halb deffelben Volkes verloren geht. Dabei ift e8 ganz unerheblidh, daß
Baumftark durch eine unfchwere Vermehrung der von ihm ausgebeuteten
hiftorifhen Werke die Summe feiner Notizen hätte vergrößern Fönnen.
Allerdings muß zugefianden werden, daß in diefer Beziehung die moderne
 Sefchichtfchreibung nur das Urtheil wiederfpiegelt, welches insgemein
6i8 in die neuefte Zeit hinein über die QYualification »hiftorifh wichtiger«
Thatfachen im Leben gegolten hat; ja man Fann fagen, fie ftand unter dem
Banne deffelben. Selbft in dem »materiellen« Frankreich ftarb noch in dies
fem Jahrhundert der Verfaffer der Histoire des Frangais des divers Stats,
YUmand Aleris Monteil, ein viel größerer Sefchichtsforfcher als mancher
bielbetunderte Häuptling, in unbeachteter Armuth. Aber ein paar Yahrzehnte
 haben jenes Urtheil umgeffaltet und e&amp; wird nicht [Anger verabfäumt
werden dürfen, einen jeßt in feiner Wichtigkeit erkannten Einfhlag auch in
die allgemeingefchichtliche Darftellung zu bringen, der gar wohl geeignet ift,
nicht bloß böfe Lücken auszufüllen, fondern auch an mancher Stelle die feitz
her gewonnenen NMefultate bedeutfam umzugeftalten. Freilich wird fich vor:
erft die Ueberzeugung allgemein Bahn brechen müffen, daß das Studium
der politifchen Dekonomie für den Hiftoriker ganz unerläßlich iff. Hätten
die deutfchen Sefhichtsforfcher, denen wir fo vortrefflihe Monographieen,
3. B. über manche Punkte des mittelalterlichen Lebens, verdanken, eine ebenfo
fharfe Yufmerkfamkeit für die wirthfchaftlichen BVerhältniffe gehabt wie für
bie rechtlichen, mit derfelben Feinheit und Sicherheit den Caufalnerus Skonos
mifcher Dinge herausgearbeitet, wie fie die Functionen Heinerer Lebensfreife
organifch dem politijhen Gefammt£örper einfügten, ihre bereitwillig anetz
fannten Leijtungen würden doppelten und dreifachen Dank verdienen. Ich
überfehe nicht, daß e8 neben den Merken, an welche wir uns zunächft erinnern,
wenn von den Leiftungen der Sefhichtfhreibung in unferer Zeit die Nede
ff, allerdings eine Neihe von Schriften giebt, welche fi auf ausgedehnterem
Sebiete die gefonderte Darlegung volkswirthfchaftlicher Zuftände oder von
Sebensverhältniffen, die mit ihnen im unmittelbarften Zufammenhange ftehen
oder fie als einen ausdrücklich heroorgehobenen Theil der Darftellung umfchlie:
Ben, zur eigentlichen Aufgabe gemacht haben; es beweift aber hinlänglich die
Stelle, welche jene Zuftände fammt ihrer Entwicklung für die Sefchichtfehreis
bung in dem Urtheile der Schriftfteller einnehmen, wenn man folche Schriften,
fei e8 gerade wegen des in ihnen behandelten Stoffes, fei e8 weil fie Zuftände
[childern wollen und nicht Entwikungen vorzuführen (heinen, entweder ganz
von der SGefchichtfhreibung ausgefchloffen oder zu derfelben nur in ein gewiffes
BVerhältnif gefeßt und als Statifktiken abgefondert und verfelbftftändiat hat 1).

an

) Val. meine Schrift: Die Statiftik als felbftftändige Wiffenfhaft, Zugleich ein
Beitrag zu einer Lritifhen Gefhichte der Statiftil feit Xhenwall. Kaffel 1850.