26 Dritter Abschnitt. Die preußischen Städte im 17. und 18. Jahrhundert: Vernichtung städtischer Freiheit. Die im vorigen Abschnitt geschilderten Mißstände treten uns noch bis in die Anfangszeiten des 18. Jahrhunderts entgegen. Zwar ließ die Bürgerschaft oft ihre Klagen über die verhaßten Magistratspersonen laut werden, zumal die städtische Mißwirtschaft immer greller von der sich stets steigernden Integrität und Tüchtigkeit der zielbewußten Staats— verwaltung absticht; allein eine ünderung der völlig verwährlosten und zerrütteten Zustände konnte sie selbst nicht herbeiführen — ein anderes Element mußte ihr zu Hilfe kommen. Es sind das die Landesherren, und zwar (indem wir uns von jetzt ab lediglich der Betrachtung der preußischen Städte zuwenden) für Brandenburg-Preußen die Hohen— zollern. Auch in diesem Abschnitt können wir nicht näher auf die geschicht— liche Entwickelung eingehen; es gilt nur die Hauptpunkte des jetzt folgenden Gesundungsprozesses hervorzuheben, und diese knüpfen sich an die Maß— nahmen Friedrich Wilhelms, des Großen Kurfürsten (1640 — 1688) und besonders seines Enkels Friedrich Wilhelms J., des „Soldatenkönigs“ 1713 - 1740) Das Ziel der Bestrebungen der genannten beiden Herrscher war: Selbständigkeit und Freiheit der Städte völlig zu brechen und sie vollständig der Hoheit des Staates unterzuordnen. Und dieses Ziel — um es gleich vorweg zu nehmen — haben sie auch erreicht. Man hat nun früher von historischer Seite die Dinge immer so dargestellt, als habe die langsam erstarkte landesherrliche Gewalt ohne jede innere Berechtigung die alte Selbständigkeit und damit die Blüte der Staͤdte vernichtet, als habe der absolute Fürstenstaat, jedes Verständnisses für die Bedeutung einer Kommunalverwaltung bar, mit brutaler Herrschermacht das städtische Leben als solches vollständig ertötet. Diese geschichtliche Auffassung ist gewichen, seitdem Schmoller den wahren Zustand des Städtewesens im 16. und 17. Jahrhundert durch seine grundlegenden Untersuchungen klargelegt hat. Freiheit und Blüte der Städte waren längst dahin, als das Fürstentum gegen die Städte vorzugehen begann. Nach Vage der damaligen Verhältnisse konnte es sich nur darum handeln, städtisches Wesen wieder in die Höhe zu bringen: und dieses Ziel haben die genannten Herrscher auch erreicht. Ohne daß sie es ahnten und wollten, haben sie in Preußen die Funda— mente einer neuen städtischen Freiheit gelegt, dadurch, daß sie zunächst