Bürgertum muß sich ducken, und das Fürstentum steigt gewaltig in die Höhe. Und nun gar erst die Zeit nach dem Dreißigjährigen Kriege, der den größten Teil städtischer Kultur vernichtet und den Bürgerstand in den trostlosesten Verhältnissen zurückgelassen hatte. In allen Dingen war eine kleinliche Auffassung des Lebens eingezogen. Die großen Aufgaben, mit deren Erfüllung einst das Bürgertum allen anderen Ständen voran— zegangen war, werden jetzt vom absoluten Fürstenstaate aufgenommen. Abgeschnitten vom politischen Leben, verarmt, ausgeschlossen von der Waffenführung, zieht sich der Bürger in seine vier Wände zurück. Die widerwärtige Nachahmung ausländischen Wesens greift Platz. War auch der alte Trotz schon in der Zeit vor dem Kriege ge— brochen — jetzt schien der Volkscharakter fast umgewandelt. Nur „aus den Drangsalen des Krieges läßt sich erklären, wie der Deutsche zur Be— dientenseele herabsank. Jedem Vornehmeren, Mächtigeren und Reicheren wird gehuldigt; die Kriecherei, das Lakaientum drückten Haupt und Nacken in Demut nieder!“ — Hinsichtlich der Größe, Zahl und Bedeutung der damaligen Städte ist noch kurz folgendes zu sagen: Die fast gleichartige Masse der mittelalterlichen Markt- und Handwerkerstädte hat aufgehört: es haben ich aus ihr einzelne als Mittelpunkte der Staatsverwaltung oder als Handelsplätze emporgehoben. Bis zum großen Kriege stieg die Be— völkerung natürlich weiter, während dann durch ihn, durch Hunger und Pest und Soldateska, ein jäher Absturz kam. Um einige Zaählen vor and nach dem Kriege zu geben, so hatten Einwohner: Berlin-Cölln (16199 12000 — (1654) 6197 Frankfurt a. O. 1618) 13000 — (1653) 2366 Magdeburg (GAltstadt) (1618) ca. 28000 — (1644) 2464 Spandau (1620) 3600 — (ca. 1648) 1500 Dasselbe Bild, und noch ein traurigeres, zeigen die kleinen Landstädte. Zo hatte das wegen guter Töpferwaren wohlbekannte Ummerstadt nach 1632 — 800; 1640 ca. 100 (erst 1850 wieder 893) Einwohner. Für manche Landesteile Deutschlands wird man den Menschenverlust auf 75 Prozent und mehr zu schätzen haben. Das Stadtbild im Anfang des vor uns liegenden Zeitraums nüpft in seiner Entwickelung an das der früheren Epoche an. Wir haben es uns ähnlich zu denken. Man schreitet natürlich in kultureller Beziehung fort: In großen Städten wurde nun schon mehr auf Reinlichkeit der Straßen geachtet. Sie waren jetzt wenigstens gepflastert, auch ihr Fahr⸗ weg zum Wasserabfluß gewölbt; Hauptmärkte, z. B. in Leipzig, schön mit Steinen ausgesetzt. Straßenbeleuchtung gab es auch jetzt noch nicht. In ansehnlichen Städten waren die Häuser der inneren Stadt um 1618