alten Ansiedelungen, teils durch Neubildung. Die Zahl der durch
Abstammung berechtigten Bürger verschwand neben der Zahl der
Zugewanderten, die, wie jene, die Kosten der Gemeindeberwaltung
zu tragen hatten, ohne den geringsten Einfluß auf sie zu be—
fitzen. Sehr häufig waren gerade die zugewanderten Elemente die
Träger der industriellen Blüte der sich entwickelnden Städte, während
die bürgerberechtigten Teile der Bevölkerung als Kleinbauern,
Kleinhandwerker in der alten Stagnation weiterlebten. Das Miß—
verhältnis zwischen der ökonomischen Bedeutung der neuen Be—
bölkerungsschichten auf der einen Seite und ihrem Einfluß auf die
Gemeindeverwaltung und ihrer Teilnahme daran auf der anderen
wurde zu groß, als daß es auf die Dauer hätte erhalten werden
können. So mußte der Gesetzgeber entweder die Erwerbung des
Bürgerrechtes bedeutend erleichtern, oder auf das Prinzip der
Bürgergemeinde vollständig verzichten und zur Einwohnergemeinde
übergehen, in der die Teilnahme an der Gemeindeverwaltung allen
Finwohnern bei Erfüllung gewisser Bedingungen gleichermaßen zu—
steht. Beschleunigt wurde diese Entwickelung durch die zu Ende
des 18. Jahrhunderts gleichfalls als eine Folge der wirtschaftlichen
SIntwickelung einsetzende Bewegung, die die wirtschaftliche Befrei—
ung des einzelnen von der Bindung des Zunftwesens und der
Feudalverfassung anstrebte. Der Erwerb von Grundbesitz und der
Betrieb eines Gewerbes wurden nicht mehr von der Gemeindeange⸗
hörigkeit abhängig gemacht. Niederlassung und Aufenthalt wurden
bon der früher erforderlichen Erlaubnis der Gemeinde befreit. So
blieb am Ende als Inhalt des Bürgerrechtes nur das aktive und
das passive Wahlrecht übrig.

In der gleichen Richtung wirkte auch die Tatsache, daß die
taatliche Bureaukratie, die sich im 18. Jahrhundert die gesamte
Gemeindeverwaltung unterworfen und als Teil ihrer Tätigkeit
übernommen hatte, an dieser ungeheuren Aufgabe in der kläglichsten
Weise gescheitert war, und wohl oder übel die Bürger selbft wieder
zur Verwaltung der Gemeindeangelegenheiten herangezogen werden
imußten. Für die Verwaltung der gewachsenen, insbesondere
städtischen Gemeinwesen war aber unter dem Systeme der Selbst⸗
berwaltung eine nicht unbeträchtliche Zahl persönlicher Kräfte nötig,
die von dem kleinen Kreise der eingesessenen Bürger nicht gestellt wer⸗
den konnten. So war das Resultat der wirtschaftlichen und der poli—
tischen Entwickelung der Ersatz der geschlossenen Bürgergemeinde
durch die Einwohnergemeinde. In ihr ist die Gemeindeangehörig—
keit nicht, wie in der Bürgergemeinde, an das Bürgerrecht geknüpft,
sondern alle Einwohner des Gemeindebezirkes sind kraft ihres Auf⸗
enthaltes, ihrer Wohnsitznahme, Gemeindemitglieder und als solche
berechtigt. Nur die Teilnahme an den Gemeindewahlen und die
Bekleidung von Gemeindeämtern sind in den meisten Gemeinde⸗
rechten an weitere Voraussetzungen gebunden. Treffen diese in
der Person eines Einwohners zu, so erwirbt er kraft des Ge—
setzes die Gemeindewahlrechte, ohne daß eine ausdrückliche Ver—