U

unter dem fie leben, auffaffen, wie groß auch immerhin die Einflüffe des
Bodens und des Klimas auf den Charakter der MNölFerindividualitäten ans
gefchlagen werden müffen. Wäre das Gegentheil wahr, fo würde allerdings
die Wirkung des Unterfchiedes in den nationalen Charakteren für die Erwägung
 wirthfchaftlicher Berhältniffe gleichwohl diefelbe bleiben, er würde
nur das Ergebniß einer anderen Urfache fein, al® wir meinen, würde ebenz
forwohl auf Lage und Klima des Landes zurückgeführt twoerden müffen, al
ztrua die Thatfache, daß der MNordländer mehr Nahrungsmittel confumiren
muß, weil er in einer fauerffoffreicheren Atmofphäre weit mehr Kohlenftoff
aushaucht, der Isländer behaglich und gedeihlih enorme Huantitäten von
Tbhran genießt, die wir nicht bloß mit Widerwillen anfehen, fondern auch
gar nicht wlrden verdauen fönnen. Offenbar aber verbleiben auch nach
Abrechnung der gewaltigen Cinflüffe, welche Boden und Klima auf den
Charakter und die GSefchichte der Bewohner eines Landes ausüben, Feine
gleiche Größen zurück. Iene Kräfte beftimmen, hemmen oder begünftigen
nur im Allgemeinen, fie entfheiden aber Feineswegs aud) die SGeftaltung
und Bewegung im Befonderen. Unter fehr ähnlichen Bedingungen des
Bodens und des Klimas, hin und wieder fogar unter denfelben, erhalten fidh
die nationalen Charaktere der Völker in unvermifchter Selbftftändigkeit, in
dauernder Eigenthümlichkeit; der nationale Charakter des Menfchen bleibt
areennbar audh nach einem Wechfel des Territoriums und des Klimas; er
wandelt fich nicht in die Eigenthümlichteiten etwa degjenigen, der bei dem
früher denfelben Boden bewohnenden Wolke erkenntlich mar; wie er fi in
den Zeiten der Einwanderung eines Bolkes in ein neues Territorium, unter
zine andere Sonne zeigt, fo wird er auch noch manches Jahrhundert fpäter
erkannt. Sit der nationale Charakter des Sermanen und des Romanen
in Amerika mindeftens eben fo gut erfichtlich wie in Suropa, fo ertennen
doch auch wir nicht bloß in den alten Bewohnern Germaniens unfere Bor:
yäter, felbft der Franzofe fühlt fich in den älteften, der Cigenliebe nicht in
Allem fchmeichelnden Denkmalen feiner Landesgefchichte zu Haufe und vers
feugnet nicht die Berwandtfhaft des Blutes 1). Ja wir gewahren fogar,
daß, wie wenig auch irgend ein Volk die beftimmenden Einflüffe des Bodens
und des Klimas überhaupt aufheben Fann, doch gerade in der Art, wie es
fi zu diefen Bedingungen feines Dafeins ftellt, die nationalen Unterfchiede
fcharf hervortreten. Und beruht nicht felbft auf ber rein phnfifchen Sigens

\ Je ne sais, mais en tracant les r6cits de ce long ouvrage, plus d’une
fois je me suis arrete d’emotion; plus d’une fois jai cru voir passer
devant mes yeux l’image d’hommes sortis d’entre nous; et j’en al conclu,
 que nos bonnes et nos mauvajses dispositions ne sont point, nees
d’hier sur cette terre, ol ‚nous les laisserons. X. Zbierrn am Schluffe
ber Histoire des Gaulois,