„In Erwägung, daß das Ergebnis der gestrigen Schlacht die Eroberung aller dem König von Preußen gehörigen Länder diesseits der Weichsel ist, verordnen wir, was folgt“ — und nun kam eine lange Reihe von Kriegsschatzungen, die zusammen über 150 Millionen Franks betrugen. In Halle schrieb er am 20. Oktober an den König von Württemberg: „Die preußische Armee ist gewesen: von 160000 Mann sind mehr als 100000 vernichtet; Geschütze, Fuhrwerke, Schießbedarf, Magazine, alles ist genommen. Ich habe mehr als 40000 Gefangene, 400 Geschütze, 1200 Wagen, 60 bis 80 Fahnen, drei Viertel der Generäle sind gefangen oder tot.“ In Wittenberg ordnete er am 23. Oktober die Besitzergreifung von allen preußischen Staaten zwischen Rhein und Elbe an. Am 24. Oktober stand er in Potsdam. Den Degen Friedrichs des Großen schenkte er den Invaliden in Paris mit Spott gegen den Hof, der das Grab seines größten Mannes so schmucklos lasse: „Die Überreste dieses großen Mannes sind in einem hölzernen Sarg, der mit Kupfer überdeckt ist, in einem Gewölbe ohne Schmuck, ohne Siegeszeichen, ohne rgend welche Auszeichnungen, welche an seine Heldentaten erinnern.“ Am 27. Oktober hält der Kaiser, umgeben von seinen Marschällen, einen prunkenden Siegeseinzug in Berlin. Geflissentlich trug er in Schaden⸗ freude des Eroberers Verachtung gegen alles, was preußisch hieß, zur Schau. Es kamen dann die Tage der Schmach, in denen die Festungen ohne Kampf die Waffen streckten. Erfurt, stark und wohlversehen, hatte am 16. Oktober begonnen und das schlimme Beispiel den anderen ge— geben. Spandau, Stettin, Küstrin, Magdeburg, Hameln folgten. Im November konnte Napoleon in Berlin schreiben: „Die ganze preußische Monarchie ist in meiner Gewalt.“ „Preußen ist verschwunden.“ In der Tat, die Vernichtung des Staats schien gekommen. Es war keinem zu verdenken, der da glaubte, die einst so stolze Monarchie sei zertrümmert. Friedrich Gentz meinte in diesen Tagen: „es wäre mehr als lächerlich, an die Wiederaufstehung Preußens auch nur zu denken!“ So war das Urteil der Patrioten in jenen Tagen. Joh. Wil— helm von Archenholz, der begeisterte Verehrer Friedrichs des Großen, gab damals in seinen „Betrachtungen eines Deutschen am Grabe der preußischen Monarchie“ das Urteil der öffentlichen Meinung getreulich wieder, wenn er am 15. November 1806 schrieb: „Das achtzehnte Jahrhundert sah ein in der Geschichte noch nie aufgezeichnetes Meteor am politischen Horizont: einen aus kleinen, unbedeutenden Ländern ent— standenen, trotz allen Hindernissen der Natur und des Zeitalters schnell empor— steigenden, durch mancherlei Einrichtungen bewunderungswürdigen, in vielen Zweigen der Gesetzgebung musterhaften großen Staat, dessen sonderbares Schicksal war, mit dem Jahrhundert anzufangen und auch mit dessen Schluß zu endigen. — Diese Herrlichkeit, die in den letzten zwanzig Jahren nach und nach, aber auf eine un— sichtbare, nur dem scharfen Beobachter bemerkbare Art im Innern abnahm, ist nun auf einmal, wie durch den Schlag einer Zauberrute, verschwunden und auf ewig dahin. Vom Oktober 1806 existiert die so lange hoch geachtete, in einem auf—