10 senkrecht, ein Oberstock oder zwei — die Gadem — springen über das untere Stockwerk vor, der zweite wieder über den ersten, und darin sind wieder Erker und Söller. Diese Überhänge, Ausschüsse und Erker brechen die Fluchtlinie bei jedem Hause anders, verengen das Licht und nähern die oberen Stockwerke der gegenüberliegenden Häuser. Aber das malerische Bild hoben diese Überhänge, Lauben, Erker, Chörlein doch sehr und dazu kamen nun die meist spitzen Giebel und die durch Türmchen, durch künstliche Gestaltung der Schornsteine. auch durch phantastische Wasser— speier belebten Dächer. Zwischen den kleineren Häusern stehen einzelne größere Steinbauten im Besitz der Stadt oder wohlhabender Bürger, sie sind aber, auch in den größeren Reichsstädten, selten; ihre feuerfesten Gewölbe und der Stein— zierat ihrer Front sind der Stolz der Besitzer. Eine wesentliche Verbesserung trat im 18. Jahrhundert durch die Ausbildung des Holzbaus zum Fachwerkbau ein, der dann bald, nament⸗ lich in den Städten nördlich vom Harze, eine prächtige künstlerische Aus— bildung erhielt. Aber auch jetzt noch blieb der Ausbau durchweg ein sehr schlichter, namentlich deckte man immer noch mit den feuergefährlichen Schindeln und mit Stroh. Eine Fülle von Sonderbildungen wurden jedem Zwecke mit naiver Treue gerecht. Über all diese bunten architektonischen Elemente ergossen sich mit dem Schluß des Mittelalters die Strahlen einer kräftig und selbstgewiß entwickelten Kunstübung im Handwerk; Skulptur und Malerei ließen sich auf den Holzteilen und den Steinwänden der Straßenfronten nieder, bis in der Ausmalung ganzer Fassaden durch einen Holbein und Burgkmair im 16. Jahrhundert ein Höhepunkt sondergleichen erreicht ward. Zwischen Herden und Strohdächern erheben sich großartige Kirchen. riesige kunstvolle Bauten, in denen die Bürgerschaft mit Stolz zeigt, was Geld und Arbeit in ihr vermag. Unter den alten Kaisern der Sachsen, Franken, Hohenstaufen sind die großen romanischen Bauten mit edlen Kuppeln, starken Säulenreihen und hohem Mittelschiff aufgerichtet worden, jetzt aber baut nach verändertem Geschmack die Stadt ihren Dom mit Strebepfeilern und ungeheuren Fenstern, die durch Glasgemälde ge— schlossen werden, mit hohen Spitztürmen, deren kunstvolle Gliederung und durchbrochene Steinmetzarbeit über alle anderen Türme gegen die Wolken ragen soll. Es ist ein riesiges Werk. berechnet auf die frommen Beiträge vieler Geschlechter. Zahlreich sind die Gotteshäuser, außer den Stadtkirchen kleinere Kirchen und Kapellen, auch solche, welche von Gesellschaften und Privat— leuten unterhalten werden, mehrere vornehme Stifter und mehrere Klöster der Bettelorden, die Klöster und ihre Kirchen womöglich durch eine Mauer abgeschlossen. Die Freudigkeit im Schaffen, jener Optimismus, wie er sich aus