Macht emporgestiegen, daß sie ihr Verhalten selbst dem Auslande gegen— über frei bestimmen konnten. Diese Blütezeit der Städte und die Gründe ihres nachmaligen Verfalls, der schließlich in völliger Korruption endete, sind mit kurzen Strichen zu zeichnen, alles immer im Hinblick auf die Form städtischen Verfassungslebens, damit durch einen Vergleich mit den damaligen Verhältnissen der hohe Wert der anders gearteten heutigen AXDD Haben wir aber so die Entstehungsgeschichte der Städteordnung und hren historischen Zusammenhang kennen gelernt, so müssen wir uns weiter über ihren Inhalt unterrichten, aber auch den in ihr waltenden Beist zu verstehen suchen: ob ihr Gedankeninhalt aus dem Ideenkreise der französischen Revolution herausgeboren ist, ob er aus dem klassischen Lande der Selbstverwaltung, aus England, stammt, oder schließlich, ob er alte Grundgedanken germanischer Volksfreiheit in sich verwirklicht. Interessieren wird es uns auch zu erfahren, wie die Einführung des neuen Gesetzes in damaliger Zeit vor sich ging, wie sich die Bürger— schaft dazu stellte und dergleichen. — Die eigentliche Bedeutung der preußischen Städteordnung vom 19. November 1808 beruht natürlich in den Wirkungen, die von ihr aus— gegangen sind. In dieser Hinsicht ist zu zeigen, wie sie das Vorbild fast sämtlicher Städteordnungen Deutschlands gewesen ist; welche Wichtigkeit sie für das allgemeine politische Leben des deutschen Volkes gehabt hat, besonders damals, als sie in den Tagen Metternichs und in den Zeiten der Verfassungskämpfe den bestgesicherten Teil einer wirklichen deutschen Volksfreiheit darstellte und als erste konstitutionelle Verfassung die deutschen Bürger schulte, so daß sie für später fähig waren, die Aufgaben, die ihnen das Verfassungsleben des modernen Staates in seinen Parlamenten stellte, gut ausgerüstet zu übernehmen. Am Schluß haben wir sodann noch als eine Wirkung der Selbst— derwaltung das Emporblühen der Städte seit Erlaß ihrer neuen Ver— fassung zu betrachten. In allem ist immer von den Städten die Rede. Es wird mehrfach deutlich hervortreten, welche Bedeutung sie und ihre Bewohner für die Kultureniwickelung des gesamten Volkes gehabt haben; man wird wohl unbedenklich den Satz aufstellen können: „Nur die Länder, in denen staädtisches Wesen einen größeren Umfang angenommen hat, dringen zu einer höheren Kultur vor.“ Grundlegend für diese geschichtsphilosophische Auffassung ist ein Wort Herders geworden, mit dem das vorletzte Kapitel seines berühmten Werkes über die Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit beginnt: „Die Städte sind in Europa gleichsam stehende Heerlager der Kultur, Werkstätten des Fleißes und der Anfang einer