlichen Dorgänge der Bodenbildung und Abtragung, der
Uüstenbrandung und maritimen Gesteinsbildung und schließlich die Geographie der großen
Ozeane in Vergangenheit und Zukunft.
Band V: Gleischer und Eiszeit. GBo. 211.)
Arithmetik und Algebra zum Selbstunterricht. Von Prof. Dr. Paul
Trantz. In 2 Bänden. Mit Siguren. (Bò. 120. 205.)
I. Teil: Die Rechnungsarten. Gleichungen ersten Grades mit einer und mehreren Unbekannten.
Gleichungen zweiten Grades. ZAuflage. Mit 9 Siguren. (Bd. 120.)
II. Teil: Gleichungen. Arithmetische und geometrische Reihen. Zinseszins⸗ und Rentenrechnung.
RKomplerxe Zahlen. Binomischer Lehrsatz. Mit 21 Siguren. GBd. 205.)
Bandel unterrichtet in leicht faßlicher, für das Selbststudium geeigneter eingehender Darstellung
unter Beifügung ausführlich berechneter Beispiele über die fieben Rechnungsarten, die Gleichungen
ersten Grades mit einer und mehreren Unbekannten und die Gleichungen zweiten Grades mit
einer Unbekannten, Band I ebenso über Gleichungen höheren Grades, arithmetische und geometrische
Reihen, Zinseszins⸗ und KRentenrechnung, komplexe Zahlen und über den binomischen Cehrsatz.
Einführung in die Infinitesimalrechnung mit einer historischen
Übersicht. Von Prof. Dr. Gerhard Kowalewski. Mit 18 Sig. Gd. 197.)
Will, ohne große Kenntnis vorauszusetzen, in die moderne Behandlungsweise der Infinitesimal⸗
recniung einführen, die die Grundlage der gesamten mathematischen Naturwissenschaft bildet.
mathematische Spiele. Pon Dr. Wilhelm Ahrens. Mit70Sig. (Bd. 170.)
Tin kurzweiliger und doch zuverläfsiger Führer für jeden, dem das tiefere Verständnis der
täglich von ihm geübten Unterhaltungsspiele Freude macht.
Das Schachspiel und seine strategischen Prinzipien. Von Dr. Max Lange.
Mit den Bildnissen E. Laskers und P. Morphnus, 1 Schachbrettafel und 43
Darstellungen von Ubungsspielen. Bd. 281.)
Sucht durch eingehende, leichtverständliche Einsührung in die Spielgesetze sowie durch eine
größere, mit Erläuterungen versehene Auswahl interessanter Schachgänge berühmter Meister
diesem anregenösten und geistreichsten aller Spiele neue Freunde und Anhänger zu werben.
Hhierzu siehe ferner:
Janson, Meeresforschung und Meeresleben —. 17.
Angewandte Naturwissenschaft. Technik.
Am sausenden Webstuhl der Seit. UÜbersicht über die Wirkungen der
Entwicklung der Naturwissenschaften und der Technik auf das gesamte Uultur⸗
leben. Von Geh. Reg.-Kat Prof. Dr. Ing. Wilhelm Launhardt. 2. Aufl.
Mit 16 4abbildungen. GBd. 23)
Ein geistreicher Kückblick auf die Entwicklung der Naturwissenschaften und der Technit. der die
Weltwunder unserer Zeit verdankt werden.
Die Uhr. Von Reg.Bauführer a. D. H. Bock. Mit 47 Abbild. (Bo. 216.)
Behandelt Grundlagen und Technik der Zeitmessung, sowie eingehend, durch zahlreiche technische
Zeichnungen unterftützt, den Mechanismus der Seitmesser und der feinen Präzisionsuhren nach
seiner theoretischen Grundlage wie in seinen wichtigsten Teilen.
Bilder aus der Ingenfetachnik. Von Baurat Kurt Merckel. Mit
45 Abbildungen. (Bd. 60.)
Seigt in einer Schilderung der Ingenieurbauten der Babnlonier und Asfyrer, der Ingenieur—
lechnik der alten ARegypter, unter vergleichsweiser Zehandlung der modernen Irrigationsanlagen
daselbst, der Schöpfüngen der antiken griechtschen Ingenieure, des Städtebaues im Altertum ünd
ver rönischen Wasserleitunashauten die hohen Ceistungen der Völker des Altertums.
        <pb n="164" />
        Aus Natur und Geisteswelt.
Jeder Band geheftet M. J.-, in Leinwand gebunden M. 1.25.

Schspfungen der Ingenieurtechnit der Neuzeit. Von Baurat Kurt
Merckel. 2. Auflage. Mit 55 Abbildungen. Bd. 28.)
Führt eine Keihe interessanter Ingenieurbauten, die Gebirgsbahnen und die Gebirgsstraßen der
sdweiz und Tirols, die großen Eisenbahnverbindungen in Assen, endlidy die modernen Uanal⸗
und Hafenbauten nach ihrer technischen und wirtschaäftlichen Bedeutung vor.
Der Eisenbetonbau. Von Dipl.⸗Ing. E. Haimovici. Mit 81 Abb. (Bd. 275.)
Bibt eine sachmännische und dabei doch allgemein verständliche Darstellung dieses neuesten, in
33 Dgunns für Hoch- und Tiefbau. Brücken⸗ und Wafsserbau stetig wachsenden 8weiges
er Technik.
Das Eisenhüttenwesen. Von Geh. Bergrat Prof. Dr. hermann
Wedding. 3. Auflage. Mit 15 Fiqguren. GBd. 20.)
Schildert, wie Cisen erzeugt und in seine Gebrauchsformen gebracht wird, wobei besonders der
hochofenprozeß nach seinen chemischen, physikalischen und Jeologischen Grundlagen dargestellt
und die —— der verschiedenen Eisenarten und die dabei in Petracht kommenden Prozeffe
erörtert werden.

Die Mmetalle. Von Prof. Dr. KarslScheid. 2. Auflage. Mit 1606b. Bdò 29.)
Behandelt die für Kulturleben und Industrie wichtigen Metalle, die mutmaßliche Bildung der
Erze, die Gewinnung der Metalle aus den Erzen. das hüttenwesen mit seinen verschiedenen
ssSiystemen, die Fundorte der Metalle, ihre Eigenschaften, Verwendung und Verbreitung.
mechanit. Bd. L. Die Mechanik der festen Körper. Von Geh. Regierungsrat
Albrecht von Ihering. Mit 61 Abbildungen. GBd. 303.)
Durch Anwendung der graphischen Methode und insucgung instruktiver Beispiele eine ausge⸗
zeichnete Darstellüng der Grundlehren der Mechanik der festen Uörper.
Band II: Die Mechanik der flüssigen Körper. (In Vorbereitung.)
Band III: Die Mechanik der gasförmigen Körper. (In Vorbereltung.)
Maschinenelemente. Von Prof. Richard Vater. Mit 184 4bb. Bd. 301.)
Eine Übersicht über die Fülle der einzelnen ineinandergreifenden Teile, aus denen die Maschinen
zusammengesetzt sind, und ihre Wirkungsweise.
hebezeuge. Das heben fester, slüssiger und lustförmiger Körper. Von
Prof. Kichard Vater. Mit 67 Abbildungen. Bd. 196.)
Eine für weitere Kreise bestimmte, durch zahlreiche einfache Skizzen unterstützte Abhandlung
über die Hebezeuge, wobei das Heben sester, flssiger und luftförmiger Karper nach dem
neuelsten Stande der Sorschungen eingehend behandeit wird.
Dampf und Dampfmaschine. Von Prof. Richard Vater. 2. Auflage.
Mit 45 Abbildungen. Bd. 63.)
Schildert die inneren Vorgänge im Dampfkessel und namentlich im Zylinder der Dampf ·
maschine, um so ein richtiges Herständnis des Wesens der Dampfmaschine und der in der
Dampfmaschine sich abspielenden Vorgänge zu ermöglichen.
Einführung in die Theorie und den Bau der neueren Wärme⸗
kraftmaschinen (Gasmaschinen). Von Prof. Richard Vater. 3. Auflage.
Mit 33 Abbildungen. Bd. 21.)
Gibt eine die neuesten Forischritte berücksichtigende Darstellung des Wesens, Betriebes und
der Bauart der immer wichtiger werdenden Benzin⸗, Petroleum- und Spiriusmaschinen.
Neuere Sortschritte auf dem Gebiete der wärmekraftmaschinen.
Von Prof. Richard Vater. 2. Auflage. Mit 48 Abbildungen. Bd. 86.)
Will ein Urteil über die Konkurrenz der modernen Wärmekraftmaschinen nach ihren vor⸗ und
Nachteilen ermöglichen und weiter in Bau und Wirkungsweise der Dampfturbine einführen.
Die Wasserkraftmaschinen und die Ausnützung der Wasserkräfte. Von
Beh. Regierungsrat Albrecht v. Ihering. Mit 73 Figuren. (Bo. 228.)
de von dem primitiven Mühlrad bis zu den großärtigen Anlagen, mit denen die moderne
Technik die Kraft des Wassers zu den gewaltigsten Teistungen auszunutzen versteht.
Candwirtsch. Maschinenkunde. Von Prof. Dr. Gust. Sischer. (Bd. 316.)
Ein Überblick über die verschiedenen Arten der landwirtschaftlichen Maschinen und ihre
modernsten Dervollktommnungen.
        <pb n="165" />
        Aus Natur und Seisteswelt.
Jeder Band geheftet M. 1.—, in Leinwand gebunden M. 1.25.

Die Eisenbahnen, ihre Entstehung und gegenwärtige Verbreitung. Von
Prof. Dr. Friedrich Hahn. Mit zahlreichen Abbildungen. (Bd. 71)
Nach einem Rückblid auf die frühesten Zeiten des Eisenbahnbaues führt der Verfasser die
moderne Eifenbahn im, allgemeinen nach ihren reregelcg vor. Der Bau des Bahn⸗
förpers, der Tunnel, die großen Brückenbauten sowie der Betrieb selbst werden besprochen,
schliehlich ein überblick über die geographische Verbreitung der Cisenbahnen gegeben.
Hheizung und Cüftung. Von Ingenieur Johann ECugen Mayer. Mit
40 Abbildungen. (Bd. 241.)
Will über die verschiedenen Asperge und Heizungsarten menschlicher Wohn⸗ und Aufenthaltsräume
 orientieren und zugleich ein Bild von der modernen Lüftungs⸗ und Heizungstechnik
geben, um dadurch Interesse und Verständnis für die dabei in Betracht kommenden, in gesundheit⸗
ücher Beziehung so überaus wichtigen Gesichtspunkte zu erwecken.
Die technische Entwicklung der Eisenbahnen der Gegenwart. Von
Cisenbahnbau⸗ u. Betriebsinsp. Ernst Biedermann. Mit 50 abb. (Bd. 144.
Behandelt die wichtigsten Gebiete der modernen Eisenbahntechnik, Oberbau, Entwicklung und
Umfang der Zpurbahnnetze in den verschiedenen Cändern, die Geschichte des Tokomotivenwesens
bis zur Ausbildung der heißdampflokomotiven einerseits und des elektrischen Betriebes anderer⸗
seits sowie der Sicherung des Betriebes durch Stellwerks- und Blockanlagen.
Das Automobil. Eine Einführung in Bau und Betrieb des modernen
Kraftwagens. Von Ing. Karl Blau. Mit 83 4bbild. (Bd. 166.)
Gibt einen anschaulichen Überblick über das Gesamtgebiet des modernen Automobilismus,
wobei besonders das Penzinautomobis, das Elektromobn und das Dampfautomobil nach ihren
Kraftquellen und sonstigen technischen Einrichtungen wie Zündung, Kühlung, Bremsen. Steuerung,
Bereifung usw. besprochen werden.
Grundlagen der Elektrotechnik. Von Dr. Rudolf Blochmann. Mit
128 Abbildungen. (Bd. 168.)
Eine durch lehrreiche Abbildungen unterftützte Darstellung der elektrischen Erscheinungen, ihrer
Grundgesetze und ihrer Beziehungen zum Magnetismus sowie eine Einführung in das Ver⸗
flandnis der zahlreichen praktischen Anwendungen der Elektrizttät.
die Telegraphen⸗ und Sernsprechtechnik in ihrer Entwicklung.
bon Telegrapheninspektor Helmut Brick. Ntit 58 Abbildungen. (Bd. 235.)
Eine erschöpfende Darstellung der geschichtlichen Entwicklung der rechtlichen und technischen
rundlagen sowie der Organisation und der verschiedenen Betriebsformen des Telegraphie⸗
und SFernspredwesens der Erde.
Draähte und Kabel, ihre Anfertigung und Anwendung in der Elektro—
technit. Von Telegrapheninspektor Helmuth Brick. Mit 47 Abb. Gd. 285.)
Gibt, ohne quf technusche Einzelheiten einzugehen, durch Illustrationen unterstützt, ngch einer
elementaren Darstellung der Theorie der Leilung, einen allgemein verständlichen Überblick
uber die Herstellung, Beschaffenheit und Wirlungsweise aller zür übermittlung von elektrischem
ssstrom dienenden Leitungen.
Die Sunkentelegraphie. DPon GMberpostpraktikant H. Thurn. Mit
53 Illustrationen. (Bd. 167.)
Noch eingehender Darstellung des Syftems Telefunken werden die für die verschiedenen Au⸗
wendungẽsgediete erforderlichen Konstruktionstnpen vorgeführt, wobei nach dem neuesten Stand
von Wifsenschaft und Technit in jüngster Zeit ausgeführte Enlagen beschrieben werden. Danach
wird der Einfluß der Funkentelegraphie guf Wirsschaftsverkehr, und Wirtschaftsleben sowie die
Regelung der Funkentelegraphie im deutschen und internationalen Verkehr erörteri.
Nautik. Von Oberlehrer Pr. Johannes Möller. Mit 58 Sig. (Bd. 255.)
Gibt eine allgemeinverständliche übersicht über das gesamte Gebiet der Steuermannskunst, die
mitlel und methoden, mit deren Hilfe der Seemann sein Schiff sicher über See bringt.
Die Cuftschiffahrt, ihre wissenschaftlichen Grundlagen und ihre technische
Entwicklung. Von DÄDr. Raimund Rimführ. 2. Aufl. Mit 42 Uibb. GBd. 300.)
Bietet eine umfassende Darstellung der wissenschaftlichen Grundlagen und technischen Entwicklung
der Luftschiffahri, indem es vor allem des Problem des Vogelflüges und das aerostatische und
gerodynamische Prinzip des künstlichen Fluges behandelt und eine ausführliche, durd zahlreiche
Abbildungen unterstützte Beschreibung der verschiedenen Konstruktionen von Luftschiffen, von
zer Noufaoifiere bis zum Matorballon und zum modernen Heroplan gibt.
        <pb n="166" />
        Aus Natur und Geisteswelt.
Jeder Band geheftet M. 1.—, in CLeinwand gebunden M. 1.25.

Die Beleuchtungsarten der Gegenwart. Von Dr. phil. Wilhelm Brüsch.
Mit 155 Abbildungen. (Bd. 108.)
ßehandelt die technischen und wissenschaftlichen Bedingungen für die Herstellung einer wiri—
schaftlichen Lichtquelle und die Methoden für die Beurteilung hres wirklichen Wertes für den
Herbraucher, die einzelnen Beleuchtungsarten sowohl hinfichtlich ihrer physikalischen und chemischen
Grundlagen als auch ihrer Technik und Herftellung.
Bilder aus der chemischen Technik. Von Dr. Artur Müller. Mit
24 Abbildungen. (B . 191.)
Eine durch lehrreiche Abbildungen unterstützte Darstellung der Ziele und Hilfsmittel der
hemischen Technik im allgemeinen, wie der vichtigsten Gebiete (3. B. Schwefelläure, Soda,
Thlor. Salpetersäure, Teerdestillation, Farbftoffe) im besonderen.

AgriIturchemie. Von Dr. Pp. Krische. Mit 21 Abbild. (Bd. 314)
Zine allgemeinverständliche Übersicht über Geschichte, Aufgaben, Methoden, Kesultate und Er—
jsolge dieses volkswirtschaftlich so wichtigen Zweiges der angewandten CThemie.
Themie und Technologie der Sprengstoffe. Von Geh. Reg.Hat
Prof. Dr. Rud. Biedermann. Mit 185 Sig. (Bd. 286.)
Biht eine allgemeinverständliche, umfassende Schilderung des Gebietes der Sprengstoffe, ihrer
Beschichte und ihrer Herstellung bis zur modernen Sprengstoffgroßindustrie, ihrer Fabrifauon,
zufammensetzung und Wirkungsweise sowie ihrer Anwendung auf den verschledenen Gebieten.
Vhotochemie. Von Prof. Dr. Gottfried Kummell. Mit 234bb. (Bd. 227.)
Erklärt in einer für jeden verständlichen Darstellung die chemischen Vorgänge und Gesetze der
kinwirkung des Lichtes auf die verschiedenen Substanzen und ihre praktische Anwendung, be⸗
onders in der Photographie, bis zu dem Jüngsten Verfahren der Farbenphotographie.
Elektrochemie. Von Prof. Dr. Kurt Arndt. Mit 38 Abb. (Bd. 234.)
Eröffnet einen klaren Einblick in die wissenschaftlichen Grundlagen dieses modernsten Sweiges
der Chemie, um dann seine glänzenden technischen Erfolge vor Augen zu führen.
Die Naturwissenschaften im Haushalt. Von Dr. Johannes Bon—
gardt. In'2 Bänden. Mit zahlreichen Abbildungen. Bò. 125. 126.)
J. Teil: Wie sorgt die Hausfrau für die Gesundheit der Familie? Mit 31 4bb. —8
I. Teil: Wie sorgt die hausfrau für gute Hahrung? Mit 17 4bb. Bd. 126.
Felbst gebildete Hausfrauen können sich Fragen nicht beantworten wie die, weshalb sie 3. B.
kondenfierte Milch auch in der heißen Zeit in offenen Gefähen aufbewahren können, weshalb
sie hartem Wasser Soda zusetzen, weshalb Obst im kupfernen Kessel nicht erkalten soll. Da
soll hier an der Hand einfacher Beispiele, unterstützt durch Experimente und Abbuldungen,
das naturwissenschaftliche Denken der Leserinnen so geschult werden, daß sie befähigt werden,
auch solche Sragen selbst zu beantworten, die das Büch unberüchsichtigt läßt.
Themie in Küche und Haus. Von weil. Prof. Dr. Gustav Abel. 2. Aufl.
von Dr. Joseph Klein. Mit einer mehrfarbigen Doppeltafel. GBd. 76.)
Gibt eine vollständige Übersicht und Belehrung über die Natur der in Küche und Haus sich
vollziehenden mannigfachen chemischen Prozesse.

hierzu siehe ferner:
Unger, Wie ein Buch entsteht. S. T. Bruns, Die Telegraphie. S. 15. Graetz, Das Licht
und die Sarben. 8. 20. Alt, Die Phnusik der Kälte. S. 21. Bavink, Naturlidje und kunsi—
iche Pflanzen- und Tierstoffe. S. 21. Kaiser, Der Cuftstickstoff. 8. 21.
        <pb n="167" />
        VERLAG VON B. G. TEUBNER IN LEIPZIGz UND BERLIN

DIEADOLTVRDERGEG

87

IHRE ENTWICCVNG UND IHRE ZELE
HERAUSGEGEEEN VOM PROFESSOR PAVUL HNNEBERG

In 4 Teilen. Lex.-8. Jeder Teil zerfüllt in einzelne inhaltlich vollständig
n sieh abgeschlossene und einzeln käufliche Binde (Abteilungen).

Teil I:. Die geisteswissenschaftsiehen
 Kulturgebiete. J. Haifte,
Keligion und Philosophie, Literatur,
Musik und Kunst (mit vorangebender
Cinleitung zu dem Gesamtwerk).“

Teil I: Die geisteswissenschaftsihen
 Kusturgehiete. 2. Halfte. Staat
and Gesellschaft. Rechtund Wirtschast.

Ten M: Die naturwissenschaftliehen
 Culturgehiete. Mathematix,
Anorganische und organische Naturwissenschaften,
 Medizin.
Teil IV: Die technischen Kulturgehiete.
 Bautechnik, Maschinentechnik,
 industrielle Technik, Landvirtschaftliche
 Technik, Handels- und
Verkebrstechnik.

Die „Kultur der Gegenwart“ soll eins syssstematiseh aufgehsute, gesohiohttieh
 begründete Gesamtdarstellung unserer heutigen Kultur darbieten, indem sie
die Fundamentalergebnisse der cinzelnen Kulturgebiete nach ihrer Bedeutung
für dis gesamte Kultur der Gegenwart und für deren Weiterentwicklung in
großen Zügen zur Darstellung bringt. Das Werk vereinigt eine Zahl erster
famen aus allen Gebieten der wissenschaft und Praxis und bietet Darstellungen
der gingelnen Gebiete jeweils aus der Feder des dazu Beraufensten in gemeinerssständlieher,
 künstlerisoh gewählter Sprahe auf krappssstem Raume.

, Wenden wir aber unseren Blick zu den einzelnen Leistungen, die hier
in reichlichster Fülle geboten sind, dann wissen wir in der Tat nicht, was wir
herausgreifen und nennen sollen. Aus jedem der angedeuteten Gebiète hat ja
eoin Meister seines Faches das Wichtigste Kurz und übersichtlich gegeben, baid
aus seiner Geschichte das Wesen des bebandelten Gegenstandes eriäuternd,
bald ihn in mehr prinzipieller und schematischer Form vor dem Leser ausbreitend.
Abgesehen von dem Wert der hervorragenden Einzelleistungen erhält das gauze
Unternehmen, 2u dem es gehört, seinen besondeéeren Wert dadurch, dabß es ver—
sucht, unser Wissen und Können 2u einer möglichst systematischen Rinkeit zu
vorarbeiten. Damit wird es einem gebieterischen Bedürfnis unserer aus der
seclischen Zerklüftung zur Einheit strebenden Zeit gerecht und steht so da als
ein bedeutsames Zeichen der Zeit.“ (Deutschoe Zotung.)]

—

Proheheft und SonderProspescte

über die einzelnen
A bteilungen (mit
Auszug aus dem Vorwort des Herausgebers, der Inhaltsübersicht
des Gesamtwerkes, dem Autoren-Verzeichnis und mit Probestücken
aus dem Werke) werden auf Wunsch umsonet und postlfrei
vom Verlag versandt.
        <pb n="168" />
        DIE KuLTVuR DER GEGEMVWART

Bisher sind erschienen:
Die allgemeinen Grundlagen der Kultur der Gegenwart.
I.1.) XVu.671 81 Lex.-S. 1906. Geh. A I6. —, in Leinwand geb. A 18. -.
Inhalt: Das Wesen der Kultur: W. Le xis. — Das moderne Bildungswesen: Fr.
—
zchulwesen: G. — Das hõônere Knabenschulwesen: A. Matthias. Das höhere
Madchenschuswesen: H. Qaudig. Das Fach- und Fortbildungsschulwesen: G. Kerschensteiner,
 Die geisteswissenschaftliche Hochschulausbildung: Fr. Paulsen. Die naturwissenschafiliche
 Hochsschulausbildung: V. v. Dy k. B. Museen. Kunst- und Kunstgewerbe-Museen:
 L. Paslat. Naturwissenschaftlich-technische Museen: K. Kraepelin. C. Ausstiellungen.
 Runst- und Kunstgewerbe-Ausstellungen: J. egg Naturwissenschaftlichtecehnische
 rzpienengen OM. Wwitt. D. Die Musik: G. G ohIGT. E. Das Theater:
Psgenseniher. F. bas Zeiftungswesen: K. Bücher. G. Das Buch: R. Pietsehmann.
H. Pie Biblioiheken: F. Milkau. — Die Organisation der Wissenschait: H. Diels.
Die orientalischen Religionen mit äüinleltung „Die Anfänge der
Religion und die Religion der primitiven Vvöllcer“. (I. il. 1.) IVII u. 267 8.)
Lex.-8. 1906. Geh. A 7. —, in Leinwand zeh, A 9.-.
Inhatt:, Die Anfange der BReligion und die Religion, der primitiven Vôlker: Edv.
Lehmann. —. I. Die agyptische Religion Adoit Erman. - II. Die asiatischen Religionen.
Die babyloniseh-assyrische Religion? C. Bezolgd. Die indische Religion: H. OIdenberg.
Die iranische, Religson: H. OIsenberg. Die Religion des Islams? J. Goldziher. Der
Lamaismus: A. Grùnwedel. Die Religionen der Chinesen: J. J. M. de Groot. bDie Resigionen
 der Japaner: a) Der Shintoismus: K. FlIorenz. b) Der Buddhismus: H. Haas.
Die christliche Religion mit Einsohlusß der israelitisch- jüdischen
Resigion. (I. 4) sXu. 762 8.1 Lex.8. 1906. Geh. A 16.-, in Leinwand
geb. MA. 18.-. Auch in 2wei Halften:
l. Geschichte der ehristlichen Religion. Geh. A 9.60, geb. A I1.-.
Inhalt: Die israelitisch-jũdisehe Religion: J. Wellhaus en Die Religion Jesu und
die Ansange des Christentums bis cum Nicaenum (325): A. Jũ licher. Kirche und Staat bis zur
Grundung der Staatskirche: A. Harnack. Grièchisch-orthodoxes Christentum und Kirche in
Mittelalier und Neuzeit: N. Bonwetsch. Christentum und Kirche Westéuropas im Mittelatter:
 K. Malsser. Katholisches Christentum und Kirche in der Neuzeit: F. X. Funk. Prolestanlisches
 Christentum und Kirche in der Neuzeit: E. Troeltseh.
il. Systematische ehristliehe Theologie. Geh. A 6.60, geb. A 8. -
Inhatt: Wesen der Religion und der heligionswissenschast: E Troeltseh. Ehristljeh⸗kaiholisehe
 Dogmatik: J. Pohle. Chrisilich-kasholische Ethiß: J. Mausbach. Christljch-osholsissche
 präctische Theologie: C. Krieg. Christlich-protestantische Dogmatik: W.
Herrmann, Cnristlich-protestantische Ethik: R. Seeberg. Christlich-prosestantische
ee eogis W. Faber. Die Zukunftsausgaben der Religion und der Religions-—

Allgemeine Geschichte der Philosophie, d. 5) VIIIu. 5728
Lex.8. 1909. Geh. A I2.-, in Leinwand geb. M 14.-.
Inhalt: Einleitung. Die Anfänge der Philosophie und die Philosophie der primitiven
Voôlker: wilhelm wundt. . Die indische Philosophie: Hermann Qldenbers, II. Die
islamische und die jsdische Philosophie: Ignaz, CGoldziher. III. Die chinesische Philosophie:
 Wilheim Grube. IV. Die japanische Philosophie: Tets ujtro Inouye. V. Die
gutopaische Philosophie des Alterlums: Hans von Arnim. VI. Die europaische Philosophie
des Mittelaliers: Clemens Baumker. VIl. Die neuere Philosophie: Wilh. Windelband.
Systematische Philosophie. (. 6) 2, durchgesehene Aufl. Xu.
435 8.1 Lex.S. 1908. Geh. A 10.-, in Leinwand geb. A 12. -.
Inhatt: Algemeines. Das Wesen der Philosophie: Wilheim Ditthey. Die einzolnen
 Teilgebiete. J. Logik und Erkenntnistheorie: Alois Riehl. II. Metaphysik: Wilhelm
Mundt. Ndesurphisosophie: Wilhelim Ostwald, IV. Psychologie: Hectmann Ebbinghaus.
 V. Philosophie der Geschiehte: Rudolf Eucken. —A
Paussen. Vn. Padagogik: Wiihelm Mänch. VIll. Asthetiß: Theodor Lipps. — Die
Zukunfisaufgaben der Philosophie: Priedrich Paulsen.
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        DIE KVULTVR DER GEGENWARTI

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Die orientalischen Literaturen mit Einleitung „Die Anfänge der
literatur und die Literatur der primitiven Völtcer“. (. 7.) IIx u. 419 8.)
Lex.8. 1906. Geh. MA I0. -, in Leinwand geb. A 12.-.
UInhalt: Die onignge der Literatut und die lLait. der primitiven Völker: E. Sehmidt. —
Die agypiische Lit.: A. Erman. Die boeeeree Lit.: C. Bezold. Die israeitische
 Lit.: H. Gunkel. Die aramaische Lit.: Th. Noldeke. Die athiopische Lit.: Th.
Noldeke. Die arabische Lit.“ M. J. de Goeje. Die indische Lit.“ R. Pischel. Die
altpersische Lit.: K. Geldner,. bDie mittelpersische Lit.: P. Hotn. Die neupersische Lit.:
P. Horen. Die tütische Lit.: P. Horn. Die armenische Lit.: F. N. Finck. Die georgische
Lit.! F. N. FInc k. Die chinesische Lit.! W. Grube. Die japanische Lit.: K. FIorenz.
Die griechische und lateinische Literatur und Sprache,
E. 8.) 2. Auflage. IVIII u. 494 8.1 Lex.8. 1907. Geh. A 10. — in Leinwand
 geh. A 12.-.
Inßalt: 1. Die griechische Literatur und Sprache. Die griechische Literatur des Altertums:
D. v. WilamowitzMoellendorff. Die griechische Liseratur des Mittelalters: K. Krumbacher.
 Die griechische Sprache: J. Wackernage!,. II. Die lateinische Literatur und
Sprache. Die römische Liseratur des Altertums: Er. heo. Die lateinische Literatur im Ohergang
vöm Altertum zum Mittelalter: E. Norden. Die lateinische Sprache: F. Skutsch.
Die osteuronäischen Literaturen und die slauwischen Spraehen.
(. 9.) IVIII u. 390 8.) 1908. Geh. A I0. -, in Leinwand geb. M 12.-.
Inhatt: Die slawischen Sprachen: V. v. Jagiéé. — Die russische Literatur: A.
Wesselovsky. Die polnische Literatur: A. Brückner. Die böhmische Literatur: J.
Mächal. Die stdslawischen Literaturen: M. Murko. Die neugriechische Literatur:
O. Thumb. Die ungarische Literatur: Fr. Riedl. Die finnische Literatur: E. N. Setala.
Die estnische Literalur: G. Suits. Die litauische Literatur: A. Bezzenberger. Die
lettische Literatur: E. Wolter.
Die romanischen Literaturen und Sprachen it tinsohlub
des Kestischen. (I. xl. 1.) IVIl u. 499 8.) Lex.-8. 1909. Geh. MA 12.-, in
Leinwand geb. A 14.-.
Inhalt: IJ. Die keltischen Literaiuren. 1. Sprache und Literatur der Kelten im allgemeinen:
 Heinrich Zimmer. 2. Die einzelnen keltischen Literaturen. a) Die irischzalische
 Literatur: Kuno eree b) Die schotiisch-galische und die Manx-Literatur.
) Die kymrische (walisische) Literatut. d) Die kornische und die bretonische Literatur:
CLudwig Ohristian Stern. — II. Die romanischen Literatuten. J. Frankreich bdis zum
Ende des 15. Jahrhunderts. 2. lialien bis zum Ende des 17. Jarlrhunderis. 3. Die kastilische
 und portugiesische Literatur bis zum Ende des 17. Jahrhunderts. 4. Frankreieh bis
zur Romantik. S. Die übrige Romania bis zur Romantik. 6. Das 19. Jahrhundert: Heinrieh
 Morf. — III. Die romanischen Sprachen: Wilhelm Meyer-Lübke.
Staat und Gesellschaft der neueren Zeit (is zur französ.
Revolution). (II. v. 1) Bearb. v. F. v. Bezold, E. Gothein und R. Koser-VI
 u. 349 8.) Lex.8. 1908. Geh. A 9.-, in Lwd. geb. A II.-.
inhalt; T. Staat und Gesellschaft des Refotmationszeitalters. a) Staatensystem und
NMachtverschiebungen. b) Der moderne Staat und die Revolution. c) Die eaenen
Wandlungen und die neue Geisteskultur: Eriedrich von Bezold. II. Staat und Geseilgchafi
 des Zeitalters der Gegenreformation: Eberh. Gothein. III. Staat und Geselischast zur
fHõhezeit des Absolusismus, a) Tendenzen, Erfolge und Niederlagen des Absolutismus. b) zu-⁊tande
 der Gesellschait. e) Abwandlungen des europaischen Staatensyslems: Reinh. Kos er.
Allgemeine Verfassungs- und Verwaltungsgeschichte
des Staates und der Gesellschaft. G. 2)
Inhalt: l. Anfänge der Joragrung und der Verwaltung; Vertassung und Verwaltung
der primitiven Völker: A. Vierkandt. II. Orientalische verfassung und Verwaltung des
Altertums, Miitelalters und der Neuzeit. I, Altertum: L. Wenger. 2. Mitlelalter und Neuzeit.
a) Nordafrikanische und westafrikanische (islamische) Verfassung und Verwaltung: M. Hartmann.
 b) Ostasiatische verfassung und verwaltung: O. Franke. III. Eepudene er
fassung und, Verwaltung. 1. Altertum: L. Wenger. 2. Mittelalter: A. Lus chin v.
Zbengreuth. 3. Neuceit: O. Hintze.
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        DIEKULTUR DER GEGEAMART

Staat und Gesellschaft des Orients. (II. 3)

Inhalt; l. Anfange des Staates und der Gesellschaft. Staat und Gesellschafit d
drimitiven võlker: A. VIerkandt. - II. Staat und Gesellschaft des Orients im Allertum,
Nittelalter und der Neuzeit. A- Altertum. G. Maspero. B. Mitselalter und Neuzeit
. ‚Staat und Gesellssschaft Nordafrixas und Westasiens. (ie islamischen Volrer):
M. Hartmang, 2. Staat und Gesellschaft Ostasiens. a) Staat und Geselsschaft Cinas:
D. Franke. bD) Staat und Gesellschaft Japans: K. Rathgen.

Systematische Rechtswissenschaft. (I. 5) lX, LXu. b26 8
Lex.8. 1906. Geh. A. IM. —, in Leinwand geb. M 1I6 —.

Inhalt; Allgemeines Wesen des Rechtes und der Rechtswissenschaft: R Stammler.
Die einzelnen Teilgebiete: Privatrecht. Butgerliches Recht: R Sohem. Handels- und Wechset—
fecht: G. Gareis. Versicherungsrecht: V. Ehrenberg. Internationales Privatrecht: L. v.
Bac. Zixvilprozeßrecht: L. v. Seu tt. Strafrecht und Strafprozeßbrecht: F. v. Lisszt. Rirchenecht:
 W. Kahl. Staatsrecht: P. Laband. Vervaltungstecht. Justiz und Verwalsung: Gü.
Anschütz. Potizei und Kulturpftlege: E. Bernatz ik. Völkerrecht: F. v. Martitz. Die Zzucunftsaufgaben
 des Rechtes und der Rechiswissenschaft: R. Stammlter.

Allgemeine Vvolkswirtschaftslehre, (I. x. 1) Von W. Lexis.
Geh. M. 7.-. in Leinwand geb. M. 9.-.

Inhalt. Einleitung. — Der Kreislauf der Volkswirtschaft. I. Der Wert. Il. Die Nachfcage.
 Ul. Die Produktion. IV. Kapitalvermögen und Unternehmung. V. Das Angehbot.
I Die Ereisbildung. VII. Handel und Preise. VIII. Das Geld. IX. Kredit- und Bankwesen.,
X. Der Wert der Geldeinheit. XI. Das Einkommen. XII. Naheres ühber Arbeitseinkommen
und Kapitalgewinn. XIII. Die Grundrente. XIV. Produktion und Einsommen. XV. Krisen
XVI. Die Konsumtion. XVII. Produktion und vVerteilung. XVIII. Zukunitsaussichten,

In Vorbereitung befinden sich:

Aufgahen und Methofden der Geisteswissenschaften. (I. 2) — kuropäisehe
ßeligion des Altertums. (I. IIl. 2) — Peutsohe Literatur und Sprache, (I. 10.)
— Englisehe Lteratur und Sprache, skandinavische Literatur und allge—
meine Literaturwissenschaft. (I. XI. 2) — Die Musik. (I. 12.) — Lrientasische
 Kunst. Kuropäisehe Kunst des Altertums. (I. 13.) — curopäisohe
Kungt des Mittefalters und der Neuzeit. Alligemeine Kunstwissenschaft.
I. 11) — Völscer-, Länder- und Staatenkuntde. (II. 1) — Staat und Gesellzehaft
 Europas im Astertum und ittelaster. (II. 4) — Staat und Gesellzohaft
 der neussten Zeit. (II. v. 2) — System der Staats- und Gesellzchafts-Vissenschaft.
 (II. 6.) — Allgemeine Reohtsgeschiehte mit Geschiehte
ger Reohtswissenschaft. (II. 7). — Allgemeine Wirtschaftsgesohiehte mit
eschichte der Vvolicswirtsohaftslehre. (II. 9.)
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Schoffen unod Shauen
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Von deutscher Art
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Des Tenshen Feim
und Werden
Ceo. T7

Unter Mitwirkung von R. Bürkner, H. Dade, R. Deutsch, A. Dominicus, K. Dove, E. Fuchs,
h. Klopfer, E. Koerber, O. Cyon, E. Maier, G. Maier, C. v. Maltzahn, A. v. Reinhardt,
5. A. Schmidt, O. Schnabel, G. Steinhausen, E. Teichmann, AR. Thimm, K. Vorländer,
. witting, G. Wolff, Th. Zielinski. — Mit 8 allegorischen Zeichnungen von Alois Kolb.

Das Buch will der deutschen Jugend ein Führer ins Leben sein. Es möchte ihr Augen
und Herzen nn um sie tũchtig zu machen, schaffend und schauend am Bau unseres
iationalen Cebens tatkräftigen Anteil zu nehmen, möchte sie in diesem Sinne zu tüchtigen
ztaatsbürgern erziehen helfen und sie deshalb besonders bei der Berufswahl vor kurz—
ichtig befangenem, oder einseitig vorschnellem Urteil bewahren. Dazu sucht es einen
lebensvollen, aber objektiven Überblick zu geben über all die Kräfte, die das Ceben
inseres Volkes bewegen, und in deren inneres Wesen hineinzuführen, ihr geschichtliches
Verden und Bedingtsein aufzuweisen. In dieser Absicht werden im ersten Band das
deutsche Land als Boden deutscher Kultur, das deutsche Volk in seiner Eigenart, das
zeutsche Reich in seinem Werden, die deutsche Voltswirtschaft nach ihren Grundlagen
und in ihren wichtigsten Zweigen, der Staat und seine Aufgaben, für Wehr und Recht, für
ßildung wie für Förderung und Ordnung des sozialen Lebens zu sorgen, die bedeutsamsten
wirtschaftspolitischen Fragen und die wesentlichsten staatsbürgerlichen Bestrebungen, endlich
die wichtigsten Berufsarten behandelt. Im Z3weiten Band,werden erörtert die Stellung
des Menschen in der Natur, die Grundbedingüngen und äußerungen seines leiblichen und
seines geistigen Daseins, das Werden unserer geistigen Kultur in Antike, Christentum und
bolkstum, Wesen und Aufgaben der wissenschaftlichen Sorschung im aligemeinen wie
der Geistes⸗ und Naturwissenschaften im besonderen, die Bedeutung der Philosophie,
Kkeliglion und Kunst als Erfüllung tiefwurzelnder menschlicher Tehensbedürfnisse und
endlich zusammenfassend die Gestaltung der Lebensführung auf den in dem Werke
dargesteilten Grundlagen.

Inhaltsübersicht.
J. Band. Das deutsche Land. Das deutsche Volk. Wie das Deutsche Reich ge—
worden. Das Deutsche Reich im Zeitalter der Weltmächte. — Die Grundlagen der
holtswirtschaft. Die deutsche Polkswirtschaft der Gegenwart. Cand⸗ und FSorftwirt⸗
schaft. Der Bergbau. Die Industrie. Die Technik. Das Kunstgewerbe und die Architektur.
Der Handel. Ddas Verkehrswesen. — Der Staat. Die Wehrmacht des Staates. Die
iußere Vertretung. Das Recht. Das Bildungswesen. Sonssige Verwaltungsaufgaben
des modernen Staates. Organisation der Staats- und Gemeindeverwaltung. Wirtschaftspolitische
 Fragen (Steuerpolitik. Handelspolitik. Kolonialpolitikt. Dse Bodenind
 Wohnungsfrage. Das Bepölkerungsproblem. Die Frauenarbeit. Sozialpolitik).
staatsbürgerliche Zestrebungen (Politische Parteien. Wirtschaftliche Dereine. Soziale
Zestrebungen. Bildungsbestrebungen. Frauenbewegung. Die Presse). — Die Vorbildung.
der Beruf. Die wichtigsten Berufe. — ITI. Band. Des menschen herkunft und Stellung
in der Natur. Des menschlichen Körpers Bau und Ceben. Des Menschen Seele. Die
Entwicklung der geistigen Kultur. — Die Wissenschaft und ihre Pflege. Die mathe—
matischen Wissenschaften. Die Naturwissenschaften. Die Geisteswissenschaften. — Die
Philosophie. Die Uunst. Die Religion. — Das Leben. Der Beruf. Volk und Staat.
hersönliches Leben. Lebensgemeinschaften. Der Wert des Lebens.

Verlag von B. G. Teubner in Leipzig und Berlin

Anuss allg.
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        was spricht in unserem heim mehr zu uns als dessen Bildschmuck?
Und doch wie gedankenlos wird er oft gewählt! Wir wollen gar nicht von ldrucken
schlimmster Art reden! Ruch die Reproduktion eines berühmten Gemäldes, oft undeutschen
Empfindungsgehaltes, an der Waͤnd verschwindend, das Beste des Kunstwerkes durch
Kleinheit und Sarblosigkeit vernichtend, was vermag sie uns als Wandschmuck in unserem
teim zu sagen, wenn wir nach des Tages verwirrendem Getriebe Sammlung in ihm suchen7

wWelcher grt soln vielmohr ein Bild im deutschen Hause sein?

vor allem muß deutsches Smpfincen, deutsehe Innigkeit, deutsche heimat-⸗
liebe darin zum Ausdruck kommen. Nur so vermag es zu uns zu sprechen, nur so
wird es aus unerschöpflichem Quell immer Neues zu sagen wissen.
Darum darf ein Bild vor allem auch keine alltäglichen Plattheiten und Sũtzlichkeiten
bieten, deren wir als ernsthafte Menschen in kurzer Zeit überdrüssig sind. Es muß uns
sodann nicht nur durch seinen Inhalt, sondern auch durch die Kunst der Darftellung des
Geschauten immer aufs neue fesseln. Das vermag eine Reproduktion nun überhaupt
kaum, das kann nur ein Originalkunstwerk. Das Bild endlich muß eine gewisse Kraft
A Barftellung besißzen. es muk den Kaum, in dem es hängt, durchdringen und beherrschen.

Teubners Rünstler-Steinzeichnungen

Original· Lithographien) vieten all das, was wir von einem guten Uanddiid
 im deutschen Bause fordern müssen. Sie bieten Werke großer, ursprünglicher,
farbenfroher Kunst, die uns das Schöne einer Welt von Sormen und Sarben mit den
Augen des Künstlers sehen lassen und sie in dessen unmittelbarer Sprache wiedergeben.
In der OriginalCithographie führt der Rünstler eigenhändig die Zeichnung auf dem
Stein aus, bearbeitet die Platten, bestimmt die Wahl der Sarben und überwacht den
Druck. Das Bild ist also bis in alle Einzelheiten hinein das Werk des Rünstlers, der
unmittelbare Ausdruck seiner Persönlichkeit. Aeine Reproduktion kann dem aleichlommen
an künstlerischem Wert und künstlerischer Wirkung.
Teubnvers Rünfrier-⸗Steinze ichnungen tind Werke echter Hheimatkunfst, die
stark und lebendig auf uns wirken. Das deutsche Land in seiner wunderbaren Mannig⸗
faltigkeit, seine Tier⸗ und pflanzenwelt, seine Candschaft und sein Volksleben, seine
weristätien und seine Fabriken, seine Schifse und Maschinen, seine Städte und seine
Dentmäler, seine Geschichte und seine helden, seine Märchen und seine Lieder bieten
por allem den Stoff zu den Bildern.
Sie enthalten eine große Kuswahl verschiedenartiger Motive und Farbenstimmungen
in gen verschiedentten Gröken, unter denen sich für jeden Raum, den vornehmsten
wie das einfachste wohnzimmer, geeignete Blätter finden. Neben ihrem hohen künstlerischen
wert besitzen sie den Vorzug der Preiswürcligkeit. sAll das macht sie zu willkommenen
Geschenken zu Weihnachten. Geburtstagen und Hochzetten und macht sie zum besten, zu
dem künstlerischen Wandschmuck für das deutsche Haus!

Die großen Blätter im Sormat 1002470, 755055 und 602450
kosten M.6.—, bzw. M. 5.— und M. 3.—. Ddie Blätter in dem
Forniat 41550 nur M. 2.50 und die Bunten Blätter gar nur M.1.-.
Preiswerte Kahmen, die guch die Anschaffung eines gerahmten
hildes ohne nennenswerte Mehrkosten gesiatten, üefert die Verlags⸗
handlung in verschiedenen Ausführungen und Hholzarten für das
Pildformat 100270 in der Preislage von M. 4.50 bis M. 16.—, für
das Format 7572455 von M. 4.- bis M. 12.—, für das Sormat
415430 vpon M. 1.75 bis M. 450.
        <pb n="173" />
        Urteile über B. G. Teubners
farbige FtestlerH8teinzeichnungen.

..... Doch wird man auch aus dieser nur einen beschränkten Teil der vor⸗
zandenen Bilder umsassenden Aufzählung den Keichtum des Dargebotenen erkennen.
Indefsen es genugt nicht, daß die Hllder da stud, sie můssen auch gekauft werden. Sie
müssen vor allen Dingen an die richtige Stelle gebracht werden. Fur öffentliche Ge⸗
baude und Schulen sollte das nicht schwer halten. Wenn Cehrer und Geistliche wollen,
werden sie die Mittel für einige solche Bilder schon uberwiesen bekommen. Dann sollte
man sich vor allen Dingen in privaten Kreisen solche Bilder als willkommene Geschenke
zu Wemnachten, zu Geburtstagen, Hochzeitsfesten und allen derartigen Gelegenheiten
nerten Cine derartige große Lithographie in den dazu vorrätigen Rahmungen
ift ein Geschenn, as auch den verwsohntesten Geschmack befriedigt. An den
einen Blältern erhalt man für eine Ausgabe, die auch dem bescheidensten Geldbeutel
Ischwinglich jt. ein dauernd wertvolles Geschenk.“ (Turmer·Jahrbuch.)

p. Volkmann: Berbit in der Cifel.

i*

hertleinerte farbige Wiedergabe der Oriainal⸗cithoarap

Don den Bilderunternehmungen der letzten Jahre, die der neuen Lästhetischen
zewegunge entsprungen sind, begruͤßen wir eins mit ganz ungetrübter Freude: den
fünserischen Wandschmuck für schule und Haus', den die Firma B.G. Teubner in Leipzig
herausgibt... Wir haben hier wirklich einmal ein aus warmer Liebe zur guten
ache mit rechtem Verständnis in ehrlichem Bemühen geschaffenes Unternehmen vor
Ans — fördern wir es, ihm und uns zu Nutz, nach Kräften! RKuntwart.)
„it und jung war begeistert, geradezu glücklich über die Kraft malerischer
wirkungen, die hier für verhältnismaßig billigen Preis dargeboten wird. Endlich
Anmai etroas, was dem öden OÄldruckbilde gewöhnlicher rt mit Erfolg gegen⸗
aͤbertreten kann.“ (Die Bilte.)
. Es ijt unseres Erachtens wertvoller an dieser originalen Kunst sehen zu lernen,
als an vielen hundert mittelmäßigen Keproduktionen das Auge zu verbilden und totes
wijsen gu lernen, statt lebendige Kunst mitzuerleben. uurstrierte Zeitung.)

stri mit 150 farbigen Abbildungen und
Alustrierter Katalog beschreibendem Tert gegen Einsen⸗
dung von 30 Pfennigen (Ausland 40 Pfennigen) vom Verlag
B 6G. Teubner in Leipzig, Poststraße 3.
        <pb n="174" />
        .15Mhi rd iai a t ee
206509433287
      </div>
    </body>
  </text>
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