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        <title>Moderne Rechtsprobleme</title>
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            <surname>Kohler</surname>
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      <div>Alkohol und Prostitution.

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Aber auch gegen den Alkoholismus wußte man kaum etwas
vorzukehren.*) Dieser ist der größte Feind der Menschheit, er ist
des Verbrechertums mächtigstes Förderungsmittel, welches aller—
dings nicht der Kultur eigen ist, sondern sich auch schon zu Zeiten
der Unkultur die Menschheit unterjocht hat. Hier hat man jahr⸗
zehntelang eigentlich die Hände in den Schoß gelegt. Das
Wirtschaftswesen ließ man aufkeimen, aber für alkoholfreie Ge—
tränke sorgte man nicht. Man gestattete, daß die Wirtschaften
immer noch den Weinzwang aufrecht erhielten und damit den
Menschen den Genuß der geistigen Getränke geradezu aufdrängten.
Man wußte, daß der Mensch, namentlich auch der familienlose,
gesellschaftlich leben müsse; aber niemand sorgte für echte Klub—
lokale: man trieb dadurch den Menschen in die Schenke, und
hier gedieh anstatt der gesellschaftlichen Bildung das Schlemmen
und Zechen; und den Trieb nach Vereinsentwicklung, anstatt
ihn möglichst zu fördern, pflegte man durch außerordentliche
polizeiliche Beschränkung des Gesellschaftswesens zurückzudämmen,
und doch ist gerade das Vereinswesen einer der mächtigsten Zügel
der Menschheit, ein außerordentliches Zuchtmittel gegenüber dem
ungesunden Eigentriebe des Einzelnen und eine Pflanzstätte für das
Aufkeimen des Verantwortlichkeitsgefühls. Die Frau drängte man
von den Stellungen geistiger Arbeit zurück, und doch ist der Ver⸗
brechertrieb der Frauen viel geringer als der der Männer, und der
Zugang der Frauen zu den früher den Männern vorbehaltenen
Stellungen ist von selbst ein Mittel, die Roheit zu mindern und
die gewalttätigen Triebe zu Grabe zu tragen. Was endlich die
unentbehrliche Prostitution betrifft, so hat man nichts getan, um
die Schäden zu heilen, sondern im Gegenteil: man hörte auf, die
Prostitution zu verörtlichen; dadurch verbreitete sie sich von Straße
zu Straße und durchseuchte die Gesellschaft; und mit dieser Ver—
einzelung der Prostitution war einer der schlimmsten Ausläufer
unserer heutigen Entwicklung, das Zuhältertum, untrennbar ver⸗
bunden, da ohne Zuhälter eine Prostituierte ihr Gewerbe eben
einfach nicht betreiben kann. Das Zuhältertum aber ist eine der
größten Geißeln unserer heutigen Zeit, und die Zuhälter sind eine
der schlimmsten Sorten des lichtscheuen Gesindels unserer Tage,
ein Gezücht, geradezu angelegt zum Müßiggang, zur Arbeitsscheu,
Trunksucht und zum Verbrechertum aller Art. Einzelne Bestrebungen

* Val. oben S. 47.</div>
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