— anderen höheren Beamten drohte. War es doch z. B. dem Minister Schrötter bei seiner mehr altpreußischen, friderizianischen Auffassung hon Staate anfänglich ein unfaßbarer Gedanke, daß die Stadtverord⸗ neten sich „ohne Vorwissen und Auftrag der vorgesetzten Behörden“ lediglich auf Einberufung ihres Wortführers sollten versammeln können. Nur eine durchgreifende Energie, wie die des Reichsfreiherrn, konnte hier den Gedanken der wirklich freien Selbstverwaltung durch alle die Klippen der ängstlichen Besorgnisse hindurchretten. Aber noch andere Widerstände waren zu überwinden: Wie wir sehen werden, erfaßte das Bürgertum in seinen weiten Kreisen überhaupt nicht, welches Geschenk ihm in den Schoß gelegt werden sollte. Man verhielt iich bei völlig ermattetem Gemeinsinn zunächst gleichgültig und sogar ablehnend. Das alte Beamtentum aber war ebenfalls nicht fähig, die Neuord— nung zu verstehen und klagte über die republikanischen Grundsätze der Städteordnung. Der heftigste Widerstand kam jedoch von seiten des Adels, der bei der Neuordnung der städtischen wie auch der bäuerlichen Verhält⸗ nisse am meisten von seinen grundherrschaftlichen Machtbefugnissen verlor. Hier wurde von Männern, die sonst — das Vaterland hinzugeben, nach Kraften gegen das „Natterngezücht“ der Reformer und ihre „jakobinischen Neuerungen“ Front gemacht. In der Tat, wie lag doch eigentlich alles beim Gelingen des Werkes an der tiefgehenden Energie von wenigen ideal gesinnten kühnen Männern, allen voran des unerschütterlichen titanischen Reichsfreiherrn. Drittes Kapitel. Die Schöpfer der Städleordnung: Freiherr von Stein und Frey. Wir haben nun noch nachzuholen, was wir im vorigen Kapitel bei⸗ seite gestellt hatten: uns einen überblick über äußeres Leben und Art der beiden Schöpfer der Städteordnung zu verschaffen. Beide Männer feiern jetzt mit und in ihrem Werk ebenfalls ein Jubelfest. Es ziemt sich, daß wir uns ihrer dankbar erinnern. Wenn wir zunächst beim Freiherrn von Stein beginnen, so wollen wir uns vor allem ein Bild von seiner Denkweise, von seinem Cha— rakter und Wesen zu entwerfen suchen, dagegen weniger genau auf sein außeres Leben eingehen. Freilich von ihm besitzen wir nicht wie von anderen großen Deutschen, von Bismarck, von Goethe, jene Fülle köstlicher Briefe, die uns den ganzen Reichtum ihres Innern deutlich zeigen. Stein, der Mann der Tat und steten Wirksamkeit, ist überhaupt sehr sparsam in Äußerungen seiner Gefühle und seines inneren Emp—