82 und Mutigerer erschienen, als in unserer Newaburg: auf seinem Antlitz, in seiner Gebärde und Rede, in Schritt und Tritt schien er wie von rischer Jugendkraft neu durchschossen und mit einem Glanze des Mutes und der Hoffnung durchleuchtet und umleuchtet, daß ich alle seine kleinen nitspielenden Zufälligkeiten, sein schon ergrautes Haar, seine durch Po— dagra zuweilen gehemmten und gekürzten Schritte darüber vergaß. Mit olchem Glanz und solcher Frische durchschritt er die Säle der Fürsten und die Paläste der Knesen, jetzt schon gleich einem glücklichen trium— phierenden Sieger. Ich habe ihn freilich mit dem Kaiser nicht gesehen — so hoch reichte in Petersburg meine Kleinheit nicht — aber ich kann doch zeichnen, wie er in der Gesellschaft von Prinzen und Bojaren sich trug, wo er oft fröhliche Abende beim Teetisch zubrachte, und wo ich unter andern mitsitzen durfte. Man kann sich kaum vorstellen, und wenn man ihn in päteren Jahren wiedersah, konnte man seiner eignen Erinnerung kaum trauen, mit welcher Leichtigkeit und Witzigkeit dieser ernste, strenge Mann durch seine Gespräche und Einfälle auch die Freude schöner Frauen sein konnte, oder vielmehr, wie schöne Frauen —DOD— Endlich war eine große Entscheidung gekommen, die Mordschlacht bei Borodino an der Wiäsma war geschlagen; obgleich als ein Sieg verkündigt und mit Pauken und Trompeten und mit Geläut von gllen Türmen gefeiert, von den Russen verloren, und bald von Jedermaͤnnig⸗ lich als eine verlorne Schlacht erkannt worden. Und nicht lange — so erklang die Botschaft, Rostopschin hat Moskau in Flammen aufgehen lassen, und Napoleon ist in den Kreml eingezogen. Wenn aber die Borodiner Schlacht und der alten Hauptstadt Brand die Herzen erschütterte und Millionen Beine und Zungen in Bewegung setzte, stand mein Ritter fest und unerschütterlich da. Nie habe ich ihn frischer und rüstiger gesehen als in diesen entscheidenden Wochen. Auch daiser Alexander stand und hielt fest, wieviel auch an solcher Stellung zezupft und gerüttelt werden mochte. Ich habe nicht mitgesessen im innern Rat und weiß nicht, wieviel er sich auf Steins Mut und Tugend gestützt hat; genug, trotz aller Neigungen und Senkungen nach der andern Seite hin und trotz Napoleons Sendungen, Friede ward nicht geschlossen, und endlich kam eine Freudenbotschaft nach der andern, daß der große Überzieher der Völker und Durchzieher der Länder mit seinen Heerhaufen durch Eis und Schnee einige hundert Meilen von Osten gegen Westen die Rückreise angetreten habe. Hier stehe nun eine Er— zählung, welche mir der Minister Graf Uwaroff nach dem Erlebnis eines kaiserlichen Freudengastmahls gemacht hat, bei welchem Steins Mut und Kühnheit alle Russen zum Erschrecken und zur Bewunderung hin— gerissen hat. Die alte Herrin und Kaiserin, die sonst so stattliche Württembergerin, hatte sich dort auch erhoben, jetzt bei der Nachricht von dem Rückzuge