47 ministerium übertragen und verwaltete es mit Auszeichnung; jedoch ein erbitterter Gegner des zwischen König und Ministern stehenden Kabinetts, hatte er zu Anfang des Januars 1807 einen heftigen Zusammenstoß mit dem Könige, an dem freilich auch seine unbeugsame Art schuld war, und wurde in Ungnade entlassen; er lebte seitdem zurückgezogen auf seinem Stammschloß zu Nassau an der Lahn. Doch auch hier, in der Entfernung, für den Staat wirkend, dem seine Jugendliebe und seine Manneskraft angehört hatte: es entsteht jetzt, im Juni 1807, die Nassauer Denkschrift. Auch Hardenberg mußte kurz darauf von seinem Platze weichen. Er hatte sich den Haß Napoleons zugezogen. Dieser äußerte sich bei den Verhandlungen zu Tilsit in einer Weise über ihn, die einer Achtung gleich kam: „Ich bin rachsüchtig, ich gestehe es, sagte er, der Baron Hardenberg kann ein achtbarer Mann sein, aber er hat mich be— leidigt, mich und die französische Nation, durch sein Benehmen gegen meine Minister; es ist, als hätte er mich persönlich geohrfeigt!“ Napoleons Befehl verweist ihn 40 Stunden weit vom preußischen Hofe. Am 10. Juli 1807 legt Hardenberg sein Amt nieder und nimmt vom König und der Königin Abschied. Er geht nach Riga und verfaßt dort die Denkschrift, von der unten noch die Rede sein wird. Wer soll nun in der Not helfen? Alles setzt seine Hoffnung auf den Freiherrn von Stein. Die Königin schreibt in einem Briefe: „Wie es uns geht, ist nicht zu glauben. Wo bleibt nur Stein? Dies ist noch mein letzter Trost. Großen Herzens, umfassenden Geistes, weiß er vielleicht Auswege, die uns noch verborgen sind.“ So hatte auch Hardenberg, bevor er abreiste, noch nach einer Unterredung mit dem König und mit dessen Zustimmung an den ehemaligen Finanz- minister geschrieben: „Sie allein, lieber Freund, können in diesem Augenblicke retten, was Preußen bleiben wird; Sie allein können die Leiden lindern, die es zu Boden drücken — Sie werden jeder persönlichen Empfindlichkeit Schweigen gebieten, um der Genug— tuung willen, einen Staat zu retten, dem Sie von Jugend auf Ihre Fähigkeiten gewidmet haben. Sie sind wirklich und wahrhaftig der Einzige, auf den alle guten Patrioten ihre Hoffnung setzen. Würden Sie sich weigern, sie zu erfüllen? Ich derwerfe den bloßen Gedanken“ Stein lag am schweren Wechselfieber krank danieder, als ihn dieses Schreiben mit dem Rufe seines Königs traf. Er antwortete, er befolge die Befehle Sr. Majestät unbedingt. „In diesem Augenblick all— gemeinen Unglücks wäre es sehr unmoralisch, seine eigene Persönlichteit in Anrechnung zu bringen, um so mehr, da Eure Maiestät einen so hohen Beweis von Standhaftigkeit geben.“. So wurde ihm am 3. Oktober 1807 die Oberleitung der gesamten Zivilangelegenheiten in einem Umfange übertragen. wie das in Preußen