Philosophie und Glauben. 4 überhaupt nur Sache des Glaubens, nicht auch des Wissens sein könne; denn wenn der Glaube in Gefühlsweise die Denkbahnen überspringt und sich eine intuitive Brücke baut zu den höchsten Problemen, so ist damit nicht ausgeschlossen, daß unser eigenstes Denken ebenfalls die Probleme der Welt ins Auge faßt und daß wir mit den Hilfsmittteln der strengsten Wissen— schaft sie in Angriff nehmen und zu lösen suchen. 8 2 Nichts Verkehrteres gibt es als jene positivistische Welt— anschauung, die einfach von gegebenen Daten ausgeht und nicht glaubt, daß wir in das Innere eindringen können. Was man in dieser Hinsicht behauptet, ist schon längst vorher durch die griechischen Sophisten aufgestellt und schon längst durch die tiefere griechische Philosophie widerlegt worden.“) Vor allem kann keine Weltanschauung der einen großen Frage entraten, wie wir uns zur Außenwelt stellen sollen, ob wir sie nur als das Ergebnis unserer eigenen inneren Vor— stellung zu betrachten haben, oder ob unserer Vorstellung etwas Außeres zugrunde liegt, das in gleicher Weise auch besteht, wenn wir uns selbst und unser ganzes Wesen weg— denken. Nehmen wir an, daß die ganze Anschauung, die wir von den Dingen haben, ein einziger großer Trug unseres Inneren sei oder daß die Dinge der Außenwelt nach ihrer Einwirkung auf uns in unserem Inneren eine solche Fälschung er— fahren, daß wir nicht in der Lage sind, durch Verbesserung der Fehler das Richtige herauszufinden, dann müssen wir überhaupt unsere Wissenschaft aufgeben und uns dem öden Skeptizismus widmen. Keine Wissenschaft kann daher über diese erkenntnis— theoretische Frage hinauskommen. Diese Frage aber kann nur auf philosophischem Wege, nicht durch die Mittel der Sinnes⸗ erkenntnis gelöst werden; denn es handelt sich hier gerade darum, zu erforschen, welche Beziehung diese Sinneserkenntnis zur Außenwelt hat, und diese Frage liegt über der sinnlichen Wahrnehmung. *) Treffend bemerkt auch neuerdings Adolfo Levi, L'indeterminismo: l'esperienza non pùd mai dare qualche cosa di logicamente necessario ed universale; e quindi se la concreta nocione dei fenomeni è un puro dato empirico. non ne è dimostrabile la necessità assoluta.