48 noch nie geschehen war. Diese Zeit ist es, in der Stein die Epoche der unvergleichlichen Reformarbeit einleitete. Doch schon nach Jahresfrist mußte er abermals von seinem Posten weichen. Er galt als sichtbares Haupt der gegen Napoleon gerichteten unsichtbaren Partei. Napoleons ganzer Haß traf ihn. Der König muß sich entschließen, seinen großen Minister zu entlassen. Er gibt ihm am 24. November 1808 das Abschiedswort auf den Weg: „Es ist gewiß ein höchst schmerzliches Gefühl für mich, einem Manne Ihrer Art entsagen zu müssen, der die gerechtesten Ansprüche auf mein Vertrauen hatte und der zunächst das Vertrauen der Nation so lebhaft für sich hatte. Auf jeden Fall müssen Ihnen diese Betrachtungen, sowie das Bewußtsein, den ersten Grund, die ersten Impulse zu einer erneuten, besseren und kräftigeren Organisation des in Trümmern liegenden Staatsgebäudes gelegt zu haben, die größte und zugleich edelste Genugtuung und Beruhigung gewähren.“ So schied der Minister von Stein zum zweiten Male, und nun für immer aus dem Staatsdienste Preußens. Der Minister Altenstein trat an seine Stelle. Wohl wäre dardenberg mit seiner gewandten und geschmeidigen Art der geeignete Mann gewesen, das Fahrzeug durch die Klippen und die Stürme der Zeit zu steuern. Doch noch immer steht er im Zorne Napoleons. Erst nach zwei Jahren gelingt es, diesen von Hardenbergs Loyalität zu überzeugen, so daß er am 18. Mai 1810 an seinen Minister, den Grafen Saint-Marsan, verfügt, er solle die Wiederberufung Hardenbergs ins Ministerium dem Könige von Preußen gegenüber gutheißen, wenn er glaube, daß dieselbe den Interessen Frankreichs förderlich sein werde. Vor allem rechnete Napoleon darauf, daß Hardenbergs Geschicklichkeit neue Geldquellen erschließen und daß er reichlicher zahlen werde, als das bisherige Ministerium. So wurde Hardenberg am 4. Juni 1810 zum Staatskanzler ernannt und übernahm nun als solcher die Leitung des Staates Nun erst werden nach einer Zwischenzeit des Hin- und Her— schwankens die von Stein begonnenen Reformarbeiten weiter und zu Ende geführt. — Doch nun zur Sache selbst. Den Grundgedanken Steins, auf dem alle seine Reformen be— ruhen — die Weckung des Gemeingeistes im Volke — ersehen wir sehr gut aus einem Schreiben über die innere Verwaltung vom Jahre 1807. Es galt ihm, einen sittlichen, religiösen, vaterländischen Geist in der Nation zu entzünden, ihr wieder Mut, Selbstvertrauen, Bereitwilligkeit zu jedem Opfer für Unabhängigkeit von Fremden und für Nationalehre einzuflößen, und dann die erste günstige Gelegenheit zu ergreifen, um den wagnisvollen Kampf zur Befreiung des Vaterlandes beginnen zu können. In diesem Sinne ergriff und führte er das Steuerruder des Staatsschiffes, als er im Oktober 1807 kühn auf seinen Posten trat.